Haveriekommando

So ganz vage scheint sich herauszukristalisieren, dass mein gestriges Halbmarathon-Waterloo in der JVA mit einer beginnenden Bronchitis zu erklären ist. Ich werde immer kurzatmiger und tiefes Durchatmen schmerzt etwas, während ein gewisser Druck auf der Lunge liegt.

Deshalb bot es sich heute an, zusammen  mit meinem Schatz an die Weser zu fahren, sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen und Schiffe und Boote zu gucken.

Während wir so dieses Boot….

… und jenes Boot anschauen…… ,während dieser Frachter…

… und sogar die Grossherzogin Elisabeth vorbeizieht…

… während ein Fischkutter seine Netze ausgeworfen hat…

… zieht ein kräftiger Regenschauer mit stürmischen Böen auf.

Diese stürmischen Böen werden einem Segelkutter zum Verhängnis. Er kentert just in dem Moment wo ich zu ihm hinschaue.

Die vierköpfige Besatzung macht Bekanntschaft mit dem nassen Element. Allerdings sind sofort etliche andere Segelboote und andere kleine Schiffe zur Stelle.

Es dauert einige Zeit, aber dann sind alle Besatzungsmitglieder geborgen.

Weitaus schwieriger gestaltet sich die Bergung des Kutters. Es gelingt zwar, den Haveristen an die Leine eines eines kleinen historischen Schiffes zu nehmen.

Dabei treibt der Segelkutter aber immer mehr zum Ufer. Dort nimmt sich ein Katamaran-Segeler der Sache an. In seinem Neoprenanzug geht er ins Wasser, läßt sich eine Leine zuwerfen und geht damit zum Ufer.

Gemeinsam mit ihm versuchen Jens und ich mit vereinten Kräften den Segelkutter an den Strand zu ziehen. Wie beim Tauziehen stemmen wir uns in den Strand bis der Kutter auf Grund läuft. Dabei blieb mir nahezu wieder die Luft weg. Allerdings herrschte zu diesem Zeitpunkt noch eine Stunde auflaufendes Wasser und der Kutter wäre wieder frei gekommen. Aufrichten konnten wir den Kutter nicht, da das Schwert noch ausgefahren war und sich auch nicht einholen ließ. Wir bargen noch die Persenning und einige andere Teile des Kutters.

Es gelang nach mehreren Versuche erneut eine Schleppverbindung zu einem kleinen Schiff herzustellen, nachdem wir den Kutter wohl gut eine halbe Stunde gehalten hatte. Schlußendlich konnte der Kutter längsseits des Schiffes genommen und aufgerichtet werden. Der junge Katamaran-Segler hat sich unendlich ins Zeug gelegt und ihm ist es zu verdanken, dass die Bergung letztendlich geklappt hat. Etwas unrühmlich war die Rolle der Polizei, die in ihrem Schlauchboot durch Untätigkeit glänzte und sich darauf beschränkte das Treibgut des Kutters aufzulesen.

Niemand wurde offensichtlich verletzt und der Kutter geborgen, so ist das alles gut ausgegangen.

Also, bei uns ist wirklich immer was los 😉

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33 Kommentare zu “Haveriekommando

  1. Lieber Volker,
    hoffentlich war die Aktion Deiner Gesundheit nicht abträglich, würde Dir jedoch empfehlen einen Arzt aufzusuchen um eine beginnende Pneumonie auszuschließen, denn mit so etwas ist nicht zu spaßen.
    Ansonsten scheint bei Euch wirklich immer was los zu sein, auf den Gewässern hier könnte maximal ein Schlauchboot kentern, Segelboote sucht man hier vergebens 😀

    Salut und nochmals gute Besserung, ruh Dich aus und lass Dich durchchecken

    Christian

    • Lieber Christian,

      ich fürchte das es in Richtung Pneumonie gehen könnte, weil mir bis jetzt immer noch jede Anzeichen einer Erkältung fehlen. Deshalb werde ich Deinen Rat befolgen und heute nachmittag noch meinen Hausarzt aufsuchen. Wenn dem so seien sollte, kann ich den Frankfurt-Marathon knicken.

      Die Weser ist in Nordseenähe halt schon ein großes Gewässer und hat deshalb auch so seine Tücken wie man sehen kann.

      Danke und Moin Moin
      Volker

      • Ärztlicher Check erledigt, lieber Christian. Keine Pneumonie, zum riesen Glück. Siehe meine Antwort bei Anne.

        Moin moin nochmal
        Volker

  2. Blubbblubbblubb … weg wäre er gewesen, der Kutter, wenn ihr nicht mit angefasst hättet! Ich hoffe sehr, lieber Volker, du bist nicht „weg vom Fenster“, was Frankfurt angeht. Also nichts wie ab zum Arzt und die Beschwerden abklären lassen! Dann weißt du wenigstens, woran du bist! Dass alle Daumen gedrückt sind dafür, dass es nichts Ernsthaftes ist, muss ich wohl nicht betonen?!

    Nochmal dicke Umarmung und liebe Grüße
    Anne

    • Hallo liebe Anne,

      ich hab mir heute vormittag mal fix zwei Stunden frei genommen und bin zum Arzt bzw. zur Ärztin gewesen. Ergebnis: Eigentlich alles bestens, bis auf das meine Bronchien krampfen. Warum auch immer. Dagegen habe ich jetzt zweierlei Sprays bekommen und hoffe, dass es schnell besser wird.

      Nochmal Danke für die Umarmung

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker – bei euch kann man echt was erleben – und das noch mit angeknickter Gesundheit, es wäre wünschenswert, dass im Ernstfall immer solche Helfer wie ihr zur Stelle sind !!

    Was deine Gesundheit betrifft – warte erst einmal ab, was der Arzt sagt, vielleicht ist es doch nicht so schlimm, dass der Marathon ins Wasser fallen muss, schließlich ist es noch ein paar Tage hin bis dahin, die Daumen sind gedrückt – und eine Belohnung hättest du und Jens schon verdient – bis dahin die zweite ober dicke Umarmung !!!!! 😎

    • Ja, liebe Margitta, das war echt ne Aktion 🙂

      In Sachen Gesundheit: siehe meine Antwort bei Anne. Noch gebe ich die Hoffnung bzg. Frankfurt nicht auf! 😎

      Langsam gewöhne ich mich an Eure Umarmungen, kriege ich die demnächst auch, wenn mir nichts fehlt? 😉

      Liebe Grüße an die Ostsee
      Volker

      • Für meinen Teil knuddele ich dich auch gern mal ohne gegebenen Anlass. Es wäre doch schrecklich, wenn dir immer erst ein Leid widerfahren müsste, damit deine Bloggerfreundinnen dir zeigen, dass sie dich gern haben! 🙂

      • Na, wenn das keine Aussichten sind, Ihr Lieben. Aber ich knuddel bei Bedarf auch gerne zurück, das soll ja keine Einbahnstraße sein 😀

  4. Lieber Volker, das ist ja ganz schön abenteuerlich, was Du da zu erzählen hast. Erst der dramatische Knastmarathon, dann das Seglerdrama. Und obendrauf noch die Angst vor einer Lungenentzündung… Das ist zum Glück ausgeräumt, so dass es mit Frankfurt doch noch klappen müsste, und die Erklärung für die JVA-Lauf-Depression ist auch gefunden.

    Schone Dich gut. Das scheint ja ein wenig die Runde zu machen. Anne, Du und ich auch …

    Was uns bleibt ist: abwarten und Tee trinken

    In diesem Sinne ganz liebe Grüße
    (nach einer Woche Abstinenz nun wieder täglich)

    Rainer 😎

    • Jaha, mein lieber Rainer, was soll alles passiert, wenn Du nicht aufpasst 😉

      Ich hoffe, dass es mit Frankfurt alles noch so klappt, für meine Läuferpsyche ist das jetzt alles nicht so ideal. Abwarten und Tee trinken.

      Hoffen wir doch, wieder täglich von Dir zu lesen. Da fehlte wer die letzten Tage.

      Liebe Grüße zurück nach Trier
      Volker

  5. Hallo Volker,

    also du machst ja vielleicht Sachen. Tststs… Ich versteh schon, dass es noch ein wenig dauert, bis du über deinen Knastfrust hinweg bist, aber deswegen gleich Schiffe versenken? 😀
    Gerade überlege ich, ob ich es heute schon wieder wagen kann, eine kleine Runde zu laufen – in der Arbeit war ich ja schließlich auch wieder… Hmmm. Oder ich spazier zum Wallersee und schau ob ich auch das eine oder andere Boot finde, …
    Lieben Gruß, Doris

  6. Voll die Action an der Weser! Das hat sich doch mal gelohnt wenn man schon mit seiner Liebsten unterwegs ist. Jetzt hoffe ich nur noch das du dir dabei nicht noch zusätzlich deiner Bronchitis einen mitgegeben hast! Gute Besserung

    • Immer was los, sach ich Dir 😉 Die Liebste ist allerdings mein Liebster 😯 Ich hoffe, dass haut Dich jetzt nicht um 😉

      Ich werde jetzt fein artig meine Sprays inhallieren und hoffe, dass es bald wieder besser geht.

      Danke Dir

      Liebe Grüße
      Volker

      • Nein das haut mich jetzt nicht um! Eher bin ich ein wenig ins Fettnäpfchen getreten! Ein wenig Talent hätte ich dazu! 🙂
        Schön das du so offen damit umgehst!
        Gute Besserung weiterhin damit du völlig gesund deinen Marathon bestreiten kannst.
        LG
        Frank

      • Sooo tief war das Fettnäpfchen aber nicht 😉 Aber da kann ich mal sehen, wie genau bei mir gelesen wird 😦 😉

        Danke, ich hoffe es geht so langsam wieder aufwärts.

        LG Volker

  7. Gott wie früh bist Du den aufgestanden, dass Du das alles an einem Tag schaffst,
    * Weser Boote schaun
    * Schiff bergen
    * Arbeiten
    * Zum Arzt
    * Bloggen
    * Kommentieren

    Also, dass du bei dem Pensum kaputt bist, wundert mich nicht.

    Erhole Dich! Sofort!
    Grüße -timekiller-

    • Hmmm, an die Weser fahrn, Boote schaun und Schiff bergen war gestern, der Rest heute. Bin trotzdem kaputt 😉

      Ne, wat fürn Streß…

      Danke, Heimo, mache ich.

      LG Volker

      • Ja, dann ist ja gut 😉

        Bin da wohl etwas mit den Datums- und Zeitangaben der Kommentare durcheinander gekommen.

        Jetzt aber marsch ins Bett..

        Grüße -timekiller-

  8. Also darum beneide ich dich wirklich. Nein, nicht um deine Bronchien, aber in DER Landschaft einfach einmal tief Luft holen und die Sache ist erledigt 😉
    Eine tolle Geschichte, die du wohl ohne deine Bronchien verpasst hättest!

    • An der Weser ist es wirklich schön, eigentlich fahren wir viel zu selten dort hin. Von uns zuhause aus sind es nur gute 20 km.

      In der Tat, ohne Bronchien wäre ich laufen gewesen und hätte es verpaßt. Ich hätte der Besatzung und dem Boot aber auch gegönnt, dass es nicht passiert wäre.

      LG Volker

  9. Krasse Sache! Ich bin hier auf deinem Blog gelandet, weil der Katamaransegler zufällig ein Freund von uns ist. Wir waren mit unserem eigenen Boot anscheinend ziemlich zeitgleich auch von Nordenham nach Elsfleth unterwegs (ohne etwas von dem ganzen Drama mitzukriegen… allerdings haben wir auch den großen Frachter und die „Großherzogin“ gesehen) und uns hat es trotz Reff im Großsegel auch einige Male ganz gut auf die Seite gelegt… allerdings ist unser schwimmender Untersatz recht wetterfest und hat die ganze Sache ziemlich locker weggesteckt.

    Trotz alledem… schönes Segelwetter wars! 🙂

    • Der gekenterte Kutter ist uns übrigens vor einigen Wochen schon mal vor Bremerhaven entgegengekommen… ein wirklich schönes Traditionsschiff. Ich hoffe, die Crew hat nicht allzuviel Mühe mit dem Aufklaren nach der Kenterung.

      • Hallo Harald,

        wie hast Du denn da auf meinen Blog gefunden? Der Alexander hat sich unglaublich ins Zeug gelegt, das war schon wirklich was besonderes.

        Es haben einige Segler ganz gut auf der Seite gelegen. Die Windböen während des Regenschauers hatten es aber auch wirklich in sich. Das hat man schon an Land gespürt.

        Die Vegefeuer ist wirklich schön, ein Nachbau aus dem Jahre 1999, wie ich inzwischen weiß..

        Ich denke der Aufwand des Aufklarens hält sich in Grenzen, auch die meiste Ausstattung wurde ja geborgen.

        Grüße aus Oldenburg
        Volker

  10. Gefunden habe ich es eigentlich nicht… hab den Link von einer Freundin von uns, die die beste Freundin von Alex‘ Frau ist 🙂 Frag mich nicht, wie die auf dein Blog gekommen ist.

    Wie gesagt, ich fand das Wetter eigentlich ziemlich schön zum Segeln… aber wir sind auch mit einem Reff im Großsegel gefahren und unser Boot ist zwar klein, aber ziemlich seetüchtig und mit einem richtigen schweren Flossenkiel mit 40% Ballastanteil ausgestattet (darauf bestand meine Regierung beim Kauf).

    Ohne Einwirkung von größeren Wellen kann man das Teil eigentlich gar nicht kentern… wenn zuviel Winddruck aufs Großsegel kommt, dreht sich der Kahn quasi automatisch mit dem Bug in den Wind, weil das Heck nach Lee weggeschoben wird. Uns ist das an dem Tag auch ein, zwei Mal passiert… da kann man ohne Verringerung des Drucks im Segel nicht mal durch kräftigste Ruderlage gegenhalten.

    Ich weiß leider nicht, wie die Vegefeuer konstruiert ist… Alex meinte aber, daß es ein reines Schwertboot ist (vielleicht noch mit etwas Innenballast). Da ist ab einer gewissen Windstärke natürlich irgendwann Ende. Ich würde bei derartigem Wetter mit so einem Boot auch nicht gerne fahren wollen.

    • Da hat sich die Regierung offensichtlich mit etwas vernünftigen durchgesetzt 😉

      An dem Tag waren ja auch sehr viele Segler unterwegs und viele davon hatten teilweise ganz schöne „Schräglage“. Das war vom Ufer aus sehr schön anzusehen.

      Ich selber habe vom Segeln leider überhaupt keine Ahnung. Das aber eineinem historischen Segelboot nachempfundenes Boot nicht so kentersicher ist wie, wie ein modernes Boot, ist für mich schon ziemlich logisch. Zumal die Vegefeuer auch mit voller Besegelung unterwegs war.

      ich hatte zwischenzeitlich Kontakt mit dem Eignerverein in Vegesack und denke, dass sie sich für die großartige Hilfe von Alexander noch erkenntlich zeigen.

      Die Vegefeuer hat zumindest so gut wie keinen Schaden genommen 🙂

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