Was wäre wenn…

… ich am kommenden Sonntag beim Hamburg Marathon starten würde?

Terror… Geißel der Menschheit. Religös oder politsch oder sonst wie motiviert. Im Irak, in Afghanistan, in den USA, in England, in Spanien oder sonstwo auf der Welt. Gegen Hochhäuser, in Bussen,  in Bahnen,  auf  Marktplätzen oder sonstwo.  Gegen Menschen. Gegen Menschen wie Du und ich. An alltäglichen Orten zu Zeiten, wo es möglichst viele trifft.

Nun also auch gegen das, was uns sehr viel bedeutet und uns deshalb nochmals betroffener macht, weil uns das Laufen verbindet, uns nochmals dichter an das Geschehene heranrücken läßt.

Laufen ist für mich der friedlichste Sport überhaupt ist.  Bei einem Marathon kämpft man nicht gegen andere, sondern, wenn überhaupt, nur gegen sich selbst.

Die großen Marathon sind völkerverbindend. Über alle kulturellen, religösen, nationalen Grenzen hinweg hat jeder nur das eine Ziel, die 42,195 km zu meistern.

Eines können wir uns sicher sein, der Marathon war nicht das Ziel als solches, sondern „nur“ Mittel zum Zweck eine größtmögliche Zahl von Menschen zu treffen.

Am Sonntag startet also der Hamburg-Marathon. Meine zweifache und einzige Marathon-„Heimat“. Auf diesen wunderbaren, von einer einzigartigen Atmosphäre getragenen Marathon legt sich nun der Schatten von Boston.

Wenn ich jetzt ausreichend trainiert wäre und noch Nachmeldungen möglich wären, ich würde kurzfristig starten. Ein Zeichen setzen gegen diese sinnlose Gewalt, diesen sinnlosen Hass.

Ich würde mich freuen, wenn, wie im jeden Jahr, die Hamburger zu Tausenden an der Strecke stehen würden um die Läufer anzufeuern und um sich, den Marathon und das Leben zu feiern.

Ich würde im Ziel ein drittes Mal von den Emotionen überwältigt werden wollen, es geschafft zu haben und mich den mindestens den ganzen Tag anhaltenden Glücksgefühlen voll und ganz hingeben wollen.  Ich würde in diesem Moment auch an die Menschen in Boston denken und mit Sicherheit anfangen zu heulen. Ich würde für mich selber diesen Marathon diesen Menschen widmen.  Ich denke die eigenen positiven Emotionen und das Gedenken würden nicht im Widerspruch stehen. Es würde nur zum Ausdruck bringen, dass Terror niemals siegt.

Mein Nachbar wird Sonntag tatsächlich in Hamburg starten. Sein erster Marathon, für den er in diesem harten Winter hart trainiert hat. Ich wünsche ihm viel Erfolg, gutes Durchkommen und viele, viele Emotionen im Ziel.

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28 Kommentare zu “Was wäre wenn…

  1. Ein sehr schöner Artikel von Dir. Danke dafür.
    Ich meide ja seit 2009 schon die Grossveranstaltungen und Stadtmarathons. Ich laufe nur noch in der Natur und den Wäldern.
    Dort ist so ein feiger Anschlag eher unwahrscheinlich.

    Liebe Grüße
    Marco

    • Danke Marco

      Ich bin überhaupt keine Freund von Menschenmassen, aber die beiden Marathon waren schon sehr beeindruckend für mich. Ich würde auch noch wieder solche großen Marathon laufen.

      Das Riskio begrenzt sich ja nicht auf solche Veranstaltungen. Um dem zu entgehen müßte man auch Bahnhöfe, öffentliche Plätze, Einkaufszentren oder was weiß ich alles meiden. Das Riskio können wir allenfalls minimieren, aber nicht ausschließen 😦

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Den Terror wird man nie den Griff bekommen. Es ist einfach nicht zu begreifen das es Menschen gibt die zu so etwas fähig sind! Das macht einen wirklich sehr betroffen!
    LG
    Frank

  3. Sie werden alle starten, die sich angemeldet haben – auch wir wären dabei, hätten wir uns angemeldet – überhaupt keine Frage, ein trauriger Lauf, weil jeder der Läufer in Gedanken in Boston sein wird – und das ist gut so – mir geht es auch nicht mehr aus dem Kopf !

    • Sie werden alle starten und das ist auch gut so. Genauso wie mit den Gedanken in Boston zu sein und trotzdem sich selbst dabei nicht vergessen.

      Das Geschehen in Boston, so fern und uns doch so nah. Das wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen.

    • Danke, Rainer. Deine Kolumne werde ich mir gleich einmal anschauen.

      Ich muß es bei meinem Beitrage belassen, ich bin ja nicht bei Facebook.

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Hallo Volker,
    das hast du ganz toll geschrieben.
    Wir werden zwar nicht in Hamburg laufen, aber in Berlin. Und das werden wir uns auch nicht nehmen lassen von irgendwelchen Idioten. Jetzt erst recht.
    Viele Grüße
    Karina

    • Danke, Karina.

      Das ist die richtige Einstellung! Bis zum Berlin-Marathon wird sich aber auch schon ein ausreichender Abstand hergestellt haben.

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Danke für den Beitrag, lieber Volker! Nicht bange machen lassen, egal, wer oder was hinter diesem Anschlag steht. Offen bleiben für Erlebnisse, wie sie eine solche Veranstaltung wie ein großer Marathon bietet – und für ihren Kern, auch wenn der von Kommerz und Rummel überlagert sein mag: Ein friedliches Miteinander der unterschiedlichsten Menschen, die den Laufsport als ihre Gemeinsamkeit pflegen!

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Nicht bange machen lassen, weder bei einer Marathonteilnahme noch in allen anderen Lebenssituationen.

      Ich kann ja bislang nur für Hamburg sprechen. Da hielt sich selbst für meinen Geschmack der Kommerz noch in Grenzen. Beim Laufen merkt man eh nichts davon. Bei Start- und Ziel nimmt man das so hin. Man muß ja auch anerkennen, dass so ein Marathon auch schon einiges an Geld kostet.

      Warum ich, wo ich doch sonst so gerne meine Ruhe habe, den Rummel bei den Marathon so mochte, weiß ich selber nicht. Vielleicht weil er von de Länge der Strecke ablenkt oder weil man sich dadurch selber wie ein kleiner Star fühlt? Keine Ahnung. Ist halt so.

      Ich glaube nicht, dass die großen Marathon über die vielen Jahre Bestand hätten, wenn der Kern nicht erhalten geblieben wäre. Und egal wieviel Tausende an Läufern da zusammen kommen. Die 42,195 km muß jeder für sich alleine bewältigen.

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Ich bin angemeldet und werde starten, mit komischem Gefühl. Nicht aus Sorge um eine Anschlag dort, sondern in Gedanken an all die, die eine Woche zuvor ebenfalls an einer Strecke gestanden haben. Bin zwar grippebedingt mit schlechtem Training unterwegs und daher fraglich, wie es läuft, aber Deine Worte motivieren mich, durchzuhalten.

    • Hallo Elke,

      willkommen auf meinem Blog.

      Genauso würde es mir auch gehen. Angst und Sorge wären auch schlechte Begleiter und das gilt nicht nur für einen Marathon.

      Der Gedanke an die Menschen in Boston wird sich überall präsent sein.und das haben sie auch verdient.

      Danke, es freut mich sehr, wenn mein Betrag Dich motiviert.

      Ich wünsche Dir auf jeden Fall gutes Durchkommen und ein glückliches Finish.

      Toi Toi Toi

      Volker

      • Danke für Deine guten Wünsche. I did it! Zeit ist zwar nicht so toll, etwas über 5 Std., aber für meinen großen Trainingsausfall ok. Es war klasse-genial-irre. Hamburg ist ein super Lauf, das Publikum unschlagbar, wie die einen anfeuern!
        Sehr bewegend war die Schweigeminute für Boston… 1000e Menschen, alle mucksmäuschenstill, keiner, wirklich keiner hat einen Laut gegeben, alle standen still – Gänsehaut pur, selbst wenn ich das jetzt noch schreibe…!

      • You did it, yes !!!! Super, ich gratuliere Dir ganz herzlich. Die Zeit ist nicht wichtig. Respekt, dass Du den Marathon überhaupt angepackt hast, wenn Du so einen großen Trainingssauffall hattest.

        Der Hamburg-Marathon ist stimmungsmäßig der Hammer und das bei den angeblich so unterkühlten Hanseaten.

        Was die Schweigeminute angeht, bekomme ich sogar eine Gänsehaut wo ich das hier von Dir lese. Das muß sehr bewegend gewesen sein.

        Ich freue mich sehr mit Dir, dass Du das alles erleben konntest. Auf ein neues im nächsten Jahr! 🙂

  7. Volker dein Statement kann ich so unterschreiben! Danke. Auch ich werde in Hamburg an der Startlinie stehen, mit gemischten Gefühlen aber ohne Angst. Ungerechtigkeit ist etwas mit dem ich nur sehr schwer umgehen kann. Die Wut über dieses feige Attentat und das Mitgefühl für alle Betroffenen wird uns auf unseren nächsten Läufen noch länger begleiten. Die Freude an unserem Sport lasse ich mir aber nicht nehmen. Sport verbindet, jetzt erst recht!

    • Danke, Onno!

      Ungerechtigkeit ist schon schlimm genug, feige Brutalität gegen Unschuldige noch was ganz anderes. Wut und Ohnmacht lassen einen so hilflos sein.

      Allein der Gedanke an den Vater, der sich darauf freut im Ziel von seiner Familie empfangen zu werden und stattdessen erfahren muß, dass sein Sohn tot und Frau und Tochter schwerst verletzt worden sind, erschüttert mich zutiefst.

      Trotzdem können und dürfen wir in dieser Starre nicht versinken. Es fällt mir schon richtiggehend schwer, dass ich Sonntag nicht am Start bin. Um so mehr wünsche ich auch Dir einen erfolgreichen Lauf. Habe trotz allem Freude dran und komme gut ins Ziel.

      Noch ein Toi Toi Toi
      Volker

  8. Das ein Marathon für solch eine Sache instrumentalisiert wurde finde ich sehr traurig! Menschen kommen zusammen um das Leben und den Sport zu feiern und mussten dafür ihr Leben lassen oder noch schlimmer haben an den Folgen ihr Leben lang zu leiden.

    Aber wir werden uns nicht beugen, das ist es was sie wollen! Das ist es was Terror will uns einschränken! Aber wir lassen uns nicht einschränken!

    Vielen Dank für deinen schönen Worte, Volker!

    Bis bald beim nächsten Marathon

    • Ganz ehrlich: Es ist egal was da instrumentalisiert wird. Als Läufer macht uns das Attentat auf den Marathon natürlich besonders betroffen. Deswegen ist es nicht schlimmer als alle anderen Terrorakte. Man kann da keine Abstufungen vornehmen.

      Wir dürfen uns nicht beugen. Wir können nur Vorsicht walten lassen, wo es uns möglich ist und ansonsten unser Leben einfach weiter leben.

      Auf den nächsten Marathon, sobald mich meine Füße mal wieder soweit tragen!

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,

    danke für den berührenden und nachdenklich machenden Artikel.

    Letzten Sonntag war bei uns in Wien Marathon, mit ca 40.000 Teilnehmern. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Eine tolle Veranstaltung, auch wenn man sie – so wie ich – nur als Zuschauer besucht. Ich hatte diese tollen Eindrücke noch im Kopf, als ich von dem Anschlag in Boston hörte, und brauchte eine ganze Weile, um zu realisieren, was da eigentlich passiert ist.

    Den Tätern ist es offenbar vermutlich darum gegangen, einerseits möglichst viel Schaden anzurichten, und andererseits auch darum, Angst zu schüren. Angst erzeugt Starre. Und Starre hindert uns, ein erfülltes Leben zu leben und ein Auge für die Schönheit der Welt zu haben.

    Und das sollten wir uns nicht nehmen lassen. Vielleicht wirksamer als jeder Vergeltungsschlag ist das Signal an den Terror: „Wir laufen weiter.“

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

    • Lieber Wolfgang,

      wir sind uns da einig. Wir dürfen nicht in eine Starre verfallen, weil diese unsere Lebensqualität einschränken würde.

      Wir laufen weiter, na klar. Dazu gibt es überhaupt keine Alternative!

      Liebe Grüße
      Volker

    • Er wird auch nicht siegen, niemals. Aber leider werden wir diese Geißel auch nie zu 100% verhindern können.

      Wir machen weiter, das ist unser Signal gegen Terror.

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