Das verflixte siebte Jahr

Ich habe es garnicht gemerkt, erst die Tage fiel es mir ein. Im Januar war es vorbei, mein siebtes Laufjahr. Es war in der Tat ein verflixtes Jahr, wenn man bedenkt, das ich in dem Jahr meine superlange Verletzungspause hatte. Aber trotz dieser extrem Belastungsprobe ist es in diesem -bei Ehen und Beziehungen angeblich so heiklen- Jahr nicht zu einer Trennung zwischen dem Laufen und mir gekommen. Im Gegenteil, das Laufen und ich haben schon so manche Probleme durchgestanden, gerade in den Anfangsjahren. Ich bin daran gewachsen. Schließlich hatte ich in den letzten sieben Jahren nicht nur (verletzungsbedingte) Probleme sondern auch für mich bis dahin unvorstellbare Erfolge.

Ich will jetzt hier keine lange Bilanz ziehen. An offiziellen Laufveranstaltungen habe ich in den ganzen Jahren nicht häufiger teilgenommen als andere Läufer in einem Jahr.

Aber in ewiger (klingt so nach Beerdigung) bleibender Erinnerung werden  sowohl mein erster Halbmarathon in Bremen und als auch mein erster Marathon in Hamburg bleiben. Das „Bezwingen“ einst für mich unvorstellbar weiter Strecken hat mir bislang nie gekannte Glücksgefühle und Erfolgsmomente beschert. Das war auch im verflixten siebten Jahr so, in dem mir immerhin mein zweiter Marathonerfolg vergönnt war.

Erheblich wichtiger noch als die offiziellen Läufe, ist mir aber das Laufen im Alltag. In der Regel dreimal die Woche in die Laufschuhe schlüpfen, sich bei Wind und Wetter auf den Weg machen, Natur erleben, Einsamkeit spüren und geniessen, den Kopf frei bekommen. Laufen gibt so viel und kann so viel, wenn auch leider nicht alles. Aber man soll ja nicht unbdankbar sein 😉 Einfach mal für sich einen Halbmarathon laufen, einfach mal Tempo machen, wenn man Lust dazu hat, langsam laufen wenn einem danach ist. Überhaupt laufen wie man lustig ist, so weit, so schnell wie es einem an dem Tag behagt. Das ist es was mir zunehmend gefällt. Auch beim Laufen braucht es seine Jahre bis man weiß was man will, wo man steht und wo man vielleicht noch hin will.

Aber ich werde mich auch dieses Jahr, entgegen meinen Vorlieben, ins Läufergetümmel stürzen und hoffentlich in Frankfurt den Marathon zum dritten Mal bezwingen. Ende April möchte ich 28 km Harzquerung laufen. Höhenmeter werden für mich nochmal eine neue Erfahrung werden.  Das war`s an Planung. Schließlich begleitet mich immer noch ein Stück Unruhe im linken Fuß nach wie vor auch ins Laufjahr Nummer 8.

Thematisch passend waren da die -7° auf meinem heutigen Lauf an die Hunte.

Eisschollen knirschen und knacken während sie auf der Hunte treibend aneinander reiben. Auf dem Weg zum Fluß arbeite ich gegen den Ostwind, der ist nicht sonderlich stark aber eben eiskalt, trotz vier Lagen frieren Schultern und Oberarme. Auf dem Rückweg schiebt mich der Wind, läßt deshalb den Schweiß schon wieder fließen und die Brille beschlagen.

So richtig war es heute nicht mein Lauf, irgendwie anstrengend, erst zu kalt dann zu warm.

Aber so ist das mit dem Laufen bei mir, wie mit einer langjährigen Beziehung. Es sind nicht alles gute Tage. Aber mit Abstand die meisten! So laufe ich weiter, nur für mich,  neugierig und gespannt was da noch kommen mag. 😀

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14 Kommentare zu “Das verflixte siebte Jahr

  1. Sieben Jahre … Du hast mich daran erinnert, dass es bei mir auch erst sieben Jahre her ist, als ich das Laufen entdeckt habe. Und es wurde eine ähnlich intensive Beziehung wie bei dir.

    Der erste Halbmarathon gleich mit reichlich Höhenmetern. Der erste Marathon, ein grandioses Gemeinschaftserlebnis mit zwei Freunden, mit denen ich inzwischen Hunderte Kilometer gemeinsam unterwegs war.

    … Und weiterhin sein werde.

    Schön, daran erinnert zu werden.

    Liebe Grüße

    Rainer 🙂

    • Bei Dir auch sieben Jahre, cool. Intensive Beziehung, ja so kann man es nennen 🙂

      Höhenmeter, für mich das unbekannte Wesen.

      Ein Gemeinschaftserlebnis ist das Laufen seit dem Wegzug von Manuela nicht mehr. Mal vermisse ich es, mal nicht. Bin halt wohl mehr der Typ „Einsamer Wolf“ Und jetzt gehe ich nach draußen den Mond anheulen :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Ich kann gar nicht genau sagen, wann ich mit dem Laufen angefangen habe … bei mir war es über Jahre hinweg eine – wie sagt man neudeutsch? – „On-Off-Beziehung“. Eine relativ feste Beziehung führen wir seit Anfang 2004, allerdings gab es seither auch zwei monatelange Trennungen, eine verletzungs-, eine lustlosigkeitsbedingt. Irgendwie kommen wir nicht los voneinander! 😉

    Auch bei euch scheint es ja „was Ernstes“ zu sein – ich wünsch euch, dass es gesund und froh in die nächsten 7 Jahre geht! Und vor allem mit dem spielerischen Spaß an der Sache. Laufen als Genuss, als Ausgleich zum Alltag – nicht als Selbstbestätigung. „Leistung“ wird anderenorts von uns gefordert, da muss das beim Laufen nicht auch noch sein, finde ich! 😎

    Liebe Grüße
    Anne

    • Ich weiß es auch nur deshalb so genau, weil ich in einer Kur damit angefangen bin. Die verletzungsbedingte Pause würde ich nicht als Trennung bezeichnen. Das sind eher die schweren Zeiten in der Beziehung 😉

      Ja, es ist schon was Ernstes, eine Beziehung die sich zu bewahren lohnt. Laufen als Genuss und Ausgleich zum Alltag ist sicher inzwischen die Hauptmotivation. Aber ein Stück weit Selbstbestätigung ist es trotzdem, dazu bedarf es aber nicht unbedingt eines Wettkampfes 🙂

      Nun aber genug der hehren Worte 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Ach ja, Bilanzen, 7 Jahre und noch beieinander, und es werden sicherlich noch viele Jahre dazu kommen, wenn du deine Einstellung beibehältst und nicht dem Wahn WEITER-SCHNELLER-MEHR verfällst; aber da habe ich bei dir keine Bedenken.

    Meine Beziehung hat schon die Silberhochzeit überschritten, das 33. Jahr hat begonnen, und die Liebe wächst und gedeiht – viel Liebe, viel Pflege und den Kopf immer dabei haben diese Liebe und die Freude am Laufen verstärkt.

    • Ja, liebe Margitta, eine Bilanz mit der man sicher nicht vor anderen angeben kann, die mir selber aber sehr viel bedeutet.

      Ich glaube nicht, dass ich diesem Wahn verfallen werde. Bis auf eine Ausnahme vielleicht. Weiter will ich ja schon noch laufen. Aber das nur als Option, ohne Druck in jeglicher Hinsicht.

      Du begibst Dich auf den Weg zur goldenen Hochzeit und ich auf den zur Silberhochzeit 😉 Aber Hauptsache wir sind auf dem Weg!

      Liebe Grüße
      Volker

    • Das kann man wirklich so sagen, dass ich jetzt so richtig warmgelaufen bin.

      Ab jetzt zählen die Jahre nicht mehr? So soll es nach Möglichkeit sein, aber ich neige immer wieder dazu mal zurückzublicken. Finde ich auch nicht schlimm, solange der Blick in der Hauptsache nach Vorne gerichtet ist.

      Liebe Grüße
      Volker

      P.S.: Ich habe bei Dir mal zu kommentieren versucht, irgendwie klappt das nicht 😦

  4. Dann gehöre ich in meinem noch nicht ganz vollendeten 1. Laufjahr geradezu zu den Frischverliebten 🙂 Und wenn ich auch oft bewundernd zu den vielen (naja eigentlich so gut wie allen) Läufern schiele, die viel weiter und schneller als ich können, bin auch ich begeistert was in so einen Jahr doch alles möglich ist.
    Und das wichtigste ist, dass es einfach Spaß macht! Streß haben wir im (Arbeits)Alltag oft genug, umso wichtiger ist das Laufen entspannender Ausgleich. Mal sehen, was die nächsten Jahre lauftechnisch noch bringen.

    Liebe Grüße an den läuferisch „einsamen Wolf“ Elke

    • Das erste Laufjahr ist das, indem man die größte mentale Stärke braucht. Man muß sich alles erarbeiten, hat vielleicht auch die ersten Wehwehchen. Dazu kommt, das der Wechsel von Laufen zu Gehpausen auch nicht gerade „cool“ wirkt 😉

      Also schiele nicht nach den anderen, mache Deinen Weg 🙂 Dann bleibt der Spaß und der Ausgleich zum stressigen Alltag.

      Liebe Elke, inzwischen liest und kommentierst Du ja schon einige Wochen auf meinem Blog. Ich freue mich Dich regelmäßig hier zu „sehen“. Schade, dass ich zu keinem Gegenbesuch starten kann, aber vielleicht klappt das mal im realen Leben 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

      • Ich bin auch gerne hier und vielen Dank für Deine lieben Worte! 😀 Mal sehen, vielleicht klappt es im Sommer ja wirklich, dass Du mir die Hunte zeigen kannst.

        Ich bin übrigens auch kein großer Facebookfan und war, wie fast immer wenn mir suggeriert wird, dass man unbedingt etwas haben muss oder dabei sein muss um „in“ zu sein, sehr skeptisch. Daher auch das „Murmelchen“ im Namen, meine Freunde kennen mich und Fremde müssen mich nicht unbedingt finden. Trotzdem schreibe ich da völlig harmlose Dinge, die jeder wissen kann/darf. Man kann sich bei Facebook also auch unkenntlich machen 😉

        Liebe Grüße Elke

      • Jo, liebe Elke, das kann man, weiß ich auch. Frage ist, ob ich das will. Wie gesagt, ich war mal eine Zeitlang bei FB angemeldet. Es hat mir insgesamt dort nicht gefallen. Bin halt in manchen Dingen eben recht eigensinnig 😉

        Ich verteufel da nix, aber ich muß ja nicht überall dabei sein … 🙄

  5. Hallo Volker,

    Mensch Glückwunsch! Sieben Laufjahre das ist schon toll. Ich denke wenn man einmal vom Laufvirus infiziert ist, dann ist das der Beginn einer langen Beziehung. Und wie in einer Beziehung wird sich das Verhältnis ständig verändern. Mal ist das Laufen „Ansporn“ dann „Entspannung“

    Viel Spaß bei vielen weiteren Laufjahren.

    Grüße -timekiller-

    • Danke Heimo,

      wie heißt es so schön: Nichts ist so beständig wie die Veränderung. Von daher schaun wir mal was noch kommt. Hauptsache die Beziehung als solche bleibt stabil 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

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