Funkverkehr

Heute nun also der zwei Tage verspätete letzte lange Lauf vor der Nacht der Nächte in München. Ich war mir nicht ganz sicher, ob der überhaupt noch nötig war. Aber nach der mauen Vorbereitung konnte er sicher nicht schaden und wenn es nur für den Kopf ist.

Aber gerade der Kopf war heute mittag zum Start irgendwie unwillig. Zumal ich mir mit der Auswahl der Laufstrecke nicht viel Mühe gegeben hatte. Ein kleines Wäldchen am Rande Oldenburgs hatte ich mir ausgeguckt und da es klein ist, sollten es sechs Fünfkilometerrunden werden.

Soweit der Plan. Der Kopf war also unwillig, stellte die Frage ob das wirklich Not tut. Von allen anderen Körperteilen gab es darauf nur ein „Dummidummdidideldumm“ zu hören. Ich setzte mich über die totale Motivation meines Körpers hinweg und trabte los. Auf den ersten zweihundert Meter unternahm das linke Knie einen Versuch zickend meinen Laufplan zu torpedieren. Meine Ignoranz ließ es aber die restlichen 29,8 km schweigen.

Nach zwei Kilometer baggerte ein Bagger mitten im Wald, da wo ich eigentlich laufen wollte. Hörte ich da Häme aus dem Gebälk? Egal, wurde aus dem geplanten Rundkurs halt teilweise eine Pendelstrecke. Außerdem war mir entsetzlich warm, zum Glück hatte ich im Auto noch ein dünneres Laufshirt, also auch kein Grund das Ganze zu lassen.

Irgendwann quakten die Fersen über die sandigen Waldwege mit einigen wenigen „mulligen“ Stellen.  Quakende Fersen sind nicht neu, dämpften aber noch mehr die Laune vom Kopf. Die Nase sagte „Ich laufe“ und wurden vom gesamten Fahrwerk angefaucht „Ach was, und was machen wir?“. Der Darm meldete sich „Ich hätte da mal ein Bedürfnis“ NEEEEINNNN, Ruhe jetzt, hier wird gelaufen!!!

Über all diesen Funkverkehr verging aber Kilometer um Kilometer. Unter den ersten 10 waren einige mit einer deutlichen Fünf vor dem Komma. Verdammt nochmal, wer gab den hier so Gas?

Erste Pause am Auto, dann definitiv ruhiger weiter. Die Funkdisziplin nahm zu, das Tempo aber nicht ab. Runde um Runde verging. Nach 25 Kilometern wurden die maurernden Waden mit Salztabletten wieder weich geklopft. Bei der letzten Runde kam dann sogar noch so etwas wie Lauffreude auf und schwuppsdiwupps waren die 30 km gelaufen.

Zugegeben, 30 km Waldwege waren irgendwie nicht so ideal, weil ich sie in der Länge einfach nicht gewohnt bin. Darüberhinaus ist wieder das Phänomen aufgetreten, dass ich offroad immer etwas zügiger unterwegs bin, summa summarum ein Tempo von 6:06 m/km. Für meine Verhältnisse für einen ruhigen langen Lauf etwas zu fix. Das Klima im Wald ist für mich immer etwas ungewohnt, wenig Bewegung in der Luft läßt mich noch mehr schwitzen als gewohnt.

Ein Spaziergang war dieser Lauf heute nicht, aber ich habe ihn im Sack. Etwas werde ich die Tage noch auf kurzen Strecken vor mich hinlaufen und in der kommende Woche ganz klassich bis zum Abwinken lauffaul sein. Dann sollten sich die 42 km schon einigermaßen durchschlurfen lassen.

 

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18 Kommentare zu “Funkverkehr

  1. Lieber Volker,
    interessant, was Dein Körper Dir alles sagt…wenn der Körper noch Zeit für Smalltalk hat, kann es so schlimm ja nicht sein :mrgreen:
    Du solltest häufiger im Wald laufen, das Klima dort ist v.a. im Sommer wesentlich angenehmer und im Winter gibt es mehr zu sehen, da die Blätter die Sicht nicht versperren. Ruh Dich jetzt erstmal aus für den Bestzeitenmarathon, bin gespannt wie es läuft.

    Salut

    • Lieber Christian,

      Du weißt ja, Hunde die bellen beißen nicht. Deswegen konnte ich den ganzen Alarm auch einfach ignorieren :mrgreen:

      Öhmm, auf meinen normalen Laufstrecken brauche ich eigentlich nicht erst darauf zu warten, dass die Blätter fallen um etwas zu sehen 😉

      Nicht nur Du bist gespannt 🙂

      Moin Moin
      Volker

  2. Das der Kopf bei den langen Distanzen etwas mürrisch ist kenne ich zu gut. Daher sind mir auch One-Way-Strecken dort viel lieber. Am liebsten sogar von irgendwo heim laufen …

    • Grundsätzlich bevorzuge ich One-Way-Strecken genauso wie Du. Aber da ich noch bis Mittags gearbeitet habe, war mir in diesem der zeitliche Aufwand groß.

      Vorteil dieser Rundengurkerei ist allerdings das Auto als Verpflegungspunkt.

      VGV

  3. Lieber Volker,
    Du hast mir ein kräftiges Grinsen ins Gesicht gezaubert. Hihi, solche speziellen inneren Dialoge kenne ich auch zu gut. Aber hinterher ist das Gefühl nach der vollbrachten Leistung umso besser 🙂 Deine Zeit war dann wirklich flott, vielleicht solltest Du öfter mal dort trainieren, wenn Du Tempo machen willst? Dann wünsche ich schonmal eine schöne Zeit in München und viel Spaß dort!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      Du hast leicht grinsen, ich hatte gestern die Diskussion :mrgreen:

      Öfters dort trainieren möchte ich nicht, grundsätzlich finde ich dieses im Kreis und hin und hergerenne nicht so prickelnd.

      München hat ja noch eineinhalb Wochen Zeit 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Lieber Volker,
    da sage nochmal Einer ich würde zuviel reden beim Laufen! Bei dir gibt es ja ein ganzen Konzert von Gesprächen deiner Körperteile 😆
    Echt total lustig 🙂
    Also laufen im Wald ist ja nun wirklich einfach nur schön. Aber wahrscheinlich fehlt dir da echt der Wind. Oder aber du musst dich halt nur immer etwas luftiger anziehen 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      gegen das Konzert gestern hast Du ein Schweigegelübde abgelegt 😆

      Irgendwie kann ich mich an das Laufen im Wald nicht so richtig gewöhnen. Irgendwie ist es mir dort zu windstill, im Sommer zu schwül und Aussicht habe ich auch keine. „Zum Glück“ hat es hier ja nicht so viel Wald 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,

    das ist doch perfekt – den schlechten Lauf hast Du somit erledigt und so kannst Du dann in der Nacht der Nächte in München beruhigt loslaufen 😉
    Erhole Dich gut und bleibe Gesund!!

    Ganz liebe Grüße Anna 🙂

    • Liebe Anna,

      möge es so kommen, ich hoffe darauf 🙂

      Erholen und gesundbleiben, jawohl! Zu Befehl! 😀

      Liebe Grüße in die Berge
      Volker

  6. Lieber Volker,
    mal wieder einer, der sich gegen das ganze „Geplärre“ seiner Körperteile untereinander und mit dem Chef, als Chef hat durchsetzen können! 😉
    Sehr gut und diszipliniert! – Alles im Kasten, die Bestzeit kann kommen!
    Ich finde Waldwege immer ganz nett, wenn ich nicht die Anhöhen des Odenwaldes, oder die „richtigen“ Berge nutzen kann. Im Wald ist es bei uns im Sommer eher frischer, als in der Hitze außerhalb und im Winter „zieht“ es da nicht so! 😆 – Obwohl die Winde in den Bergen dazu gehören. … und ihr im Norden seid die Zugluft gewöhnt und fühlt euch ohne nicht so wohl, oder?
    Also, auch von meiner Seite aus: bleib gesund!
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      sorry, ich mußte Deine Kommentar aus dem Spam-Ordner fischen. Keine Ahnung warum er dort gelandt ist 😦

      Also ich brauche in der Regel Wind und Weitblick. Beides nimmt mir der Wald, aber schön ist er natürlich trotzdem.

      „Richtige Berge“ ist gut, Da bin ich noch um einiges weiter von weg als Du 😉

      Wenn es auch von Deiner Seite kommt, bleibt mir nun wirklich nichts anderes übrig als gesund zu bleiben 😀

      Danke Dir und liebe Grüße
      Volker

    • Letztendich habe ich keinen Grund zu klagen, Steve. Und besser gestern noch etwas Gemurre als in München. Schaun wir mal ob die Rechnung aufgeht.

      Vielen Dank schon einmal! 🙂

  7. Lieber Volker,
    richtig, du musst zeigen, wer der Chef im Hause ist! 😉
    Toll, jetzt hast du auch diesen Langen im Kasten! – Nun kann die Bestzeit kommen!
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      an dieser Stelle muß ich mich gleich nochmal entschuldigen. Ich freue mich immer über Deine Kommentare und habe mich gewundert, dass Du selbst nicht schreibst. Nun stelle ich entsetzt fest, dass ich Dich gar nicht auf meinem Reader habe. Das habe ich natürlich sofort geändert und morgen werde ich erstmal in Ruhe durch Deinen Blog stöbern!

      Liebe Grüße noch einmal
      Volker

  8. Lieber Volker,
    ach, lass sie doch reden. Wenn sie merken, dass du einfach weiterläufst, werden sie schon irgendwann die Klappe halten! 😉
    Super, letzter Langer auch abgehakt! Die Bestzeit kann kommen!!! 😀

    • Liebe Doris,

      das Gequatsche ging mir aber schon auf den Keks, aber schlußendlich ist ja doch noch Ruhe eingekehrt 😉

      Jo, abgehakt, jetzt nur noch vergessen, dass der Marathon noch 12 km länger ist, dann wird das schon 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

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