Mein erster Barfußlauf

Das klingt irgendwie nach „Mein erster Schultag“ oder so. Aber während die Kids dem ersten Schultag in der Regel entgegenfiebern (das böse Erwachen kommt ja meist erst später ;-)), war mein erster Barfußlauf überhaupt nicht geplant.

Spontan hatte ich heute mittag meinem Schreibtisch den Rücken gekehrt und habe mein eh reichlich gefülltes Arbeitszeitkonto etwas erleichert um dieses Traumwetter auszunutzen. 22° und Sonne an einem 22.10. kann ich halt einfach nicht im düsteren Büro ertragen. Nein, bei so einem Wetter muß ich laufen, geht nicht anders.

Dazu wollte ich mir etwas Abwechselung gönnen und die Seen und Teiche erkunden, die ich im Frühjahr einmal links der Hunte entdeckt hatte. Dazu bin ich ein Stück mit dem Auto gefahren, um a) den Lauf zeitlich nicht ganz ausarten zu lassen und b) ich so mal wieder in meine Barfußschuhe schlüpfen konnte, da sich die Strecke ausschließlich abseits befestigter Wege laufen ließ.

22.10.13 SunnyboySunnyboy 🙂

Die Teiche und Seen sind eine nette Abwechselung, viele Vögel rasten dort zur Zeit. Allerdings waren die Wege drumherum teilweise mit Brennesseln übersät und zugewuchert.

22.10.13 See

22.10.13 Weg1Der Weg, mal so …

22.10.13 Weg2… mal so.

Und damit begann das Elend. Während ich mal wieder ein Brennessel-/Gestrüpp-Abschnitt durchstakst hatte und wieder anlaufen wollte, spürte ich einen brennenden Schmerz. Unbemerkt hatte etwas in meinem linken Barfußschuh gescheuert und mir eine kleine, aber gemeine, sofort nässende Blase beigefügt. Genau seitlich am Fußballen, wo die meiste Bewegung zwischen Fuß und Barfußschuh stattfindet.

Was tun sprach Zeus? Der kürzeste Weg zum Gefährt war noch vier Kilometer lang. An weiteres Laufen war nicht zu denken, das hätte blutig geendet. Zurückgehen wäre auch nicht gerade angenehm gewesen.

Blieb noch das Barfußlaufen in seiner natürlichsten Form. Der Untergrund auf den Deichen war weich, die Grasnarbe dicht und die Schafködel nicht so dicht 🙂 Also raus aus den Galoschen und losgetrabt. Ging gut, warum auch nicht, soviel mehr bietet der Zehenschuh ja auch nicht.

22.10.13 me1

Kurze Pause auf meiner Lieblingsbank, an der ich am Samstag noch mit Rainer kurz gestoppt hatte, bei 15° weniger.

22.10.13 me2

Auf dem durch die Sonne aufgewärmten Asphalt meiner normalen Laufstrecke kann ich meine Füße kurz aufheizen lassen, dann geht es auf der Grasnarbe auf den letzten Kilometer zum Auto. Auf den letzten 60 Metern treffe ich denn doch noch einen Schafhaufen, lecker :mrgreen:

Beim Umziehen kurze Schadensbegutachtung, nix dramatisches. Die Blase sitzt einfach nur an der dümmsten Stelle.

22.10.13 Blase

Noch kurz die Sonne genossen und den etwas ungewöhnlichen 10 km Lauf im 5:49iger Tempo resümiert. Dann ging es wieder nach Hause.

22.10.13 me3

Das war er also, mein erster Barfußlauf.  Unverhofft kommt oft. Angesichts der Jahreszeit wird es wohl für längere Zeit der letzte gewesen sein. War schon irgendwie witzig 😀

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23 Kommentare zu “Mein erster Barfußlauf

  1. Lieber Volker,

    da überreiche ich Dir doch ganz schnell die Schultüte, ähh Barfuß-Tüte zum ersten Barfußlauf, obwohl ich finde, dass der gar nicht gilt, weil aus der Not geboren :mrgreen: Du hättest auch etwas erfinderischer sein können und die vier Kilometer auf den Händen zum Auto laufen oder ähnlich spektakuläres 😀
    Ne, im Ernst, ist doch toll, wenn Du so die wohl tuende Erfahrung des Barfußlaufens machen konntest, wer weiß, wann Du es freiwillig getan hättest. Und das Terrain war ja bestens dafür geeignet, ich hoffe Du traust Dich nun öfters.

    Salut
    Christian

    • Lieber Christian,

      auf Händen laufen?? Ich bin froh, wenn ich das richtig herum gebacken kriege :mrgreen:

      Trauen würde ich mich nun schon öfters, aber die kommende Jahreszeit eignet sich erstmal nicht so wirklich dazu. Vielleicht nochmal ein oder zwei Kilometer. Ich will ja auch keine Fehler wiederholen. Obwohl ich glaube, dass der weiche Untergrund da keine Probleme bereitet.

      Moin Moin
      Volker

  2. Von wegen „erster Barfußlauf“, lieber Volker – du hast nur vergessen, dass in der Kindheit – zumindest im Sommer – die Barfußläufe überwogen (oder war deine Kindheit so ganz anders als meine)? 😎

    Aber im zarten Alter von 40+x Jahren das Laufen durch Schafköttel wiederzuentdecken, hat einfach was, oder? 😆 Schade, dass der Blick dann hautsächlich auf den Weg gerichtet sein musste, denn die schöne Landschaft hätte ich gern in noch mehr Bildern präsentiert bekommen. 🙂

    Es wäre allerdings nicht auszudenken gewesen, wenn es kalt oder der Weg voller Dornen gewesen wäre. Dann hättest du weiterhin Schuhe tragen müssen, das Bläslein hätte womöglich angefangen zu bluten und du wärst jämmerlich verblutet und im Gestüpp verendet … 🙄 Zum Glück hast du’s überlebt – und mit einem guten Blasenpflaster steht dem nächsten Lauf nichts im Wege. 😎

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Ich meinte Barfußlaufen auch im Sinne von Laufen wie ich es heute betreibe, liebe Anne 😉 Da zählt die Kindheit nicht 🙄

      Noch mehr Bilder von der Landschaft? So sehr unterscheidet sie sich doch gar nicht von dem altbekannten.

      So ein Bläslein kann einem ganz schön zusetzen und ich bin wirklich froh, dass sie sich erst zum Ende von Gestrüpp und Brennesseln aufgetan hat, wo ich anschließend wieder normal auf dem Deich laufen konnte. Nur deshalb konnte ich das ganze überleben 😉

      Ein Blasenpflaster wird für den nächsten Lauf wohl vonnöten sein.

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Also nach dieser Einleitung habe ich jetzt schon einen heldenhaften Barfusslauf durch meterhohes Brennesselgestrüpp erwartet und keinen WIesenlauf, bei dem du dir die Füsse trotz spätsommerlicher Temperaturen noch im Schafsmist aufwärmst! 😆
    Unverhofft kommt oft und wenn eine kleine Blase so eine „tolle Auswirkung“ hat, dann sei ihr ihr unangemeldetes Erscheinen doch verziehen. Wozu also noch Barfussschuhe? 😉

    • Also ich fand meinen Barfußlauf auch ohne survivalmäßiges Durchschlagen schon sehr heldenhaft :mrgreen:

      Eine Blase an der falschen Stelle, speziell ohne Socken, kann einem ganz schön zusetzen.

      Barfußschuhe machen schon Sinn, als Schutz gegen Steine, Äste und Wurzeln 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Hey Sunnyboy, warum keine Socken? Ich mach das vorsichtshalber….. selbst in den Zehenschuhen.

    Gut das du dich heute erst Barfuß auf die Bank gesetzt hat sonst hätte sich Rainer nicht mehr dorthin getraut! 😉

    • Da muß ich mir mal Zehensocken besorgen, die besitzt der Sunnyboy nämlich nicht 😉

      Bislang hatte ich in den Zehenschuhen auch noch nie Probleme.

      Also hörma, ich bin die Reinlichkeit in Person und verursache auch barfuß keine Ohnmachtsattacken! 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Autsch! Na hoffentlich hast Du Dich mit der Streckenlänge nicht übernommen. Ich würde mir zehn so minimalistische Kilometer nicht zutrauen. Aber du hast da ja schon mehr Erfahrung.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    P.S.: Der erste Arbeitstag war lang aber erträglich.

    • Ab und zu streue ich solche Läufe ein und auf weichen Naturboden habe ich auch keine Probleme. Ich bin da schon vorsichtig geworden.

      Freut mich, dass Dich der erste Tag nicht gleich wieder vollkommen durch die Mangel gedreht hat. Ich wünsche Dir, dass es noch etwas so bleibt.

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Hallo Volker,
    also auf weichem Gras könnte ich mir so einen Lauf angenehm vorstellen. Lachen musste ich bei der Erwähnung des Schafshaufens. Aber woher weißt Du, dass der lecker war? Du hast doch nicht etwa….? VOOOOLKEEEER!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Man muß im Leben alles mal probiert haben, liebe Elke :mrgreen:

      Gar nicht so übel, das Zeug. Soll ich Dir mal eine Kostprobe schicken? Hier gibt es genug davon! 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker, ich hoffe, du hast nicht allzu sehr leiden müssen, denn so wie sich dein Bläschen ja groß genug dargestellt – präsentiert – ist es ein Wunder, dass du überhaupt noch laufen konntest !
    Das mit dem Ultra laufen wird – glaube ich doch nichts – denn da ist man immer wieder dazu verdammt,mit solchen Malaisen und noch viel schlimmeren bis zum bittere Ende mit Schuhen durchzuhalten. Das musst du bis dahin unbedingt noch lernen, gell ?

    • Es stellt wohl immer noch einen Unterschied dar, ob noch der Stoff einer Socke dazwischen ist, liebe Margitta.

      Ich habe sonst eigentlich nie Probleme mit Blasen, vielleicht reagiere ich auch deshalb so sensibel.

      Schmerzen lernen? Och nö, bin doch ein Masochist 😉

      • Was Socken angeht, muss ich dir leider die Illusion nehmen (ja, ich weiß, ich bin mal wieder der Stinkstiefel vom Dienst 😎 ): Wenn Socken dazwischen sind, werden Beschwerden mit einer aufgescheuerten Blase oft noch schlimmer, manchmal erzeugen Socken die Blasen auch erst.

        Was das Lernen von Schmerzen angeht: Schon mal dran gedacht, von „sensibler Masochist“ auf „Stoiker“ umzuschulen? auch wenn mir die Erfahrung fehlt: Ich glaube, für einen Ultraläufer wäre diese Haltung günstiger! 😉

      • Das Socken selber die Blasen erzeugen kenne ich von meinem einzigen Paar Falke Socken.

        „Stoiker“ mußte ich als mittlerer Bildungsbürger erst mal googeln 😉 Aber irgendwie tauge ich dazu, glaube ich, auch nicht. Ich bin einfach ich, damit muß ich wohl irgendwie klarkommen 😯

        Außerdem bin ich der Überzeugung, wenn ich 42 km ohne Blasen laufen kann, müßte das auch auf 55 km möglich sein. Weitergehende Ultrapläne habe ich zur Zeit nicht. Dazu bin ich wohl auch abseits des Themas Blasen zu sehr sensibel und zuwenig Masochist 😉

  8. Oooh – die Wege sehen ja wirklich wunderschön aus. Sei froh, dass Du erst nach dem Brennnesselgestrüpp die Blase bekommen hast – durch de Brennnesseln wäre es wahrscheinlich nicht so angenehm gewesen.
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Hallo Ariana,

      die Wege waren auch ansonsten toll zu laufen. Aber durch Brennesseln in Barfußschuhen mit nackten Beinen laufen zu müssen, ist dann doch nicht so angenehm, mit oder ohne Blase 😦

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,

    jetzt schaue ich mal bei dir rüber und was sehe ich – dein erster Barfußlauf 😀 Ich habe das Barfußlaufen gerade erst für mich entdeckt und ich liiiebe es. Ich bin allerdings immer nur auf einem schön gemähten Fußballplatz im Kreis gelaufen und bis jetzt maximal 4 km am Stück… gleich 10 km, das würde ich mich nicht trauen, aber bei dir scheint es ja gut funktioniert zu haben 😀 Das Gelände wo Du Dein Barfußlauf gemacht hast scheint auch perfekt dafür geeignet zu sein!

    Ich wünsche Dir noch viele solche schöne Herbsttage!! 😎
    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      danke für Deinen Gegenbesuch 😀

      Rainer erzählte mir schon von Deinem Barfußläufen. Da konnte ich noch nicht ahnen, dass ich es so bald selber praktizieren werde 🙂

      Ich bin von den 10 km ja nur die letzten knapp 4 km barfuß gelaufen. In den Barfußschuhen war mein längster Lauf bislang 16 km.

      Das Gelände ist bis auf die Hinterlassenschaften der Schafe wirklich perfekt fürs Barfußlaufen. Leider muß ich dazu aber erst mit dem Auto dahin fahren.

      Bald wird es ja leider auch etwas kalt fürs Barfußlaufen, aber vielleicht kann ich bis dahin nochmal ein paar kurze Läufe absolvieren.

      Dir auch noch schönes Wetter in der kommenden Zeit, speziell während Deiner Auszeit 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  10. Wirklich „barfuss“ gelaufen bin ich schon sehr, sehr lange nicht…wäre sicher wieder mal eine interessante Erfahrung. Und der Schafshaufen – was solle, angeblich bringt es ja Glück 🙂

    • Wenn Du eine passende Strecke dafür hast, solltest Du das Barfußlaufen mal wieder ausprobieren, lieber Wolfgang.

      Schafshaufen? Glück? Mal sehen, ob da in näherer Zukunft was dran ist 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  11. Pingback: Lauftraum – Traumlauf? | Deichlaeufer

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