33,333 km Rückenwind

10 Tage liegt sie nun schon zurück, meine Premiere beim Syltlauf 2017. Höchste Zeit für eine nähere Betrachtung, schließlich war dieser Lauf der Grund für gleich eine ganze Woche Urlaub auf der Insel.

Der sonntägliche Start um 10:00 Uhr verhieß noch ein angenehmes Ausschlafen nach der Anreise vom Vortag. Allerdings verhieß der Wetterbericht nichts gutes für diesen Lauf und er sollte recht behalten. Schon zum Aufstehen und Frühstück in der Ferienwohnung regnete es wie aus Eimern, es blies ausgesprochen kräftiger Wind und die Temperatur sorgte mit 4° gerade mal dafür, dass es eben regnete und nicht schneite.

Die bescheidenen 2,5 km zum Start beim Fünf-Städte-Heim in Hörnum-Nord ließ ich mich von Jens chauffieren. Ansonsten hätte ich keine Chance gehabt, meinen Rucksack mit den Wechselklamotten trocken zum Start zu bringen, damit dieser von dort zum Zielort List gekarrt werden konnte. Da ich mir am Anreisetag die Pastaparty mit Startnummernausgabe in Westerland gespart hatte, enterte ich das Fünf-Städte-Heim um an meine Startnummer zu kommen und Schutz vor den Regenfluten zu finden. Diese Idee hatten allerdings allen anderen logischerweise auch und so wurde meine „Vorliebe“ für Menschenmassen und engen Körperkontakt auf eine harte Probe gestellt. Da war ich froh als sich die Startzeit näherte und ich mich mit der ganzen Meute aus dem Gebäude spülen lassen konnte.

Zum Glück verlor der Meermann Ekke Nekkepenn nicht allzu viele Worte und ließ den Startschuß pünktlich um 10:00 Uhr fallen. Wie immer bei „Wettkämpfen“reihte ich mich ganz hinten ein und ließ es ruhig angehen. Die Laufrichtung erst einmal eingeschlagen kam der kräftige Wind von schräg hinten, was den Regen dann gar nicht mehr so schlimm erscheinen ließ und nach vielleicht drei Kilometern waren dann auch endlich meine Finger warm.

Bis kurz vor Westerland verlief die Laufstrecke auf dem Radweg neben der einzigen Landstraße zwischen Hörnum und Westerland. Da war ich schon etwas enttäuscht, gibt es doch einen herrlich zu laufenden ehemaligen Gleisweg der früheren Inselbahn, wo man durch die tolle Dünenlandschaft abseits des Autoverkehrs laufen kann.

Kurz vor Westerland bogen wir dann aber ab Richtung Strandpromenade. Von hier ab war die Strecke klasse und wurde immer besser. Nach Westerland, Wenningstedt und Kampen kam das Highlight der ganzen Strecke, die unglaublich schöne und faszinierende Dünenland, die bis an den Zielort List heranreicht. Der Regen, der graue Himmel, der stürmische Wind und das Bestreben, dann doch einigermaßen gut durchzulaufen, sorgten aber für eine ausgesprochen magere Bilderausbeute.

Für mich lief es vom Startweg gut, ich fühlte mich gut, lief locker und hatte immer mal wieder zwischendurch nette Unterhaltungen mit den Mitläufern. Der kräftige Rückenwind machte das Laufen mühelos und den kalten Regen vergessen, nur umdrehen durfte man sich nicht 🙂 Ich pflügte auch einfach durch sämtliche Pfützen, die die meisten anderen Läufer immer noch zu umlaufen versuchten, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, dass noch irgendjemand trockene Füße hatte.

Auch weit über Kilometer 20 hinaus fühlte ich mich noch wie auf den ersten Metern und mit Dankbarkeit konnte ich feststellen, dass eine gewisse Anspannung, wie ich diesen Lauf wuppen würde, da ich in der Zeit vor dem Lauf mental nicht so gut drauf war, verschwunden war.

Die letzten sechs, sieben Kilometer war ich so richtig im Flow und lief ein gutes, nicht zu schnelles Tempo  (schlußendlich war es ein 6:08er Schnitt) und konnte wie beim Skislalom ständig andere Läufer überholen. Das war ein gutes Gefühl, wenn auch die Überholmanöver aufgrund der beschränkten Wegbreite manchmal nicht ganz einfach waren. Diese Kilometer liefen auch nicht ganz topfeben, was mich aber in keinster Weise kratzte und einen klitzekleinen Durchhänger bei Kilometer 30 konnte ich auch schnell wieder aus Kopf und Beinen schütteln und lief gute drei Kilometer später nahezu relaxt ins Ziel ein.

Besser hätte es nicht laufen können. Daran hatte der kräftige Rückenwind zwar sicher einen gehörigien Anteil, aber man wird ja auch mal genießen dürfen, gelle? Ich fischte mir meinen Rucksack aus dem Gepäckbus und in einer Turnhalle konnte ich mich dann aus den klitschnassen Klamotten schälen, es war nicht eine einzige trockene Faser mehr am Leib.

Glücklicher Weise hatte ich auch mein Handy dabei, weil das Ziel überraschender Weise nicht mitten im Ort List lag, sondern am Ortsanfang auf einem Sportgelände. So konnte ich Jens und Muttern mit dem Auto zu mir dirigieren, die auch schon verzweifelt den Zieleinlauf gesucht hatten. Die Möglichkeit mich zum Duschen und Schwimmen per Bus in die Sylter Welle nach Westerland karren zu lassen, ließ ich dankend aus und versank, zurück in der Ferienwohnung, stattdessen lieber in der dortigen Badewanne.

In Startwuhling und auf der Strecke durfte ich auch noch auf bekannte Gesichter treffen. Die Freundinnen von Elke, mit denen ich schon die Ehre hatte einen weinseligen Halbmarathon zu laufen, waren als Staffel angetreten. Leider hatte ich sie im Ziel nicht mehr gesehen. Auf der Laufstrecke kurz vor List kam mir dann Margitta entgegen. In dickes, wetterfestes „Zivil“ verpackt, hätte sie gar nicht erkannt, wenn sie nicht nach mir gerufen hätte.  Als ich die Überraschung realisiert hatte, war ich aber auch schon weit an ihr vorbei.

Dieser Syltlauf war echt eine coole Nummer und mein bis dato längster Regenlauf. Und auch mein längster Lauf mit Rückenwind. Ich denke, dass wird sicher auch eine ganze Zeit ungetoppt bleiben 😀

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36 Kommentare zu “33,333 km Rückenwind

  1. Lieber Volker,
    wenn schon bei Regen laufen, dann doch mit Rückenwind! 😉
    Klar kann man das auch mal genießen! 🙂
    … und dass du überhaupt Bilder gemacht hast, so konnte man dir das mit dem Regen glauben! 🙄
    … und dann war dein Beitrag auch noch informativ. Ich habe was dazu gelernt, habe doch gleich mal über Ekke Nekkepenn nachschlagen müssen!
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      die Sagengestalt Ekke Nekkepenn ist auch nicht sonderlich bekannt. Im Hörnumer Hafen liegt seit Jahren ein Schiff, das so heißt,nur darüber habe ich von diesem Meermann erfahren 🙂

      LG Volker

  2. Wozu musstest du denn danach in die Badewanne wenn es denn eh schon so nass war? Außerdem hätte es doch noch die Ostsee gegeben du Weichei 😀

  3. Hallo Volker,
    ich hatte ja schon von anderer Seite immer wieder gehört, wie cool dieser Lauf selbst bei üblem Wetter ist. Anhand Deiner Schilderung von Petrus‘ Segnungen an diesem Tag hätte ich eher gesagt „Ohne mich“. Aber da scheint doch Ekke Nekkepenn (wieder was gelernt, danke!) auch irgendwie den Läufern einen ordentlichen Schwung mitzugeben. So wie Du das hier schreibst, scheint selbst auf Sylt schlechtes Wetter einfach nicht so schlecht zu sein. Ein kleiner Hänger 3 km vor dem Ziel ist da ja auch zu verschmerzen.
    Wenn mir einer Rückenwind garantieren kann, wäre ich ja auch mal mit dabei 😉
    Auf alle Fälle freue ich mich, dass Du ein tolles Lauferlebnis hattest und gratuliere herzlich zum Finish!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      den ganzen Lauf mit dem Wind von vorne wäre eine ganz, ganz harte Nummer geworden. Schlechtes Wetter ist also immer relativ 🙂

      Ich war aber schon froh, dass das schlechte Wetter nach zwei Tagen vorbei war und wir ab da die Sonne genießen durften. Ansonsten wäre auch auf Sylt schlechtes Wetter einfach nur noch schlechtes Wetter gewesen.

      Vielleicht wäre der Lauf auch ohne Rückenwindgarantie mal etwas für Dich, dann könntest Du oder Ihr Deine Mädels mal begleiten.

      Danke Dir und liebe Grüße
      Volker

  4. Hi Volker, das klingt alles nach großem Spaß trotz Wetter-Ungemach. Und mit der richtigen Grundeinstellung läufts dann halt auch einfach, finde ich klasse. Für einen Deichläufer ist das ganze Ding aber ja eh irgendwie Pflichtveranstaltung 😉
    Jetzt wirds Frühling, beste Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      „Wetter“ schreckt mich ja generell nicht so, aber ich muß schon zugeben, dass ich den Wind auf der ganzen Strecke nicht unbedingt so gerne von vorne gehabt hätte 😉 Aber so war der Spaßfaktor einfach enorm.

      Für den Deichläufer ist Sylt gar nicht so das Idealrevier, es gibt auf ihr nämlich kaum Deiche 😯

      Der Frühling ist unverkennbar, auch wenn es hier heute ausnahmsweise mal regnet. Der Regen bringt die Vegetation jetzt aber sicher so richtig zur Explosion 😀

      VG aus dem Norden
      Volker

  5. Lieber Volker,

    wow, das hört sich ja durch und durch (außer vielleicht die Prä-Start-Kuscheleien) nach einem super Lauf an! Toll, dass es dir so gut gegangen ist und du dich vom Rückenwind über die Insel pusten lassen konntest! Und dann noch bekannte Gesichter treffen – herrlich! 😀
    So darf eine Wettkampfsaison beginnen! Und für dich brachte sie gleich noch eine Woche Auszeit vom Alltag in der wunderschönen Landschaft. Ich würde sagen – gelungen! 🙂

    • Liebe Doris,

      hihi, Wettkampfsaison klingt gut 😀

      Ich kann mich dem „Gelungen“ nur anschließen. Und bei soviel Positivem kuschelt man doch gerne mal 😀

      Wär der Lauf nicht auch mal etwas für Dich?

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,

    ein wenig gruselt es mich schon bei Deinen Bildern. Hier an der Mosel ist alles so komplett auf Frühling und Sonne eingestellt. Da bekomme ich beim Gedanken an Wind, Kälte und knöcheltiefen Pfützen eine Gänsehaut.

    Aber ich freue mich, dass es bei Dir trotzdem gut lief. Das sind die Veranstaltungen, die besonders schön bei der heißen Dusche danach werden, oder eben in der Badewanne.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

  7. Lieber Volker, nachdem ich jetzt (erstmals in meinem Leben als Läuferin) ja selbst auf Sylt war und nun noch deinen Bericht gelesen habe, kann ich nur schreiben: Ich will auch! Nächstes Jahr wird das allein schon aus Termingründen nichts. Aber 2019 – wer weiß? Da wäre mir auch Gegenwind egal, Hauptsache dabei sein. 😎

    Schön, dass du danach noch ein paar erholsame Tage genießen konntest. So eine Auszeit tut doch immer wieder gut zum Neu-Sortieren, oder? 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Lieber Anne,

      ich freue mich mit Dir offensichtlich eine Liebhaberin der Insel gefunden zu haben.

      Wenn es für 2019 konkret werden sollte, laß es mich wissen, ich könnte durchaus auch noch einmal 😀

      Wer schon den vorherigen Post mitsamt dem dort genannten Zitat gelesen hat, konnte es schon ahnen: Die Auszeit hat beim Neu-Sortieren gut geholfen! Das der Lauf so gut gelaufen ist, war da einfach noch die Krönung 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Lieber Volker,
    du liebst ja den Regen, ich finde ihn ja auch nicht schlimm, aber ich habe doch Hochachtung für jedem, der 33 Km im Regen läuft. Aber es hat dir ja wohl nix geschadet und mit Rückenwind laufen ist doch auch mal schön, oder? 🙂
    Richtig cool, das es dir so gut beim Laufen ging und du warst ja auch ganz schön flott unterwegs.
    Und klar darfst du genießen 🙂
    Volle Punktzahl dafür 😆
    Liebe Grüße
    Helge

    • Also ich habe eher vor Roth-Finishern Hochtung als für 33 km Regen-Traberei, liebe Helge 🙂

      Die volle Punktzahl hat der Lauf auch von mir bekommen! 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Es freut mich sehr für dich, dass du bei „Deinem“ Wetter einen so prächtigen Lauf laufen konntest. Für mich freut es mich, dass du das Wetter da oben behalten hast 😉 Bei garantiertem Sonnenschein würde ich diesen Lauf auf die To-do-Liste für’s nächste Leben setzen – die Insel scheint eindeutig herrlich zu sein!

      • wenn das „mädchenhaft“ ist, dann schon immer 😉 Ich bin von Anfang an bekennende Schönwetterläuferin gewesen. Wenn’s denn mal unterwegs anfängt, ist es nicht so schlimm – aber bei Regen loslaufen? Ich? BAH! Habe auch mal einen Marathon (Augsburg) noch am Morgen sausen lassen (bin nicht losgefahren) als ich die Wettervorhersage las. Es waren heftigste Dauerregenfälle angesagt, die dann auch tatsächlich stattfanden. Hat mir nie leid drum getan.

        Mein letzter Marathon in HH vor zwei Jahren war schön – hätte aber ohne die ca. 10km Regen noch schöner sein können ….

        Achja: Hitze und sengende Sonne schließt Laufen inzwischen ebenfalls aus. Das hat sich so mit dem Alter entwickelt aber eine „bei jedem Wetter Läuferin“ war ICH noch nie!

      • DAS wußte ich nicht, dass Du so ein Kind der Sonne bist 😀

        Aber das ist natürlich völlig ok, da ist gar nichts schlimmes dran. Willst Du trotzdem drüber reden? :mrgreen:

  10. Hi Volker! Das klingt ja nach einem tollen Erlebnis trotz der widrigen Wetterbedingungen! 😃 👍 Sylt möchte ich mir auch unbedingt mal anschauen. Viele Grüße, Susanne 😃

      • Ja, stimmt! Ich war 2 1/2 Wochen außer Landes und habe Urlaub in Vietnam und Kambodscha gemacht! 😃 Die Erholung hat mir richtig gut getan. Aber der Alltag hat einen ja schnell wieder. 🙈🙊

  11. Eigentlich fand ich den Lauf auch schon immer interessant. Aber Regen und Wind haben auch was zielmlich Abschreckendes für mich, andererseits war es ja Rückenwind….

  12. Hi Volker,

    ja, ich schau hier auch mal wieder vorbei, um zu gucken, was zu so treibst 😉

    Dein Text liest sich irgendwie seltsam – wenn ich nach draußen gucke, lacht die Sonne bei 18 Grad. Da kommen einem deine Wetterbeschreibungen so merkwürdig vor 😉 Von dem Syltlauf habe ich schon öfter gehört. Das scheint ja wirklich eine lohnende Veranstaltung zu sein und die Strecke hast du ja anscheind sehr gut gemeistert. Glückwunsch dazu!

    Viele Grüße aus dem sonnigen Münsterland
    Carsten

    • Hey Carsten,

      schön Dich zu lesen. Freut mich, dass Du immer mal wieder reinschaust. Witzigerweise hatte ich vor kurzem nach an Dich gedacht 🙂

      Naja, 18 ° waren gestern ja auch nicht wirklich viel. Wir hatten hier über 20! 😎

      Danke Dir und viele Grüße zurück aus dem sonnigen Oldenburg
      Volker

  13. Lieber Volker,

    ein spätes Willkommen zurück! Die Inselbilder sind herrllich und dass es dann auch noch so gut lief beim Syltlauf. Das Wetter sieht ja eher übelst aus, aber wenn es dafür Rückenwind gibt :).
    Lass dich vom Alltag nicht zu schnell einholen 😉
    Liebe Grüße!

    • Danke, liebe Roni 🙂

      Für jeden normalen Inselurlauber war das Wetter an dem Tag ein Graus und für manch anderen Läufer auch 😉 Für mich hat der Rückenwind aber alles wieder wettgemacht 🙂

      Ach, Du weißt doch wie das mit dem Alltag so ist, aber immerhin schaue ich jetzt auf meinem Desktop auf Nordseewellen 😀

      Liebe Grüße
      Volker

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