Konsequent inkonsequent

Es gibt Zeiten, da möchte man sich selber gerne mal von außen betrachten. Das würde bei mir aber wohl zu einem gelinden Kopfschütteln über mich selber führen. Ich bin in manchen Dingen so herrlich konsequent inkonsequent. Ein Paradebeispiel dieser Inkonsequenz stellt meine Einstellung zum Thema Rennradeln dar. So lautete meine Meinung zu diesem Thema immer, dass es im küstennahen Flachland viel zu windig zum Rennradfahren ist. Und Wind ist beim Fahrradfahren nun mal anstrengend, zermürbend und demotivierend, sprich ätzend. Was beim Laufen noch gerade auszuhalten ist, ist beim Biken ein absolutes No go. Allerdings habe ich zwischendurch immer mal gerne Radtouren gemacht und dabei war es meistens irgendwie auszuhalten, mit dem Wind.

Damit wankte irgendwann meine ablehnende Haltung. Zumal das Biken auch eine schöne Ergänzung bzw. bei Verletzungen auch ein guter Ersatz zum/fürs Laufen ist. Aber es blieben noch die Gegenargumente „Teuer“ und „wir haben keinen Platz“ für noch ein Fahrrad. Diese Gegenargumente hielten sich hartnäckig. Gegenargument eins bröckelte in den letzten Monaten beim Blick auf den Kontostand und Gegenargument zwei hatte mit „Wo ein Wille ist, da ist auch Platz“ ein Gegenargument gegen sich selber gefunden.

Somit war der gedankliche Weg geebnet. Allerdings hatte diese Wegebnung so lange gedauert, dass ich die Anschaffung eines Rennrades gegen Ende August und somit quasi zum Ende der Saison für nicht mehr lohnend erachtete. Eine überraschende Entwicklung in der Urlaubsplanung, unterstützt durch eine hinterhältige Bloggerin :mrgreen: , die sich auch eben mal so ein Rennrad gekauft hat, und ein intensiver Chat mit einer Triathletin, brachten auch diese Bastion zum Einsturz.

Und nun steht es da, das Ergebnis meines gedanklichen Kreuzfeuers:

26.08.14 01etwas konservativ in der Farbgebung, dafür zeitlos

Da der Norden heute in Bezug auf Sonnenschein sehr begünstigt war, bot es sich an, das gute Stück gleich drei Stunden nach Eigentumserwerb zu einem ersten Ritt auszuführen. Dabei hatte ich gleich auf den ersten schlappen 30 km Gegenwind. Er kam zwar sehr kontinuierlich daher, aber nicht unbedingt in Sturmstärke und so konnte ich trotzdem ein recht gutes Tempo fahren. Eine konkrete Strecke hatte ich mir nicht ausgesucht, aber es sind Straßen wie diese …

26.08.14 02

… die ich in der Umgebung zu Hauf habe, ruhige Nebenstraßen mit wenig Autoverkehr, die ich künftig fürs Rennradeln nutzen möchte. Die ca. zwei Kilometer die ich an der extrem stark befahrenen B 212 auf dem Radweg entlang gefahren bin, vergesse ich mal. Mit etwas Planung lassen sich solche Horrorstraßen umgehen. Letztendlich landete ich im maritimen Elsfleth. Ein schnuckeliges Städtchen kurz vor der Einmündung der Hunte in die Weser.

26.08.14 04Im Hintergund ein großes Seeschiff auf der Weser Richtung Bremen

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Von Elsfleth aus schlug ich so langsam die Richtung wieder gen Oldenburg ein. Ab jetzt hatte ich weitestgehend Rückenwind, allerdings bremsten mich häufiger Wurzelaufbrüche im Asphalt aus. Ansonsten ist Rückenwind auf dem Rennrad als wennsde fliechst 😎

Die letzten Kilometer führten mich durch mein vertrautes Laufrevier und schlußendlich war ich nach 54 km in knapp zweieinviertel Stunden reiner Fahrzeit wieder zuhause.

26.08.14 09

Allererstes Fazit: Rennradeln macht Spaß, man ist schnell und vergrößert im Vergleich zum Laufen unglaublich seines Radius. Gegenwind bleibt Gegenwind, allerdings bietet man ihm auf dem Rennrad weniger Angriffsfläche und das geringe Gewicht und die schmalen Reifen machen einem den „Kampf“ gegen den Wind leichter. Das Rennradeln wird für mich eine gute Ergänzung zum Laufen sein. Die Oberhand wird es dabei aber nicht gewinnen, dessen bin ich mir sicher. Bei sommerlicher Hitze wird es mir schon die eine oder andere Laufeinheit ersetzen und um die Gräten zu schonen kann ich auch noch ein Tour machen, wenn das Laufen zuviel zu werden droht.

Auf der heutigen Tour habe ich mich schon gut an die speziellen Eigenschaften eines Rennrades gewöhnen können. Die Schaltung ist in ihrer Bedienung eingängig, allerdings muß man aufpassen, dass man das leichte Gefährt im Notfall nicht überbremst. Für den Anfang sind noch normale Pedale angebracht. Auf Klickpedale mit entsprechenden Schuhen werde ich umsteigen, sobald die Eingewöhnung abgeschlossen ist und ich mit dem neuen Pferdchen ausreichend vertraut bin. Das ist der Rat des kleinen aber feinen Händlers, wo ich das gute Stück  erworben habe, und ich finde diesen auch nicht schlecht. Für die erste Zeit wird mir auch mein Garmin Forerunner gute Dienste leisten, indem ich ihn auf Fahrradfahren umstelle. Ein Radcomputer ist definitiv in diesem Jahr nicht mehr geplant, da bleibe ich konsequent! 😀

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26 Kommentare zu “Konsequent inkonsequent

  1. Sehr hübsch, Dein neuer Drahtesel. Und gemeinsam mit Dir macht er sich auch nicht schlecht. Zudem die Vernunft, erst einmal mit den Klickpedalen zu warten. Alles richtig gemacht. Wieder einmal.

    Rennräder sind wegen der harten Sättel für mich leider ein No Go. Aber ich habe mein altes Tourenrad wieder auf Vordermann gebracht. Richtig ausprobiert habe ich es allerdings noch nicht.

    Viel Spaß weiterhin beim Strampeln. Vielleicht bekommst du ja auch mal einen Strampelanzug 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Lieber Rainer,

      schade, dass harte Sättel für Dich ein Problem sind. Zum sportlichen Biken sind sie wirklich die einzig wahren.

      Strampelanzug? Kein Problem, solange ich den Schnuller weglassen darf 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Wow, was für ein schickes Teil. Das schreit ja gerade zu nach „will gefahren werden und zwar schnell“. Das kann ich mir vorstellen, dass das Radeln damit viel Spaß macht.
    Dann wünsche ich dir alles Gute mit dem schönen neuen Fahrrad, dass Du tatsächlich viel Spaß damit hast und vor allem gesund und unfallfrei.
    Lieben Gruß
    Kornelia

    • Liebe Kornelia,

      diese Teile lassen sich nur schnell bewegen, nur so machen die Spaß 😀

      Danke für Deine guten Wünsche!

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Yeah…genauso ging es mir dieses Jahr auch und jetzt gebe ich das gute Stück nicht mehr her. 🙂
    Viel Spaß auf dem Radl!

    • Als Läufer darf man auch gerne mal über den Tellerrand hinausschauen. Wir wissen das nun 😎

      Danke Steve!

      LG Volker

  4. Sehr fein – herzlichen Glückwunsch zum flotten Flitzer und allzeit gute Fahrt! 😎
    Sind das reine Tourenpedale oder die kombinierten Touren-Klick-Pedale von Shimano? Die oder doch reine Klickies wären verutlich meine Wahl, wenn … aber nein, ich hab keine Zeit für noch ein Hobby und überhaupt … 🙄

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Danke, liebe Anne!

      Das sind im Moment reine Tourenpedale und werden nach Ende der Gewöhnungsphase nochmal gegen reine Klickpedale ausgetauscht.

      Noch ein Hobby, sicher ein „Problem“ Aber ich gestehe mir zu, das Biken nicht so intensiv betreiben zu können wie das Laufen. Deswegen auch die lange Überlegungsphase. Aber es soll „nur“ eine Ergänzung darstellen und darauf freue ich mich.

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    Du bist doch total konsequent! Am Sonntag erst angekündigt und schon steht das Rädchen da! Deine Bedenken wegen des Windes scheinen ja nach dem ersten Ausritt nicht mehr ganz so tragend, da darfst Du dann inkonsequent werden…;-)
    War da ein Knutschkugeltreffen unterwegs? Was für putzige Autos das doch waren…
    Viel Spaß und unfallfreies biken wünsche ich Dir!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      die Vorgeschichte war ja schon etwas länger, als Du sie kennengelernt hast 😎

      Da fand ein Isetta-Treffen statt, das habe ich nur durch Zufall gesehen. Wahnsinn, diese kleinen Dinger. Unvorstellbar, dass man in den Fünfziger damit teilweise bis nach Italien gefahren ist.

      Danke Dir! 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Wow, das ist ja ein tolles Gerät! Gefällt mir sehr gut! Und ganz so ungeplant war es ja nun nicht!
    Mir gefallen die niedlichen Autos auch ausnehmend gut!
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Nein, ungeplant war es nicht, liebe Bianca. Der Umdenkprozess hat so ungefähr zwei Jahre gebraucht 🙂

      Die Autos sind cool. Ich habe ja einen Faibel für die fünfziger Jahre 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

    • Liebe Sandra,

      ich habe ja auch schon mit dem Crossbike ab und zu längere Touren hingelegt, deshalb ging das schon. Aber für heute haben die 54 km auch wirklich gereicht 😯

      Wo ich hin will? Erstmal grob auf das Doppelte 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Und wann holst dir deinen Neopren für den ersten Triathlon? 😉

    Spaß beiseite: Als Ausgleich finde ich radeln immer gut, dauert mir nur meist zu lange. Dann lieber knackig und schnell laufen und einen, in meinen Augen, besseren Effekt erzielen. Aber vielleicht lasse auch ich mich da noch umstimmen.

    • Ne, Schwimmen ist nun wirklich nicht meine Welt.

      Du kannst ja auch knackig und schnell laufen 🙂

      Stimmt, radeln braucht schon etwas mehr Zeit, da habe ich es ohne Familie natürlich etwas leichter.

      LG Volker

  8. Steht Dir sehr gut, Dein neues Gefährt lieber Volker!! 🙂

    Ich stelle mir das Stundenlange sitzen auf so einem Rennrad sehr unbequem vor, aber so habe ich es ja auch noch nie ausprobiert… 😉 Hier in den Bergen sind sie sowieso eher ungeeignet – jedenfalls auf die Straßen, wo ich unterwegs bin 😉

    Eine sehr gute Idee ist es auf jeden Fall, das Training ein wenig zu variieren – ich sollte mein MTB auch mal wieder abstauben!

    Ich wünsche Euch aber viel Spaß und viele schöne Kilometer (mit viel Rückenwind! :mrgreen: )

    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      auf dem ersten Ausritt gestern, ließ es sich auf dem Rennrad gut sitzen. Mal sehen wie das aussieht, wenn die Touren etwas länger werden 😎

      Für die Berge gibt es ja extra die MTBs und wenn Du eines hast, kannst Du Dir damit ja auch mal Abwechselung verschaffen 🙂

      Danke Dir!

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,
    hihihi! Ich bewundere deine Inkonsequenz – kommt sie doch meiner ziemlich nahe! 😀
    Ein hübsches Rädchen hast du dir da gegönnt und du warst schon soooo weit damit unterwegs! Die Idee, mir zuerst noch normale Pedale zu kaufen, hatte ich auch, aber ich befürchte, wenn ich mich dann erst mal an die gewöhnt habe, fällt mir der Umstieg noch schwerer, als gleich von Anfang an…
    Ich find’s spitze! 🙂

    • Hallo liebe hinterhältige Bloggerin! 😀

      Tja, wir zwei beide, nun haben wir diese schicken Teile, dank unserer Inkonsequenz 😀

      Ich denke in Sachen Pedale hat beides seine Vor- und Nachteile. Ich fand es gestern ganz gut, mich erstmal auf alles andere konzentrieren zu können.

      Schade, dass ich mein Bike Anfang Oktober nicht eben mal mitbringen kann. Eine gemeinsame Tour wäre sicher auch ganz nett gewesen.

      Liebe Grüße
      Volker

  10. Eine sehr gute Entscheidung Volker! Ich gratuliere herzlich zum neuen Rad und wünsche Dir viele unfall- und gegenwindfreie Touren.
    Viel Spaß!

    • Danke, liebe Claudi, die guten Wünsche kann ich, speziell beim Biken, gut gebrauchen!

      Liebe Grüße
      Volker

  11. Und, wie lange dauert eine solche Konsequenz bei Dir üblicherweise?

    Das Rädchen ist ja hübsch. Ich müsst mich auch mal auf ein Rennrad setzen, bin sowas noch nie gefahren aber dann ist auch bei mir die Gefahr der Inkonsequenz groß.

    Viel Spaß mit dem neuen Gefährt!

    • Welche Konsequenz meinst Du denn jetzt genau ❓

      Bis vorgestern war ich auch nocht nie Rennrad gefahren. Vorsicht! Infektionsgefahr! Inkonsequenzgefahr! 😀

      Danke Dir, liebe Grüße
      Volker

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