Erinnerung

Der Winter zeigte heute sein mildes und schönes Gesicht. Sonnig, leichte Plusgrade, so gut wie kein Wind. Er tat fast schon so als wollte er sich verabschieden. Auch wenn ich ihm auf diesen Leim noch nicht gehen mag, nutzte ich dieses tolle Wetter für einen ausgiebigen Spaziergang und fand mich alsbald auf meiner Laufstrecke wieder. Und zwar, da ich spaziergehend nicht einen so großen Radius habe, auf der Laufstrecke, die ich in meinen Anfängerzeiten immer gelaufen bin.

Anfängerzeit, damit ging es in diesem Monat genau vor unglaublichen 12 Jahren los. Die ersten Laufschritte absolvierte ich allerdings nicht in Oldenburg, sondern während einer Kur in Bad Gandersheim. Dort Blut am Laufen geleckt, machte ich in Oldenburg für mich alleine weiter. Ohne Plan, ohne Begleitung und in falschen Schuhen hatte ich in grenzenloser Naivität erstmal so gut wie alles falsch gemacht und insgesamt mehr Probleme als Freude. Da mich das Laufen trotzdem und für mich unfassbar einfach nicht losließ, hatte ich nach einiger Zeit nochmal alles auf Null gestellt. Mit den richtigen Laufschuhen aus einem guten Laufgeschäft und einem 16-wöchigen Anfängerlaufplan aus dem Internet, bin ich nochmal im Prinzip neu angefangen. Damit kam der Stein dann so langsam ins Rollen.

Schmunzeln und kopfschütteln ging mir das bei meinem Spaziergang durch den Kopf. War es doch trotz aller Widrigkeiten einfach eine tolle Zeit. Wie das Betreten von Neuland, begleitet von dem Entdecken was so ein Anti-Sportler wie ich doch zu leisten im Stande ist, aber immer noch nicht ahnend welche Bedeutung das Laufen für mich in meinem Leben noch einnehmen wird. Marathon? Jenseits meiner Vorstellungskraft. Ultralauf? Das Wort hatte ich damals noch nicht einmal gehört. Rückblickend bin ich ja auch weder von dem einen noch von dem anderen nicht gerade viel gelaufen. Aber wenn ich so zurückschaue, waren die ersten am Stück gelaufenen 10 km (wohlgemerkt erst nach einem Jahr Rumdokterei) mindestens genauso ein Fest wie der erste Marathon.

Es ware einfach eine spannende Zeit, irgendwie so frisch, so rein und so unverbraucht. Wehmut? Na ja, ein kleines Bisschen vielleicht, die Erinnerung vergoldet. Grund zur Wehmut besteht ja schließlich nicht, laufe ich doch heute immer noch mit der selben, wenn nicht gar noch größeren Begeisterung wie damals.

Mein erster gelaufener Rundkurs war seinerzeit gute 6 km lang, beinahe auf dieser Originalstrecke war ich heute unterwegs, kam aber durch einen vorherigen Schlenker auf insgesamt 8,5 km.

Hätte mir jemand vor 13 Jahren gesagt, dass ich mal 6 km, 8,5 km, 10 km, 42,195 km und weiter laufen würde, hätte ich, vorsichtig ausgedrückt, zu ihm gesagt „Träum weiter“. Heute träume ich vom Immer-weiter-laufen. Und das drücke ich gar nicht in neuen Kilometerrekorden aus, sondern in Jahren!

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36 Kommentare zu “Erinnerung

    • Es gibt solche und solche Erinnerungen, lieber Rainer.

      Aber wenn die an das Laufen nicht schön wären, dann hätten wir irgendetwas falsch gemacht.

      Bei der Gelegenheit: Liebe Grüße an Karin!

      Liebe Grüße
      Volker

  1. Lieber Volker,
    schön dass du dich so positiv erinnerst! Mein erster Lauf war furchtbar und das blieb auch eine ganze Weile so. Aber das mit den vielen Jahren weiter, das wünsche ich dir!
    Gruß!

    • Liebe Roni,

      da ging es uns anfänglich ja ganz ähnlich. Da ist es doch eigentlich verrückt, dass wir dabei geblieben sind, oder? Irgendwas muß dieses Laufen ansich haben. It`s magic! 😀

      Danke, ich wünsche Dir dasselbe 😎

      Liebe Grüße übern Teich
      Volker

  2. Die meisten anderen Kurschatten verblassen vermutlich schneller. Du hast dir da einen ganz und gar hartnäckigen angelacht 😉

    Gegen oder für was war die Kur eigentlich? Irgendwie wünsche ich mir schon seit Jahrzehnten, auch mal eine Kur machen zu dürfen … wer weiß, welcher Neueinstieg mich dort erwarten würde ….

    • Einen ganz und gar hartnäckigen, der aber zum Glück nur selten etwas Eifersucht beim Partner verursacht, liebe Lizzy 😆

      Tja, was meinst Du in was für einer Kur ich war? Meine Psyche war schon immer ein sensibles Gut. Mir hat die Kur damals sehr, sehr gut getan und kann Dir deshalb nur dazu raten, mal eine zu machen. Es ist eine kostbare Auszeit.

      Liebe Grüße
      Volker

      • Das mit der Eifersucht, das kommt aber auch immer auf den Partner an! Nicht wenige, die auch auf Sport einfersüchtig reagieren und insofern scheinst du auch da Glück gehabt zu haben,.

        Um eine Kur zu machen, muss man erstmal eine bekommen. Ich hab’s zwar noch nie versucht, kenne aber reichlich Leute mit augenscheinlicheren „Macken“ (ob physisch oder psychisch und da waren wir uns ja anderswo bereits ziemlich einig, dass sich das nie komplett wird trennen lassen) als ich sie für die üblichen Betrachter aufweise. So’n bisschen Knie und bisschen Blutdruck, das reicht da sicher nicht.

      • In Bezug auf meinen Partner kann ich nicht nur in diesem Punkt von Glück reden! 🙂

        Ich wollte seinerzeit auch keine Kur beantragen, weil ich keinen Bock auf das Gerenne mit Ärzten und entsprechenden Widersprüchen hatte. Und dann war die Kur ruckzuck ohne irgendwelche Probleme bewilligt. Staune ich heute noch drüber. So kann es auch gehen.

        Also, Versuch macht kluch 🙂

  3. Lieber Volker,
    schöne Erinnerung, denn sie hat einen Teil Deines Lebens, wenn nicht sogar Dein ganzes Leben verändert. Es sind diese Dinge, die unser Tun bestätigen, auch wenn Du zurückgeworfen wurdest/wirst durch Verletzung oder andere Malaisen. Es zählt das Tun…
    Vor allem Deinen letzten Satz kann ich so unterschreiben 😀

    Salut

    • Lieber Christian,

      dass ist ja fast schon kitschig zu sagen, dass soetwas Simples wie das Laufen mein Leben verändert hat. Aber das hat es nunmal, also bleibt es beim Tun. Das Leiden unter gelegentlichen Aussetzern zeigt uns doch nur, dass das Tun richtig ist. Sonst würde es uns nicht so fehlen!

      Auf viele, viele weitere Jahre!

      Moin Moin
      Volker

  4. Lieber Volker,
    ist das nicht das Spannenden am Leben, dass es eben (meist) nicht wie eine Straße geradlinig und berechenbar verläuft, sondern manche Kurve, mitunter auch Kehrtwendungen drin sind? Da nimmt man auch das eine oder andere „Schlagloch“ oder „Reifenpanne“ in Kauf, ich jedenfalls. Solche Rückblicke kommen ja mit zunehmendem Lebensalter öfter mal vor und wenn man dann mit einer Prise Stolz und hoffentlich positiven Gedanken zurückblicken kann – schöööööön.
    Sicher hättest Du auch nie geglaubt, dass Du mal mit einer Trailmütze aus Uewersauer spazieren gehst…
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      so ist die Lebensstraße und manchmal kracht man auch ganz gehörig in die Leitplanke. Aber solange da überhaupt eine ist und uns vom Abkommen von der Lebensstraße bewahrt, ist auch das noch in Ordnung 🙂

      Ich sehe solche Rückblicke positiv und mache sie auch ganz gerne., Sie dürfen nur nicht zu sehr mit Wehmut behangen sind oder aus Hadern mit der Gegenwart oder Zukunft entstehen.

      Die Trailmütze vom Uewersauer ist zur Zeit meine absolute Lieblingsmütze. Ein Indiz für die Horizonterweiterung und die Läufe, die mir das Bloggen beschert hat. Aber das ist noch einmal ein anderes Thema.

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    weiterlaufen find ich gut! 😉
    Spannend zu lesen, wie Entscheidungen (und wirken sie auch noch so „banal“) oft weitreichende Veränderungen nach sich ziehen. Gut, dass man das vorher nie weiß, sonst würde man vor lauter überlegen (was könnte das ändern / zieht das nach sich / entwicklet sich daraus) gar nicht mehr ins Tun kommen! 🙂
    Das Bild vom Baum hat mich gefesselt. Dir ist schon klar, dass du da den Gehörnten himself mit 2 seiner Gesellen links und rechts abgelichtet hast? 😆

    • Liebe Doris,

      auf solche Überlegungen und Abwägungen wäre ich damals nie gekommen. Es bleibt einfach nur dieses Staunen darüber, dass mich die anfänglichen Probleme haben nicht das Handtuch werfen lassen.

      Witzig finde ich z. B., dass ich erst vor ein paar Tagen von Bekannten gefragt worden bin, ob ich denn immer noch keine Probleme mit Knie oder Rücken hätte. Für die scheint Laufen ein Hochrisikosport zu sein, krass oder? Ich hatte da nie Bedenken.

      Jetzt wo Du es sagst, habe ich den Gehörnten auch erkannt. Er scheint aber ein harmloser Geselle zu sein, an dem bin ich schon hunderte Male vorbeigelaufen. Aber erst in der Muße des Spazierengehens habe ich die Besonderheit dieses knorzigen Baumes wahrgenommen.

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Wahre Worte! Das mit dem „hätte mir das vor Jahren jemand gesagt“ kenne ich nur zu gut

    Was soll man tun, wenn es Spaß macht? Richtig! Weiter machen! 😉

    Viele Grüße

    Steve

    • Tja, was soll man tun, wenn es Spaß macht. Das Weitermachen ist einfach alternativlos! 😎

      VGV

  7. Lieber Volker,
    kannste mal sehen, was daraus wird, wenn man Sport in der Schule nicht mochte! 😆
    Ich sag ja immer: „Wer der Meinung ist, dass er unsportlich sei, der hat seinen Sport noch nicht gefunden!“ 😉
    Oh, oh, zwölf Jahre schon, da werden bestimmt bald die orthopädischen Probleme beginnen! 😛
    Selbst ein bekannter Arzt letztens zu mir (privates Gespräch), ob meine Knie-OP nicht auch auf meine Lauferei zurück zu führen sei? – Meine Frau schlagfertig: warum sind denn dann nicht beide Knie betroffen? – ts, ts, ts
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      das was Du immer sagst gefällt mir und da ist auch bestimmt was dran. Danke für diesen Satz!

      Die „hohe Wahrscheinlichkeit“ orthopädischer Probleme sind doch ein wunderbares Argument auf dem Sofa sitzen zu bleiben. Sollte ich wirklich irgendwann mal ein Wehwehchen dieser Art bekommen, höre ich schon das „Siehste, habe ich doch schon immer gesagt“

      Und selbst mein Hausarzt fragte auf meine Erzählung von meinem bisher längsten Lauf (58 km) erschrocken: Aber sowas machen Sie doch nicht alleine? Keine Ahnung was er fürchtete, wenn ich es alleine getan hätte.

      Die Reaktionen auf so ein bisschen Lauferei sind manchmal schon echt kurios 🙂

      Paß bloß auf Dein zweites Knie auf, Manfred, ich sach Dir das! 😉

      LG Volker

  8. Lieber Volker,
    Oh das hast du soooo schön geschrieben. Ich war gerade mit auf Zeitreise 🙂
    Es ist gut wenn man sich erinnert. Und es ist echt unglaublich was wir Menschen so hinbekommen, wenn wir erstmal die ersten Schritte getan haben.
    Ich wünsche dir noch gaaaaanz viele tolle Laufjahre 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      es gibt ja noch viel unglaublichere Dinge, die Menschen hinbekommen. Es soll sogar welche geben, die Roth finishen! Hammer, oder? 😀

      Danke, liebe Helge, ganz viel tolle Laufjahre wünsche ich Dir auch, ergänzt um „einwenig“ Radfahren und Schwimmen 😉

      Liebe Grüße
      Volker

      • Ich denke das Roth zu finishen leichter ist als einen ganzen Ultra quer durch den Harz zu laufen. 😐
        Schwimmen und Radfahren kann schließlich jeder. Die Spreu trennt sich beim Laufen vom Weizen 😆

      • In drei Jahren willst Du dasselbe in Luxemburg machen!

        Du schaffst es nicht Deine Leistung kleinzureden 😀

        Liebe Grüße
        Volker

      • Oh oh, will ich das? 😯
        Ich glaube da muss ich betrunken gewesen sein als ich das gesagt habe.
        Mehr als 30 km Laufen und das ohne vorher Rad zufahren?!
        Himmel hilf!

  9. Wie ich die Waldläufe früher immer hasste die wir im der Sommer- und Winterpause machen mussten. Und immer schaute mich davor zu drücken. Und kaum aus dem Manschaftssport draußen renne ich da alleine freiwillig rum und das schneller als jemals zuvor 😀

    • Bei mir war es eher so. Da ich Sport immer nur mit Mannschaftssport in Verbindung gebracht hatte, konnte ich dem ganzen überhaupt nichts abgewinnen. Aufs Laufen wäre ich früher nie gekommen, durch den Schulsport schonmal gar nicht.

      So gelangt man halt manchmal nur auf verschlungenen Pfaden auf den richtigen selbigen 🙂

      VGV

  10. Ach, die Laufanfänge…. Was war das spannend. Ständig konnte man kleine Erfolge feiern. Ich fand das herrlich und war bei jedem Fortschritt stolz wie Bolle.
    Heute ist ein Neueinstieg für mich notwendiges Übel. Im Grunde bin ich sehr ungeduldig und kann es nicht erwarten, bis sich wieder die frühere Form findet. Das war am Anfang anders. Da gab es keine Vergleich, was man doch vor einem oder zwei Jahren alles so konnte. Alles war neu.
    Aber es läuft schon wieder ganz gut. Und ich hoffe, dass ich noch lange laufen kann…

    • Liebe Bianca,

      ein Laufanfang und ein Neueinstieg lassen sich sicher nicht so vergleichen. Der Zauber des Neuen kann einem Wiedereinstieg nicht inne sein. Trotzdem hat auch der Neueinstieg etwas Spezielles, nämlich schlicht und ergreifend, dass Du es nicht tun würdest, wenn Dir das Laufen nicht viel bedeuten würde.

      Das ist doch der eigentliche Hammer, wie oft haben wir schon unsere Krone gerichtet und sind weiter- bzw. wieder angelaufen?

      Frust käme doch erst dann auf, wenn wir resigniert auf der Couch sitzen bleiben würden, oder?

      Liebe Grüße
      Volker

  11. Komisch, lieber Volker, bei mir sind irgendwie die Erinnerungen weitgehend getilgt – ich wünschte, ich hätte sie, und könnte mich so daran freuen wie du!

    Egal, was zählt, ist die Gegenwart und ist die Zukunft – und da wünsche ich uns beiden (und natürlich jedem, der sich das für sich ebenfalls wünscht) noch viele gesunde Laufjahre und Kilometer! 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Liebe Anne,

      Du hast keine besonderen Erinnerungen an Deine Laufanfänge? Da ist ja schon schade. Wie Du lesen kannst, erinnere ich mich trotz oder vielleicht sogar gerade wegen der Probleme gerne.

      Aber natürlich hast Du recht, die Gegenwart und Zukunft zählen. Und da gönne ich jedem leidenschaftlichen Läufer noch viele gute Laufjahre, aber uns natürlich besonders! 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  12. Lieber Volker,
    ja ich kann mich auch noch ganz genau erinnern. Ich habe immer wieder Laufversuche gestartet, mit völlig falschen Schuhen und völlig falschen Ambitionen. Irgendwann (2008) habe ich mir dann einen Anfängerlaufkurs gegönnt und seit dem läuft es :-). Und bei dir ja auch, wie wir immer wieder lesen können :-). Ich freue mich auf viele weitere Berichte. Schicke Mütze übrigens :-).
    Liebe Grüße
    Karina

    • Liebe Karina,

      dann war unser Start damals ja gar nicht so unterschiedlich. Zum Glück läuft es nun schon lange besser 🙂

      Ja? Gefällt Dir die Mütze? Das freut mich! 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  13. Das ist ja ein unglaublich verwurschtelter Baum! Was für einer ist das denn? Immer tolle Fotos von meiner alten Heimat, jetzt kalte alte Heimat!

    • Ich muß bei der Art des Baumes leider passen, in Sachen Flora und Fauna bin ich leider recht unbedarft 😦

      Es freut mich, dass ich Dir Deine alte Heimat so in Erinnerung halten kann. Heute gerade mal wieder etwas milder 🙂

      Viele Grüße
      Volker

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