Läuferweisheiten

„Das Tempo tötet, nicht die Strecke“ Diese Läuferweisheit ist im positiven Sinne das Ergebnis meines heutigen Laufs. Bei sonnigem, 8° frischem Bilderbuchwetter machte ich mich wieder daran Ausdauerkilometer zu sammeln. Erneut hielt ich das Tempo bewußt niedrig um dem Fuß auf den vielen geplanten Kilometern so viel Schonung wie möglich zu geben.

Die Strecke führte mich durch das Ammerland, die Wesermarsch und zum Anfang und zum Schluß durch das Gebiet der Stadt Oldenburg. Klingt bombastisch, aber die Landkreise und die Stadt Oldenburg bilden nah an meinem Zuhause quasi ein Dreiländereck 😉

Über Wahnbek, vorbei am Funkturm, am Ipweger Moor und bayuwarisch anmutender Architektur ging es durch Geest und Marsch Richtung Gellen und weiter an die Hunte.

An Untergründen kam mir heute so ziemlich alles unter die Füße: Asphalt, Plastersteine, Klinkerstraße, Schotter- und Sandwege, Wiese, Deich und auch, weil ich mich einmal kurz verlaufen hatte, ein Maisstoppelacker 🙂

Nach ca. 8 km wurde ich mitten in der Pampa von einem Paar mit einem wunderschönen Boxer angesprochen. Die machten mich auf einen weiteren Hund in einiger Entfernung aufmerksam, der seinem Besitzer nicht gehorchte, auf dessen Rufen nicht hörte und immer wieder vor diesem weglief. Irgendwann hatte das Herrchen sein Tier aber wieder an der Leine, nachdem er ihm kreuz und quer über Wiesen und Felder hinterher gestiefelt war. Solange hatte ich mich mit dem Paar nett unterhalten und mich beim Weiterlaufen bedankt, dass sie mich davor bewahrt hatten, eventuell Opfer dieses Hundes zu werden.

Ich dieselte weiter, Kilometer um Kilometer, bis sich ein Weg als Sackgasse erwies und auf besagtem Maisacker endete. Diesen zu überqueren um an den dahinter liegenden Huntedeich zu kommen, gelang nicht. Ein Graben nebst Zaun versperrte den Weg. Also über den Acker wieder zurück und einen anderen Weg gewählt. Hier galt es nur noch ein Gatter zu überklettern, was mein linker Oberschenkel mit einem kurzen Krampf quittierte, und ich war wieder auf Kurs.

Das war dann aber auch die, im wahrsten Sinne des Wortes, letzte Hürde und ich tuckerte in stoischem Tempo weiter durch die Bornhorster Wiesen, in denen nun schon erkennbar weniger Wasser steht, und über die Treppe der Huntebrücke nachhause.

Auf satte 31,4 km mit einer Durchschnittspace von 6:35 (der langsamste Kilometer lag sogar mal bei 6:50 🙂 ) bin ich heute gekommen. Dabei gab es kein Mucken im Fuß und so ab KM 29 schlich sich auch noch so ein grenzdebiles Grinsen ins Gesicht und hielt bis zum Schluß an, lange schon nicht mehr erlebt, fanatastisch! 😀

Eine weitere (Ultra-)Läuferweisheit besagt: „Was Du in einer Woche laufen kannst, kannst Du auch an einem Tag laufen“. Diese Woche bin ich 50,8 km gelaufen. Bald sollen es 51 km an einem Tag sein. Paßt schon mal! An den 200 m soll es wohl nicht scheitern 😎

 

 

27 Kommentare zu “Läuferweisheiten

  1. Lieber Volker,
    boah! Du spulst ja ganz schön die Kilometer runter! Super!!! 😀
    Ich finde es klingt trotzdem beeindruckend, wo du überall warst. Nur: wie läuft man eine Runde auf diesen schnurgeraden Wegen? 😉
    Ein paar Turnübungen zum Auflockern mitzunehmen, finde ich eine gute Idee. Und auf dem letzten Bild siehst du wirklich ein bißchen piratenmässig aus So als wolltest du in bälde ein Schiff entern oder neue Landkreise erobern – nur der Papagei auf deiner Schulter fehlt noch! 🙂

    • Liebe Doris,

      ich wollte heute nochmal fleißig sein, weil ich kommendes Wochenende so gar keine Zeit zum Laufen habe 🙂

      Auf 31 km kommt man halt schon ganz schön was rum 🙂 Ein Rundkurs auf schnurgeraden Wegen ist dabei ganz einfach: Ab und zu gibt es mal ein paar 90°-Kurven 😀

      Pagagei auf der Schulter? Warum eigentlich nicht? Solange er mir nicht stundenlang die Ohren voll sabbelt :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Volker

      P.S. Beim Anblick des Hauses im Bergvölkerstil mußte ich übrigens an Dich denken 🙂

  2. Lieber Volker, die fehlenden 200 m kannst du notfalls auch auf allen Vieren kriechen! Super, dass der Fuß hielt – alles wird gut!
    Schöne Bilder von einer abwechslungsreichen Strecke mit Kletter- und Crosseinlagen hast du mitgebracht. Frühlingsahnungen inklusive, auch im Oldenburger Land lassen sie sich nicht leugnen. 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Liebe Anne,

      wenn es wirklich nur die letzten 200 m wären, wäre es mir tatsächlich egal, ob ich sie auf allen Vieren krieche 😀

      Der Fuß ist auch heute ruhig, so langsam fasse ich deshalb wieder Vertrauen!

      Die Frühlingsahnungen würde ich aber so langsam gerne mal in Temperaturen messen können 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker,
    gut gemacht und das Tempo scheint gepasst zu haben. Ich finde es v.a. sehr bemerkenswert, dass DU fast das ganze Spektrum an Untergründen im Lauf drin hattest.
    Die Bilder geben einen schönen Einblick in den Rundkurs, aber was bei Dir so als bayuwarisch gilt, würde ich jetzt eher als rustikal bezeichnen wollen 😉

    Salut

    • Lieber Christian,

      tja, da staunst Du, welche Abwechselung meine Wege zu bieten haben, gelle? 😀

      Solch rustikale Optik sieht man hier oben in dieser Form eigentlich nicht, mit Putz und viel Holz wirkt das einfach exotisch alpenländisch :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Moin, moin, lieber Volker, du kennst dich ja aus mit den Ultra-Weisheiten, das kann man nicht anders sagen, deine Strecke bravurös und ohne Schmerzen gemeistert, dazu die besten Bedingungen. Manches kommt mir bekannt vor – auch der Fuß weiß, was sich gehört – und die 20 Kilometer mehr hast du locker im Sacke bei deinem kommenden kleinen Ultra !! 😉

    • Liebe Margitta, man muß sich in allen Belangen auf eine Ultra vorbereiten, entsprechende Weisheiten gehören ebenfalls dazu. Auch wenn es nur ein kleiner Ultra ist.

  5. Mit deiner Vorbereitung packst du die 51 Kilometer doch hüpfend auf einem Bein. Also falls des versuchen solltest komme ich vorbei 🙂

    • Dann bleibe mal getrost zuhause, lieber Markus. Nicht das 51 gehüpfte Kilometer ein Problem für mich wären, nur das Balancehalten fällt mir schon ab dem ersten Meter schwer :mrgreen:

  6. Lieber Volker,

    jetzt bin ich es, der Dich beneidet. Von einem so langen Lauf kann ich derzeit nur träumen, egal, in welchem Tempo. Aber natürlich gönne ich Dir das von Herzen. Du bist gut im Plan und wirst die 51 rocken. Wäre doch gelacht. Du hast schließlich schon längere Distanzen ohne größere Probleme überlebt. Enfach daran denken. 200 Höhenmeter auf 51 Kilometer ist gar nichts. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 8-9

    • Lieber Rainer,

      das ich nichts von Deinem Samstagslauf lese ist sicher kein gutes Zeichen 😦 Ich würde Dir wünschen, dass ich falsch liege!

      Ich rede nicht von 200 Höhenmetern sondern von den letzten 200 Schlußmetern 🙂 Höhenmeter hat der Lauf insgesamt ca. 1.200. Für mich der Hammer ❗

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Wow, ordentliche Runde Volker!
    Freut mich, dass der Fuß hält…
    …sehr gut

    Natürlich beneide ich dich auch wieder um deine kurze Hose…ich will auch so tolles Wetter hier unten. 😉

  8. Tolle Leistung, ich gratuliere Dir!!! Ich überlege nur gerade….ob mir auch so ein keckes Piratentuch steht…vielleicht mal probieren 🙂

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

    • Danke, lieber Wolfgang!

      Du bist ja noch mit üppiger Haarpracht gesegnet, da hast Du so ein Piratentuch doch gar nicht nötig 😀 Ausprobieren kannst Du es natürlich trotzdem 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Voker,
    wow, über 30 km und dann noch grinsend rumspringen…! Bitte die Form konservieren, damit Du uns in einigen Wochen dann schonmal einen Platz an der Bar freihalten kannst!
    Dass die von Dir genannten Gegenden alle da oben liegen, das hätte ich aber auch nie vermutet. Oldenburg liegt ja wohl recht zentral 🙂
    Ja, die Hundis und ihre lieben Herrchen und Frauchen… war ja dann eine nette Begegnung.
    Weiter Daumendrücken für Deinen Fuß und liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      weit entfernt bist Du von dieser Distanz doch auch nicht mehr, wer schon wieder regelmäßig über 20 km läuft! 😀

      Was den Platz an der Bar angeht, den steuern wir alle gemeinsam an. Da wird keiner zurückgelassen! 😀

      Wo hättest Du denn die genannten Gegenden vermutet, wenn nich hier? 🙄

      Die Begegnung mit dem Paar war wirklich nett, die fürchteten ja auch, dass der entlaufene Hund eventuell den ihren angehen würde .

      Danke fürs Daumendrücken, der Fuß scheint es zu würdigen, auch heute keine Probleme. Von leicht steifen Beinen abgesehen 😉

      Liebe Grüße
      Volker

      • Lieber Volker,
        klar sind wir alle zusammen in der Bar, aber wenn einer schneller ist, kann er ja schonmal SITZplätze organisieren…
        Ammerland und Wesermarsch? Mh, eher weiter östlich. Aber ich räume ein, meine Landkarte hat noch viele Lücken, von denen sich erfreulich viele aber schon jobbedingt verringert haben.
        Liebe Grüße
        Elke

      • Liebe Elke,

        dann schicken wir Chris vor, der ist der Schnellste von uns! 😀

        Ich will selber mal nicht so rumhupen, andere Regionen in Deutschland kann ich auch nicht wirklich zielsicher zuordnen 😉

        Liebe Grüße
        Volker

  10. Das liest sich sehr gut, lieber Volker!! 31,4 km ohne Mucken im Fuß – herrlich!! 🙂 Genauso wie Deine Bilder – ein schöner Frühlingslauf in der Sonne… aber dreißig Kilometer ohne Wasser und Verpflegung – das würde ich nie schaffen, abgesehen davon, dass ich 30 km im Moment sowieso nicht schaffen würde 😆

    Ich freue mich für Dich und drücke fest die Daumen, dass es so weiter geht!

    Liebe Grüße Anna

    • Da kann man mal sehen, wie intensiv meine Bilder angeschaut werden. Auf einem Bild kann man sogar sehen, dass ich eine Trinkflasche in der Hand habe und auf einem anderen, dass ich mit Laufrucksack unterwegs bin 😀 31,4 km ohne Trinken und Essen würde ich sonst nie überleben :mrgreen:

      Du darfst ja zur Zeit leider nicht laufen, dann liegt es in der Natur der Sache, dass 30 km etwas weit wären. Aber in gutes Stück der lange Durststrecke ist Du ja auch schon hinter Dir! Ich hoffe Du stehst das immer noch so positiv durch!

      Liebe Grüße
      Volker

      • Ja, jetzt wenn Du es sagst, sehe ich sie – die Trinkflasche und den Rucksack – die sind aber auf dem letzten größeren Bild beide nicht zu sehen… 😉
        Fast ein Drittel der Zeit ist schon vergangen und es geht immer in kleinen Schritten vorwärts – ich bin sehr zufrieden 🙂

  11. Holla, die Waldfee! 31,4 Km. An einem Tag und Stück. Alle Achtung lieber Volker. Ich sage mal, das hat dich deinem Vohaben ein ganzen Stück näher gebracht.
    Aber bei solch einem Wetter …. was will man da auch anderes machen als grinsend durch die Welt zu Laufen 😆
    Tolle Tour.
    Braver Fuß.
    Alles gut.
    Freut mich total 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Waldf…, äh liebe Helge,

      31,4 km an einem Tag an einem Stück, kann man machen. Schaffst Du auch bald wieder, Du hast ja noch Großes vor dieses Jahr 🙂

      An der Tour war wirklich alles rund, Wetter, Fuß und überhaupt. Da ist man schon mal gerne weit über drei Stunden unterwegs 😎

      Danke fürs Freuen 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  12. Lieber Volker, diese Läufer Weisheit werde ich mir zu Herzen nehmen, wenn ich irgendwann mal wieder anfangen zu laufen. Habe ich auch früher schon oft beherzigt.
    Ganz schön, was du dir da im Moment zusammen läufst.
    Liebe Grüße
    Bianca

    • Liebe Bianca,

      ich denke bei Deinem Neustart wirst Du diese Läuferweisheit ganz automatisch umsetzen. Ich wünsche Dir, das es bald soweit ist!

      Soviel laufe ich mir im Moment garnicht zusammen. Aus Vorsichtsgründen in Sachen Fuß lasse ich auch schon mal den ein oder anderen Lauf sausen oder lauf kürzere Strecken. Die Langen stechen halt nur besonders ins Auge 😉

      Liebe Grüße
      Volker

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