Ugly or not ugly?

Heute hieß es für mich „Augen auf im Laufrevier“ und zwar nicht um, wie üblich, die Schönheiten meiner Strecken abzulichten, sondern im Gegenteil nach den Scheußlichkeiten Ausschau zuhalten. Christian hatte dazu aufgerufen, doch mal die Ecken ins Rampenlicht zu stellen, die man sonst Gästen nicht unbedingt zeigen würde. Da habe ich mich doch erstmal am Kopf gekratzt und überlegt, ob es an meiner Strecke überhaupt irgendwelche Sehenswürdigkeiten im negativen Sinne gibt. Schließlich bin ich von der Haustür weg schon nach exakt einem Kilometer im Grünen.

Dabei führt mich der Weg aber auf knapp 500 m durch eine Gewerbegebiet. Gibt es dort Anhaltspunkte? Nun, die Straße durch dieses Gewerbegebiet sieht eigentlich gar nicht schlecht aus.  …

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… Es bedarf schon konkreter Blicke nach links und rechts um Teile eines Geländes einer Farbenfabrik und den Werkhof eines Bauunternehmens als nicht sonderlich schön zu empfinden.

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Nun kann man das von solchen Betrieben auch nicht unbedingt erwarten und im Laufalltag verrenke ich mir auch nicht den Hals um solche Ausblicke zu erhaschen. Als nächstes fällt mir diese alte Anhänger ins Auge, der dort schon ewig steht und so langsam von der Natur erobert wird.

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07.08.14 15Ist er nun hässlich oder geht er schon als Stillleben durch? 🙂

Nach dem ich den Anhänger passiert habe, wird es grün. Schöne Landschaft, schöne Häuser. Ich biege ab auf die Rampe zur Huntebrücke. Oben angekommen ist sie da, die Hässlichkeit. Massiver, grauer Beton, ver(un-)ziert durch die unumgänglichen Graffiti.

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Aber es ist eben auch diese Brücke, die mir diese Ausblicke ermöglicht:

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Danach entläßt sich mich auf schöne Laufwege:

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Kann ich ihr also ihre Hässlichkeit vorwerfen? Ohne sie wären viele schöne Strecken für mich gar nicht von zuhause aus erreichbar. Sie erfüllt ihren Zweck und muß für niemanden schön sein. Zumindestens nicht aus der Nähe, mit etwas Abstand betrachtet hat sie durchaus ihre eigene Ästhetik.

Somit ist die Frage schön oder hässlich oft einfach nur eine Frage des Blickwinkels und ich bin mir sicher meine Gäste ruhigen Gewissens auf meine Laufstrecken führen zu können 😀

Der heutige Lauf selber ging über 11 km. Nicht ugly sondern terrible war dabei, dass ich unverständlicher Weise nach 5 km tierischen Durst bekam, nach gut 7 km wurde mir derart übel, dass ich hätte in die Landschaft göbeln können. Ob das mit dem teilweise ebenfalls terriblen Güllegestank zusammenhing? Ich bin da sonst eigentlich immer immun gegen. Wie auch immer, die letzten beiden Kilometer war wieder alles in Ordnung. So kann ich dieses Lauf auch noch als „not ugly“ abhaken 🙂

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32 Kommentare zu “Ugly or not ugly?

  1. Danke für die Impressionen. Sehr „hübsch“, wobei ich den Wagen nicht als ugly sondern in der Tat als Stilleben deklarieren möchte.

    Ich kann mir ja schon vorstellen, dass zu viel Gülle zu Übelkeiten führen kann. Ich meine, es ist ja schon der ein oder andere Bauer am Güllebecken erstickt/vergiftet worden – das kann nicht gut sein, wenn man das so kräftig einatmet. Von wegen „gesunde Landluft“.

    Trotz allem kein „ugly“ Lauf – sehr fein. Ich hab mir morgen schon meine möglichst hässliche Strecke zusammengelegt. 🙂

    • Den Wagen finde ich eigentlich auch ganz witzig. Wobei mich wundert, dass er noch nicht in den Fokus der städtischen Ordnungshüter geraten ist, träumt er doch im öffentlichen Verkehrsraum vor sich hin.

      Übelkeit beim Laufen hatte ich noch nie. Vielleicht war es die Kombination aus Durst und Gestank, die mir zugesetzt hat.

      Da bin ich auf Deine Strecke schon mal gespannt 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Lieber Volker,

    vielen Dank für Deinen Beitrag…ganz ehrlich das dritte Bild trifft es für mich sehr gut, einfach nur unschön, die anderen Bilder sind eher anders, aber nicht hässlich. Den Anhänger finde ich fast schon wieder schön, zeigt er uns doch das Vergängliche. Und die Betonbrücke? Naja, es ist halt ein Zeichen des Individualverkehrs mit den Insignien der Jugend, schön ist etwas anderes, aber hässlich? Nein, finde ich nicht 🙂
    Dein Lauf war natürlich alles andere als unschön, deshalb nochmals Danke, dass Du die Augen offen gehalten hast.

    Salut und schönes WE

    Christian

    • Lieber Christian,

      beim dritten Bild muß man allerdings schon konkret durch das Tor gucken, ansonsten verdeckt eine dichte Hecke den Blick auf das Areal. Und das ist auch gut so 😎

      Der Anhänger hat in der Tat was und die Brücke hätte ich schöner nicht beschreiben können 😀

      Danke für die Idee und den Aufhänger mal ganz anders die Augen offen zu halten.

      Dir auch ein schönes Wochenende.

      Moin moin
      Volker

    • Ich werde ihn für Euch im Auge behalten 😉 Sofern er an der Stelle verbleibt. Er steht nämlich auf einem öffentlich Parkstreifen und mich wundert schon lange, dass das Ordnungsamt noch nicht gegen ihn vorgegangen ist.

      Auf der vorderen Ladefläche wächst übrigens schon eine Kastanie, leider ist das Bild nichts geworden.

      LG Volker

  3. Liegt alles im Auge des Betrachters
    so sehe ich es auch
    ich finde auf deinen Fotos nichts ausgesprochen soooooooooooo hässlich
    eine Wohltat allerdings dann fürs Auge das Sommergrün
    irgendwie kann man meist etwas Schönes abgewinnen
    wenn es nicht gerade Müllhalden sind
    oderrrrrrrr ?

    • So sehe ich das auch, liebe Margitta. So kann durchaus ein Neubau hässlicher sein als irgendeine alltägliche Schmuddelecke. Und so lange wir die Wahl haben, worauf unser Blick ruht, konzentrieren wir uns lieber auf das Sommergrün.

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Mir geht es genau so wie Margitta. Und ich schrieb auch schon bei Christian, dass selbst auf seinen Bildern durchaus Schönes zu entdecken ist, das man fokussieren kann, um negative Dinge auszublenden. Und wenn im platten Oldenburger Land die Autobahnbrücken, Müllberge und evtl. Hochsitze der Jäger nun einmal die einzigen Aussichtspunkte sind, muss man die wohl oder übel in Kauf nehmen, um ab und an mal den Überblück über die Landschaft zu haben, 🙂

    Liebe Grüße
    Anne

    • Wobei der Müllberg ja ganz „schön“ geworden ist, sieht man ihm seinen Ursprung doch nicht mehr an 😉

      Es ist aber ein interessanter Denkanstoss von Christian, wie wir Dinge wahrnehmen, ob sie uns stören oder ob wir uns mit ihnen arrangieren oder ob ein vermeintlicher Schandfleck nicht sogar seinen ganzen eigenen Reiz hat.

      Es war schon spannend, mit dem suchenden Blick auf das Hässliche zu laufen. Mache ich ja sonst eher nicht 😉 Aber ich bin auch froh, nicht wirklich fündig geworden zu sein 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Auch ich war gestern wieder unterwegs – yessss – und habe ob Christians Aufruf die Augen bewusst aufgehalten. Ich lief eine Variante meiner klassischen kurzen Hausrunde und gerade durch Christians Anregung bewusst auf hässlichen Ecken zu achten, durfte ich gestern wieder einmal – ganz bewusst – feststellen, dass meine Hausrunde im Grunde wunderschön ist! Ich geniesse den gleichen Luxus wie Du nach kürzester Zeit im Grünen bzw. in den Feldern sein zu dürfen, von daher bleiben mir dort hässliche Ecken weitestgehend erspart. Aber ich halte weiter die Augen offen, es gibt ja noch viele Ecken die ich nochmal laufen könnte… 😎
    Danke für Deinen – wieder einmal – schönen Bericht!
    Viele Grüße,
    Thomas

    • Lieber Thomas,

      ist es nicht beruhigend und schön, dass einem doch nicht auf Schritt und Tritt die Hässlichkeit begegnet? Wir müssen die Hässlichkeit suchen, das ist Luxus!

      Danke – wieder einmal – für Dein Lob! 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,
    och, ich finde geht so, gibt schlimmeres. Wahrscheinlich hat jeder in seinem Revier solche Ecken, solange man nicht in einem Kurpark läuft…
    Hauptsache, Du bist trotz zwischenzeitlicher Überkeit wieder gut heim gekommen!!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      ich habe einfach nichts hässlicheres zu bieten ;-(

      😉

      Ja, das mit der Übelkeit war mysteriös. Aber zum Schluß war es zum Glück ja schon wieder weg.

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,
    Du hast die Augen offen gehalten. Wirklich Hässliches ist ja nun nicht dabei – ok, das dritte Bild ist nicht sooo schön. Aber ich glaube es gibt Schlimmeres. Man darf gespannt sein.
    Ich muss noch los, und suuuuchen!
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Liebe Bianca,

      da kann ich auch nichts dafür, wenn ich nichts wirklich hässliches finde 😦 Weiter suchen werde ich auch nicht. Ich wende mich lieber den schönen Ansichten zu, hässliches gibt es anderer Stelle genug.

      Du hast offensichtlich gefunden, hab das schon was auf dem Reader. Da mußt ich mal nachlesen 😎

      Liebe Grüße
      Volker

      • Stimmt, liebe Bianca, ich habe Dich verwechselt, sorry 😦

        Aber jetzt habe ich was auf dem Reader, ganz bestimmt!!!! 🙂

  8. Also mir gefällt Dein Weg gut. Von Hässlichkeit keine Spur. Du mußt weitersuchen… 🙂 ganz klar.
    Viele Grüße,
    Claudi

    • Nö, liebe Claudi, ich such nicht weiter. Ich guck lieber wieder nach dem Schönen. Hässliches gibt es in anderen Lebensbereichen genug … 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,
    Bild 2 und 3 will ich ja mal als ugly gelten lassen. Aber der Anhänger hat doch schon wieder Charme. Wie du schreibst – er scheint zu träumen!:)

    • Liebe Doris,

      ja, die beiden Bilder sind zumindestens nicht wirklich schön 😉

      Ich bin mal gespannt, wie lange der Anhänger da wohl noch stehen wird. Ich werde ihn ab und zu mal wieder erwähnen 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  10. Lieber Volker,

    sehr interessant Deine Laufrunde mal von einer anderen Blickwinkel zu sehen! Das zweite und das dritte Bild, finde ich wirklich „ugly“, der alte Anhänger dagegen ist schon so alt, dass er fast wieder schön ist 😉 Die Betonbrücke ist wirklich nicht schön, aber sie erfüllt ihren Zweck!

    Ugly or not – wie oben schon geschrieben wurde, das liegt wohl im Auge des Betrachters. Zum Glück können wir bei dein schönen Flecken unsere Laufrunden genau hinsehen, und bei den nicht so schönen weniger genau! 🙂

    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      Gewerbebetriebe legen halt nicht unbedingt Wert auf eine schmucke Optik auf ihrem Betriebsgelände. Das ist schon nachvollziehbar.

      Im Normalfall schaue ich auch gar nicht so weit nach links und rechts. So erspare ich mir den Anblick und dann bin ich ja auch schon im Grünen.

      Etwas richtig hässliches, was sich so direkt in den Blick drängt, gibt es ja zum Glück nicht.

      Hat Deine „heile Bergwelt“ da überhaupt was zu bieten?

      Liebe Grüße
      Volker

      • Ja, das habe ich mich zuerst auch gefragt… 😉 aber auch hier gibt es sie, die „ugly“ Plätze – es liegt natürlich alles im Auge des Betrachters, und ich bin gespannt, was ihr dazu sagt!. Beitrag kommt noch kommende Woche 🙂

  11. wie meine vorSchreiber finde ich auch den wagen absolut unUgly und erbitte definitiv noch ein nachreichen des bzw. eines neuen gewordenen kastanienbildes 😉
    graffiti sind für mich fast immer eine verschönerung so auch hier zumindest das erst absolut nicht ugly sondern schön knallig bunt plakativ, die anderen beiden mit mehr „text“/tags(?) fallen da ein wenig gegen ab …
    ich bin noch in der pflicht, bei mir im wald ist 8außer wenn jemand was entsorgt hat) nix uglies und unter der woche lauf ich halt nur mal eben vor der arbeit ne kleine runde …
    aber ich werde die augen aufhalten (und das smart mitnehmen, meist laufe ich ja ohne equipment)

    • Wenn ich das nächste Mal beim Anhänger vorbeilaufe, mache ich nochmal ein Bild von der kleinen Kastanie 🙂

      Ich muß zugeben, ich bin nicht wirklich ein Freund von den Graffiti. Es gibt Ausnahmen, aber das meiste ist für mich nur Geschmiere und hässlich und manchmal auch Sachbeschädigung.

      Ich bin gespannt, ob Dir im Wald außer Müll doch noch irgendetwas häßliches begegnet 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

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