Downhill des Nordens

Der Wind heult ums Haus (tut er in unseren effektiv gedämmten Unterkünften ja nur noch, wenn Fenster offen stehen), die Bäume wiegen sich im Wind. Etwas gedreht hat er schon, von Nordost auf Südost und kündet so, zusammen mit den ersten Schleierwolken am blauen Himmel, vom bevorstehenden Wetterwechsel. Von seiner Kraft der letzten Tage hat er aber noch nichts verloren.

03.10.2013 Apfelbaum

03.10.2013 Apfelbaum2

Ich stehe vor der Hausrür, starte meinen Garmin, den ich heute ausnahmsweise um den Pulsgurt ergänzt habe (fiel mir so spontan mal ein) und denke: Böh, schon wieder die Hunterunde? Aber sie paßt nunmal immer so schön von ihrer Länge her. So schlage ich den üblichen Weg ein und werde nach Erreichen des offenen Marschlandes vom kräftigen Wind umstürmt. Ca. vier Kilometer will er mir aus dieser ungewöhnlichen Richtung zeigen, wer hier die größere Puste hat.

Nun, ich kann sagen, dass ich ihm ganz gut die Stirn geboten habe. Ich laufe immer noch einen Schnitt knapp unter 6 und halte damit das gleiche Tempo wie eine Radfahrerin und eine Inline-Skaterin vor mir. Die Kraftanstrengung treibt den Puls aber fast an die 170iger Grenze und deshalb widerstehe ich dem Versuch die beiden einzuholen.

So freue ich mich, als ich an der Hunte angekommen bin, aus dem Wind drehen zu können. Als ob ich einen schweren Anhänger abgekoppelt hätte, läuft es sich nun leicht und locker mit dem Schub des Windes, der mich lässig überholt. Auch die Fahrradfahrerin und die Skaterin enteilen nun wieder uneinholbar.

03.10.2013 Hunte

Ich bin wieder allein mit mir, der Welt entrückt, rede ich mit mir selber. Schreie es in die leere Landschaft hinaus, wie geil es doch ist, diesen vom Wind getriebenen Lauf zu geniessen. Als ich das bemerke, schaue ich mich verstohlen um, ob nicht unbemerkt  ein Radfahrer aufgeschlossen und via Handy schon die Jungs mit der „Hab-Dich-lieb-Jacke“ verständigt hat. :mrgreen:

Den Abzweig zur Huntebrücke mit seiner Treppe lasse ich rechts liegen, will den Schub solange erleben, wie der Weg lang ist. Das sind sechs Kilometer. Sechs Kilometer den Wind im Rücken, sechs Kilometer diese besondere Leichtigkeit des Laufens. Der Downhill des Nordens. Aber welcher laufende Bergbewohner kann schon sechs Kilometer downhillen? 😀

Summa summarum 15,6 km im 5:53iger Schnitt mit einem Durchschnittspuls von 160. Ein hoher Pulswert, aber ich habe schon immer einen recht hohen Puls beim Laufen gehabt und der „Rest“ ist den vier Kilometern harter Laufarbeit gegen den Wind geschuldet. Egal, der Pulsgurt fliegt jetzt erstmal wieder für die nächsten Wochen und Monate in die Schublade.

Was wirklich zählt, ist das wieder mal völlig andere Lauferleben auf der fast immer gleichen Strecke 😀

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14 Kommentare zu “Downhill des Nordens

  1. Lieber Volker,

    ja der Wind kann manchmal erbarmungsloser als ein Anstieg sein, denn bei Zweiterem sieht man ja irgendwann das Ende 😉 Allerdings beides zusammen ist eine echte Herausforderung.
    Downhills von sechs Kilometer sind nun wahrlich keine Seltenheit, das durfte ich in den Voralpen schon häufiger erlaufen, also nur keine Überheblichkeit 😀

    Schönes Wochenende
    Salut
    Christian

    • Lieber Christian,

      So lange Downhills? Dann ist man ja unten angekommen schon unterm Meeresspiegel, außerdem geht das doch viel zu sehr auf die Knie :mrgreen:

      Überheblichkeiten sind mir fremd. Ich bin doch schüchtern und zurückhaltend 🙄

      Moin Moin
      Volker

  2. Hallo Volker,
    das Downhill-Gefühl hatte ich gestern auch und habe es genossen, nachdem ich mich erst „uphill“ gekämpft hatte. Mir war auch aufgefallen, dass der Wind nun aus einer anderen Richtung kommt und auch über Nacht weiter blies, naja, nun plätschert es draußen munter – Wetterumschwung mit Ansage… Der Garten freut sich, und so kann man dann auch mal die Regenklamotten ausführen 😉
    Liebe Grüße
    Elke

    • Erst die Arbeit und dann das Vergnügen zu haben, habe ich selten. Da der Wind meistens aus Westen kommt habe ich in der Regel erst Rückenwind und muß dann dagegen ankämpfen.

      So war es gestern natürlich mal angenehmer.

      Der Wetterwechsel ist da, auch hier Regen.

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Das sind die Läufe, die uns bewusst werden lassen, warum wir es tun, immer wieder. Wenn die Freude uns schreien lässt.

    Zu 6 km Downhill hat Christian ja schon einen Kommentar gegeben. Das ist in Mittelgebirgen und Alpen wirklich keine Seltenheit. Aber man muss vorher erst einmal nach oben kommen.

    Ich freue mich schon darauf, Deine Hunte-Runde kennenzulernen. Das müsste ich dann schon bewältigen können. Und das Tempo passt.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Ja, den ersten Freudenschrei hast Du ja auch schon wieder ausstossen dürfen 😀

      Och, unsere Aufstiege beim Bergwandern waren alle kürzer 😉

      Ich drück die Daumen, dass Du bis dahin eine lockere 14 km-Runde schaffst, ich bin da zuversichtlich.

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Das ist für diese Tempo wirklich ein hoher Puls! Aber wenn du auch auf 220 kommst dann nicht! 😉
    Ein 6km Uphill wäre mir lieber aber das finde ich hier im Spessart leider nicht!

    • Bei meiner Lauferei pulse ich eigentlich immer zwischen 140 und150 bpm. Mein Maximalpuls war mal auf 188 getestet, ist aber schon etwas her.

      6 km Uphill? Du bekommst wohl wirklich nie genug 🙄

      LG Volker

    • Jau, ich mag es ja mit dem Wind zu kämpfen. Das ganze denn noch bei strahlendem Sonnenschein und anschließenden vom Wind treiben lassen, das war einfach nur herrlich.

      Dir auch ein schönes Wochenende.

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Laufen mit dem Wind im Rücken – herrlich! So ein bisschen hab ich das auch erfahren. Weil allerdings meine Nase lief, konnte ich das Erlebnis in meiner letzten Urlaubswoche nicht so oft und intensiv genießen wie gewünscht. Grund genug, wieder mal zum Downhill an die See zu fahren! 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Wenn Dir der Weg zum Downhill an die See mal zu weit sein sollte; ich kann Dir 60 km ersparen und an der Hunte ein ähnliches Feeling bieten 😉

      Ich hoffe, dass die laufende Nase der einzige Schönheitsfehler in Deinem Urlaub gewesen ist.

      Liebe Grüße
      Volker

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