Eine Liebeserklärung

Dem aufmerksamen Leser dürfte es letzten Wochen und Monaten nicht entgangen sein: Ich habe mich tätowieren lassen. Ein halbes Jahr ist das nun schon her. Seitdem zieren Flügel meine Waden.

Warum? Weshalb? Wieso?: Sie sind eine Würdigung meiner Leidenschaft zum Laufen. Im gewissen Sinne eine Liebeserklärung!

Klassischer Weise lassen sich ja manche Herren der Schöpfung den Namen ihrer großen Liebe tätowieren und haben dann das Problem mit der Dauerhaltbarkeit, wenn die große Liebe dann doch mit dieser Dauerhaltbarkeit nicht mithalten kann. Dieses Problem werde ich mit meinen Tattoos nicht haben. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass die Liebe zum Laufen jemals erkalten wird. Sollte es aber doch einmal der Fall sein, werden sie eine lebenslange, positive Erinnerung an wunderbare Zeiten sein. Und sollte ich altersbedingt irgenwann nur noch per Rollator oder Rollstuhl unterwegs sein können, werde ich meinem Pfleger tagtäglich davon erzählen was die Flügel an den Beinen bedeuten 😀

Warum aber dieses lebenslängliche Denkmal? Schließlich habe ich in Sachen Laufen eigentlich nichts vorzuweisen, was von Bedeutung ist. Ich bin nicht sonderlich schnell, ich laufe nicht überragend viele Kilometer im Jahr, ich sammel nicht massenhaft Marathons, ich gewinne keine Wettkämpfe und ich werde nie auf dem Treppchen stehen.

Weil mir, von solchen Nebensächlichkeiten abgesehen, das Laufen immens wichtig. Ich habe mir das Laufen mit einer von mir bis dato nicht gekannten Zähigkeit erarbeitet. Ich bin trotz aller Wehwehchen und Verletzungen am Ball geblieben. Das Laufen hat mich positiv verändert, es beeinflußt genauso positiv meinen Alltag, es tut mir gut. Es gibt mir Zeit für mich, es hat mich der Natur näher gebracht, es hat mich gelehrt nahezu jedes Wetter zu lieben. Es hat mich durch Zeiten höchster Not getragen. Das Laufen hat mir manchmal Frust und Schmerz gebracht und massenhaft pure Freude geschenkt. Das Laufen ist eines der wenigen Themen für die ich wirklich brenne. Laufen ist für mich Leidenschaft.

Für all das stehen die Flügel und ich hoffe sie werden mich noch jahrelang beflügeln. Nicht zu Höchstleistungen und Medaillen, sondern zu meiner inneren Zufriedenheit, zu meinem Spaß, zu meiner ureigenen Freude.

Man mag zu Tattoos stehen wie man will, ich habe in den letzten sechs Monaten die unterschiedlichsten Reaktionen darauf erfahren. Ich bin stolz auf meine Läufertattoos ❗

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33 Kommentare zu “Eine Liebeserklärung

  1. Lieber Volker,
    Deine Liebe zum Laufen kann ich sehr gut nachvollziehen und ich denke Du darfst auch ohne Trophäen und besondere Rekorde stolz auf das Erreichte sein. Es ist bei mir nicht anders…aber deshalb eine Tätowierung? Das tut doch weh :mrgreen:
    Nein, im Ernst, Du scheinst Dir das gut überlegt zu haben und wenn eines Tages die Muskulatur und Haut die Flügel schlaff nach unten hängen lässt, ist es auch kein Drama…

    Salut

    • Lieber Christian,

      auch die Waden als Ort der Tätowierung sind gut überlegt gewählt, weil die Waden in der Regel nicht ganz so welk werden wie der Rest des Körpers :mrgreen:

      Moin Moin
      Volker

  2. Lieber Volker,
    ich würde mich um Nichts in der Welt tätowieren lassen, aber das ist ja nun mal auch jedem selbst überlassen 🙂
    Deine Leidenschaft für das Laufen allerdings kann ich sehr gut nachvollziehen. Wenn es auch bei mir keine reine Lauf-Leidenschaft ist 😉
    Mögest du noch lange beflügelt durch die Welt laufen. Und wen interessieren schon Geschwindigkeit, Platzierungen etc. Alles total unwichtig. Was zählt ist Spaß, Freude, Gesundheit …
    Und da machst du anscheinend alles richtig 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

  3. Lieber Volker,
    ach wie schön hast Du Deine Ode ans Laufen formuliert! Normalerweise sind Tätowierungen nicht so mein Ding, entweder zu brachial, zu aufdringlich, Modekquatsch. Und dann erst das Gejammere, wenn es wieder weg soll, weil A…geweih nicht mehr in ist. Aber wie Du das beschreibst, das passt voll. Und genau, sollte -wider Erwarten- das Laufen mal ein Ende haben, erinnern Dich Deine Flügel an total beflügelte Zeiten.
    Und nicht zuletzt: Daran erkennen wir Dich immer noch, egal, wie viele Falten im Gesicht Dir das Leben bescheren sollte. Duckundweg!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      ich bin sicher auch nicht der typische Tattoo-Typ, aber die Flügel stehen bei mir für etwas und ich finde sie schön. Ich mag Tattoos auch gerne an anderen, das kann aber auch schnell kippen, wenn es zuviele, zu bunte oder zu krawallige sind.

      Brauchst Dich nicht ducken und flüchten, ist ja Tatsache und trifft uns alle :mrgreen:

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Mir waren die Waden auch schon aufgefallen, war mir jedoch nicht sicher wie lange das schon deine Waden schmückt. Wichtig ist aber erstmal, dass es dir gefällt und das auch noch in ein paar Jahren. Aber da es eben für dich auch etwas bedeutet ist das nicht ganz unwahrscheinlich. Hoffentlich.
    Habe nur in der letzten Woche im Urlaub wieder feststellen dürfen / müssen wie viele junge Menschen Tattoos haben. An unmöglichen Stellen und unmögliche Motive. Meiner Meinung nach. Aber gut, jede(r) wie man es will!

    • Man sollte, so man sich den tätowieren lassen will, Stellen und Motive schon mit Bedacht auswählen. Viele sind sich der Nachhaltigkeit offensichtlich nicht bewußt.

      Meine Tattoos haben ja auch noch den „Vorteil“, dass ich sie selber im Alltag gar nicht sehe. Schade eigentlich 🙂

  5. Nee, lieber Volker, schon beim Gedanken ans Sich-Tätowieren-Lassen krieg ich die (Nadel-)Panik. Also muss es reichen, dass ich meine Liebe zum Laufen im Kopf und Herzen trage. Dir gefällt es sie auch unter der Haut zu tragen. Ich wünsch dir sehr, dass du sie nie verlierst und v.a. das Laufen nicht so früh aufgeben musst, dass dir dann jeder Blick auf deine Waden weh tun würde, weil er dich an den Verlust erinnert. Du bleibst also bitte gefälligst gesund und unverletzt, ja?! 😉

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Hey, liebe Anne, Ihr Frauen könnt doch viel mehr ab als wir Männer. Und wenn ich das ausgehalten habe, könntest Du das auch. So Du denn wolltest 😉

      Deiner Aufforderung im letzten Satz komme ich sehr gerne nach! 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Hallo Volker, da ich ja auch das eine oder andere Farbpigment an mir trage: feines und passendes Motiv, genau richtig platziert und offensichtlich ziemlich gut gestochen. Hast also auch deinen Tätowierer gut ausgewählt. Lass dich weiter beflügeln, ich finds gut 🙂 Beste Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      dass Du das ein oder andere Farbpigment trägst, ist mir tatsächlich schon aufgefallen 😉 Bei Dir ist es wie bei vielen, die viel tätowiert sind, ich würde gerne mal in aller Ruhe anschauen wollen, was da so abgebildet ist und am liebsten erfragen wofür die Tattoos stehen. In der Regel ist das ja nicht machbar.

      Wenn ich mich noch mehr tätowieren würde (eins soll auf jeden Fall noch kommen), würde mir mein GöGa den Hals umdrehen. Da muß ich Kompromisse eingehen 🙂

      Mit der Arbeit des Tätowierers bin ich sehr zufrieden. Das Studio ist in Oldenburg renommiert, aber sicher ist es auch immer etwas Glückssache.

      Beste Grüße zurück
      Volker

  7. Genialer Beitrag…danke Volker!
    Er schlägt in die Kerbe, in die auch mein Beitrag schlägt an dem ich gerade arbeite.

    Das Wichtigste ist, dass wir für uns laufen, nicht für Andere und das wir mit Leidenschaft laufen.
    Und das machst du! Von daher passen die Flügel perfekt!

    Viele Grüße aus den angezuckerten Bergen

  8. Lieber Volker,

    was für eine schöne Liebeserklärung. Und wer von uns Läufern kann die nicht nachvollziehen. Du hast es ziemlich auf den Punkt gebracht und es ist schön, dass Dich die Flügel immer daran erinnern werden.

    Grüße
    Anja

    • Danke liebe Anja,

      die Flügel werden mich immer daran erinnern. Bis ans Ende meiner Tage. Ein etwas unheimlicher aber auch schöner Gedanke 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,

    puh, was soll ich dazu noch sagen?
    Du drückst mit den Tatoos aus, was dir wichtig ist, was ich für die klügste Motivauswahl halte, weil sie sich dann eben nicht nach Modetrends richtet und langjährig Freude bringt. 🙂

    • Liebe Doris,

      immerhin bezeichnest Du meine Motivauswahl als klug, das beruhigt mich schon einmal 🙂

      Von langjähriger Freude gehe ich einfach mal aus 😀

      Liebe Grüße an den Wallersee
      Volker

  10. Lieber Volker,
    oh, erst ein halbes Jahr her… ich dachte Du hast die Tätowierung schon länger uns ich hätte ihn erst neulich entdeckt… 😉
    Ich muss gestehen, auch ich habe immer wieder mal über eine Tätowierung nachgedacht – ich habe mir aber nicht entscheiden können, wo und was… Deine Tätowierung finde ich sehr cool und ich finde die passt echt super zu Dir und Du kannst auf jeden Fall stolz drüber sein! 🙂
    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      ich finde das eine Tätowierung gut überlegt sein sollte. Über Motiv und Bedeutung sollte man sich schon klar sein. Ein Tattoo einfach nur um des Tattoos willen würde ich auch nicht machen.

      Ich bin gespannt, ob Du Dich noch einmal für eines entscheiden wirst 🙂

      Danke für das Kompliment.

      Ganz liebe Grüße in die Berge, habt Ihr schon Schnee?
      Volker

      • Ich denke dafür bin ich mittlerweile schon zu alt… 🙄 aber man soll niemals nie sagen 😉
        Die Berge rundherum sind schon weiß. Brrrr!!!

      • Hey, liebe Anna, was soll das denn heißen? Ich habe es ja auch erst jetzt getan und Du bist bestimmt jünger als ich 🙂

        Uuuaah, jetzt schon Schnee, etwas früh, gelle? 🙂

      • Ich rede mich halt ein, dass ich dafür zu alt bin… 😆 vielleicht mache ich erst dann eine, wenn meine Kinder eins machen 😛

      • Na, Deine Kinder dürfen sich damit ja noch ein paar Jahre Zeit lassen. Aber wer weiß, vielleicht nehmen sie tatsächlich eines Tages die coole Mama mit ins Tattoostudio 🙂

  11. Wort nachvollziehen. Sorry mit der App wurde gleich auf Senden geklickt ☺ Das ist eine super Symbolik, mit welcher man sich ewig identifizieren kann. Klasse!

    • Tattoos polarisieren, entweder man ist für oder gegen sie. Aber der Träger sollte sich sicher sein, ob das Tattoo auch dauerhaft zu ihm paßt. Ich denke ich habe diesbezüglich keinen Fehler gemacht 🙂

      Danke für Dein Kompliment.

      VG Volker

  12. Lieber Volker,

    ich habe ja schon ein Weilchen auf die Erklärung gewartet. Schöne Motivation und gut sehen sie aus! Während ich selber wohl keine Tattoos machen würde gefallen sie mir bei anderen manchmal schon – gerade wenn eine Bedeutung dahinter steckt!

    Viele beflügelte Läufe!

    • Liebe Roni,

      sorry, dass es etwas gedauert hat. Igendwie war ich mir gar nicht sicher, ob ich überhaupt einen Post darüber schreibe. Aber weil die Tattoos nunmal ihre Daseinsberechtigung durch das Laufen erhalten haben, gehören sie auch in diesem Laufblog erwähnt und vorgestellt 🙂

      Es freut mich, dass sie Dir gefallen 🙂

      Vielen Dank und liebe Grüße
      Volker

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