Quäl Dich, Du Sau

Mein gestriger Lauf stand unter dem Motto „Bergtraining“. In gut zwei Monaten starte ich zum Marathon in österreichischen Gefilden. Das hört sich jetzt nach Höhenmeterheldentum an, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Strecke verläuft weitestgehend um ein Seeufer und bis auf eine Ausnahme gilt es keine Berge zu erklimmen. Trotzdem ist für mich ja alles alpin, was höher als ein Kieselstein ist und so kann ein bisschen Rauf und Runter im Rahmen des in Oldenburg möglichen nicht schaden.

Deshalb war mal wieder der Osternburger Utkiek mein Ziel. Hier hatte ich mich mit Bravour beim Mittsommernachtsberglauf geschlagen und daran wollte ich anknüpfen 🙂

13.08.15 01*nein, ich halte nicht die Kamera schräg*

 

13.08.15 03

13.08.15 04

13.08.15 06

13.08.15 08*nirgends sonst hat man die Chance auf ein solches Stadtpanorama*

13.08.15 09*auf dem Gipfel*

Warum ich mir allerdings gerade den gestrigen Tag für diesen „Extremlauf“ ausgesucht hatte weiß ich auch nicht. Seit einigen Tagen habe ich etwas Hals und leichtes Hüsterchen, was Männer im Allgemeinen und mich im Besonderen natürlich ganz fürchterlich leiden läßt. Gestern hatte ich dann auch noch Kopf und schlußendlich war es auch noch gar fürchterlich warm.

Entsprechend missmutig machte ich mich auf dem Weg. Das erste Stück Strecke, das nicht ganz eben war, empfand ich als entsetzlich anstrengend und die erste wirkliche „Steigung“, die in der Natur der Sache einer ehemaligen Müllkippe liegend, recht kurz ist, ließ die Oberschenkel maulen und das Herz fast aus dem Hals hüpfen.

Um es kurz zu machen: Ich haderte ganz fürchterlich mit den läuferischen Qualen und mit meinem Schicksal als solchem. Bis mir der anfänglich völlig abwegige Gedanke in den Sinn kam, dass es doch noch Menschen gibt, die es schwerer haben als ich.

Meine Gedanken waren plötzlich bei mir sehr nahestehenden Menschen, denen oder deren Liebsten es augenblicklich oder teilweise schon seit Jahren gesundheitlich nicht gut geht und die teilweise nie wieder gesund werden. Sie gingen weiter zu Menschen, die sich aufgrund einer Behinderung tagtäglich durch eine Welt quälen müssen, die nicht für sie gemacht ist. Und ich jammerte über Hitze, Hügel und Husten! Ich kam mir unendlich dumm vor.

Aber immerhin hatte die Selbstwatschen gesessen und mit der abgedroschenen Läuferanfeuerung „Quät Dich, Du Sau“ setzte ich meinen Lauf fort. Und siehe da, es lief von Anstieg zu Anstieg besser und so setzte zum Schluß die begrenzte Zeit und nicht die Qual dem Lauf nach nur 11 km ein Ende.

13.08.15 10

Dieser gedankliche Arschtritt war nötig, aber er hat seine Wirkung gezeigt. Und nächstes Mal trete auf Oldenburgs Bergen mindestens auf der Halbmarathondistanz an. Das ist zwar viel Hin- und Her und Kreuz und Quer-Gerenne, aber ich will jetzt nicht schon wieder anfangen zu jammern 🙄

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34 Kommentare zu “Quäl Dich, Du Sau

  1. EXTREMLAUF
    das sieht man wieder
    wie deeeeeeeeeeeeehnbar dieser Begriff ist
    du hast dich
    wie immer
    wacker geschlagen
    der Marathon ruft und Hügel werden zu Bergen
    und Berge ermuntern zu extremen Leistungen
    schließlich musst du ja gut vorbereitet sein
    tapfer, taper, wacker, wacker geschlagen, lieber Volker

    Und wenn man darüber nachdenkt
    wie schlecht es anderen Menschen geht
    dann werden eigene Beschwerden nichtig
    ich weiß
    wovon ich spreche !

    freue dich über dein unbeschwertes Leben
    freue dich
    dass du laufen kannst 😎

    • Liebe Margitta,

      Dir ist aufgefallen, dass ich den Begriff Extremlauf in Anführungszeichen gesetzt habe? 😉

      Ich freue mich, dass ich laufen kann, ich freue mich über mein Leben. Ein gänzliches unbeschwertes Leben hat wohl keiner. Aber grundsätzlich leben wir schon auf der Sonnenseite, daran muß man sich nur ab und zu mal erinnern.

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Uii, pass auf das nicht bald über die Baumgrenze stößt bei sovielen Höhenmetern 😉

    Aber wo eben kaum was ist muss man eben oft nuff ond nonder renna um gscheit zu trainiera 🙂

    • Da war ich schon drüber oder hast Du auf den Bergen irgendwo Bäume :mrgreen:

      Jo, Du, da haste recht, ick mut halt öfters mal op un daal lopen. Hölpt allens nix 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Ein Marathon in Frankreich? Habe ich da etwas verpasst. Oder meinst Du vielleicht einen Marathon in Frankfurt? 😉

    Das mit den profilierten Strecken ist ja so eine Sache. Aber Du hast schließlich schon mehrfach bewiesen, dass Du das kannst. Wenn es schwer geht, erinnere Dich einfach an Den Freundschaftslauf in Trier und wie Du dich danach gefühlt hast. Dann lohnt es sich weiterzulaufen.

    Aber sich bewusst zu machen, wie privilegiert wir sind, ist natürlich eine Sache, die auch in anderen Lebenslagen hilft.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Lieber Rainer,

      Frankreich, Frankfurt? Auf welchem Blog hast Du denn da gerade gelesen? 🙄 Mich verschlägt es nach Österreich 😀

      Der Freundschaftslauf in Trier hat mich ganz schön geschlaucht, aber schön war es natürlich trotzdem 🙂

      Privilegiert ist der richtige Ausdruck für das Leben, das wir führen. Das sollten wir auch in schwierigeren Zeiten nicht vergessen.

      Liebe Grüße
      Volker

      • Es scheint, ich bin noch vom Urlaub verstrahlt 😉 Österreich also. Meine Frage, wo, ist aber noch nicht beantwortet 😉

        Natürlich hat Dich der Lauf in Trier geschlaucht. Aber dagegen ist Dein Hügel im Oldenburger Land doch eine kleinere Herausforderung, oder ?

        Liebe Grüße
        Rainer 😎

      • Tja, immer noch voll auf Frankreich gepeilt. Das zeugt doch aber davon, dass der Urlaub noch nachwirkt. Das ist doch schön 🙂

        Es ist der Salzkammergut-Marathon im Rahmen des Wolfgangseelaufs 🙂

        Die Oldenburger Hügel sind hammer!!! Das brauche ich jetzt für mein Ego 😀

        Liebe Grüße
        Volker

  4. Man muss sich manchmal halt vor Augen führen, dass man Glück hat, wenn man sich selbst quälen kann 🙂
    Wo läufst du denn mit? Rein aus nationalem Interesse, und dass ich mich schon auf deinen Bericht freuen kann 😉

    • Da ist der kleine aber feine Unterschied. Wir DÜRFEN uns quälen, MÜSSEN es aber nicht 🙂

      Ich laufe weit weg von Wien. Es ist der Salzkammergut-Marathon im Rahmen des Wolfgangseelaufs.

      Ich hoffe, dass ich mit meinem Bericht Deinem nationalen Interesse gerecht werde 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    seeehhhrrrr löblich, wie gewissenhaft du dich auf den Oktober vorbereitest! 😉

    Den Arschtritt habe ich mir auch gleich zu Herzen genommen (geht das anatomisch überhaupt?) und kann somit aufhören, mich über mein ziependes Knie zu ärgern. 🙂
    Und: der Kommentar unterm ersten Bild ist grandios!!! 😀

    • Liebe Doris,

      ich tue mein Bestes 😀

      Anatomisch war der Arschtritt bei mir ja auch nicht 😉 Zirpt es doch immer noch in Deinem Knie? Das ist doof :-/

      Der Kommentar mag grandios sein, ist aber notwendig! :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,
    ich finde, wir Flachländer müssten wegen Bergtrainingserschwernis ein paar Sekündchen Rabatt bekommen bei Bergläufen! Chris sucht auch händeringend bei uns nach alpinähnlichen Bedingungen. Deinen Gedanken zum „hohen Jammerniveau“ kann ich nur zustimmen. Manch einer wäre froh, wenn er überhaupt ein paar Schritte tun könnte… Also insofern, … genau, Du Sau !(pardon, aber nach Deiner Vorlage weißt Du das sicher richtig zu verstehen 😉
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      ach, mir kommts doch gar nicht auf die Sekunden an. Es geht ums nackte Überleben der Höhenmeter :mrgreen:

      Ist der Sophienberg denn nichts für Chris? Da sah es doch recht steil aus!

      Ja, komm, gib mir Tiernamen :mrgreen: Ist schon richtig verstanden 🙂

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch beiden
      Volker

      • Die Sophienhöhe im Vergleich zu den Alpen ist wie ein laues Lüftchen zu einem Sturm. Chris war schon dort zum Training, aber es haut ihn nicht vom Hocker.
        Ich wünsche Dir ein tierisches Wochenende!
        Liebe Grüße
        Elke

      • Naja, mich haut der Utkiek auch nicht vom Hocker und dagegen ist der Sophienberg noch wirklich ein Berg 😉

        Aber wer, wie Chris, auf einen Bergmarahton trainiert hat es hier halt wirklich schwer 😦

        Einen tierischen Teil des Wochenendes habe ich schon überstanden. Schaun wir mal was am Sonntag kommt. Einen genialen Selbigen wünscht Euch

        mit lieben Grüßen
        Volker

  7. Lieber Volker,

    wie gut, dass das mit den Selbstwatschn funktioniert hat – sonst hätte dir sicher der eine oder die andere hier die Leviten gelesen. Und nach dem Halbmarathon im Oldenburger Hochgebirge wollen wir hier gar kein Gejammer mehr lesen, gell? 😉 Schließlich hast du dir den Marathon mit Höhenmetern selbst ausgesucht.

    Brav gemacht! 😎

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Liebe Anne,

      ebendt, dem wollte ich unbedingt zuvorkommen 😎

      Nein, gejammert wird vor, während und nach dem Müllberghalbmarathon nicht, versprochen! 😉

      Wie gesagt, so hügelig ist der Marathon nicht, nur halt hügeliger als Nordwestdeutschland 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Als Flachlandtiroler einen Marathon im alpinen Land zu laufen finde ich sehr mutig, auch wenn es nur um einen See rum geht. Wird trotzdem sicher nicht einfach werden.
    Tja, da musste Dich dann eben auch heute schon ein wenig quälen. Bin gespannt, wie Du es meistern wirst Ich drücke Dir die Daumen.
    Lieben Gruß
    Kornelia

    • Naja, liebe Kornelia, ich bin ja auch schon 28 km im Harz rauf und runter gerannt. Da hatte es mehr Höhenmeter. Es gibt während des Marathon nur einen Berg und der wird halt gegangen.

      In zwei Monaten bin ich schlauer 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  9. So so…Österreich!
    Ich tippe mal der See hat einen männlichen Namen 😉

    Ich bin gespannt…
    …weiterhin alles Gute für die Vorbereitung.

    Viele Grüße

    Steve

    • Ein See mit männlichen Namen, Bingo! 🙂

      Nicht nur Du bist gespannt 🙂

      Ich werde berichten, dauert aber ja noch etwas 😉

      LG Volker

      • Vielleicht geht sich ja ein Kaffee aus, wenn du Zeit und Lust hast. Ist ja nicht so weit von mir weg und Salzburg liegt sicher auf deiner Reiseroute

      • Daran hatte ich auch schon gedacht, Steve! 🙂

        Mit Laufen wird es bei mir dann wohl leider nichts, wenn ich gerade den Marathon überlebt habe.

        Aber die Gelegenheit sich endlich mal kennenzulernen würd ich schon gerne nutzen!

  10. Lieber Volker,

    Dein Hügeltraining finde ich spitze, ist schon etwas anderes „bergauf“ zu laufen und wenn man das immer wieder ab und zu trainiert, bringt es schon viel!!

    Ja, wir können uns wirklich glücklich schätzen, ersten geht es uns sehr gut im Vergleich zu viele Menschen auf der Welt, wir sind gesund und können uns diese „Quälerei“ sogar gönnen. Wie gut es uns eigentlich geht, denke ich oft, vor allem wenn der Alltag wieder mal etwas anstrengender ist, und es hilft, ob beim Laufen oder im Alltag!! wir können uns auf jeden Fall glücklich schätzen 🙂

    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      dieses „Bergtraining“ werde ich jetzt noch regelmäßig bis zum Marathon durchziehen und hoffe, dass es mir am Tag der Tage wirklich etwas bringt 🙂

      Ja, das hast Du gut beschrieben. Trotzdem haben auch wir unsere Belastungen und Probleme, die ernst genommen werden müssen und dürfen. Aber die Augen offen halten und Umsichschauen hilft bei der Einordnung und wir erkennen, dass wir uns grundsätzlich glücklich schätzen dürfen.

      Liebe Grüße
      Volker
      .

  11. Lieber Volker,

    manchmal muss das mit den Selbstwatschn sein, um sich zu Besinnung zu bringen und es hat ja auch was genützt. Ich find aber, dass man manchmal auch Jammern darf – besonders Männer mit Schnupfen. 😉

    Gruß
    Anja

    • Liebe Anja,

      ich danke für Deine verständnisvollen Worte. Darauf trifft man ja heute nur selten! :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Volker

  12. Lieber Volker.
    „Berg“training im Flachland. Ich kenn das Gefühl. Und irgendwie steht man doch zuhause und schaut auf die 300-500 Höhenmeter die man gesammelt hat und fühlt sich, als hätte man die Alpen durchlaufen. 😀

    Welchen Marathon in Österreich hast du dir denn ausgesucht?
    Liebe Grüße aus dem (viel zu schwülwarmen) Münster,
    Cornelia

    • Liebe Cornelia,

      ich glaube es waren bei weitem noch keine 300 – 500 Höhenmeter, irgendwie kriegt man Garmin da auch keine Auswertung gebacken. Aber es ist halt schon wirklich schwierig hier in dieser Richtung etwas zu machen :-/

      Es ist der Wolfgangsee-Marathon. Bis auf eine Ausnahme halten sich da die Höhenmeter noch einigermaßen in Grenzen 🙂

      Liebe Grüße aus Oldenburg, wo es heute teilweise auch extrem schwül war.
      Volker

  13. Uih, da wollte der Volker mal wieder hoch hinaus. Hast’e gut gemacht – dein Bergtraining. In Anbetracht Deiner Pläne finde ich es gut, wenn Du im Rahmen Deiner Möglichkeiten doch die ein oder andere Erhebung erläufst. Ein gutes Training.
    Und ja, uns geht es gut. Manchmal ist unser Jammern eines auf hohem Niveau. Gut, sich das ab und an vor Augen zu führen.
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Danke, liebe Bianca 🙂 Dieses Training versuche ich jetzt wöchentlich beizubehalten bis kurz vor dem Tag X.

      Ab und zu muß man sich mal wieder am Riemen reißen. Aber manchmal will man auch einfach mal leiden 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  14. Hallo Volker,

    ja, solche „Selbstbeschimpfungen“ während des Laufens kenne ich auch….und sie tun gut und rücken so manches ins richtige Licht und Verhältnis. Nur beim „Quälen“, da habe ich noch Nachholbedarf! 🙂

    Ich wünsch Dir auf jedenfalls eine gute Vorbereitung! 🙂

    • Moin Wolfgang,

      ich schimpfe auch lieber mit mir als mich zu quälen 😉

      Danke Dir, ich laufe ja um den See mit Deinem Namen 😀

      Liebe Grüße
      volker

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