Hamburg Marathon 2011

Nun ist er schon Geschichte, mein zweiter Marathon.

Wieder Hamburg, wieder tierisch warm. Schon vor dem Start war es so warm, dass man in T-Sirt und kurzen Lauftight im Startblock gestanden hat und dabei nicht mal einen Hauch von Frische gespürt hat.

Weitere Parallelen zum ersten Marathon: Ich habe die Nacht vor dem Marathon schlecht geschlafen, trotz gutem Hotel, und ich hatte wieder Lampenfieber. Ja, ich gebe es zu, ich bin einfach keine coole Sau, ich war zum Start ganz schön aufgeregt.

Der Start selber wieder Gänsehautfeeling pur, einfach Wahnsinn in einem Heer von tausenden von Läufern zu stecken, das sich langsam in Bewegung setzt. Mich beeindruckt das sehr, habe dabei fast etwas feuchte Augen gehabt.

Dann aber auch gleich die erste Ernüchterung, vom Start weg spürte ich einen Schmerz in der linken Waden, der mir schon die letzten zwei Wochen zu schaffen gemacht hatte. So habe ich mich entschlossen von vornherein auf „Reserve“ zu laufen. Vor mir waren die 4:15 Std-Tempoläufer, diesen bin ich dann gefolgt. Aber proportional zu den steigenden Temperaturen sank mein Tempo und so mußte ich irgendwann jenseits der 30 km-Marke die Tempoläufer ziehen lassen.

Zwischendrin beeindruckte mich immer wieder das begeisterte Publikum am Wegesrand. An manchen Stellen engten sie die Laufstrecke so sehr ein, dass man quasi Spalier durch die anfeuernden Massen gelaufen ist. Da drohten schon wieder die Augenwinkel feucht zu werden und das nicht vom Schweiß.

Die Wärme machte unendlich durstig, die 0,8 Liter meines Laufgurtes, waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein. An manchem Getränkestand habe ich gleich zwei Becher Wasser in mich hinein geschüttet.

Nach 35 km dann so langsam Probleme mit den Laufwerkzeugen, zu meiner Überraschung schmerzten beide Knie, die Waden waren steinhart (wobei die linke Wade tapfer durchhielt) und auch die rechte Hüfte meinte sie müßte ihren Senf noch dazugeben. Konditoniell war aber alles ok.

Zwischen KM 39 und 40 dann doch die erste Gehpause und auch die Gedanken sind wieder da: Warum machst Du das ganze? Die letzten zwei Kilometer steter Wechsel zwischen Laufen und Gehen.

Aber dann auf der Zielgraden nochmal alle Kräfte gesammelt und gelaufen. Getragen von einer plötzlich aufkommenden Euphorie gelingt mir noch ein Schlußsprint. Verrückt wie sich die Stimmung auf den letzten Minuten komplett umkehrt. Die letzten zwei- dreihundert Meter hätte ich vor Begeisterung und Glück die Arme hochreißen können. Das habe ich dann beim Überqueren der Ziellinie getan. Totales Glücksgefühl, innerer Jubel. GESCHAFFT!!! JA, ich habe es GESCHAFFT!!!

Und das schöne ist, man kriegt stundenlang das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, einfach wunderbar!

Achja: Die Zielzeit 4:23:01. Etwas langsamer als gehofft, aber angesichts des sehr warmen und schwülen Wetters und der zickenden Wade bin ich völlig zufrieden.

Ein besonderer Dank geht noch an Nicole und Erika. Nicole ist die Freundin meines Freundes Andre, der seinen ersten Marathon gelaufen ist und Erika die Frau von Torsten, Andre`s Laufpartner. Die beiden sind mit der U-Bahn durchs ganze Stadtgebiet geflitzt um gleich mehrmals an der Strecke zu stehen um die beiden und auch mich anzufeuern. Ein tolles Gefühl! Danke Euch Beiden!!

Nächstes Jahr wieder? Ich weiß es noch nicht. Kann sein, eventuell, mal sehen…. Ganz bestimmt!

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12 Kommentare zu “Hamburg Marathon 2011

  1. Hallo, Marathoni, du hast es geschafft, hast dich tapfer geschlagen trotz aller Widrigkeiten, und das Glücksgefühl, das dich überfällt, wenn du im Ziel ein läufst, kann dir keiner mehr nehmen, dann spielen Zeiten eine untergeordnete Rolle.

    Glückwunsch , erhole dich gut.

    Hamburg ist toll, in meinen Augen das beste Publikum, das man sich bei einem Marathon wünschen kann.

    ciaoooooooooooooo 8)

  2. Margitta, vielen lieben Dank!

    Ich habe ab heute zwei Wochen Urlaub, die werden zum Erholen hoffentlich reichen… Nein, im Ernst, heute ist schon alles gut. Meine Beine lassen die Anstrengung noch spüren (aber nicht über Gebühr) und das dürfen sie auch.
    Selbst die linke Wade mault heute nicht mehr als gestern.

    Das Glücksgefühl ist auch heute noch da. Ich reagiere halt sehr emotional, ist halt so. Ich geniesse es.

    Ja, wer denkt das von den unterkühlten Hanseaten? Deshalb darf es beim nächsten Mal wieder gerne Hamburg sein. Paßt mir allerdings auch zeitlich einfach am besten.

    LG Volker

  3. Jaaaaaaaaa! Geschafft! Wen stört angesichts der Bedingungen, dass die Zeit nicht wie erhofft ausfiel. Du hast allen Zweifeln und Problemen getrotzt, den Lauf durchgezogen und dich vom tollen Publikum mit ins Ziel tragen lassen – so soll es sein!

    Gute Erholung in den zwei freien Wochen – der Stolz und die Freude über das Erreichte tragen sicher dazu bei!

    LG,
    Anne

    • Jau, ich gebe zu Stolz ist schon mit dabei, trotz der Widrigkeiten den Lauf durchgezogen zu haben. Allerdings hatte ich auch keine Minute ans Aufhören gedacht. Jetzt freue ich mich über die freien Tage und darauf in den kommenden Tagen ganz relaxt meine nächste Runde zu drehen.

      LG Volker

  4. Gratuliere Volker, bei den äußeren Bedingungen kann schon ein längerer Trainingslauf schwierig sein, deshalb freu Dich ob Deiner Leistung und verbuch es als weitere Erfahrung. Erhol Dich gut

    Salut
    Christian

  5. Vielen Dank, Christian.
    Der Erfahrungsschatz wächst mit jedem Lauf, aber mit solchen ganz besonders. Ich werde meinen Urlaub entspannt geniessen.

    LG Volker

  6. Wie? Zeit nicht wie erhofft? War das eine neue persönliche Bestzeit oder war das eine neue persönliche Bestzeit?? 😉 Siehste 🙂

    Glückwunsch zum finish und zum „zähne-zusammen-beißen und durchziehen“

    LG Carsten

  7. Hallo Carsten!

    Es war eine neue persönliche Bestzeit!! und ich bin auch sehr glücklich damit.
    Danke für den Glückwunsch:-))

    LG Volker

  8. Glückwunsch zum Durchhalten. Das war bei den äußeren Bedingungen auch nicht jedem gegönnt. Bestzeiten kannst Du immer noch laufen.

    Gruß von der coolen Sau! 😉
    (jedenfalls vor dem Start)

  9. Danke, Gerd. Wir können uns gegenseitig gratulieren.

    Nein, auch in Hamburg hat es jede Menge Ausfälle gegeben. Selbst im Ziel im Runnersvillage wurden noch einige auf Tragen abtransportiert. Das kann einen schon nachdenklich machen. Oder andersherum gedacht: Was ist man selber doch für ein harter Hund!:-)

    Gruß an die coole Sau;-)

  10. Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Marathon! Ich habe einen ganz großen Respekt vor Deiner Leistung. Nun hast Du Dir eine gute Erholung verdient. 🙂

    • Ich danke Dir, Bernd!
      Ja, nun ist Erholung angesagt, ich breche gleich auf zu einer Stunde Indoor-Cycln:-)

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