One way ticket

Heute lief ich zusammen mit Hermann den ultimativen, langen Lauf in der Vorbereitung für den Harz. Da wir sicher waren den Langen auch zu überstehen, brauchten wir auch nicht auf einen automobilen Notfall- und Verpflegungsposten zurückgreifen.

Deshalb schlug ich vor, um ein bisschen Würze und einen Hauch von Abendteuer in den Lauf zu bekommen, mit dem Zug per One way ticket nach Bookholzberg zu fahren und von dort eine Strecke von pie mal Daumen 35 km zurückzulaufen. Hermann war von der Idee ganz angetan und hatte für die Strecke gleich eine Road-Map ausgearbeitet, die uns extrem hilfreiche Dienste leistete. Allzu viele Verlaufer wollten wir uns angesichts der eh schon reichlichen Kilometer schließlich nicht leisten.

Und so blieb es im wesentlichen bei einem Zusatzschlenker gleich zu Beginn noch in Bookholzberg, als wir den Zugang zum Hasbruch, einem Wald mit uraltem Baumbestand, nicht auf dem geplanten Weg erreichten.

Am alten Forsthaus (klingt romantisch, gelle? 🙂 ) verließen wir den Hasbruch wieder, nachdem wir festgestellt hatten, dass man sich diesen Wald mal mit viel Zeit erwandern muß um all seine Schönheit so richtig auf sich wirken zu lassen.

Den Hasbruch hinter uns lassend, umliefen wir Hude südlich, vorbei am Golfplatz mit all seinen schönen, teuren Autos auf dem Parkplatz und tauchten in den nächsten Wald, den Reiherholz, ein. Hier überquerten wir über die „Selbstmörderbrücke“ die Bahnlinie Oldenburg –  Bremen und verließen kurze Zeit später auch schon wieder den Reiherholz.

Ab hier beginnt die Landschaft sich radikal zu ändern. Der stete Wechsel aus Wäldern, Wiesen und Weiden mit einem Hauch von Welligkeit endet und das flache Grünland der Marsch beginnt. Vertrautes Land, mit seinen vielen Wasserzügen und Deichen.

„Unglücklicher Weise“ hat sich der Frühling heute nun doch dazu durchgerungen zu zeigen wo der Hammer hängt. Es war zwar etwas bewölkt, aber drückend, schwül und die Luft vielfach einfach miefig. Das wurde noch dadurch verstärkt, dass die Landwirte wieder mit Freuden ihre Äcker und Felder gegüllt hatten. Die 19° fühlten sich viel wärmer an, wohl weil wir sie auch einfach nicht mehr gewohnt sind. Sobald wir mal einen Augenblick stehengeblieben sind, lief der Schweiß wenigstens in Strömen.

Ab Kilometer 15 schmerzte es bei mir mal wieder unterhalb des linken Knöchels, was aber noch einigen Kilometern wieder verschwand. Ansonsten wurden lediglich die Beine etwas schwerer und die Fußsohlen brannten, während Hermann irgendwann im hohen 20 km-Bereich meinte, dass bei ihm Waden, Oberschenkel, Füße einfach alles dicht machen würde. Dafür war er aber trotzdem munter dabei 🙂

Bei Kilometer 32 km, am Fuße der Huntebrücke, trennten sich unsere Wege. Nach einer kurzen Pause lief Hermann weiter durch den Stadtwald nachhause und ich schlich die Treppe zur Brücke hoch und eierte dann die letzten 3,5 km zurück zum trauten Heim. Frisch sah das zum Schluß nicht mehr aus :mrgreen:

Bei 35,5 km drückte ich meinen Garmin auf Stop, Hermann dürfte noch einen Kilometer mehr auf die Uhr bekommen haben. Der Gesamtschnitt  von 6:20 lag etwas über meiner geplanten Harzreisegeschwindigkeit. Aber dafür ist es hier ja halt auch eben.

Fazit: Der Lauf lief insgesamt ganz gut, die landschaftliche Abwechselung hat uns gefallen und durch die Schnackerei verliefen die Kilometer im Wesentlichen viel schneller als wenn man mit sich alleine ist. Die kleine klimatische Härte hat mir allerdings etwas zu schaffen gemacht. Aber so what, langer Lauf im Sack. Bingo! Paßt!

Und wer mit One way ticket noch etwas anderes verbindet, guckt hier:

:mrgreen:

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26 Kommentare zu “One way ticket

  1. Respekt, lieber Volker! So einen Wetterumschwung steckt der Körper nicht mal so eben weg. Und 35 km sind schon ein ganz schönes Pfund. Nächste Woche gleich nochmal, dann weiß der Körper schon, was ihn erwartet, und eiert nicht mehr!

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Liebe Anne,

      ich vermute mal, dass mir der Lauf ohne diesen Wetterumschwung etwas leichter gefallen wäre.

      Nächste Woche nochmal? Nein, ich fahre jetzt schon wieder leicht runter. Mal sehen, was am nächsten Wochenende so geht.

      Liebe Grüße
      Volker

    • Sehr gerne, lieber Wolfgang 🙂 Ich hatte es auch schon lange nicht mehr gehört, ist ja auch nicht mehr das jüngste 😉

      Danke und liebe Grüße
      Volker

  2. Lieber Volker,

    Respekt – 35 km one way ticket und gut gelaufen! Ich hätte da ja immer Angst, dass mir das Wasser ausgeht, aber bei eurem Tempo ist das ja gut zu machen.
    19 C und Langarmshirt gewählt? Tss das ist ja auch wirklich leichtsinning.

    Lieben Gruß!

    • Liebe Roni,

      Wasser hatte ich reichlich dabei, 1,5 Liter in der Trinkblase und noch eine 0,75 Liter in einer extra Flasche im Rucksack. Mit dem Wasser aus der Flasche konnte ich zum Schluß noch Hermann versorgen.

      Das Langarmshirt hätte wirklich nicht nötig getan, aber nach einem langen Winter muß man die richtige Wahl erst wieder üben :-/

      Liebe Grüße
      Volker

    • Moin liebe Bianca,

      jo, das war schon ganz schön viel Frühling. Aber der macht ja die Tage erstmal noch wieder einen Rückzieher :-/

      Ansonsten hat das mit dem langen Lauf schon gepaßt 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Moin lieber Volker, kann gut nachempfinden, wie es dir gewesen ist, da die Temperaturen hier genauso lagen, wie bei euch, gut dass du genug Wasser dabei hattest, dann kann man eigentlich alles gut überstehen, und das mit dem Langarmshirt kenne ich ebenfalls, nur hatte ich gestern noch. eine dünne Jacke darüber, wie du sagst – man muss die richtige Wahl erst wieder üben, üben, üben.

    Ansonsten läuft es bei dir, dann kann es ja bald losgehen, die paar restlichen Kilometer sind ja nur noch Sahnehäubchen !! 😉

    • Moin liebe Margitta,

      die dünne Jacke hatte ich auch noch dabei, konnte sie aber zum Glück gleich in den Rucksack stopfen 🙂 Ich traute halt dem Erstenfrühlingstagsbraten nicht ganz 😯

      Es kann bald losgehen, auch wenn ich gestern nicht daran denken mochte, noch ein paar Kilometer und vorallem Höhenmeter mehr zurücklegen zu müssen. Aber sich darauf einzustellen hat der Kopf ja noch etwas Zeit 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Moin Volker,
    super Läufchen, auch wenn es hinten raus etwas „harzig“ wurde! So einen Plan, per Bahn wohin zu fahren, und dann heimzulaufen, hege ich auch schon länger. Wie ich bei Euch sehe, lohnt das echt, ich muss mich mal ranmachen. Geht halt nichts über gute Planung 🙂
    Also, der Harz rückt näher, der Deichläufer ist gewappnet!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Moin liebe Elke,

      das war das zweite Mal, dass ich mit der Bahn rausgefahren und heimgelaufen bin. Beim ersten Mal war der Weg sogar noch etwas weiter 😎

      Es lohnt sich, weil man echt mal ganz andere Eindrücke bekommt.

      Liebe Grüße vom Deichläufer, der sich heute etwas wie nach einem Marathon fühlt 🙂
      Volker

  5. Lieber Volker,
    Abenteuer in Bookholzberg! Das klingt doch mal nach was! 😀
    Da hattet ihr ja eine ganze Menge Wald auf eurem Weg nach Hause – ungewöhnlich für dein Laufrevier, aber wunderschön! 🙂
    Super, dass der lange Testlauf gut über die Bühne ging – die Harzquerung kann kommen! Yeah!!

    PS: Das mit der passenden Kleidung habe ich ja gestern auch bemerkt… 😉

    • Liebe Doris,

      Abenteuer in Bookholzberg klingt irgendwie nach Kinderbuchserie 😀

      Es ist ja auch nicht unbedingt mein Laufrevier, deshalb ist der viele Wald in der Tat etwas besonderes 🙂

      Das mit der passenden Kleidung haben wir aber bald wieder drauf 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Hallo Lieber Volker,
    beruhigend, das die letzten 3,5 km bei einer 35 Km Tour bei dir auch nicht mehr frisch aussehen 😆
    Ich finde so eine Streckenführung – weg fahren – heim laufen – total super. Da läuft man tatsächlich immer auf das Ziel zu und alle Ausreden und so unterwegs nutzen nix. Man muss durch und weiter.
    Wenn man vor der Haustür kleinere Runden läuft, kürzt man wohl eher mal was ab.
    Toller Lauf. Der harz wartet schon auf dich 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Moin liebe Helge,

      schön, dass meine Aussagen beruhigend auf Dich wirken 😎

      Solche Läufe haben schon etwas, leider lassen diese sich nicht so oft in den Laufalltag integrieren.

      Den Hang zum Abkürzen kenne ich eigentlich nicht, allerdings geben das auch die meisten meiner Hausrunden nicht her 🙂

      Der Harz rückt näher, wird auch Zeit 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Du läufst schließlich ganz viel Harz – jetzt die extrem zähen und harten Varianten und zum Schluss, wenns wirklich drauf ankommt, die total flüssige 😉

    • Da hat mir beim Harztraining gestern wohl zum Schluß etwas Harz an den Schuhen geklebt, dass es so schwer wurde 😉

      Ich hoffe Deine Rechnung geht auf 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Lieber Volker,
    so ein ‚one way ticket‘ gibt dem Lauf auf jeden Fall etwas von einem Abenteuer. Also, wenn schon laaaange Geraden, dann lieber so wie auf den ersten Bildern mit viel Wald 😉
    Es freut mich, dass Dein Fuß den langen Lauf so gut überstanden hat – ich hoffe er meckert auch nicht nach!!
    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      also wenn Du die Geraden im Wald schon als lang empfindest, dann hast Du noch keine langen Geraden gesehen 😀

      Fuß meckert nicht, aber insgesamt fühle ich mich nach dem Lauf wie eine alte Oma, als wäre ich einen schnellen Marathon gelaufen 🙂 Ist heute aber wieder alles gut!

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Respekt vom eigentlichen Vorhaben bis zum tatsächlichen Vollzug mit allem Drum und Dran. Bist jetzt sicher für Dein Vorhaben gut gerüstet.
    Lieben Gruß
    Kornelia

    • Bislang sieht es gut aus, aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber wenn es so bleibt …!

      Liebe Grüße
      Volker

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