Gibt es eigentlich Wetterlagen wo ich nicht laufen möchte? TEIL II

Der Rainer hat es mir nach Teil I meines Artikels prophezeit: Outet man sich einmal als jemand, der lieber im Schaukelstuhl lümmelt als bei Schneeregen und Graupel laufen zu gehen, so ist  man sich des Aufschreis der versammelten Bloggerszene sicher und steht kurz davor vom Läufer zum Gelegenheitsjogger degradiert zu werden 😉

Trotz aller Hinweise, dass ich an dem Tag eh nicht laufen wollte, sah ich mich doch genötigt Ruf und Ehre wiederherzustellen und bin heute um 16:00 Uhr laufen gegangen. Und zwar ohne Rücksicht auf das Wetter.

Von der Tatsache abgesehen, dass es etwas später geworden ist, schätzungsweise kurz vor Halffünf, habe ich mich auf die Piste gemacht. Da es STARK REGNETE habe ich es vorgezogen, mit dem Auto den Weg an die einsame Hunte anzusteuern. Dort gibt es keinen Autoverkehr, der mich blendet und gefährdet. Auf dem Parkplatz angekommen, goss es in Strömen. Das Autothermometer zeigte 5 Grad. Im Internet wurde vor Sturmböen der Stärke 9 gewarnt. Der Wind rüttelte und schüttelte am Auto. Also habe ich im Auto Garmin, Blinkarmbänder, Basecap und Stirnlampe angelegt und dann raus.

Das Regenradar um 16:30 Uhr

Der Wind pfiff gewaltig, schon bemerkte ich, das ich lieber eine Mütze bis über die Ohren hätte aufsetzen sollen, die hatte ich aber nicht dabei, dafür kramte ich aus den Taschen der Windbreakerjacke meine dünnen Laufhandschuhe, da der Wind in Verbindung mit der Nässe eiskalt war.

Nach 200 m waren die Füße patschnass. Nach ca. 600 bis 700 Metern hörte der Regen auf und nach einem Kilometer drehte ich voll in den Wind, wow das war ein herrliches Geaste, bis ich schließlich den Wind wieder von der Seite hatte.

Gerade als ich dachte, dass es wohl doch nur ein besserer Sissi-Lauf werden würde, verschwand der Mond hinter dicken Wolken und es wurde pechschwarz. Dann fing es für die letzten 3,5 km erneut an zu giessen als gäbe es kein Morgen mehr. Solange ich den Wind voll von der Seite bekam, mußte ich mir das Ohr zuhalten, da der Wind brutal hineinpfiff und ich leider das Problem kenne, dass das Ohr dann am nächsten Tag zumacht.

Dann gab es einen Kilometer kräftig schiebenden Rückenwind bevor ich für den letzten Kilometer nochmal voll in den Wind drehte. Der Regen peitschte ins Gesicht, die nackten Unterschenkel (als harter Kerl trug ich natürlich nur Dreivierteltight) fühlten sich wärmer an als die Oberschenkel unter dem klitschnassen Stoff.  Der nasse Asphalt hob sich deutlich gegen das Schwarz der Umgebung ab. Auf den letzten paar hundert Metern war der Wind so stark, dass er mich mehrmals etwas aus der Laufrichtung drückte und ich fast zum Stillstand gezwungen wurde.

Dann war ich nach guten 10 km wieder am Auto. Klitschnass und HOCH ZUFRIEDEN zog ich mich auf dem Beifahrersitz in der Enge meines Kleinwagens um. Draußen war daran garnicht zu denken.

Die dürfen erstmal gründlich trocknen

Auch jetzt noch, während ich diese bedeutungsvollen Zeilen niederschreibe, peitscht der Wind auf die Dachfenster und gelegentlich knackt der Dachstuhl unter den stürmischen Böen.

Bin ich nun rehabilitiert??? 😉

 

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23 Kommentare zu “Gibt es eigentlich Wetterlagen wo ich nicht laufen möchte? TEIL II

  1. „Bin ich nun rehabilitiert???“

    Ja – jaaaaa – JAAAAAA, lieber Volker! Solche Geschichten von Wahnsinn (oder nennen wir es Heldenmut?) wollen wir lesen! Aber noch viel lieber lese ich natürlich, dass DU hochzufrieden mit dir warst! Das ist nämlich das, was wirklich zählt! 8)

    Ich hätte ja gern ein Foto vom begossenen Pudel … ähhh … Läufer gesehen. Aber gut, ich kann ihn mir lebhaft vorstellen! 😆

    Liebe Grüße, genieß die kuschelige Wärme der eigenen vier Wände (und stopf die Schuhe, falls noch nicht getan, mit zerknülltem Zeitungspapier aus)
    Anne

  2. Das nenne ich eine schnelle Antwort auf meinen Artikel, liebe Anne 🙂

    Hochzufrieden in der Tat. Darüberhinaus: Der Lauf war, sorry die Ausdrucksweise, einfach nur GEIL!

    Fotografieren ging bei dem Unwetter und der Dunkelheit leider garnicht.

    Die Schuhe stehen auf der Heizungsanlage, die Einlegesohlen habe ich rausgenommen, die sind ruckzuck wieder trocken 🙂

    Oh, ich geniesse den Abend, freue mich im Warmen darüber wie der Regen prasselt und der Wind heult.

    Dir auch einen schönen und gemütlichen Abend

    Liebe Grüße
    Volker

  3. Von so einem Lauf lese ich gerne. Zwar war hier heute kein Sturm aber heute Abend bei meiner Runde hat es schön geregnet und die Wege waren voller großer Pfützen, es war ein reines Vergnügen. Mögen Deine Laufschuhe gut trocknen, meine müssen auch trocknen. 8)

    Freundliche Grüße
    Bernd

  4. Hallo Bernd!

    Kein Sturm in Hamburg?? Dann kommt er bestimm noch von uns herüber geweht. Ja, Pfützen waren unendlich viele. Und das schöne ist, wenn man erstmal komplett nasse Füsse hat, braucht man ihnen auch nicht mehr auszuweichen.

    Bis zum nächsten Lauf werden unsere Schuhe wohl wieder trocken sein, ansonsten hat der Läufer von Welt ja noch das ein oder andere Paar mehr 😉

    Liebe Grüße
    Volker

  5. Wow und dann gleich 10 km bei diesem Wetter! Da sag ich nur: Hart – härter – Volker 🙂
    Und ich dachte das Gleiche wie Anne: Ein Foto wäre nett gewesen :-D.
    Nach meiner kurzen Nachricht vor Feierabend bin ich auch noch heftigem Regen und Wind nach Hause geradelt, ich weiß also wie Du Dich gefühlt hast. Achja, wenn man nach Webcam und Oldenburg im Internet sucht, kommen lustige Treffer wie „Hamstercam“ und andere Tierchen 😉

    Läufst Du jetzt eigentlich mit oder ohne Einlagen?

    Liebe Grüße Elke

  6. Das glaubt mir jetzt keiner, liebe Elke, aber ich hätte noch weiterlaufen können, soviel Spaß hat mir dieser „Sauwetterlauf“ gemacht. Aber leider muß ich noch langer Verletzungspause (ich weiß nicht, inwieweit Du da mitgelesen hast) noch vorsichtig sein.

    Was das Nachhauseradeln anbelangt, da hatte ich Glück, da war es gerade trocken zwischen den Schauern.
    Hamstercam? Unter Oldenburg? Wie aufregend! 🙂

    Seit dem Wiedereinstieg nach meiner Verletzungspause laufe ich nur noch mit Einlagen. Bis dato bekommt mir das ganz gut.

    Auch nochmal liebe Grüße
    Volker

  7. „…Dann war ich nach guten 10 km wieder am Auto. Klitschnass und HOCH ZUFRIEDEN zog ich mich auf dem Beifahrersitz in der Enge meines Kleinwagens um. Draußen war daran garnicht zu denken…“

    Sehr schön 🙂

    #BeiGutemWetterKannsJeder

  8. HaHaaaaaaaaaaaaaaaaaaa !
    Ich fasse es nicht !
    Spannung
    bis fast zum Schluss dachte ich
    das wird nichts
    aber es wurde doch
    HACH
    DU BIST REHABILITIERT
    DU HAST ES AM EIGENEN LEIB VERSPÜRT
    WAS ICH DIR SCHON LÄNGST PROPHEZEITE
    WETTER
    WAS IST DAS ?
    Nichts
    (fast) jedes Wetter hat irgendeinen Reiz
    und du hast es scheinbar auch verstanden
    Yippiieieeiieieieieiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii
    HACH !
    BIN STOLZ AUF DICH ! 8)

  9. Pöh, da tut die liebe Margitta so, als wäre ich noch nie bei schlechtem Wetter gelaufen

    „bis fast zum Schluss dachte ich das wird nichts“ So also denkst Du von mir 😦

    „und du hast es scheinbar auch verstanden“ ja, da staunst Du, gelle? Ich bin durchaus noch lernfähig 😉

    Danke für Deine ansteckende Begeisterung. die aus Deiner Antwort förmlich nur so heraus brodelt 🙂 🙂 🙂

  10. Ich war im Vorgängerartikel schon neidisch, aber was soll ich jetzt sagen? Du hast das Glück gepachtet, lieber Volker. Und ich? Ich muß mich mit Sonne abfinden – ein Jammer. Was für ein Jammer. 😦 Gleichwohl gönne ich Dir diesen grandiosen Genuß.

    Alles Gute,

    Marcus

  11. Ach lieber Marcus, die Sonne ist im Dezember doch gut fürs Gemüt. Regen haben wir jetzt schon seit 8 Tagen.
    Ich versuch mal die Wolken in Deine Richtung zu schieben *ächz* 😉

    Wenn gestern zum Lauf noch Hochwasser auf der Hunte gewesen wäre, hätte ich Dir vielleicht sogar das U-Boot-Laufen nachmachen können. Die Hunte überschwemmt jetzt öfter meinen Laufweg auf dem flachen Sommerdeich, um die dahinter liegenden Bornhorster Wiesen zu fluten, die jetzt von tausenden von Wildgänsen bevögelt werden. Das wollte ich eigentlich auch noch in den Artikel geschrieben haben, habe ich dann aber vergessen 😦

  12. Hallo Volker, ich hoffe, du hast inzwischen keine Erkältung. Da hast du dich aber hart rangenommen, um nicht als Weichei verschrien zu werden. Nach diesem Lauf bist du nun über jeden Zweifel erhaben 😆

    Liebe Grüße
    Rainer

  13. *Hust* Ach was, ich hab doch keine Erkältung von so ein bischen Laufen *röchel*

    Nein, im Ernst, heute ist alles gut. Das Risiko einer Erkältung oder Lungenentzündung war es mir allemal wert, wieder rehabilitiert zu sein 😉 🙂

    Liebe Grüße aus dem immer noch regnerischen und stürmischen Oldenburg
    Volker

  14. Pingback: Gewinner « Weinbergschneckes Blog

  15. Mensch Volker,

    Du bist ja ein richtig harter Hund. Damit qulifizierst Du Dich zum „Schlechtwetterläufer“.
    Wenn es bereits Schüttet, bevor ich überhautp loslaufe, kann die Motivation noch so groß sein, da schwenke ich dann doch lieber auf den heimischen Ergometer um.

    Grüße -timekiller-

    • Regen allein schockt mich wirklich nicht, nasskaltes Graupelwetter ist allerdings einfach nur ekelig. Das mein eigenes Laufversprechen mir allerdings gleich so ein Wetterchen beschert hätte ich auch nicht gedacht. Dafür war der Lauf dann wirklich einfach nur geil.

      Wann laufen wir dann zu Weihnachten? Wer weiß, was dann für ein Wetter ist.

      Liebe Grüße
      Volker

      • Hallo Volker,

        ich melde mich per Mail bei Dir. Weihnachten liegt ja heuer Feiertagstechnisch eher ungünstig. Ich hoffe das klappt trotzdem terminlich bei uns beiden.

        Grüße -timekiller-

  16. Gibts bei mir nicht, ich laufe immer. Lästig finde ich nur Gewitter, vor allem im Wald und Gebirge. Naja, und echte Hitze muss ich nicht unbedingt haben 🙂

    • Du läufst immer? Damit bist Du zum nächsten Lauf bei starkem Sturm übers norddeutsche Flachland eingeladen 😉

      Hitze finde ich eigentlich garnicht so schlimm. Gewitter ist mir zu gefährlich und Glatteis ist ein No go für mich. Schaun mir mal, was uns dieser Winter noch so für Wetterlagen bescher 😉

  17. Lieber Volker,
    ein Beitrag nach meinem Geschmack, obwohl ich mich nicht zwingen muss bei solchen Bedingungen raus zu gehen, sondern fast immer solchen Bedingungen entgegen fiebere. Aber schön zu lesen wie Du es genossen hast, Wind und Regen sind einfach herrlich, auch Schnee und Eis haben ihren Reiz, allerdings wird es dann schon schwieriger, aber mit Geduld und wenig Tempo klappt das auch. Auf jeden Fall heiße ich Dich schon mal im „Club“ der Schlechtwetterläufer willkommen, und wie ich schon geschrieben habe, ich freu mich, dass es wieder so gut läuft 😎

    Salut
    C.

    • Lieber Christian,

      „zwingen“ ist sicher auch zu hart formuliert, manchmal hängt die Lust unter allen (wetter-)umständen auch von der allgemeinen Gemütslage.

      Das Laufen auf Glätte habe ich bis dato unterlassen, mein Knorpelschaden im Knie zwirbelt ausgesprochen unangenehm, wenn ich mal ins Rutschen gerate. Aber ich möchte mir jetzt „Schneeketten“ zulegen und gucken wie es damit läuft, dann wäre auch die letzte Ausrede außer kraft gesetzt 😉

      Ich wünsche Dir einen schönen Dritten Advent

      Moin Moin
      Volker

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