Faxen dicke

13.02.16 03

Zum Laufen in der norddeutschen Tiefebene gehört der Wind wie die Höhenmeter zu Läufen in südlicheren Gefilden. Der Wind in seinen unteschiedlichen Ausprägungen kratzt mich in der Regel nicht, im Gegenteil. Laufen gegen den Wind bringt etwas Pepp ins Laufen und bietet seinen ganz eigenen Trainingsreiz.

Aber heute ist er mir doch mächtig auf den S .. Keks gegangen. Ich hatte mir mal wieder vorgenommen zur Teatime bei Schwiegermuttern zu Fuß zu erscheinen. Mit ein paar Schnörkeln dehnte ich die One-Way-Tour auf 24 km aus. Der Weg nach Berne führte strikt nach Osten. Und wo kam heute der Wind her? Aus Osten! Und zwar strikt und stetig mit Stärke 4. Zudem sorgte er dafür, dass die höher vorgesagten Temperaturen auf 2 – 3° hängenblieben.

Die Strecke war reich an ländlicher Idylle und mein Kneippweg vom Dienstag lag auch wieder trocken. Dazu hatte ich mir aber sicherheitshalber die Gezeitenvorausberechnung im Internet angeschaut. Für die lange Kante hatte ich denn doch keinen Bock auf nasse Füße.

Erste Farbtupfer waren zu sehen. Es blüht die Herbstzeitlose, was sie laut Wikipedia im Frühjahr sehr selten tut. Auch die Schneeglöcken breiten sich in ersten Teppichen aus. In großen Teilen erhellte die Sonne die Szenerie und das Gemüt. Aber der Wind, dieser elende Wind saugte mir die Energie aus den Knochen und kühlte mich auf der freien Pläne aus. Diesen Effekt hatte ich so nicht vorausgesehen, sonst hätte ich mir noch eine Schicht mehr übergeworfen.

Nach nur 15 km mußte mir ein Energieriegel etwas auf die Sprünge helfen. Zum Glück war das in zwei Patronengürtelfläschenchen mitgeführte Wasser noch etwas warm. Ich hatte die Pullen mit heißen Wasser gefüllt und in zwei dicke Handschuhe und diese in den Laufrucksack gesteckt.

Kurz nach der Pause wurde es in Sachen Wind nochmal richtig böse, auf einer weiteren langen Gerade kein Baum, kein Strauch. Lauflust sieht anders aus. Endlich erreichte ich die neue Huntebrücke in Huntebrück, Deutschlands größte einflügelige Klappbrücke, wie ich der Presse entnehmen durfte. Noch steht die alte Brücke daneben und wartet auf ihr baldiges Abbruchende.

Von der Brücke waren es nur noch drei Kilometer bis Berne und der Wind traf mich auf dieser Schlußetappe nur noch von der Seite. Trotzdem war es gut und ich war froh am Ziel zu sein. Allerdings streikte der Thermostat von Schwiegermutterns Dusche und statt der erhofften heißen Dusche, gab es nur lauwarmes Wasser. Die Heizfunktion mußte danach der heiße Tee übernehmen.

Von den 24 Kilometern um die zwanzig Kilometer kalter Ostwind direkt von vorne, das hat gereicht. Tröstlich ist allerdings, dass es im Vergleich zum für morgen angekündigten Schnee- und Schneeregenwetter heute doch noch das bessere Laufwetter gewesen ist.

13.02.16 14

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26 Kommentare zu “Faxen dicke

  1. Lieber Volker,
    gutes Training, 20 km gegen den Wind und gleichzeitig Abhärtung gegen Kälte, was willst Du mehr 😀 Ich dachte immer, der Gegenwind ist der Grund, warum man auf dem platten Land wohnt 😉
    Ne, im Ernst, ich denke, das braucht niemand, dass der Wind ständig von vorn bläst, aber das ist wohl Pech oder Risiko, wenn man one-way läuft. Hoffe Du bist zwischen wieder aufgewärmt.

    Schönes Restwochenende wünsche ich Dir und morgen wird gelaufen, egal wie das Wetter wird 😀

    Salut

    • Lieber Christian,

      Du kannst morgen gerne laufen, ich lege die Füße hoch! .-D

      Dir auch noch ein allerbestes Wochenende!

      Moin Moin
      Volker

      • So, der Dauerregen hat sich eingestellt, ich geh jetzt auf eine gemütliche 20 Kilometer Runde, so long 😀

      • Komm hierher, da hast Du sogar Dauerschneeregen und immer noch den „netten“ Wind 😉

        Viel Spaß auf Deiner gemütlichen Runde! 🙂

  2. Lieber Volker,
    wenn Du es nicht so eindringlich beschrieben hättest … Die Fotos sehen doch sehr frühlingshaft aus. 😉

    Aber Du hattest Dich ja gut vorbereitet. Den Regen hatte ich heute, und Wind dazu, und Höhenmeter. Aber ich hatte auch Gesellschaft, die das leichter erträglich machte.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Lieber Rainer,

      Ob mir Gesellschaft heute geholfen hätte, sei mal dahingestellt 😉 Ich bin gespannt auf Deinen Bericht!

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker, mal wieder Zeit für den abgedroschenen Spruch „Was uns nicht umbringt, …!“ Wenigstens die heiße Dusche hätte ich dir aber von Herzen genönnt. Weil’s die nicht gab, gönne ich dir den heutigen Ruhetag um so mehr. Erhol dich gut und schon dich. Nicht dass du dir noch eine Erkältung einfängst.

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Liebe Anne,

      schön Dich zu sehen, wenn auch der Anlaß, der Dich wieder auf Deinen Blog treibt wahrlich nicht so schön ist. Da komme ich noch mit etwas mehr Ruhe drauf zurück.

      Es hat mich nicht umgebracht und im Nachhinein war es auch wieder alles gar nicht so schlimm 😎 Zumal der Wind heute immer noch da ist und es bei knapp über 0° schneit.

      So geniesse ich den Sonntag, an dem wir zu Geburtstagskaffee- und kuchen eingeladen sind 😀

      Liebe Grüße in meine Lieblingsstadt, die Dich hoffentlich auf andere Gedanken bringt
      Volker

  4. Lieber Volker,

    Mensch, die Bilder zeigen Idylle und die Worte sagen was anderes. Mich würd das ja auch deutlich häufiger nerven, glaube ich. Und lauwarme Dusche nach sowas? Da könnt man ja meinen, das Universum hat sich verschworen.

    Gut durchgehalten!

    Gruß
    Anja

    • Liebe Anja,

      das Universum hat sich verschwören! Das es das mit mir gestern aber noch gut gemeint hat, zeigt es heute. Der Wind ist immer noch da und es schneit! Somit war gestern echt noch heile Welt 🙂

      Liebe Grüße nach Berlin (wo die Anne auch zu sein scheint)
      Volker

  5. Moin, lieber Volker, Windstärke 4, das ist ja gar nichts, dann musst du bei Kilometer 15 auch noch nach einem Engergiespender greifen, ich glaube, du musst öfter länger und öfter gegen Wind laufen, Übung macht den Meister. Wenn du bei Kilometer 15 schon isst, dann musst du bei noch längeren Strecken einen ganz schönen Vorrat bei dir haben !! Was der Volker braucht, das braucht er halt – YES !!

    • Liebe Margitta,

      so ohne ist Windstärke 4 auf so einer langen Strecke nun auch wieder nicht und es gibt halt solche Tage, wo er einen besonders die Kraft raubt.

      In der Regel brauche ich nach so einer kurzen Strecke keine Energiezufuhr. Aber gestern hätte ich an der Stelle auch kein Kotelett verschmäht :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,
    Gegenwind ist aber auch fies – und dann fast die ganze Zeit! Das hätte mir auch nicht gefallen.
    Danach nur eine laufwarme Dusche – brrrr!
    Ich hoffe zum heißen Tee gab es dann noch lecker Kuchen zum Trost. 8)
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Liebe Bianca,

      grundsätzlich bin ich ihn ja gewohnt, aber gestern war die Strecke mit Gegenwind halt doch etwas lang 😉

      Klar gab es Kuchen zum Tee, ich habe drei Stücke Käsekuchen verdrückt und ein paar Pralinen 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,

    Du hast mein vollstes Verständnis – diesen fiesen Wind…! 👿 Hättest Du nicht ein bestimmtes Ziel gehabt, hättest Du ja auch eine andere Strecke wählen können und hättest beim Retour laufen auch mal Rückenwind gehabt – dann wäre es wohl nur halb so schlimm…
    Hut ab, dass Du ausgehalten hast!!
    Da man auf den Bildern den Wind nicht sieht, kommen sie richtig frühlingshaft und idyllisch vor 🙂
    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      gut, dass Jens, der ja mit dem Auto nach Berne gefahren ist, auf einer anderen Strecke unterwegs war, sonst wäre die Versuchung groß gewesen zuzusteigen 😉

      An windstillen Stellen wirkte es sogar ganz frühlingshaft, nur waren diese Stellen sehr sehr selten 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Lieber Volker,
    also deine Beschreibung klingt ja schon anstrengend, aber als ich dein Foto gesehen habe, bin ich doch ein wenig erschrocken. Da siehst du schon ziemlich erschöpft/mutlos aus… die hängenden Schultern… im Vergleich zu deinen sonstigen gute Laune Bildern! 😯
    Aber ich hoffe, nach Kuchen und Tee sind deine Lebensgeister wieder zurückgekehrt… und wenn sie sich heute noch an einem Ruhetag stärken können, kann der Wind aber demnächst einpacken, wenn du kommst! 😀
    PS: das letzte Bild ist wunderschön – war es sehr laut, als sie alle aufgeflogen sind?

    • Liebe Doris,

      dieses blanke Elend mußte für die Nachwelt dokumentiert werden! 😎 Aber Kuchen und Tee machten schnell alles Leid wieder vergessen :mrgreen:

      Ich habe die Gänse durch Klatschen zum Auffliegen animiert 😉 Die Geräuschkulisse hielt sich aber noch in Grenzen, für richtig laut waren es zu wenige.

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,
    tja, soviel Kuchen mit Zugabe will aber verdient sein! 😉
    Nee, sieh es positiv: Du hast Dich durchgekämpft. Ich darf Emil Zatopek zitieren: „Unter unvorteilhaften Bedingungen zu trainieren, hat einen unschätzbaren Vorteil: Am Wettkampftag zeigt sich der Unterschied als Erleichterung, die Dich ungeheuer beflügelt!“
    Heute würde man sagen: „Solches Training verleiht Flühühügel“
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      na dann sollte ich wohl bald mal wieder bei einem Wettkampf antreten, damit ich davon auch was habe 😀

      Liebe Grüße
      Volker

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