Festival der Sinne

In den letzten Jahren habe ich immer alles daran gesetzt in der dunklen Jahreszeit soviel wie möglich im Hellen zu laufen. Inzwischen stresse ich mich damit nicht mehr. Sprich ich lasse mir jetzt z. B. mein Heiligtum, das Freitagnachmittagschläfchen, nicht mehr nehmen. Vorher gibts eh Mittagessen, was erst verdaut werden will. Nach dem Schlaf dann noch Tee und Kuchen und dann kann es auch schon gleich losgehen mit dem Laufen 😀

Es ist mittlerweile kurz vor 18 Uhr und eine dichte Wolkendecke, aus der vereinzelt ein Regentropfen fällt, schirmt sehr zuverlässig das Licht der Säufersonne des Mondes ab. So kommt wieder die Festbeleuchtung zum Einsatz, zumindestens solange mit Verkehr zu rechnen war.

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In den Bornhorster Wiesen ist der Weg ohne Kunstlicht schemenhaft zu erkennen. Notwendig ist es dann wieder um die leidige Baustelle zu durchqueren.

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Mir begegnet keine Menschenseele. Ein leichter Wind sorgt in Verbindung mit den 9° für ein sehr angenehmes Laufklima. Es ist ruhig, sehr ruhig. Ich höre die Autos auf der Kilometer entfernten Straße. Vereinzelt geben die ersten eingetroffenen Graugänse laut. Je mehr ich mich wieder der Stadt nähere, desto heller wird es. Die dichte Wolkendecke reflektiert die Lichter der Stadt und verfärbt den Himmel orange. Die Hunte schimmert matt in dieser Szenerie, der Weg ist nun deutlich zu sehen. Die Augen übernehmen wieder die Hauptwahrnehmung von den Ohren. Überhaupt ist die Wahrnehmung in der Dunkelheit um ein Vielfaches intensiver, die Sinne sind geschärft und ich sauge meine Umwelt in mich auf.

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Die Huntebrücke zeichnet sich scharf vor dem Himmel ab, zeigt sich dann in der Annäherung aber finster und wenig heimlig 🙂

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Treppe rauf, Rampe runter und dann noch einen zusätzlichen 1 km-Schlenker gelaufen um diesen Lauf noch etwas länger zu geniessen.

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Dann bin ich nach 15 km wieder zuhause. Schön war es. Und die Dunkelheit ist definitiv kein Grund mehr auf mein Heiligtum zu verzichten :mrgreen:

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38 Kommentare zu “Festival der Sinne

  1. Oh, ich würde mir ja vor Angst in die Hosen machen 😐
    So viel Dunkelheit, so allein!
    Ich bewundere deinen Mut.
    Ich glaub ich komme mit so ziemlich allem klar bei Licht. Aber in der Dunkelheit bin ich einfach nur ein Hosenschisser 😆
    Liebe Grüße
    Helge

    • Ich denke mir immer, dass sich Ganoven nicht die Mühe machen in die tiefe Pampa zu fahren um dort harmlosen Läufern aufzulauern. Soo mutig bin ich nämlich auch nicht. Im Ernstfall hoffe ich als Läufer auch einfach davonlaufen zu können 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  2. boah – das bild von der huntebrücke ist ja genial! also, man muß es öffnen. um es schön zu finden 😀
    das ist einer der vorteile, wenn man nicht (hosen-)schisser ist. man kann auch wenn es dunkel ist, altbekannte und gerngelaufene strecken laufen. das traue ich mich in der tat auch nicht. darum ja im winter auch immer straßenläufe für mich. stört mich auch nicht. aber anders wäre es irgendwie schöner. also, wenn ich die gänzlich freiwillig laufen würde 😉
    ich hatte heute das glück, meinen lauf bei tages- und sonnenlicht (!) laufen zu dürfen. nun ist der (kurz-)urlaub aber auch leider schon wieder vorbei :-/
    liebe grüße nach OL
    und schönes wochenende!!!
    :mrgreen:

    • Ja, man muß es anklicken, im kleinen kommt das überhaupt nicht rüber. Bin erstaunt, wie gut meine kleine Cam das hingekriegt hat.

      Zum Thema Schisser: siehe mein Kommentar bei Helge.

      Die Sonne war hier leider mittags schon verschwunden, sonst hätte ich mich vielleicht doch noch zu einem Lauf im Hellen hinreißen lassen können 🙂

      Dir auch ein schönes Wochenende.

      Liebe Grüße nach HH
      Volker

    • Echt nicht? Dann bist Du wohl eine Solide und nicht des nächtens auf Tour 😉

      Die Fotografiermöglichkeiten im Dunkeln, zumindestens die auf die Schnelle, sind allerdings begrenzt. Mal schauen, ob sie für den ganzen Winter reichen 🙄

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Ich kann mir gut vorstellen, dass beim Laufen im Dunkeln alles Sinne hochgefahren werden. Bei mir wäre der Effekt wahrscheinlich um ein Vielfaches stärker. Ich bin es ja auch – ein Schisser. So gibt es im Dunkeln also nur Dorfläufe. Macht mir aber auch nichts aus.
    Schöne Dunkelbilder hast Du uns da mitgebracht. Ok, der Bauzaun – aber auch so etwas muss dokumentiert werden. 🙂
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Bianca

    • Ich glaube für Euch Frauen ist das auch so eine Sache, ich kann Euch schon verstehen, dass Ihr nicht gerne im Dunkeln lauft. Bei mir gibt es ja auch mal kurze mulmige Momente.

      Der Bauzaun geht mir inzwischen einfach nur noch gehörig auf den Keks 😦

      Liebe Grüße und auch noch ein schönes Wochenende
      Volker

  4. Lieber Volker,

    Du hast es sehr treffend beschrieben: der zuverlässigen Information des Augenlichts beraubt übernimmt das Ohr die Arbeit und v.a. die Füße melden die Beschaffenheit des Untergrundes an die Kommandozentrale, noch deutlicher wird dies ohne Schuhe oder mit minimalistischem Laufwerkzeug. Ich liebe es und empfinde v.a. das meist damit verbundene Gefühl der Einsamkeit als sehr entspannend. Ich wünsche Dir genau diese positive Erfahrungen…das Laufen in der Dunkelheit ist ähnlich dem Laufen im Regen, man muss lernen es zu lieben 😉

    Salut
    Christian

    • Lieber Christian,

      für mich ist es erstaunlich, dass ich nach nunmehr knapp 10 Jahren laufen immer noch meinen Horizont erweitere. Allerdings ist der Spaß am Laufen im Dunkeln auch erst mit dem Wegfall der Brille entstanden und das ist ja noch keine zwei Jahre her.

      Das minimalistische Laufen habe ich erstmal hintenan gestellt. Ich hatte bis dato (endlich) mal wieder ein gutes, verletzungsfreies Laufjahr in gedämpften Schuhen, so dass ich das erstmal fortsetzen möche.

      Moin Moin
      Volker

  5. Lieber Volker,
    ich finde es auch sehr angenehm, wenn die Augen mal ihre Hauptwahrnehmungsfunktion abgeben können und Hör- und Tastsinn einspringen. Dass du trotz der Dunkelheit noch Fotos hast ist ja super! Ich dachte mir diese Woche schon, dass jetzt wieder die bildarme Zeit kommen wird, weil ich in der Dunkelheit ja nicht fotografieren kann! 🙂

    Ich merke im Herbst schon sehr stark, dass ich so „lichtbedürftig“ bin, dass ich versuche, jedes bißchen Tageslicht zu erwischen, wobei ich es da leichter habe, weil mein (täglicher) Nachmittagsschlaf ja sowieso im Zug nach Hause stattfindet! 😉

    • Liebe Doris,

      wie schon bei Anja geschrieben, sind die Möglichkeiten im Dunkeln Bilder zu machen sicher begrenzt. Mal schauen, was mir da in den kommenden Wochen so einfällt und vor die Linse gerät.

      Ich bin in der dunklen Jahresezeit genauso lichthungrig. Aber der Freitagnachmittagsschlaf findet halt nur einmal die Woche statt. Den gönne ich mir. Schließlich ist ausreichender Schlaf fast ebenso fördernd für das Wohlbefinden wie das Licht 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,

    ich laufe auch sehr gerne im Dunkeln, nur die Tatsache, dass dann die Ohren noch schärfer arbeiten ist mein Problem wenn ich alleine im Wald unterwegs bin. Denn etwas was noch sehr gut in der Dunkelheit arbeitet ist meine Phantasie… 😉 hihi

    Es hat beides seine Reize, im Tageslicht und in der Dunkelheit zu laufen – schön ist, wenn wir beides schätzen und genießen können 🙂

    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      die Phantasie arbeit bei mir nicht nur im Wald, das kann ich Dir versichern 🙂

      Ich laufe schon lieber im Tageslicht, aber wenn es dieses eben nicht gibt, gewinne ich halt dem Laufen im Dunkeln seine vorhandenen Reize ab. Was auch wirklich gut geht.

      Liebe Grüße in die Berge
      Volker

  7. Wenn ich das so lese, denke ich mir, dass ich vielleicht was verpasse, wenn ich immer nur im Hellen laufe. Liest sich echt gut. Ich glaube allerdings, dass Frau etwas fährdeter ist im Dunkeln als Mann, oder? Erfreue Dich Deiner Läufe, egal ob im Hellen oder Dunkeln. Solange es Spaß macht, machste alles richtig.
    Lieben Gruß
    Kornelia

    • Ja, das hast Du sicher recht, dass Ihr Frauen im Dunkeln gefährdeter seid. Ich kann deshalb gut verstehen, wenn Du das Laufen im Dunkeln meidest.

      Auf meinen Hausstrecken fürchte ich da wenig und es ist für mich halt entspannter nicht unbedingt nach Feierabend gleich losrennen zu müssen, um noch das letzte Tageslicht zu erhaschen.

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Im Dunkeln laufen hat definitiv was. Aber ich bleibe da auch eher in der Stadt. Manchmal morgens gehe ich auch in die Felder, aber da auch nur mit dem Sonnenaufgang. Ich bin ja eher unerschrocken, aber als Frau passe ich lieber etwas mehr auf.

  9. Lieber Volker, das hat was, aber alleine würde ich diese Strecke ganz sicher nicht im Dunkeln laufen, Männer werden ja bekanntlich weniger im Dunklen überfallen als Frauen, und wenn Frauen dir über den Weg liefen, bäten sie dich höchstens um Geleit in der Dunkelheit…… 😉

    • Liebe Margitta,

      in der direkten Einsamkeit fürchte ich eigentlich wenig. Es ist schon eher der Übergang dorthin, wo es auch schon mal mulmig sein könnte.

      Frauen werden ich auf der Strecke im Dunkeln sicher nicht begegnen. Falls doch würde ich natürllich gerne Geleitschutz geben.

      Euch viel Spaß bei Eurem Lauf bei Sonne, Meer und Strand 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  10. „Säufersonne“ kannte ich auch noch nicht 😉
    … und laufe meinerseits meistens nicht sonderlich gerne in der Dunkelheit (mit Ausnahmen, die den „Besonderheiten-Bonus“ haben:Vollmondläufe an Bergseen o.ä.). Weniger aus Angst nicht – die habe ich eher selten. Obwohl ich das Abräumen der BZM-Bänder im nächtlichen und etwas verrrufenen Ostpark schon wieder ein bisschen unheimlich fand 😉 – sondern vielmehr deshalb nicht, weil es, wenn dunkel und Winter oft auch ungemütlich, nass, kalt oder alles auf einmal ist. Zudem kann ich Stirnlampen nichtt ausstehen, mich wie ein Weihnachtsbaum oder blinkendes Fahrgeschäft auszustaffieren, finde ich auch lästig und tue ich es nicht, rüpeln gelegentlich die Radfahrer rum … es bleibt ja wenig anderes übrig im Winter als es doch ab und zu tun, das in Dunkelheit laufen. Aber wenn ich es unterbringen kann, wähle ich in den dunklen Monaten doch lieber ein paar Laufbandeinheiten unter der Woche als in aller Herrgottsfrühe oder abends spät durch die Straßen und Stadtränder zu joggen.

    • Ihr seid alle viel zu solide, als dass Ihr solche Begriffe kennt! :mrgreen:

      Der Ostpark ist verrufen? Echt? Das sagst Du mir erst jetzt? Und ich bin da gelaufen! 😯 😉

      Du scheust Nässe und Kälte? Das hätte ich jetzt nicht gedacht 🙂

      Auf Laufband bin ich früher nur bei Glätte ausgewichen. Mangels Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio hat sich die Möglichkeit aber inzwischen eh erledigt.

      Liebe Grüße
      Volker

  11. Hallo Volker,
    die Fotos sind ja wirklich super geworden, für diese Dunkelheit. Mit was für einer Lampe bist Du denn unterwegs? Trägst Du sie um den Kopf oder um den Bauch?
    Viele Grüße

  12. Tolle Bilder. Und wo ich gerade „Festbeleuchtung“ lese, kommt mir so eine lustige Idee. Stichwort Weihnachten… Weißte, was ich meine? Okay, liegt vielleicht daran, dass ich zu früh aufgestanden bin es ist nicht mal 5 Uhr. Was mache ich hier? Und wo bin ich? Argh… Egal, trotzdem absenden – klick!

    • Ähmmm, neee, ich weiß jetzt mit dem Stichwort Weihnachten nicht was Du meinst. Also mit Weihnachten generell kann ich schon was anfangen, aber ich weiß jetzt nicht, worauf Du hinaus willst 🙄

      Bitte kläre mich auch. Inzwischen ist es ja schon etwas später 😉

      LG Volker

  13. Hallo Volker,
    ich schiebe ja meinen ersten Dunkellauf noch vor mir her… aber er wird kommen. Ich hoffe, ich kann ihn dann so genießen wie Du!
    Liebe Grüße und schönen Wochenstart!
    Elke

    • Hallo Elke,

      ich wünsche Dir, dass Du auch so viel Spaß dabei hast! 🙂

      Für mich geht es heute schon gleich wieder in die nächste Dunkelrunde …

      Dir auch einen guten Wochenstart und liebe Grüße
      Volker

  14. Ich verzichte gerade weitesgehend auch noch auf Läufe im Dunkeln so gut es geht. Zwar liebe ich wie du die Ruhe und die Wahrnehmung bei Nacht, aber ich genieße es auch ein wenig Tempo machen zu können. Und da ist mir Tageslicht einfach lieber

  15. Sehr schönes Bild, das erste ;-)!
    Ich werde heute auch das erste Mal seit langem wieder meine Petzl umschnallen, wenn ich nach Feierabend nachhause laufe! Dunkelläufe haben etwas ganz einen(artig)es…

    Lieben Gruß
    Tilman

    • Hallo Tilma,

      willkommen auf meinem Blog!

      Danke für das Kompliment 🙂

      Mich wird es heute auch wieder mit einem Dunkellauf „erwischen“. Allerdings geht es vom Job erst nachhause und anschließend laufen.

      Wenn`s recht ist, schnüster ich mal etwas auf Deinem Blog 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  16. Hallo Volker,

    Ich laufe auch sehr gerne im Dunkeln. Entweder mit Stirnlampe, aber lieber noch ohne im dämmerigen Laternenlicht oder ach gar Mondschein. In Begleitung mag ich überall laufen, allerdings ist mir alleine die Nachbarschaft in den USA nicht geheuer. Obwohl ich in einer guten Gegend wohne laufe ich da nicht alleine. In Holland dahingegen hat mir das nie was ausgemacht und bin ich gerne spätabends wenn es ruhig ist im Winter gelaufen. Trails laufe ich auch alleine -wer verirrt sich da schon hin…

    • Hallo Nido,

      wenn das Licht nur irgendwie reicht, mache ich die Stirnlampe auch wieder aus. Oldenburg ist ja fast Holland, da kann man und frau auch (fast) überall im Dunkeln laufen.

      Auf Trails oder in der absoluten Einsamkeit fürchte ich auch nichts. Ich denke kein Ganove begibt sich in die Pampa um dort stundenlang auf einen einsamen Läufer zu warten.

      Liebe Grüße
      Volker

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