Laufjunkie auf Entzug

Am 24.06.2011, also genau vor 11 Tagen, habe ich mir beim  Lauf zu Schwiegermuttern ein läuferisches Eigentor geschossen.

Trotz einer leichten Vorschädigung im Bereich des vorderen Unterschenkels beim Indoor-Cyceln drei Tage zu vor habe ich mich auf die 21 km lange Strecke zu meiner Schwiegermutter gemacht um dort anschließend noch Sand zu schaufeln.

Nach gut 5 km bekam ich leichte Schmerzen, die sich über die folgenden Kilometer kontinuierlich steigerten. Aber da ein echter Indianer bekanntlich keinen Schmerz kennt, bin ich weitergelaufen. Bis zwei Kilometer vor dem Ziel nichts mehr ging und ich meinen Lebensgefährten via Handy bitten mußte mich abzuholen.

Das war an einem Freitag. Samstag und Sonntag habe ich mich geschont (ein kurzer Weg von ca. 50 m zum ausnahmsweise mal nicht vor dem Haus stehenden Auto war schon die Hölle).

Montags hatte ich wichtige unaufschiebbare berufliche Termine und war den ganzen Tag auf den Beinen. Die Folge: Dienstags war dann Aus die Maus.  Knöchel und Teile des Unterschenkels waren geschwollen und es tat nur noch weh.

Der Sportmediziner und Orthopäde meines Vertrauens steckte mich in einen Zinkverband, verschrieb mir magenunfreundliche Tabletten, die die Schwellung lindern sollten und schrieb mich drei Tage krank. Das war mir hochnotpeinlich. Aber da ich im Außendienst tätig bin und ich kaum noch laufen konnte ging da kein Weg dran vorbei.

Soweit die Vorgeschichte. Heute ist der Zinkverband weg, die Schwellung weg, der Schmerz noch nicht ganz weg. Ich arbeite wieder. Nur mit Laufen ist noch nicht. Bis mindestens Ende dieser Woche hat der Onkel Doktor gesagt.

UND DAS IST MEIN PROBLEM! ICH BIN AUF ENTZUG!

Da ich zu Schonungszwecken auch kein Alternativprogramm à la Radfahren oder Spazierengehen machen kann, ist das von 100 auf 0. Ich merke, dass ich unzufrieden bin, merke das ich unausgelastet bin, merke wie sehr mir die Bewegung fehlt…

Ja, ich weiß, andere laufen weiter, schneller, höher… Für die wär das noch schlimmer.

Ja, ich weiß, es ist keine schwere Verletzung und es dauert auch keine Ewigkeit…

Ja, ich weiß, dass ich selbst Schuld bin, da ich nicht auf meine Körpersignale gehört habe…

Ja, ich weiß, dass ich quengelig bin.

Aber nun,  was tut man in Zeiten allerschlimmster Not?: Positiv denken!

Positiv z. B. die Aussage meines Sportarztes, dass es ein tolles Körpersignal ist, wenn einem der Sport fehlt. Ebenfalls positiv, dass ich mich via Internet über Harzläufe informiert habe und jetzt nur noch hin und her schwanke, ob ich am 03.09.2011 den Brockenlauf über 26 km laufen soll oder es sicherheitshalber mangels Bergerfahrung beim Harz-Gebirgslauf von Wernigerode über nur 21 km am 08.10.2011 belassen soll. Positiv, das der innere Schweinehund keine Chance hat, die Zwangspause zu nutzen, um mich wieder zum Couchpotato zu machen. Positiv, das ich die Geduld habe, zu warten bis ich wirklich wieder komplett schmerzfrei bin.

Positiv, das ich eine unbändige Lust auf Laufen habe!!

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13 Kommentare zu “Laufjunkie auf Entzug

  1. Lieber Volker, ich wusste es, und ich freue mich darüber, dass du Entzugserscheinungen hast, nicht, weil ich es schön finde, dass du derzeit leider außer Gefecht bist, sondern, weil sich meine Vermutung natüüüüüüüüürlich bestätigt.

    Du hast Zeit, darüber nachzudenken, was du falsch gemacht hast
    Du hast Zeit, darüber nachzudenken, wie schön Laufen doch ist
    Du hast Zeit, darüber nachzudenken, was du tun kannst, wenn alles vorbei ist
    Du kannst in Zukunft nur alles besser machen.

    Plane nicht, lebe, wenn du wieder fit bist, laufe, und dein Körper wird dir sagen, was er haben möchte und was nicht…….

    Positiv denken, heißt die Devise, halte durch, freue dich auf den Tag, an dem du wieder kannst/darfst, ich freue mich dann mit dir – versprochen – halte durch !! 8)

    • Ja, meine liebe Margitta, hast Du an was anderes geglaubt?

      Nachdenken soll ja nie verkehrt sein. Vielleicht kommt ja noch die Erleuchtung entgegen des männlichen Egos etwas eher die Vernunft walten zu lassen.

      Och, etwas Planen (Harz) hat auch mit Vorfreude zu tun. Zuviel der Planung ist aber eh nicht mein Ding. Auch in meinem zarten Alter habe ich schon erkannt, dass es eh anders kommt und somit nicht unbedingt was bringt.

      Ich habe allen Grund positiv zu denken, schließlich habe ich kein Gipsbein… Ich freue mich auf den Tag, wo ich Dir sagen kann, dass ich wieder laufe. Es ist so schön Freude zu teilen:-)

  2. Oh weh, das zieht sich ja auch bei dir in die Länge mit der Laufpause! 😦
    Margittas Worte kann man auch ganz kurz fassen: Geh in dich, tue Buße – und (lauf-)sündige fortan nicht mehr, indem du in einen Schmerz hineinläufst. 😉

    Man ist ja immer geneigt zu denken, das „Aua“ sei schon nicht so schlimm – prompt verpasst der Körper einem die Quittung! Aber du hast es ja (hoffentlich) bald hinter dir mit der Pause – und dann freue ich mich mit dir über die ersten beschwerdefreien Runden. 8)

    Liebe Grüße – denk weiter positiv, das wird!
    Anne

    • Du trägst das Gewand von Gevatterin Tod und ich das Büßerhemd. Wir sollten gemeinsam zum nächsten Kostümfest gehen:-)

      Liebe Anne, im Vergleich zu Dir werde ich ja nur kurz pausieren. Dir gebührt das grosse Lob fürs Durchhaltevermögen und Positivdenken.

      Wünschen wir uns beiden beschwerdefreies Laufen!

  3. „Aber nun, was tut man in Zeiten allerschlimmster Not?: Positiv denken!“
    Quatsch! Jammern, meckern, zetern und Ausheulen bei Leuten, die Dich verstehen, hilft (mir zumindest)! UND postitiv denken, ok. 😉

    Weiterhin gute Besserung!

  4. Ach, liebes Evchen, wem soll ich denn die Ohren volljammern, es versteht mich doch eh keiner. Von einer Handvoll lieber Bloggerfreunde abgesehen!

    Also lieber doch wieder am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen und positiv denken.

    Danke Dir!

  5. Hallo Deichläufer,

    ich bin auch auf Entzug. Laufentzug ! Aber wenn du Margitta kennst, dann wird sie dir bestimmt schon gesagt haben, dass du dir vielleicht etwas zu viel zugemutet hast. Da müssen wir alle durch. Ich gerade wieder jetzt… gemeinsam mit meiner Frau Laufen gewesen, aber leider tat mir meine „Wade der Nation“ wieder weh….. Also drufte ich die letzten 5 Tage mit dem Rad nebenher fahren. Heute würde es wieder gehen ??? -…..

    • Hallo Ironschroedi,

      herzlich willkommen auf meinem Blog. Laufentzug, das hätte mir vor Jahren einer sagen sollen, dass ich mal Sport vermissen werde. Ich hätte ihn total für verrückt erklärt. Deine Frau läuft auch? Das ist klasse, wenn man mit seinem Partner zusammen Sport machen kann. Mein Lebensgefährte schwimmt ja leider und Wasser ist mir einfach zu naß;-)

      Wade der Nation… auch nicht schlecht. Solche Heldentitel habe ich bislang noch keinem meiner Körperteile verliehen:-) Aber Du konntest wenigstens noch Fahrradfahren.

      Seit gestern bin ich wieder komplett schmerzfrei. Ich werde aber noch wenigstens zwei oder drei Tage warten, bis ich ein kleines Testläufchen wage. Ich drück Dir die Daumen, dass es bei Dir auch wieder losgehen kann.

      LG Volker

      • Die Wade der Nation kommt nicht von mir so hiess das Ding vom Ballack immer, wenn er nicht spielen konnte 🙂

        Naja aber nebenher fahren, wenn meine Frau läuft ist nicht wirklich schön…. Samstag versuche ich mein Glück wieder. Heute noch mal rad und dann sollte es klappen…..

      • Ah, ok. Sorry, ich habs nicht so mit Fußball;-) Samstag oder Sonntag will ich es auch wieder versuchen. Drücken wir uns die Daumen!!!

  6. Hallo Volker,

    na das wird ja ein Fest werden, wenn du wieder laufen kannst. Noch vor wenigen Jahren hätte ich nur mit dem Kopf geschüttelt, hätt mir jemand die Ohren voll geheult, dass er nicht laufen kann…
    Mittlerweile kann ich Dich sehr gut verstehen, daher habe dir auch einen Rat. Schone Dich bis du wirklich schmerzfrei bist, und dann gehe es langsam wieder an. Der Harzlauf ist ein schönes Ziel, … für nächstes Jahr.

    Grüße und gute Besserung vom -timekiller-

  7. Hallo Heimo!

    Es wird ein kleines Fest, weil es auch nur ein kleiner, sprich kurzer, Lauf werden wird. Aber die Vorfreude ist schon groß.

    Ja, das mit dem Kopfschütteln kann ich nicht nur unterschreiben sondern ich hätte sicher noch einen blöden Spruch obendrauf gepackt. Aber der Mensch ist ja zur Einsicht fähig (zumindest manchmal und ab und zu sogar ich selbst)

    Danke, lieber Heimo, für den Rat. Den habe ich mir auch schon selber gegeben und beherzige ihn bis dato eisern. Seit gestern bin ich komplett schmerzfrei, werde aber noch ein paar Tage warten mit dem Wiedereinstieg beim Laufen.

    Mein Doc hat ja keine ernsthafte Verletzung festgestellt, deshalb halte ich den Harzplan erstmal aufrecht. Bis dahin ist es noch ein Vierteljahr, das müßte wohl hinhauen.

    Danke für die guten Wünsche und Grüße zurück aus Deiner Urlaubsregion Oldenburg

    Volker

  8. Pingback: Waschküche | dankvolker.wordpress.com

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