Moor(halb-)marathon

Rainer ist schuld, dass ich heute morgen um 8:00 Uhr mit meinem Schicksal gehadert habe und zwar mit seinem Komentar vor vier Tagen auf meinen Artikel „Mohr and Moor„, in dem er meinte, dass es wohl auch einen Dschungel-Ultra gäbe. Was er mit Dschungel meinte weiß ich nicht, wenigstens hatte ich mal gegoogelt und war statt auf einen Dschungel- oder Moorultra auf den Moormarathon in Goldenstedt gestoßen. Diesen Moormarathon hatte ich für die halbe Distanz schon länger im Auge.

Die Veranstalter beschreiben ihn als einen der schönsten Landschaftsläufe mit nur geringen Anteil an Asphaltstrecken. Das klingt gut. Deshalb entschloß ich mich kurzfristig daran teilzunehmen. 14 Euronen Startgeld plus weitere drei Nachmeldegebühr klangen sehr verträglich. So stand ich dann nach schlecht geschlafener Nacht um 8:00 Uhr auf, statt meinem zweitliebsten Hobby, dem Schlafen, zu frönen, um mich auf den Weg in das gut 60 km entfernte Goldenstedt zu machen.

Goldenstedt liegt im Kreis Vechta, einer der am stärksten von der industriellen Landwirtschaft betroffenen Regionen Deutschlands. So führte mich der Weg nach Verlassen der Autobahn auch überwiegend durch endlose Maismonokulturen und vorbei an industriellen Massentierställen. Ein teilweise bedrückendes Bild.

Am Ort der Veranstaltung angekommen, bot aber schon das Parken ländliche Idylle pur. Auf einem abgeernteten, von der Trockenheit extrem staubigen Stoppelfeld, konnten die Lauf-Teilnehmer ihre Mobile abstellen.

25.08.13 Parkplatz

Das Nachmelden ging fix und problemlos. Die Startnummer 121 ließ auf ein kleines Starterfeld schließen. Was mir ganz recht war, schließlich wollte ich mehr Landschaft gucken als ernsthaft einen Wettkampf bestreiten. Aber erstmal mußte ich auf meine Füsse gucken, sonst wäre der Lauf noch vor dem Lauf gelaufen gewesen, wenn ich nämlich in das Loch im Boden des Toilettenwagens, direkt hinter der Tür, getreten wäre.

25.08.13 Toilette

In diesem „gepflegten“ Toilettenwagen funktionierte auch das Pinkelbecken nicht, aber zumindestens machte sich die Feuerwehr gerade daran, das Loch im Boden mit schicken Laminat zu überdecken.

Nun weg von solchen Kleinigkeiten. Der Start erfolgte auf die Minute pünktlich um 11:00 Uhr und ich war gespannt, was mich da an Landschaft erwartet. Zuvor begegneten mir noch die Moorhexen, wider erwarten sehr freundliche Damen, die sofort bereit waren, sich mit mir ablichten zu lassen 🙂

25.08.13 MoorhexenSuchbild: Wer ist der Deichläufer?

Das Moor enttäuschte nicht. Es zeigte sich eine offene Moorlandschaft, mit vielen Moorseen und blühender Heide auf der einen Seite und aktueller Abtorfung auf der anderen Seite.

25.08.13 Moorseen

25.08.13 Torf

25.08.13 Torfloren

Allerdings reicht dieses Moor nicht, um darin komplett einen Halbmarathon zu bestreiten (die Marathoni mußten die Strecke zweimal laufen), und so führte die Strecke zu einem größeren Teil eben doch über Asphalt, teilweise durch die schon von der Anfahrt bekannten Maismonokulturen. Dieser Streckenabschnitt war nicht so schön, zumal zweimal mittelprächtig große Massentierställe mit ihren Ausdünstungen das Atmen in der ansonsten wunderbaren Sommerluft schwermachten.

Ansonsten war aber alles tutti, alle fünf Kilometer gab es Verpflegungsstellen, meine Groupies waren auch wieder da und hatten sich ein Plätzchen im Schatten mit Imbiss gesucht, …

25.08.13 Groupies

… im Moor selber war die Landschaft intressant, anders, toll, der frische Wind ließ das Deichläufers Herz höherschlagen und im Ziel gab es eine schicke Medaille aus Holz,

25.08.13 Medaille

Nicht so schick war meine Zeit. Mit einem 6:01er Schnitt kann ich da wohl kaum von Wettkampftempo reden. Aber darauf bin ich auch gar nicht trainiert und es ging mir, wie gesagt, auch mehr ums Schauen. Immerhin habe ich mich beim Start traditionell ganz hinten aufgestellt und wurde trotz des bescheidenen Tempos kaum überholt und konnte dafür immer mal wieder selber überholen. Aber die meisten Kilometer war ich mit der Landschaft und mir alleine und das habe ich sowieso am liebsten 🙂

Ein erklärtes Ziel von mir aus früheren Jahren war und ist es, jederzeit aus dem Stand einen Halbmarathon laufen zu können. Das klappt und das finde ich wunderbar 😀

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18 Kommentare zu “Moor(halb-)marathon

  1. Herzlichen Glückwunsch, lieber Volker! Deichläufer goes Halbmarathon – kannst du dich überhaupt noch erinnern, wann du das außerhalb des Trainings zum letzten Mal gemacht hast?

    Dass du den Lauf im lockeren Trainingstempo genossen und reichlich fotografiert hast, kann uns nur recht sein. So konntest du ein paar Eindrücke von der Strecke für uns festhalten und nicht nur einen defekten Toilettenwagenfußboden! 😉

    Die Begegnung mit so charmanten Damen wie den Moorhexen, ein Lauf in teils sehr schöner Landschaft und vor allem die sehr spezielle „Finisher-Medaille“ entschädigen sicherlich für den Schlafverzicht, oder? Und selbst wenn nicht: Du darfst deine treuen Groupies nicht enttäuschen! 😆

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Oha, einen offziellen Halbmarathon? Das ist Jahre her … 😦

      Ich hätte gerne noch mehr fotografiert, aber dann wäre ich gar nicht mehr angekommen 😉

      Die Finisher-Medaille ist wirklich sehr speziell, brennt bestimmt gut :mrgreen:

      Hab ich nicht wirklich treue Groupies? 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Gratuliere zum Halbmarathon „aus dem Stand raus“!!! 😀
    Das war ja wirklich eine spontane Aktion – so weit möchte ich auch mal kommen, dass ich ohne Vorbereitung einfach so die HM-Distanz laufen kann. Die Landschaft ist ja wirklich „speziell“ 😉 – da bin ich ja gleich noch mehr gespannt, ws mich dann bei „meinem“ HM in 4 Wochen so an „Landschaft“ erwartet. 🙂 Schön, dass deine Groupies auch mitgereist sind – nur: auf dem Moorhexenbild hab ich dich nicht gefunden ;).
    Super Aktion, wünsch dir einen feinen Sonntag Abend!

    • Danke, liebe Doris

      Da kommst Du auch noch hin. den HM-Level erreicht man ja noch mit überschaubarem Aufwand.

      Auf Deinen HM-Bericht bin ich auch schon gespannt 🙂

      Du hast mich auf dem Moorhexenbild nicht gefunden? Ich auch nicht! Ist doch wie verhext 😀

      Danke, gleich kommt der Grill an.

      Ich wünsche Dir nochmal gute Besserung!

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Das Loch im Klo hätte auch anders ausgehen können. Glück gehabt!
    Einen Halbmarathon einfach mal so kurz nebenbei laufen zu können ist wirklich ein tolles Gefühl! Hättest bestimmt auch noch deutlich länger laufen können oder!? Bist wirklich gut in Form.

    Gut das du die Startnummer bei den Hexen schon angelegt hast. Wäre sonst schwer geworden dich zu finden. 😉

    Ich finde Medaillen aus Holz immer viel schöner! Wehe du verbrennst sie! 🙂

    • Ja, diese Trittfalle war nicht ohne. Wieder mal Glück gehabt.

      Der ein oder andere Kilometer mehr wäre sicher noch gegangen. Ich denke mal ohne Qual wäre ich vielleicht noch auf 25, 26 Kilometer gekommen, dann wäre es wohl so langsam anstrengend geworden, trotz des mauen Tempos.

      Wozu Startnummern doch nicht alles gut sind :mrgreen:

      Ich werde die Medaille in Ehren halten, wie alle Medaillen meiner ja nicht ganz so zahlreichen offiziellen Läufe! 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Glückwunsch zu dem spontanen Entschluss. Und einen 6:01er Schnitt würde mir schon reichen bei einem HM. Habe ich noch nie geschafft. Sehr originelle Medaille. Hat was.
    Liebe Grüße
    Karina

    • Danke, liebe Karina. Ich war offiziell schonmal 13 und inoffziell sogar 18 min „schneller“ Immer noch keine Rakete, aber doch ein deutlicher Unterschied. Aber ich eiere ja immer in meinem Alltagstempo rum, da sind keine Wunder zu erwarten 😉

      Dafür bist Du in Sachen Sport um einiges fleißiger und vielseitiger 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,

    hört sich gut an und liest sich gut. Kann mir gut vorstellen, wie die Monokulturen und die „Ausdünstungen“ sich angesehen und angerochen haben müssen, allerdings scheint das Moor dann wenigstens für eine gewisse Entschädigung gesorgt zu haben. Aus dem Stand einen Halben in einem ruhigen Tempo ist schon respektabel und ich wünsche Dir, dass es so bleibt, Zeit ist eh sekundär, Hauptsache es hat Spass gemacht.

    Salut
    Christian

    • Lieber Christian,

      die Vechteraner Gegend ist wirklich ein erschreckendes Sinnbild für Agrarindustrie und das Goldenstedter Moor ist umzingelt von dieser „Landschaft“. Aber so ein Moor hat schon was.

      Die Zeit ist sekundär, sehe ich genauso. Irgendwie bekam ich auch einfach kein Tempo drauf und der Halbmarathon war mal eine schöne Abwechselung.

      Moin Moin
      Volker

  6. Hallo Volker,
    schöne Eindrücke aus dem Moor. Das wäre was für mich, so ein „anderer“ Lauf! Und erst die Medaille“, wenn das mal keinen Hexentanz wert ist!
    Glückwunsch zur absolvierten DistanZ!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Hallo Elke,

      och, Du gönnst Dir zur Zeit doch auch gerade jede Menge „anderer“ Läufe 🙂

      Die Medaille ist so rustikal wie die typische, deutsche Wohnzimmereinrichtung der 80iger Jahre. Die hat schon wieder was 🙂

      Danke und liebe Grüße
      Volker

  7. Der Deichläufer auf dem Suchbild ist der zweite von Rechts, oder? Warte, oder war es der zweite von Links (ich habe eine Rechts/Linksschwäche). Naja, egal, ich glaube einer von den beiden ist es. Weil ganz link, ganz rechts und in der Mitte das sind ja nun eindeutig Moorhexen. 😆
    Einen 6:01 Schnitt für einen spontanen Halbmarathon ist doch wunderbar. Die meisten Menschen können so schnell noch nicht mal über 5 km laufen. Außerdem bist du ja anscheinend eh ständig stehen geblieben um Fotos zu machen :-). Also ist diese Zeit wohl eh nur so ein Ca. Wert. Gelaufen biste nämlich schneller :-).
    Liebe Grüße
    Helge

    • Der zweite von rechts ist richtig, der stabile, kräftige :mrgreen:

      Stehengeblieben bin ich nur zweimal ganz kurz und mit mir bleibt dann auch die Laufuhr stehen, also stimmt das Tempo schon 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Auf dem Suchbild habe ich den Deichläufer natürlich SOFORT gefunden! Der steht ganz links hinten hinter dem Gitter auf der Wiese! War einfach… 😉
    Auch von mir: Gratulation zum spontanen Halbmarathon. Klasse – die Zeit finde ich gar nicht so schlecht (liegt an meinem eigenen Trainingszustand… 😉 ) und da Dein Motto ohnehin das Geniessen des landschaftlich schönen Laufes war, ist doch alles super! Die Medaille finde ich gut – nachhaltiger geht es wohl kaum. 😉
    Viele liebe Grüße vom niederrhein,
    Thomas

    • Das Suchbild hat ja schon wirklich ein Vielzahl von Interpretationen gebracht, erstaunlich, erstaunlich 😀

      Danke Thomas, zum Gucken war das Tempo gut, auf den ausgekauten Moorwegen hätte ich sonst nur noch auf meine Füße schauen müssen.

      Naja, an der Nachhaltigkeit stört noch etwas das Plastikbändsel 😉

      Liebe Grüße zurück von der Hunte
      Volker

  9. Einen Halbmarathon… locker aus der Hüfte… nicht schlecht !!
    Ich müßte für die Strecke momentan doch etwas beißen. Derzeit hält mich ein Umbauprojekt doch häufiger vom Laufen ab, als mir lieb ist. Aber so ist das manchmal.

    Prioritäten setzen…. und da ist Laufen halt nicht immer ganz oben auf der Liste.
    Die Lösung wäre ja, früh am morgen zu laufen. Aber mit der Idee kann ich mich immer noch nicht gegen mich durchsetzen 😉

    • Umbauprojekt? Das bindet Zeit und Kraft. Aber solche Projekte haben ja ein Vorteil: Sie sind irgendwann mal fertig und dann ist wieder Zeit fürs Laufen.

      Morgens früh laufen ist auch nicht so meins, das kann ich gut nachvollziehen, dass Du da Probleme mit Dir selber hast 😉

      Liebe Grüße
      Volker

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