Einfach laufen – ist Laufen einfach?

Wie kommt der Mensch ans Laufen?

Also zu allererst bekommt er in der Regel irgendwann so grob geschätzt im Alter von einem Jahr die Kurve dahingehend, in den mehr oder weniger aufrechten Gang überzugehen. Das festigt sich dann mit der Zeit und mit etwas Glück entwickelt der Mensch dann in späteren Jahren Ambitionen, es nicht nur beim reinen Gehen zu belassen sonders sich zum Zwecke der körperlichen Ertüchtigung laufend zu bewegen.

Bis er auf diesen Bolzen kommt, hat er das Laufen und Rennen seiner Kindheitstage durch die Segnungen des zivilisatorischen Fortschritts allerdings schon wieder verlernt. Vom Mofa, über das Auto, von der Rolltreppe bis zum Aufzug nutzt er die Bequemlichkeiten des Alltags und ist bequem geworden.

Verlernt hat er auch, was ihm als Kind noch selbstverständlich war. Nämlich dann wieder in seinem Bewegungsdrang zurückzurudern, wenn der Körper streikt. Kein Kind rennt noch rum, wenn es völlig kaputt und außer Atem ist. Es rennt auch erstrecht nicht rum, wenn ihm irgendetwas weh tut.

Der Bewegung entwöhnt will und kann der Körper anfänglich nicht so, wie der Geist sich das vorstellt. Und eben dieses Wollen und Können in einen der Gesundheit förderlichen Einklang zu bringen, ist die hohe Kunst. Dies gilt für alle Sportarten, aber im Besonderen auch für das Laufen.

Dieses Themas hatte sich erst vor wenigen Tagen Margitta angenommen, am Beispiel eines ambitionierten Läufers, der sich binnen Jahresfrist gesundheitlich ins Off geschossen hat. Sie hat das verbunden mit der Frage, wie es denn ihrer treuen Leserschaft so ergangen ist. Die Antworten sind so bunt, wie das Leben und die Menschen ansich.

Auch ich habe meinen Senf dazugegeben und mir eine kleine Watschen von Margitta geholt, die ich so nicht stehen lassen wollte 😉

Wie geht der Mensch, der nun meint laufen zu wollen, das ganze an? Wieder bietet sich eine große Vielfalt. Die einen gehen in einen Lauftreff, andere schließen sich einem Verein an, andere gönnen sich einen Personal Trainer und wiederum andere versuchen ihr Glück alleine.

Zur letzteren Fraktion gehöre ich. Das dieser Weg nicht der einfachste Weg ist, habe ich schon in meinem Intro erwähnt und erzähle dort, dass ich zu Beginn erstmal alles falsch gemacht habe. So sammelt man seine ersten Erfahrungen, wird auch mal aus Schaden klug, und braucht auch mal das Quentchen Glück, auf die richtigen Leute zu treffen, die einem z. B. alleine schon mal die richtigen Schuhe verkaufen.

So entwickelt man sich fort, läuft und freut sich das es läuft. Bis es dann auch mal wieder nicht läuft. Zum einem weil man seine Grenzen sucht und diese auch mal nur durch deren Überschreitung findet und zum anderen, weil man sich schlicht und ergreifend mal verletzt hat.

Als Kommentar auf Margittas Artikel hat Christian das in wunderbare Worte gefasst:

„Manche Verletzungen kann man nicht beeinflussen und sind nicht zwingend einer Überlastung geschuldet, dennoch ist es wichtig, die Signale des Körpers richtig zu deuten und auch entsprechend zu handeln. Sicher gibt es den einen oder anderen Schmerz, den man “weglaufen” kann, doch meistens sind Schmerzen Zeichen eines Problems und dann muss gehandelt werden.“

Da sind wir wieder bei der hohen Kunst. Wenn ich mal -ausnahmsweise 😉 – von mir reden darf: Ich habe schon so manche Verletzung ausgestanden, wochenlang auf den Tag X gewartet, an dem ich wieder laufen konnte. Nur um dann wenige Tage später an anderer Stelle ein anderes Wehwehchen zu haben.

Wenn ich wirklich nur dann laufen wollte, wenn mir definitiv nichts, aber auch gar nichts weh tut, würde ich faktisch so gut wie nie laufen. Einen Schmerz im glücklichsten Fall weglaufen oder als nicht relevant einstufen zu können oder aber zu sagen „Stop, hier wird es ernst“, das ist eben manchmal nicht so einfach.

Guter Rat von Laufererfahrenen sind mir dabei wirklich willkommen und werden von mir auch ernst genommen. ABER:  Auch das ist nicht immer leicht umzusetzen. Grenzen sind individuell. Außerdem widersprechen sich auch die Fachmeinungen. Ein Beispiel: Aufgrund einer Laufverletzung war ich beim Orthopäden, der mir Einlagen verordnete, eine uns allseits bekannte Ultraläuferin hält nichts davon. Wer hat recht?

Die Einlagen haben das bekannte Problem beseitigt und Monate später ein anderes geschaffen. Was ist / war nun richtig? Also hilft nur wieder der eigene Kopf um eine Entscheidung pro und contra zu treffen.

Sind Rainers aktuellen Probleme einer Überlastung geschuldet? War vor langer Zeit Christians Bruch des Mittelfußknochens Unvernunft geschuldet? Gesundheitliche und verletzungsbedingte Probleme gehören zum Leben des Läufers wie zu dem eines jeden anderen Menschen.

Es gibt sie, die die sich selber zugrunde schinden, um irgendwelcher zweifelhaften Erfolge wegen. Diese Menschen sind  immun gegen jede Vernunft und unbelehrbar. Wenn sie dann so schnell wieder von der Laufbühne verschwunden, wie sie erschienen sind, dann ist das eben so.

Auch ich war aus reiner Unvernunft verletzt, wo sich der Kopf gegen den Körper durchsetzen wollte. Ich habe mit diesem Blödsinn nicht hinterm Berg gehalten und auch darüber geschrieben und ich habe meine Lehre daraus gezogen.

Das wichtigste, was ich aber sagen möchte ist, dass das Laufen einen sehr wichtigen Stellenwert in meinem Leben einnimmt, den ich nicht leichtfertig aufs Spiel setzen werde. Leider, leider wird das nicht ausschließen, dass ich mich auch in Zukunft nochmal wieder verletzen werde. Im schlimmsten Fall auch nochmal wieder durch einen Grenzgang. Beim Laufen ist es wie im Rest des Lebens, niemand wird mir den Königsweg aufzeigen können, so es ihn den überhaupt gibt.

Auf sich selber achten, die Erfahrungen anderer nicht außer acht lassen, Kopf und Körper in Einklang zu bringen, wird meine (Lauf-)Lebensaufgabe bleiben und solange das Pendel in der Hauptsache zum Positiven ausschlägt, ist schon viel gewonnen. Mehr zu erwarten wäre vermessen.  Im Laufen wie im Leben.

Einfach laufen – MANCHMAL gar nicht so einfach …

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22 Kommentare zu “Einfach laufen – ist Laufen einfach?

  1. Erster! 😉
    Hallo Volker,
    vieles von dem was Du schreibst kann ich auch unterschreiben. Die Grenzen zu erkennen ist manchmal nicht leicht, sie zu respektieren ist manchmal noch schwerer. Das Leben ist voll von Menschen die gut gemeinte (manchmal sogar auch gute) Ratschläge erteilen, nur welcher Ratschlag gerade für mich der richtige ist, muss ich selbst herausfinden. 3 Mediziner = 5 Meinungen = ? Welche Methode, Therapie, vorgehensweise ist die Richtige? Was hilft, was hilft und macht nichts anderes kaputt? Das muss jede/r für sich selber herausfinden glaube ich.
    Und ja – ich glaube, dass es dabei Fehler geben kann (vielleicht auch geben muss?). Und nein, ich finde das nicht schlimm. Fehler sind nur dann schlimm wenn man nicht aus ihnen lernt.
    Du schreibst, Du hättest aus Deinen Fehlern gelernt. Dann hast Du aus meiner (ganz persönlichen) Sicht vieles richtig gemacht. Ich gestehe mir selber auch zu Fehler zu machen – aber wenn ich den gleichen Fehler zweimal mache (oder gar noch öfter) und nicht lerne oder reagiere wenn ich merke dass etwas falsch läuft, dann bin ich ein Idiot.
    Von daher – ich glaube, dass jeder Mensch für sich herausfinden muss was für ihn „richtig“ ist. Dabei KÖNNEN Ratschläge anderer helfen… Und wenn jemand Fehler macht aus denen er lernt – dann ist das gut so. Schlimm sind die Unbelehrbaren, die auch aus Fehlern nicht lernen.
    Just my 2Cents – wie der Lateiner sagt… 😉

    • Hallo Thomas,

      das ist das, was ich mit diesem Post zum Ausdruck bringen wollte. Nicht immer hat man seine Verletzungen wirklich „verschuldet“. Da wo man es doch hat, muß man aus diesen Fehlern lernen. Jeder Körper reagiert anders und hat andere Grenzen und die muß man selber austesten und erkennen. Gute Ratschläge und Erfahrungen anderer sind da wirklich hilfreich und mahnen zur Vorsicht, die eigene Grenze können wie aber nur schwer abstecken. Das hängt sicher auch viel von der Veranlagung ab.

      Lieben Gruß an den anglophilen Lateiner 😉
      Volker

  2. Uiui, Volker, da geht Dir aber vieles im Kopf herum, wird Dir da nicht schwindelig? Aber im Ernst, das ist ein wichtiges Thema, wie ich finde.
    Meine Erfahrung: Es führt nichts daran vorbei, den eigenen Kopf zu benutzen, den Bauch zu Rate zu ziehem und auf die Beine (inkl. Füße) zu hören.
    Was dem einen nützt ist für den anderen Gift, wie whiteytah schon schrieb.
    Mein persönliches Beispiel: Als ich mit meinem Bandscheibenproblem (kleiner Vorfall, spürbar bis zur Oberschenkelmitte, aber keine Lähmungserscheinungen) zu tun hatte, bekam ich 3 Medizinermeinungen:
    Der Hausarzt:
    „Um Himmels Willen, lassen Sie das Laufen sein! Bedenken Sie welchen Druck bei jedem Laufschritt auf die Wirbelsäule zukomt …usw. usw. usw“
    Der Röntgenfacharzt:
    „Haben Sie Lähmungserscheinungen? Nein? Schmerzpille einwerfen und weitermachen. Was meinen Sie, wieviele Leute einen Vorfall haben, und das noch nichtmal wissen“
    Der Orthopäde:
    “ Tasten Sie sich langsam heran, vorsichtig. Laufen hat ja auch andere positive Aspekte.“
    Meine Wahl kannst Du nun raten… 🙂
    Andere Meinungen höre ich mir gern an, besonders, wenn sie begründet sind, und versuche herauszufinden, was ich daraus lernen/erfahren/entnehmen kann. Dann mache ich mir mein Bild. Denn ich bin es ja, die da läuft.
    Ist wie mit den Laufschuhen: Der eine hat „seine“ Marke, sein Modell, das bedeutet noch lange nicht, dass der andere damit genauso gut klarkommt.
    Und manchmal lernt man eben nur durch eigene Erfahrung und Ausprobieren, das kann einem keiner abnehmen.
    In diesem Sinne – lauf weiter – hab Spaß dabei – bleib gesund!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke, mir geht immer viel zu viel im Kopf rum, schwindelig ist mir da öfters 😉

      Du hast es also auch schon erlebt. Du hast auf den Orthopäden gehört und es ist gut gegangen. Wäre es schiefgegangen, hätte der Hausarzt Dir gesagt: Sie wollten ja nicht auf mich hören.

      Deshalb ärgert es mich schon etwas, wenn einem gesagt wird, du wolltest ja nicht hören.
      Und wo ich mir wirklich selber was versemmelt habe, bin ich auch Manns genug dazu zu stehen, wo andere dann vielleicht lieber versuchen es unter den Teppich zu kehren.

      Da wo ich meinte mal unter professioneller Hilfe auf meinen ersten Marathon zu trainieren, da war der „Experte“ völlig für den A…. Andere haben da vielleicht mehr Glück, aber das kann man ja leider nicht erzwingen.

      In diesem Sinne werde ich weiter laufen, Spaß haben und hoffentlich einigermaßen gesund bleiben.

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker, das hat dich ganz schön beschäftigt, wie man lesen kann.

    “ Wenn ich wirklich nur dann laufen wollte, wenn mir definitiv nichts, aber auch gar nichts weh tut, würde ich faktisch so gut wie nie laufen „. Das verstehe ich nicht, soll heißen, du hast stets mit irgendwelchen Malaisen zu kämpfen, die dich vom Laufen abhalten könnten ? Das kenne ich an mir überhaupt nicht. Klar, es gibt solche und solche Tage, aber wenn ich permanent von Schmerzen gequält werden würde, dann wäre das Laufen definitiv der falsche Sport für MICH.

    Meine Lauferfahrung lehrt mich, ich kann nur von mir sprechen, je länger ich mit Verstand gelaufen bin – und nicht nur mit den Füßen,umso weniger hatte mein Körper zu leiden, soll heißen, dass ich mich anfangs vertrauensvoll in die zum Glück zur Verfügung stehenden Hände erfahrener Läufer begeben habe, die mich in der ersten Zeit dorthin geführt hatten. Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar, ohne sie wäre ich wahrscheinlich nie dort angekommen, wo ich letztendlich erfolgreich (für mich !!) gelandet bin.

    Später wusste ich dann alleine mit meinem Körper umzugehen, habe ihn gefordert, gleichzeitig aber wieder genügend Erholung angeboten, damit er mir wieder das gibt, was ich von ihm wünsche.

    Nicht jeder hat das Glück, Verletzungen stets aus dem Wege gehen zu können, da spielen mehrere Faktoren eine Rolle, nicht zuletzt das eigene Verhalten, aber auch die körperliche Konstitution und unvorhersehbare Unglücksfälle – wie z.B. bei mir der Pirifies – der mich aus heiterem Himmel lange Zeit schmerzhaft außer Gefecht gesetzt hatte, ohne dass ich mir eines Fehlverhaltens oder Überstrapazierens bewusst war. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man es weitgehendst selbst in der Hand hat, viele Jahre verletzungsfrei laufen zu können, wenn man sich zu Beginn des Laufens langsam herantastet, sich ein solides Fundament schafft, um dann Jahrzehnte mit dem Verstand und den Beinen zufrieden als Läufer unterwegs zu sein.

    “ Beim Laufen ist es wie im Rest des Lebens, niemand wird mir den Königsweg aufzeigen können, so es ihn den überhaupt gibt “ – auch das sehe ich anders,weil ich es selbst am eigenen Körper erlebt und zum Glück dort hingeführt wurde, um dann irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen.

    Uff – geschafft – sonnige Grüße 😎

    • Es hat mich sehr beschäftigt, liebe Margitta 🙂

      Ich habe nicht stets aber oft mit irgendwelchen Malaisen zu kämpfen. Sei es der permanent vorhanden Knorpelschaden im linken Knie, sei es das mal hier oder mal da eine Sehne zwickt oder der linke oder der rechte Rist mault oder die Plantarsehne weil von unten die Einlage zu hart drückt. Aktuell murrt seit einigen Tagen die rechte Hüfte, warum auch immer, die sich plötzlich meldet. Das sind keine Schmerzen die quälen, unter Qualen würde ich nicht laufen, so schön könnte kein Sport der Welt sein. Aber es sind immer wieder mal Alarmsignale, bei denen ich entscheiden muß, ob eine Laufpause oder gar ein Arztbesuch angesagt ist. Und ich kann ja nun auch nicht immer beim Arzt hocken und ich bin leider auch kein Profisportler, der ständig einen Sportmediziner als Ansprechpartner hat.

      Ich sehe Laufen als DEN richtigen Sport für mich. Andere Sportarten, andere Probleme.

      Du schreibst „dass ich mich anfangs vertrauensvoll in die zum Glück zur Verfügung stehenden Hände erfahrener Läufer begeben habe“ Das Glück muss man aber auch erstmal haben, genauso wie das Glück einer entsprechenden Veranlagung.

      Böse Zungen könnten zum Beispiel auch behaupten, dass Dein Piriformisproblem nur eine logische Konsequenz Deiner vielen Lauferei ist. Wenn es wirklich so wäre, hättest Du es hören wollen?

      Wenn Du Menschen hattest, die Dich auf den Königsweg geführt haben, hast Du wirklich ein riesen Glück, dass Dich gepaart mit Talent und Veranlagung an Dein Ziel geführt hast. Ich sehe das nicht als alltäglich an.

      Ich bin nach wie vor von Deinem Läuferleben sehr beeindruckt. Aber mein Kopf und
      Körper sagen mir unisodo, dass ich das gar nicht erst versuchen soll, allzu sehr in diese Richtung zu gehen. Weil das würde mich unweigerlich eher über Kurz als über Lang ins Off führen.

      Von einem klitzekleinen 55 km-Lauf in näherer Zukunft mal abgesehen 😉

      Uff, auch geschafft, ebenso sonnige Grüße zurück an die Ostsee 😎
      Volker

  4. Uff, ich werde keinen so langen Kommentar schreiben, stimme Dir eh in vielen Dingen zu, die Du da zusammengebracht und niedergeschrieben hast. Allerdings ist auch klar, dass Laufen zu einer Droge werden kann. Jeder, den es einmal richtig gepackt hat, wird in irgendeiner Weise übertreiben oder Dinge ausprobieren, die ihm nicht bekommen. Leider hat nicht jeder die Konstitution, das dann ohne Folgen wegzustecken.

    Ich werde wieder auf die Bein kommen und freue mich darauf, die Freude des Laufens wieder erleben zu dürfen. Und dann werde ich ganz vernünftig sein. Ganz bestimmt 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Zwar kenne ich mich grundsätzlich nicht mit Drogen aus. Aber mancher der schon mal Drogen probiert hat und die damit einhergehenden Glücksgefühle genossen hat, hat trotzdem erkannt, dass ihm die Drogen auf Dauer kaputtmachen.

      Viele, die solche Höhenflüge erlebt haben, bekommen dann doch wieder Bodenhaftung. Du hast Dir Deine Erfolge mit einem gewissenhaften Training erarbeitet und ich schätze Dich schon so ein, dass Du es hättest sein gelassen, wenn Dein Körper da nicht mitgespielt hätte.

      Klar kommst Du wieder auf die Beine und freust Dich wieder übers Laufen. Sollte ich dann irgendwie den Eindruck gewinnen, dass Du auch nur ein Fünkchen unvernünftig werden solltest, werde ich Dich an Deinen letzten Satz erinnern 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Ui, da steht jetzt schon so viel kluges, dass ich gar nicht mehr viel dazu sagen kann.
    Dass das Laufen einen sehr hohen Stellenwert im Leben von uns Läuferbloggern hat, ist glaub ich unumstritten und vermutlich auch unser gemeinsamer Nenner. 😀
    Wie jeder einzelne von uns mit den körperlichen Anforderungen, die das Laufen mit sich bringt umgeht, ist wohl so verschieden, wie wir alle nun mal sind. Und vor allem: der eine steckt etwas weg, was den anderen aus der Bahn wirft.
    Daher höre ich wohl immer genau hin, wenn mir jemand gute Ratschläge gibt, bin aufmerksam, wenn ich erzählt bekomme, wie mit dieser oder jener Verletzung umgegangen wurde, entscheide dann aber trotzdem immer ganz individuell für mich, wie ich mich verhalte. 😉
    Lieben Gruß, Doris

    • Auf den gemeinsamen Nenner wäre ich gar nicht gekommen :mrgreen:

      Ich bin genauso offen für gute Ratschläge und sie haben mir auch schon viel genützt und geholfen und werden es auch in der Zukunft tun. Aber sie können halt die eigenen Erfahrungen nicht ersetzen. Um unsere eigenen Entscheidungen kommen wir damit nicht umhin und das ist auch gut so 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Was ist denn hier los? Gamze Romane werden verfasst! Da mach ich nicht mit! 🙂

    Es ist doch ganz einfach: Es gibt Menschen die sind einfach verletzungsanfälliger als andere was noch nicht mal an zuviel Training liegen muss. Ich nenne jetzt einfach mal ein Beispiel aus der Fussball-Bundesliga. Robben und Thomas Müller kennst du?! Obwohl sie eigentlich immer nahezu das identische Training durchführen ist Robben sehr oft verletzt und Müller so gut wie nie. Es liegt wohl einfach an der körperlichen Konstitution und Margitta hat wohl einfach auch viel Glück gehabt dieser Gruppe anzugehören wenn man NIE irgendwelche Beschwerden hat. Kann ich mir gar nicht so richtig vorstellen…. war da nicht mal etwas mir Pirifies?! 🙂 Nicht übel nehmen Margitta. 😉
    Dieses Problem hat sie sehr lange gequält auch wohl darum weil sie nicht lange genug pausiert hat…..
    Machmal muss man eben die Grenzen ausloten. Vor allem dann wenn man seine Leistung steigern möchte. Geht der Schuss dann nach hinten los ist es auch egal weil es genug Alternativsportarten gibt um seine körperliche Verfassung hoch zu halten.

    Mach nur weiter so Volker!

    Lieben Gruß
    Frank

    • Frank bringt es auf den Punkt, es ist ganz einfach. Auch wenn ich die beiden Fußballer jetzt nicht so wirklich kenne, ist das Beispiel sehr plausibel. Leider bin ich da wohl eher der Robben. Und ich gehe sicher nicht gerade sehr oft an meine Grenzen, wie ja auch die meine Laufdaten sicher wiederspiegeln.

      Alternativesportarten nehme ich im Ernstfall ja auch in Anspruch, wie z, B. Radfahren oder Powercouching :mrgreen:

      Ich werde wohl erstmal so weitermachen 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Puh, nee, Romane kann und will ich jetzt auch nicht mehr schreiben. Die medizinischen und psychologischen Aspekte, die hinter dieser ganzen Diskussion stecken, sind einfach zu vielschichtig, da würde ich kein Ende finden.

    Ich versuch’s mal kurz: Es gibt Verletzungen, die sich eindeutig als selbstverschuldet oder als schicksalhaft einordnen lassen. Aber die Grauzone dazwischen ist sehr breit. Mit zunehmender Lauferfahrung kennt man seinen Körper und lernt, den Anteil selbstverschuldeter Verletzungen zu reduzieren, weil man z.B. zwischen „noch ok“ und „schon zuviel Umfang/Intensität“ oder zwischen „harmlosem“ und „bösem“ Schmerz unterscheiden lernt.

    Wenn die Unterscheidung mal nicht gelungen ist und man sich eine Verletzung eingehandelt hat, gelten zwei Maximen, die sich mit ganz normalen Prinzipien des Denkens und Empfindens erklären lassen (die gelten natürlich nicht in jedem Einzelfall, aber spiegeln das Wesen menschlichen Denkens wider):

    (1) Hinterher ist man immer schlauer! (kein Wunder, vor dem Hindergrund des nun bekannten Ausgangs der Geschichte interpretiert man die Informationen, die man vorher hatte, ganz anders – unser Gedächtnis funktioniert so, dass es Erinnerungen – unbewusst – verzerrt, so dass unser Bild von dem Geschehen wieder in sich schlüssig ist).

    (2) Andere behaupten, sie hätten von Anfang an gewusst, dass das nicht gut geht! Und sie hätten diesen Fehler NIE gemacht. (natürlich nicht! Ohne die Illusion von Kontrolle wäre unser Leben stressig – es entstehen keine guten Gefühle, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass wir unser Schicksal nicht immer in der Hand haben. Ergo schützen wir unser Gefühl von Unverwundbarkeit, indem wir anderen die (Mit-)Verantwortung an ihrem Schicksal geben – sie haben ja etwas Falsches getan oder etwas Richtiges unterlassen. Wir selbst würden anders handeln – also kann uns nichts passieren. Überflüssig zu sagen, dass uns sehr wohl etwas passieren kann. Aber das war dann Schicksal!)

    Kurzum: Am besten lernen wir, unsere Grenzen zu erkennen. Dafür müssen wir sie ausloten, aber nicht bis zum letzten Millimeter ausreizen. Ich neige inzwischen zu einer gewissen (Über-)Vorsicht. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass es mich über kurz oder lang auch mal wieder „erwischen wird“, weil ich ein Körpersignal fehlgedeutet habe. In solchen Fällen des „Auf die Nase-Fallens“ gilt: Aufstehen, Krone richten, weiterlaufen – und überlegen, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, den Sturz künftig zu vermeiden!

    So, jetzt isses doch ein Roman geworden! 🙄

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Liebe Anne,

      das mit der Grauzone hast Du sehr gut beschrieben und auch Deine psychologische Fachabhandlung gibt einen interessanten und so wahren Kurzeinblick in die menschliche Denke.

      Zum Kurzum: Sobald die Krone wieder sitzt und kein Zacken aus ihr herausgebrochen ist, wird weitergelaufen 🙂

      Danke für Deine Erklärungen.

      Soviel lange Kommentare auf einen so langen Text, das ist, glaube ich, eine Premiere auf meinem Blog 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Lieber Volker,

    Du hast so Vieles in Deinem Beitrag absolut treffend formuliert und ich kann Deine Gedanken so gut nachvollziehen. 2008/2009 stand ich genau mit den selben Gedanken da und habe versucht für mich eine Lösung zu finden und da ist auch schon der Knackpunkt: Laufen ist sehr individuell. Es gibt sie die Talente, die teilweise immun zu sein scheinen gegen jede Art der Verletzung. Nur ein Beispiel aus dem Lauf-Treff, ein Läufer in meinem Alter, Marathon-Bestzeit so um 2:40, der rannte 10 km wie der Teufel, musste dann 5 Minuten verschnaufen, sich erholen und rannte dann wieder 10 km wie der Teufel usw. Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass er Spaß am Laufen hatte, ich kann es mir einfach nicht vorstellen.
    Laufen heißt auch Lernen, auf den Körper zu hören und zu reagieren. Es ist schmerzlich und manchmal hat man das Gefühl, man macht alles falsch, dann ist es gut von den Erfahrungen anderer altgedienter Läufer zu profitieren, allerdings ist es schwer, die eigenen Vorstellungen aufzugeben und den Rat anderer anzunehmen. Anne hat ja auch noch andere Aspekte genannt und sie hat damit vollkommen Recht. Es dauert, wenn man nicht als Amateur oder Profi unterwegs ist, ein paar Jahre bis man den Bogen raus hat, und selbst dann ist man nicht gefeit sich zu verletzen. Ein trainierter und nicht übertrainierter Körper steckt vieles einfacher weg, aber er ist auch anfälliger, deshalb muss man seinem Körper immer genügend Zeit geben und wie kann es anders sein, auf die Signale hören. Das ist für mich der richtige Weg und selbst das hat mich nicht geschützt vor Laufverletzungen und Problemen.

    Lass Dich nicht unterkriegen, mach Dein Ding und nimm den einen oder anderen Ratschlag von Freunden an, mehr kannst Du nicht tun 😉

    Salut und schönes Wochenende

    Christian

    PS: Dein Beitrag gefällt mir sehr, er stößt zum Denken an und ist nicht verallgemeinernd, Danke dafür 🙂

    • Lieber Christian,

      danke für Dein positives Feadback. Du gibtst die Dinge nochmal genauso wieder, wie ich sie gemeint habe. Den richtigen Weg gefunden haben und trotzdem nicht vor Laufverletzungen und Problemen geschützt sein. So sehe ich mich auch.

      Ich bilde mir auf meine knapp neun Jahre Lauferei nichts ein, aber die eine oder andere positive wie negative Erfahrung habe ich doch schon gesammelt und ich werde auch noch in den nächsten 10 oder 20 Jahren dazulernen und Erfahrungen sammeln. Ich freue mich auf das, was da kommt.

      Auch ich betrachte manchmal das läuferische Tun anderer kritisch oder mit Sorge und äußere auch schonmal leise meine Bedenken, von daher bin ich selber auch offen für Anregungen, Tipps und Mahnungen zur Vorsicht. Speziell von Freunden sind mir diese immer willkommen 😀

      Moin moin und auch Dir ein wunderbares Wochenende
      Volker

  9. Wow… langer Text, lange Kommentare.

    Da will ich mich etwas kürzer fassen. (Den Vorsatz hatte Anne ja auch 😉 )

    Gerd hatte mal auf seiner DiRo-Seite einen thematisch ähnlichen Text. Darauf kam dann ein Kommentar, der bei mir hängen geblieben ist:

    “ Ich mag ja das Zitat “Ein Hobby ist erst dann ein Hobby, wenn man es übertreibt”
    … ABER …
    Ein Hobby ist auch dann erst ein Hobby wenn es gut tut! „

    • Cool gelle, das habe ich hier auch nicht alle Tage 🙂

      Das Zitat hat da wirklich einen wahren Kern und bringt Würze durch Kürze 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  10. Ehrlich gesagt, habe ich mir noch nie so intensiv Gedanken gemacht, ob laufen einfach ist. Ich laufe einfach, so wie ich das für mich als richtig erachte. Ich musste mir die gesamte Laufwelt auch allein erschließen und habe mich der Hilfe von verschiedensten Bücher bedient. Der Austausch mit anderen Läufern im Laufforum hat mir auch geholfen.
    Ich bin, so wie Anne, eher vorsichtig und habe im Laufe der Zeit festgestellt, wie mein Körper sich wann anfühlt ,und ob er zum Beispiel eine Pause verlangt, dann mache ich eine. Ach ja, und zu schnelles Steigern mag er auch nicht. Außerdem viel lieber nur 2 Wochen steigern und dann schon Regeneration. Nicht eine Rythmus von 3 Wochen mit einer Ruhewoche.
    Das heißt nicht, dass ich nie unvernünftig war. Vielleicht hatte ich einfach Glück, dass ich mich dabei nie verletzt habe (also, von einem Sturz mal abgesehen), und Dir ist es dann halt anders ergangen. Wer weiß das schon?
    Mach einfach weiter so! Ab und an ist so ein gut gemeinter Ratschlag auch mal ganz nett. Die Entscheidung, ob Du ihn annimmst oder nicht, liegt letztendlich immer bei Dir.
    Den für alle richtigen Weg gibt es sicher nicht.
    Liebe Grüße, Bianca

    • Du läufst einfach, das ist auch das beste. Wer sich nicht verletzt oder mit irgendwelchen Wehwehchen rumplagt, kann das auch genauso halten.

      Ein Sturz zählt auch nicht, das ist ja eine ganz andere Sache.

      Mit Deiner Einstellung hast Du gute Voraussetzungen, Dein Verletzungsriskio zu minimieren und ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass es auch so bleibt, wenn Du Deine Umfänge langsam steigerst 😀

      Ich mach weiter so, Du machst weiter so und hoffen beide, dass es der für uns jeweils richtige Weg ist 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  11. Puh, so ein langer Text…da ich aber gerade von einem Volkslauf komme und noch voller Adrenalin bin ;-), fasse ich mich kurz und sage nur „Laufen ist besser als Nicht-Laufen“. Details folgen 🙂

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

    • Volkslauf??? Da bin ich ja schon mal gespannt, was es da bei Dir zu lesen gibt 😀

      Laufen ist besser als Nicht-Laufen – stimmt ❗

      Liebe Grüße
      Volker

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