Sehen und gesehen werden

Zum heutigen Utkiek-Lauf war ich alleine auf weiter Flur, von der Laufgruppe war nichts und niemand zu sehen. Das drückte meine ohnehin bescheidene Motivation gänzlich in den Keller. Alleine in der Finsternis die drei Hügel rauf- und runter und hin- und her zu laufen hatte ich keine Meinung und so habe ich eine Freveltat begangen: Ich bin stumpf wieder ins Auto gestiegen und nachhause gefahren. Nicht ohne auf der Rückfahrt beim Imbiss zu stoppen um mir allerfeinstes Abendessen einpacken zu lassen. Was es gab? Das kann ich hier leider nicht verraten, ich möchte meine Leserschaft nicht unnötig beunruhigen :mrgreen:

Der geschwänzte Lauf bietet mir aber endlich mal die Möglichkeit mich meiner neuen Lauflampe zu widmen.

Seitdem ich das erste Mal eine Stirnlampe auf dem Schädel getragen hatte, konnte ich mich mit diesen Dingern nicht richtig anfreunden. Anfänglich war ich auch noch Brillenträger und das Streulicht der Stirnlampe in den Brillengläsern ging mir mächtig auf den Geist. Um das abzuschirmen trug ich seinerzeit eine Schirmmütze. Diese verstärkte allerdings die Neigung der Brillengläser zum Beschlagen und die Stirnlampe rutschte oberhalb vom Schirm der Mütze gerne mal nach oben weg. Beim Absetzen der Mütze habe ich die Lampe dann gerne noch vergessen, so dass diese krachend zu Boden fiel.  Auf der nackten Stirn getragen fand ich die Stirnlampe schlußendlich nur unbequem.

Rainer berichtete im letzten Jahr einmal, dass einige Läufer und Läuferinnen seiner Laufgruppe die Stirnlampe um den Bauch tragen. Das habe ich dann auch ausprobiert und war sehr davon angetan. Die Optik erinnerte zwar etwas an eine Straßenbahn, dafür nervte nichts am Kopf und das Licht fiel sehr gut auf den Weg.

 

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Allerdings leierte der Gurt meiner Lenser H7 dadurch mächtig aus und der Batteriekasten sprang gerne mal aus seiner Führung. Zudem hatte ich mit meiner H7 wohl ein Montagsmodell erwischt, sie war im Klappmechanismus klapprig und verstellte im Laufrythmus ständig ihren Lichtkegel.

Carsten machte mich in einem Kommentar dann auf die Decathlon run light aufmerksam und eben dieses Teil habe ich mir vor wenigen Wochen bestellt. Für einen Kurs von gerade mal 40,00 € konnte ich mir zwar nicht vorstellen, was ordentliches zu erhalten, aber auf der anderen Seite hätte dieser Betrag einen Fehlkauf erträglich gemacht und ich hätte das Ding bei Nichtgefallen getrost in die Tonne kloppen können. Brauche ich aber nicht, denn nach den ersten Läufen bin ich mit dem Teil ganz zufrieden.

Die Lampe macht von der Verarbeitung einen recht guten Eindruck, sie braucht nicht mit Batterien gefüttert werden, sondern wird über ein mitgeliefertes USB-Kabel aufladen. Das soll nach Beschreibung um die 500 mal möglich sein. Da das Licht nach den ersten Ausflügen so um die fünf Stunden gut hält, dürften die Ladezyklen also schon für ein paar Jahre reichen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Anlegen, die Bändsel sind ähnlich einem Pistolenhalfter anzulegen, was etwas Übung braucht bis man diese so zurecht gezurrt hat, dass das ganze Gewerk vernünftig sitzt. Ärgerlich dabei war, dass die Lampe schon mit einem verdreht eingefädelten Band, gerade das, das auch das Kabel führt, geliefert wurde. Hat man den Bogen aber erstmal raus, geht das Anlegen doch ganz fix.

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Das Licht läßt sich in drei Stärken variieren, 90, 180 und 250 Lumen. Allerdings empfinde ich die Unterschiede beim Durchschalten als recht gering, so dass ich es bei der schwächsten Lichtstärke belasse. Die Lampe ist sowieso darauf ausgelegt, die direkten 20 Meter vor den Füßen auszuleuchten. Das gelingt ihr sehr gut und man sieht somit sehr gut wo man hintritt. Auf meinen Alltagswegen und auch auf zappendusteren Waldwegen fühlte ich mich mit der Lichtausbeute absolut sicher. Für die norddeutsche Pampa reicht die Lampe also vollkommen.

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Das geriffelte Deckglas der Lampe verhindert zuverlässig Streulich nach oben, so dass nichts die Augen irritiert. Der Akku sitzt in einem Kasten, der auf dem Rücken getragen wird. Dieser Kasten beinhaltet gleichzeitig ein Rücklicht mit drei roten Leuchtdioden, die einen dauerblinkend auch gut nach hinten sichtbar machen.

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Wer, wie ich, seine Laufstrecken teilweise mit anderen Verkehrsteilnehmer teilen muß, macht sich so insgesamt gut erkennbar und kann auf getrost auf andere Leucht- und Blinkutensilien verzichten.

Mein Fazit: Für den Preis kann man mit der/dem Run light eigentlich nichts falsch machen und ich brauche mir kein Geraffel mehr an die Birne knallen. Lichtstärke und -ausbeute sind zumindestens für meine Laufverhältnisse mehr als ausreichend und die Lampe aufladen zu können, statt Battrerien auswechseln zu müssen, finde ich sehr symphatisch.

Sollte es also noch mehr Menschen geben, die sich nicht unbedingt mit einer Hirnbirn anfreunden können, kann ich diesen diese Lampe mit guten Gewissen empfehlen.

Da es bei mir in der Regel nie Produkttests zu lesen gibt, möchte ich noch daraufhin weisen, dass ich mir die Lampe selber auf eigene Rechnung und aus eigenem Antrieb gekauft habe und das positive Resultat wirklich auf meinem eigenen Mist gewachsen ist, sprich meiner wirklichen Meinung entspricht.

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24 Kommentare zu “Sehen und gesehen werden

  1. Hallo Volker,

    das klingt ja interessant. Ich bin zwar mit der Hiribiri (also Stirnlampe) im letzten Winter gut klar gekommen aber sollte ich noch mal in die richtigen Laufschuhe zurückkehren, ist das echt ne Überlegung.

    Viel Spaß damit… Du Laufschwänzer.. sowas aber auch.

    Anja

  2. Macht einen guten Eindruck, lieber Volker! Mich stört die Stirnlampe eigentlich nicht, aber sie ist unpraktisch, wenn ich bei Regenwetter mit Schirmkappe laufe. Da wäre dieses Modell eine interessante Alternative, denn die Lampe in der Hand zu halten finde ich nicht eben praktisch.

    Liebe Grüße an den Oldenburger Laufschwänzer und Imbissbudenstürmer,
    Anne (die erst recht beunruhigt ist, weil du NICHT schreibst, welche „Köstlichkeiten“ den Weg aus Fristeuse und Grill in deinen Magen gefunden haben)

    • Liebe Anne,

      mit Schirmkappe getragen fand ich die Stirnlampe seinerzeit auch immer unpraktisch, wie gesagt, nicht nur da.

      Es sollte Dich nihct unnötig beunruhigen, es geht mir auch heute, ca. 12 Stunden später gut, wirklich! :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker,
    mit der Laufbeleuchtung ist es so eine Sache, jeder hat seine eigenen Ansprüche und Vorlieben, oft genug ist eine entsprechende Lampe entbehrlich, da genügend Restlicht vorhanden ist, wenn sich die Augen an die dunkle Umwelt gewöhnt haben. Im Wald und auf Trails hingegen kann man gar nicht genügend Licht haben, da setz ich schon mal auf etwas Hochlumiges 🙂
    Dennoch fand ich Deinen Beitrag sehr nützlich, denn gerade auf Radwegen oder in den Ortschaften ist es sinnvoll sich bemerkbar zu machen und dafür scheint die Lampe auf jeden Fall sehr gut geeignet, also vielen Dank für Deine Beurteilung.

    Salut

    • Lieber Christian,

      nur um sich bemerkbar zu machen, dass wäre mir schon etwas zu wenig. Ich will auch schon vernünftig sehen können.Im Vergleich zu den trüben Funzeln meiner Mitläufer am Utkiek macht die neue Lampe das beste Licht. Auf Trails mag das vielleicht etwas wenig sein, aber auf meinen Laufstrecken lauern ja nicht alle paar Meter irgendwelche Abgründe, da brauche ich keinen Flakscheinwerfer 😉

      Moin Moin
      Volker

  4. Wahrscheinlich standen deine Laufkollegen einfach nur ohne entsprechende Lampe da und du konntest sie nicht sehen. Solltest dieses Teil auch denen schnell mal weiter empfehlen 😉

  5. Moin, lieber Volker, da kann ich leider nicht mitreden, freue mich, dass es solche Hilfsmittel gibt, bin früher immer im Stockdunklen gelaufen, da meine Kerze immer während des Laufens ausging !! 😉 Nein, im Ernst, diese Lampen sind schon ein Segen, wenn sie ihren Zweck erfüllen und dir den Weg beleuchten.

    Einfach so nach Hause – na so was:?:

    • Liebe Margitta,

      im Stockdunkeln zu laufen wäre bei meiner ausgeprägten Nachtblindheit nicht so prickelnd. Auf Asphalt würde ich das ja noch gerade hinkriegen, aber ansonsten würde ich nicht weit kommen. Von daher sind die Lampen wirklich ein Segen.

      Einfach so nach Hause, ich bin selber immer noch zu tiefst erschüttert 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,
    danke für Deine ausführliche Beschreibung. Das könnte für mich mal eine Alternative sein. Bisher laufe ich mit erhelltem Kopf, aber angenehm finde ich das Tragen auch nicht. Sympathisch ist mir der Akkubetrieb. Und wie klappt das mit der Ausrichtung des Lichtkegels? Mit dem Kopf kann man das Licht ja einfach dahin steuern, wo man es haben will.
    Tja aber was ist das denn für ein Deichläufer?! Fährt zum Laufen, um dann doch nicht zu laufen…? Und belohnt sich auf dem Heimweg auch noch mit Anti-Diätkost…?
    Aber ok, solche kleinen Schwächen müssen auch mal sein 😉
    Wolltest Dich sicher nur für den nächsten Lauf bei Schietwetter rüsten!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      wenn Du das Tragen am Kopf auch nicht so sehr magst, dann könnte die Lampe tatsächlich etwas für Dich sein.

      Die Lampe läßt sich nicht verstellen, diesbezüglich war ich anfänglich auch sehr skeptisch, aber das Licht fällt tatsächlich genau dahin, wo es soll.

      Schlimm, nech? Aber da ich am Abend zuvor meine 14 km gelaufen war, habe ich mir das Schwänzen ruhigen Gewissens gegönnt. Und energiereiche Nahrung muß sein, schließlich soll es kälter werden 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,
    ahh, da ist er ja der sehnsüchtig erwartete Artikel über die neue Leuchte im Norden! 🙂
    Ich hab mir das Teil ja schon im Internet angesehen, nachdem du mir davon erzählt hast, habe jetzt aber doch wieder zu einer neuen (ebenfalls aufladbaren) Stirnlampe zurückgeschwenkt, weil ich Licht ja fast ausschließlich beim Lauftreff brauche (sonst lauf ich eher nur im Hellen) und gerade bei diesen Strecken ganz gerne mal ums Eck schaue! 😉
    Aber super, wenn du damit zufrieden bist! 🙂

    Und wenn dein „Abendsnack“ geschmeckt hat, kann er doch gar nicht verkehrt gewesen sein! 😀

    • Liebe Doris,

      hehe, es gibt hier im Norddeutschen Fernsehen eine Quiz-Sendung, die heißt die Leuchte des Nordens 😀

      Aufladbar ist schon schick, ansonsten ist das ganze ja Geschmackssache. Dir dann auch viel Spaß mit Deiner neuen 🙂

      Der Snack war bekömmlich und lecker! 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Ein interessanter Bericht lieber Volker,

    ich laufe zwar gerne mit Stirnlampe, aber so was wie der Decathlon run light könnte ich mir auch vorstellen. Mal sehen wie viele Dunkelläufe ich diesen Winter hin bekomme – bis jetzt habe ich die Stirnlampe nur einmal auf gehabt 🙄 Erstens habe ich im Moment ja nicht so viel Zeit um Laufen zu gehen und zweitens versuche ich meine Läufe am Vormittag zu legen, wenn ich nicht arbeite und die Kinder in der Schule sind 😉

    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      nach Möglichkeit möchte ich gar nicht so viel im Dunkeln laufen. Aber das ist im Winter in der Woche schwer zu realisieren. Da tut die Lampe schon gute Dienste.

      Bei dir leuchtet nun ja auch noch wieder der Schnee zusätzlich 🙂

      Liebe Grüße in den Winter
      Volker

  9. Interessantes Teil. Leider habe ich mir allerdings gerade einen Luxusstrahler für den Kopf zugelegt. Da steht der erste Praxistest noch aus. Ich laufe eben in der Regel bei genügend Helligkeit, um die Funzel auszulassen.

    Dir weiterhin gut ausgeleuchtete Laufwege!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Sicher ein vergleichsweise ungewöhnliches Teil 🙂

      Ein Luxusstrahler? Gab es den zum Geburtstag? Da bin ich mal gespannt, was Du Dir da gegönnt hast.

      Danke, dass wünsche ich Dir auch, für die Fälle bei denen die natürliche Helligkeit doch nicht reicht.

      Liebe Grüße
      Volker

  10. Bisher brauchte ich so eine Lampe noch nicht. Schaffe es immer, im Hellen noch schnell zu laufen. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass auch ich irgendwann mal mit so ner Lampe laufe.
    Hab aber immerhin jetzt wieder meine leuchtend gelbe Jacke an. Werde also hoffentlich gut gesehen von anderen.
    Lieben Gruß
    Kornelia

    • Liebe Kornelia,

      da bist Du zu beneiden, dass es Dir mit dem Laufen im Hellen gelingt. Da kann ich mich in der Woche noch so sehr beeilen. Ich komme dann zwar noch im Hellen los, aber definitiv nicht mehr zurück :-/

      Liebe Grüße
      Volker

  11. Lieber Volker,
    da ich im Dunkeln nur durchs Dorf oder auf einer beleuchteten Crossstrecke laufe, brauche so eine Lampe gar nicht. Trotzdem interessant, was Du berichtest.
    Lauf geschwänzt – tz!
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Liebe Bianca,

      wo es Straßenlaternen gibt, kann man sich so ein Teil sicher sparen. Aber ich laufe solche Wege nicht so gerne, weil ich dort nicht meine Ruhe habe 😉

      Liebe Grüße
      Volker

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