Selbst ist der Mann

Gestern war so ein Tag, wo ich das Gefühl hatte, dass bei mir so langsam die Sicherungen durchbrennen. Wenn sich jede Menge kleiner Alltagsärgnisse zu einem großen Ganzen aufsummieren,  der Psychohterapeut in meinem Seelenheil rumstochert, der Orthopäde erstmal keine schlüssige Erklärung für meine Nackenbeschwerden mehr hat, der Physiotherapeut am Tag vorher natürlich auch noch nicht zaubern konnte, bekomme ich so langsam die Krise.

Die bis dato verspannte Nackenmuskulatur soll schon wieder zart wie Butter sein, trotzdem war die Nacht zum gestrigen Tag wieder die Hölle. Über Tag brauchte ich Stunden bis sich der Kopf wieder einigermaßen bewegen ließ.

Überhaupt gehen mir die vielen Arzt- und Therapeutentermine momentan mächtig auf die Nerven.  Ich komme mir manchmal vor wie ein altes, mit körperlichen Gebrechen geplagtes Psychowrack.  So wußte ich gestern nicht ob ich heulen oder zum Spannungsabbau etwas zerstören oder irgendeinen Nachbarn verhauen sollte. Zu Eurer Beruhigung, die letzten beiden Dinge habe ich nicht getan.

Da inzwischen am frühen Abend die schmerzärmste Zeit angebrochen war, habe ich mir lieber selber den Kopf verdreht. D. h. ich habe meinen Kopf gedreht, geneigt, den Hals gestreckt und gedehnt. Dabei knirschte, knisterte und knackte es im Gebälk, der schmerzhafte Anschlagpunkt, bis zum dem ich den Kopf nur drehen konnte, verschob sich mehr und mehr und verschwand anschließend ganz. Die Blockade war verschwunden.

Da über Tag der Maler da war, schrubbte ich anschließend das vom ihm gestrichene Badezimmer, feudelte Bad, Küche, Flure, Treppe und schleppte anschließend alle Einrichtungsgegenstände wieder an seinen Platz. Mein Frust und meine Wut wichen dabei einer zunehmenden Beweglichkeit.

Nach einem späten Abendessen und einer Runde Fernsehen pfiff ich mir dann noch zwei stinknormale Paracetamol-Schmerztabletten rein, ging ins Bett und habe geschlafen, geschlafen, geschlafen, geschlafen und geschlafen.

13 ! Stunden habe ich fast ohne Unterbrechung durchgeschlafen, ohne diese fiesen Schmerzen, ohne nicht zu wissen, wie ich liegen sollte.  Die letzten acht, schlaflosen Nächte haben sich da Bahn gebrochen. Auch über den heutigen Tag ging es mir recht gut, kaum noch Schmerzen, dafür immer noch die volle Beweglichkeit im Nacken.

Wenn man nicht alles selber macht 👿 Eingerenkt wird man ja heutzutage nicht mehr … Aber dazu mußte der Kessel erstmal wieder überkochen und naja, eine Erfolgsgarantie hatte ich weiß Gott auch nicht.

Wie dem auch sei, das Ergebnis zählt und mir geht es erstmal ne ganze Ecke besser. Ich hoffe, dass es so bleibt. Damit ich wieder die Power für die nächste Arzttermine hab. Weil nun muß ich auch noch ins MRT, auf dem gestrigen Röntgenbild war in einem Nackenwirbel ein Zyste zu sehen. Hoffentlich macht das Ding keinen Ärger. Mit den aktuellen Nackenproblemen bringe ich sie nicht in Zusammenhang. Sonst hätte mir sicher das Selbsteinrenken nichts gebracht…

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18 Kommentare zu “Selbst ist der Mann

  1. Hach – das liest sich ja phänomenal
    du bist dein eigener Arzt
    dein Retter in der Not

    bin so froh, dass dir das per Zufall gelungen ist, damit aus dir wieder ein normaler, friedlicher Bürger wird, der keinerlei Ambitionen hat, irgendetwas zu zerhauen oder gar den unschuldigen Nachbarn in irgendeiner Weise Schaden zuzufügen.

    Möge heute, morgen alles noch viel besser gehen, damit UNS Volker bald wieder der alte ist, so wie wir ihn kennen, lieben……………

    Spuck auf die Schulter – kräftig, das tut ja nicht weh, aber wirkt bestimmt !! 😎

    • Mein eigener Arzt war ich nicht zum ersten Mal …

      Ich bin froh, dass das gestern gutgegangen ist, ich will mir ja auch nicht noch schlimmeres zufügen.

      Unschüldige Nachbarn? Zu irgendetwas müssen die doch Nütze sein :mrgreen:

      Irgendwie bin ich doch immer ganz der Alte, stolpere von einer Katastrophe in die andere. Ob sich das jemals ändern wird?

      Spuck auf die Schulter: Ich nehme alles an, was hilf 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Heiler Volker! Vielleicht wäre das ja eine Alternative für die Zukunft … 😉

    Ich hatte ja schon so etwas vermutet, weil es in Deinem Blog so ruhig geworden war. Und zumindest der erste Teil Deines Beitrags hat mir doch ziemlich Sorgen gemacht. Zum Glück kommt dann die positive Auflösung, zumindest für die akuten Nackenprobleme. Und ohne Schmerzen sieht die Welt doch gleich freundlicher aus!

    Jetzt als ausschlafen, in die Hände spucken – besser als auf die Schulter – und sehen, was da sonst noch aus dem Weg geräumt werden kann. Ich schreibe ausdrücklich nicht wer 😉

    Wegen der Zyste drücke ich natüriich ma wieder die Daumen. Irgendwann muss Dich das Pech doch verlassen. Klopf auf Holz!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • War es so ruhig auf meinem Blog? So zwei, drei Tage Pause zwischen den Artikeln sind doch eigentlich ganz normal bei mir. Wenigstens etwas, was noch normal bei mir ist :mrgreen:

      Die Alltagsprobleme sind auch nichts schlimmes, die Summe macht es halt an manchen Tagen.

      Ausgeschlafen? Ich bin schon wieder müde. Aber heute abend habe ich zumindestens keine Angst mehr ins Bett zu gehen. Aufgeräumt wird erstmal nicht. Ohne die Schmerzen will ich versuchen die kommenden Tage noch etwas zu geniessen.

      In Sachen Pech weiß ich auch nicht, was ich verbrochen habe. Ich bin doch eigentlich ein ganz Netter und habe das nicht verdient, finde ich zumindestens 😀

      Danke, lieber Rainer. Auch für Dich weiterhin alles gute.

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Volker – schön zu lesen, dass es Dir wieder besser geht. Wer jemals solche Nackenschmerzen hatte, kann sicherlich nachfühlen, wie übel die letzten Tage für Dich gewesen sein müssen. Insofern klasse, dass sich das in Wohlgefallen aufgelöst hat.

    Was bleibt ist die Frage nach der Ursache. Und das kannst Du wahrscheinlich wirklich nur selbst rausfinden, da sind die Mediziner oft auch zu Recht mit ihrem Latein am Ende.

    Vielleicht ist äh… quatsch… war (!!!) diese Geschichte mit dem Nacken auch schlichtweg ein Zeichen, dass der (sorry) alte Körper einfach mehr Pausen braucht. Insbesondere was das Thema Streß betrifft – und da hast Du im Job ja derzeit so einiges auszuhalten.

    Dennoch: Das klingt alles schon wieder viel besser. Pass aber auf Dich auf!

    Viele Grüße aus dem Süden!
    Lars

    • Ob sich die Nackenschmerzen wirklich in Wohlgefallen aufgelöst haben, wird sich die nächsten Tage zeigen. Einwenig traue ich dem Frieden da noch nicht.

      Was den Streß im Job angeht, der wird mir leider gemacht. Ich kann da kaum aktiv agieren und ich weiß nicht, was die kommenden Monate für Veränderungen bringen werden. Etwas Positives gewinne ich der Unsicherheit aber sogar ab: Konkret in meiner (Noch-)Tätigkeit lasse ich mich nicht mehr so sehr stressen und schon gar nicht unter (Termin-)Druck setzen.

      Ich werde versuchen auf mich aufzupassen. Auch wenn das manchmal gar nicht so einfach ist.

      Liebe Grüße aus dem hohen Norden
      Volker

  4. Hallo lieber Volker,
    sag mal, entwickelst du da gerade eine neue Heilmethode? Ich würde sie „Knacks – und alles wird gut“ taufen. War doch bei der Ferse auch schon so….
    Faszinierend!!! :mrgreen:
    Gut, dass du dadurch auch wieder schlafen konntest – für mich ist das immer der größte Heilfaktor.
    Aber die Vorarbeit, dass dir alles zuviel wird, müsste doch nicht unbedingt sein. Vielleicht findest du da noch einen nerven- (und nachbar-) schonenderen Einstieg in die Selbstheilung ;).
    Lieben Gruß, Doris

    • Liebe Doris,

      beim Fuß war das Zufall und danach hatte es auch noch eine Zeit gedauert. Beim Nacken habe ich bewußt versucht, es herbeizuführen. Es hat zum Glück geklappt. Mal sehen, wie es über die Tage wird.

      Manchmal ist das „Zuviel“ als Auslöser ganz hllfreich, grundsätzlich würde ich mich aber mal über für längere Zeit andauernde, ruhigere Fahrwasser freuen. Deshalb wäre es schön, wenn ich mal gar nicht erst auf die „Selbstheilung“ angewiesen wäre 😉

      Was habt Ihr denn alle mit meinen Nachbarn, ich habe denen doch gar nichts getan :mrgreen:

      Übrigens, Dein neuer Bloghintergrund knallt aber ganz schön 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  5. An deiner Stelle hätte ich das schon lange getan! Ich glaube das man doch sehr gut spüren müsste wenn irgendwo ein Wirbel klemmt. Das das die Ärzte nicht gemerkt haben verschlägt mir die Sprache. Ganz ehrlich! Aber irgendwie auch wieder normal wenn ich darüber nachdenke was mein Orthopäde in den letzten Jahren für einen Scheiss festgestellt hat! Ginge es nach ihm wäre ich schon im Rollstuhl!
    Freut mich auf jedenfall das es dir nun besser geht und hoffentlich auch dabei bleibt!

    • Ich hatte halt anfänglich Angst, dass es die Bandscheibe ist. Letztendlich war sie es ja auch, nur nicht ursächlich. Die Bandscheibe durfte den Klemmer schmerzhaft ausbaden. Warum der Orthopäde nicht auf den Bolzen gekommen ist, ist mir auch ein Rätzel. Aber wie Du schreibst, hast Du da ja auch schon Deine eigenen, sehr negativen Erfahrungen gemacht.

      Der Unterschied zwischen Rollstuhl und Deiner Fitness und Leistungsfähigkeit könnte krasser nicht sein.

      Ich würde es mir auch wünschen, dass es nun erstmal so bleibt. Danke Dir.

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Gut, dass du deine Nachbarn in Ruhe gelassen hast, mit denen mußt du schließlich noch etwas länger auskommen. Gibt es nicht auch irgendwo so eine Streitschlichter-Sendung im TV, wo Nachbarschaftsstreits beigelegt werden? Eine Sondersendung aus Oldenburg mußt du da nicht zwingend anstreben 😉

    Schön, dass der Nacken wieder Ruhe gibt. 🙂

    LG Carsten

    • Hehe, irgendwie löst der Spruch über die Nachbarn doch Besorgnis aus. Um Missverständnisse auszuräumen. Ich habe mit keinem Nachbarn Probleme und es war auch kein Nachbar Grund für eines der Ärgernisse 😉

      Also bleib mir mit dem Proll-TV vom Leib :mrgreen:

      LG
      Volker 😎

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