Begegnungen

Meine heutige Laufrunde war ein absolute Standardnummer, über die Huntebrücke, um den Blankenburger See, über die Huntebrücke, einen kurzen Schlenker über Bornhorst und fertig.

Als ich nach zwei Kilometer zur Rampe zur Huntebrücke abbog, stand dort am Beginn des Fußweges ein Auto, zu hören waren merkwürdige Töne, nicht gerade melodisch für meine Ohren. Da das Auto mitten aufm Pad stand, mußte ich dicht daran vorbeilaufen. Auf der Kofferraumkante des Vans saß ein Mann und spielte Saxophon. Nicht gerade nach meinem Geschmack, der Taktgeber taktete laut dazu, aber irgendwie schon witzig, dass dort jemand mitten in der Pampa am Rande der Autobahn Saxophon spielte.

Mit einem Schmunzeln lief ich zur Brücke hoch …

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… gönnte mir nach dem Wiederrunterlaufen einen kurzen Blick über den Blankenburger See …

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… und lief weiter Richtung Kloster Blankenburg. Auf dem Gelände dieses ehemaligen Klosters wird im November nach vierjähriger Pause wieder eine zentrale Aufnahmestelle für Asylanten in Betrieb genommen. Mindestens 600 Menschen werden dann dort ihr erstes Dach überm Kopf in Niedersachsen bekommen.

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10.08.15 05*die Klosterkapelle*

Auf dem Klostergelände lebt seit vielen Jahren ein Pfau, gehört hatte ich sein markerschütterndes Geschrei schon öfters, gesehen hatte ich noch nie. Heute begegnete er mir, ein imposantes Tier:

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Ich joggte die Treppe hoch und lief über die Brücke zurück auf die andere Hunteseite. Das Wetter zeigte sich „düster as in Mors“, wie man hier sagt. Auf gut Hochdeutsch: Dunkel wie im Allerwertesten 🙂

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Auf den letzten paar Hundert Metern fängt es an zu regnen. Auf dem Rad-Fußweg, der auch hinter unserem Haus entlang führt, stehen zwei Männer unter einem Baum und suchen Schutz vor dem Regen, damit die Kippen nicht ausgehen. Einer von den beiden, ein Glatzkopf, entfährt das ach so sinnige „Eins, zwo, drei, vier“ und als er dann auch noch sieht, dass ich das Laufshirt vom Oldenburger JVA-Marathon trage, ruft er: „öööh, da war ich auch drin“ Das glaube ich ihm sogar, aber im Gegensatz zu mir bestimmt nicht nur zum Laufen 😀

Auf nur 11,5 km kann es also schon zu so mancher Begegnung kommen 🙂

22 Kommentare zu “Begegnungen

  1. In der JVA herrscht halt noch Zucht und Ordnung, da wird nach Rythmus gelaufen 😉

    Ansonsten würde ich es bei manchen Menschen verstehen wenn diese zuhause nicht musizieren dürften. Ich hatte da früher auch mal so n Exemplar dass mich immer mit schrecklichen Tönen um den Schlaf gebracht hat…

    • Das könnte tatsächlich der wahre Grund für die Saxophonklänge in freier Natur sein, Hausverbot! :mrgreen: Ich müßte das Gejaule auch nicht zuhause habe. Nun bin ich auch generell kein Saxophone-Fan :-/

      LG Volker

  2. Nein, ich bin überhaupt nicht neidisch
    nein, ich bin überhaupt nicht neidisch
    ich laufe in Gedanken mit
    die Hunte rauf und runter
    auch die Brücke rauf und runter
    egal
    wie das Wetter ist
    schön bei dir
    sag‘ ich doch
    mit dir auch
    YES ! 😉

    • Liebe, liebe Margitta,

      von den vier Wochen ist doch schon gleich die erste vorbei. Trotzdem freue ich mich, wenn Du gedanklich mit mir durch mein Revier läufst, wie ich auch in Gedanken für Dich laufe.

      Und wenn Du wieder läufst, dann komme ich mal bei Dir rum, dann traben wir eine schöne Runde in Deinem Laufrevier, weil Du es auch schön hast, weil es einfach mal wieder sein muß!

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Vielleicht wurde der Saxophonspieler von Familie oder Nachbarn zum Üben in die Pampa geschickt – das Instrument klingt ja grauenvoll, solange der Spieler es nicht beherrscht. 😉

    • Liebe Anne,

      ich dachte erst die Federn von dem Van quietschten so entsetzlich, aber der Wagen stand ganz ruhig 😀

      Saxophon kann ich eh nicht viel abgewinnen und im Übungsmodus schon mal gar nicht. Trotzdem war es eine witzige Begegnung.

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Lieber Volker,
    ich tippe auch auf einen rücksichtsvollen Musiker, der seine Nachbarschaft durch gelegentliche Outdoor-Übungseinheiten schonen will! 😀
    Zu den rauchenden Regenphobikern sag ich jetzt mal nix. Gaaar nix! 😉

    • Liebe Doris,

      so wie das klang war die Rücksichtnahme auch notwendig :mrgreen: Aber witzig war es schon, einen Live-Musiker hatte ich bei meinen Alltagsrunden noch nie 🙂

      Da lohnt es sich auch nix zu zu sagen. Vielleicht begegne ich ihm ja nochmal wieder … bei nächsten Lauf in der JVA 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Interessante Begegnungen hattest Du auf Deiner Runde. Besonders witzig ist natürlich der Kommentar des rauchenden Baumunterstehers. Er hat Dir einen besonderen Aufenthalt offensichtlich zugetraut. 😉

    Das Klostergelände als Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende, das hat doch etwas. In Rheinland-Pfalz gibt es immer mehr Zeltstädte, weil so viele Migranten ankommen. Ich hoffe, die Stimmung kippt hier nicht …

    Und der Pfau … Mal sehen, wie lange er noch trötet, wenn das Gelände bald belebt sein wird. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Hey, bei meiner Schläger-Visage ist das doch wohl kein Wunder, oder? :mrgreen:

      In Oldenburg kommen wir, zumindestens kurzzeitig, um das Aufstellen von Zelten auch nicht mehr drumherum. Aber die Aufnahmeeinrichtung wird uns Entlastung bringen, da sie auf unsere Zuteilungsquote angerechnet wird.

      Der Pfau wird den Betrieb von bis vor vier Jahren noch kennen, wenn es denn noch der gleiche. Da muß er durch 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Hat der Pfau auch ein Rad geschlagen? Wenn nicht, hättest du es für ihn tun können. Mit Foto für uns natürlich 😉

    • Nein, hat er nicht. Und wenn ich es für ihn getan hätte, dann hätte er es danach auch getan, vor lauter Lachen, während ich schmerzverzerrt am Boden gelegen hätte 😯

      Liebe Grüße 😎
      Volker

  7. Du hast aber wirklich interessante Begegnungen von grausig spielenden Saxophonisten bis zu ehemaligen Knackis. Dabei hätte ich gedacht, dass die Gegend da oben sicher viel weniger besiedelt ist als hier bei uns.
    Lieben Gruß
    Kornelia

    • Witzig, dass sich manchmal so vieles auf einen kurzen Lauf ballt 🙂

      Die Gegend ist sicher dünner besiedelt als bei Euch, aber Oldenburg ist halt schon ein recht großes Dorf 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Lieber Volker,

    lustige Begegnungen. Wie sag ich immer: Man erlebt nur was, wenn man vor die Tür geht. Der Saxophonist hat bestimmt ne kleine Wohnung mit üblen nachbarn – und was der JVA-Mensch angeht.. sehr schön. Du bist einer von ihnen. 🙂

    Großartig.

    Anja

  9. Lieber Volker,

    das sind ja wirklich interessante Begegnungen und das alles auf nur 11,5 Kilometer 😆 Mir wäre der Pfau auf jedem Fall lieber als der Saxophonist und die zwei Raucher 😉 Die Nachbarn sind bestimmt froh, dass er Mal nicht zu Hause übt… 😉

    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      hast Du schon mal den „Gesang“ eines Pfaus gehört? Dagegen ist Saxophon-Gedudel dann doch wieder gar nicht so schlimm 😉

      Liebe Grüße 😎
      Volker

  10. Lieber Volker,
    ist doch immer wieder herrlich, was man da draußen erleben kann. Ein Musiker in der Landschaft – das nenn ich doch mal ein Highlight 😉 Und nicht dass Du den Ex-Knacki bei Deinem nächsten Lauf beim JVA-Marathon da wieder siehst. Kannst ja dann auch fragen „Ein Jährchen, 2 Jährchen, 3 Jährchen?“
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      der Musiker war schon eine Besonderheit, ein Highlight hätte ich es dann genannt, wenn er schön gespielt hätte 😉

      Oh, die Gegenfrage ist ja böse! Aber gut! 😀

      Liebe Grüße
      Volker

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