Drei Läufe, zwei Moore

Auf eine harte Probe wurde in den letzten Tagen mein Laufverlangen gestellt. Letztes Wochenende kam ich nicht zum Laufen, am Montag auch nicht, genauso wenig am Dienstag und eigentlich hätte es auch am Mittwoch nicht geklappt. Aber da habe ich mir einfach die Mittagspause freigeschaufelt und mächtig in die Länge gezogen um doch ein kurzen Lauf hinzukriegen.

Der Kürze der Zeit angemessen wollte ich meinen ersten kompletten Barfußlauf absolvieren. Dazu boten sich die weichen Wege im Naturschutzgebiet Gellener Torfmöörten direkt vor den Toren Oldenburgs an.

Das Barfußlaufen baue ich seit Februar regelmäßig in meine Läufe mit ein und es gefällt mir sehr gut. Nach gut zwei Monaten traute ich mir auf den Naturwegen eine 5 km-Runde zu. Daraus geworden ist eine, zugegebener Weise unvernünftige, 9,5 km-Runde. Aber das Laufen ohne Schuhe hat einen Suchtfaktor, dem man sich schwer entziehen kann.

Der flauschige Boden hat mir zwar, von zwei Aufsetzern auf Baumwurzeln abgesehen, keinerlei Probleme bereitet, trotzdem werde ich das Thema in nächster Zeit wieder mit mehr Bedacht verfolgen.

Am Donnerstag folgte, nach zweiwöchiger Pause, der Utkiek-Lauf. Dort Business as usal. Mit einer Ausnahme: Tomma hatte am Tag vorher in der Telegram-Gruppe gefragt, ob jemand mit ihr am heutigen Sonntag einen 25 km-Lauf machen wollte und ich hatte bis dato als einziger den Finger gehoben. Startzeit stand fest, Strecke noch nicht. Nun fragte Ralf, ob er sich noch einklinken könnte und bot gleich einen Lauf im Umland seines Heimatort Neuenburg an.

Das Angebot hatte ich gleich angenommen und Tomma anschließend über Telegram mitgeteilt, dass wir auf eine Überraschungsstrecke gehen würden.

So traf ich heute mittag auf Tomma und fuhr dann mit ihr weiter ins eine halbe Autostunde entfernte Neuenburg. Auf der Fahrt dorthin ahnte sie schon wer der Dritte im Bunde ist und sprach von Klaus Störtebeker. Der war es dann zwar nicht, aber dank Ralfs Ortskenntnissen waren wir auch nicht ganz so kopflos unterwegs 🙂

Ralf hat das große Glück in allernächster Nähe zum Neuenburger Urwald zu wohnen, durch den wir die ersten Kilometer unseres Törns liefen, begleitet von bombastischem Wetter. Der Neuenburger Urwald beeindruckt durch seine gewaltigen, teils Jahrhunderte alte Bäume, seine Naturbelassenheit und, zu dieser Jahreszeit, durch unglaublich große Teppiche von Buschwindröschen.

Nach dem Urwald ging es weiter durch die Schönheit Frieslands …

… zum Naturschutzgebiet Lengener Moor. Dieses große Moor beeindruckt durch seine Weitläufigkeit und Ursprünglichkeit und man kann darin durchaus noch sein Leben aushauchen, wenn man die Wege verläßt.

Aber auch die Wege selber, zumindestens an einer Stelle, waren nicht ganz ohne, aber die Füße blieben trotzdem (fast) trocken 😀

Verschluckt hatte uns das Moor an diesem Traumtag somit nicht und spukte uns wohlbehalten wieder aus und wir konnten nach einigen weiteren Kilometern wieder Neuenburg ansteuern.

Noch ein kurzes Posing vorm Schloß und des Schloßes selber …

… und dieser hammergeile Lauf, bei dem wir uns teilweise kampfeslustig, mit dem Schlachtruf „MOIN“ auf den Lippen, ganzen Horden von Ausflüglern entgegenwarfen, war zu Ende.

Spaß hats gemacht und wenn ich Tomma und Ralf glauben darf, nicht nur mir. Außerdem hat dieser Lauf noch meine bescheidene Wochenbilanz gerettet 😀

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30 Kommentare zu “Drei Läufe, zwei Moore

  1. Gestern war halt auch der perfekte Tag für ein ausgedehnter und entspannter Lauf. Habt ihr spitze gemacht.
    Nur das mit dem Barfußlaufen über so große Distanzen stelle ich mir leicht verrückt vor. Aber wahrscheinlich fehlt mir hierfür einfach der richtige (Lauf)untergrund 🙂

    • Moin Markus,

      das Wetterchen war gestern wirklich vom Feinsten 🙂 Wer das nicht genutzt hat ist selber schuld.

      Es soll ja Läufer geben, die laufen sogar einen City-Marathon barfuß, dass ist für mich auch jenseits jeder Vorstellungskraft. Aber auf so einem flauschigen Untergrund ließ sich diese Distanz wirklich gut laufen, alleine der Sandweg lief sich wie Strand 🙂 Leider habe ich nicht gerade eine große Auswahl an solchen Strecken.

      VGV

      • Soll auch welche geben, so gestern Bilder gesehen, die laufen einen Marathon rückwärts. Beides halte ich in gewisser Weise für verrückt. Was aber nicht immer gleich negativ sein muss 😉

      • Rückwärtsläufer habe ich beim Ahrathon auch schon gesehen. Also da laufe ich lieber barfuß 😀

  2. Herrliche Läufe, lieber Volker – der Frühling ist auch in Friesland angekommen und du zeigst ihn von seiner schönsten Seite! 🙂 Ich freu mich sehr, dass nicht nur die Zeit zum Laufen, sondern auch ein bisschen Bloglust wieder da ist (oder zu sein scheint), so dass wir was an deinen sportlichen Aktivitäten teilhaben können. 🙂

    Der Barfußuntergrund sieht wunderbar aus, ich kann mir gut vorstellen, wie angenehm es ist da den Sand unter den Füßen zu spüren. Aber, wie du schreibst, alles mit Bedacht … 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Das war Frühling in Hochform, liebe Anne, wenn auch erstmal nur eine Eintagsfliege. Die Bloglust ist da, ich werde sie aber etwas verhaltener ausleben, wir schrieben ja schon drüber 🙂

      Verhaltener werde ich es auch wieder in Sachen Barfußlaufen angehen lassen. Aber wir kennen es ja alle, wie schwer es ist sich zu kontrollieren, wenn es gerade so richtig gut läuft und Spaß macht. Das ist ja die Krux, dass mit zunehmenden Spaß auch das Risiko steigt, sich diesen Spaß wieder zu verderben.

      Aber wir werden das Kind hoffentlich schon richtig schaukeln 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Moin Volker. … im Moor barfuß laufen, das muß ja der absolute Hammer sein! Der Untergrund dürfte doch annähernd perfekt für entspanntes Laufen sein, kann ich völlig verstehen wenn es da ein paar Kilometer „moore“ werden 🙂
    Und auch sonst, tolle Bilder von einer tollen Umgebung, da werde ich etwas neidisch als „Großstädter“.
    Viele Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      annähernd perfekt ist der Mooruntergrund wirklich, lediglich auf versteckte Baumwurzeln muß man etwas aufpassen. Gestern habe ich ja nun dieses noch viel größere Moor kennengelernt. Da werde ich zum Barfußlaufen sicher auch extra nochmal hinfahren.

      Viele Grüße
      Volker, der sich sicher ist, dass es am Rhein auch viele schöne Ecken gibt 🙂

  4. Moin Volker,
    ich bewundere ja Dein Barfußlaufen. Ich stoße mir ja schon dauernd die Zehen an, wen ich nurmal einen Barfußwanderweg benutze. Wohl dieser sandige Weg, der würde mich auch reizen.
    Ja und die Hammer-Landschaft des Moorlaufs, in so einer Gegend läuft es sich doch fast von selber! War ja auch ein super Tag gestern.
    Allerdings vermisse ich … ein Bild von der anschließenden Kaffeetafel. 🙂
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      interessant, die Zehen habe ich mir überhaupt noch nicht angestoßen, dabei bin ich neben dem Laufen inzwischen auch so gerne mal barfuß unterwegs, sogar auf kurzen Wanderungen.

      Auf dem Sandweg gibt es auch fast nichts, wo man sich die Zehen stoßen kann. Also komm her! 😀

      Die anschließende Kaffeetafel fand gestern leider nicht statt. Keine Kaffeetafel, kein Bild. So gibt es selbst an so klasse Tagen noch kleine Einschränkungen 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Hallo Volker, an die Barfußläufe traue ich mich nicht so richtig ran, trotz entsprechenden Barfuß-Schuhwerks hier für die City. Bisher habe ich sie nur bei kurzen Gängen getragen, nocht gar nicht beim Laufen, seufz. Liebe Grüße, Annette

    • Liebe Annette,

      ich bin nur noch in Barfußschuhen unterwegs. Was erst nur unkomfortabel wirkte, ist für mich jetzt nur noch ein Genuss. Inzwischen „traue“ ich mich aber auch einfach mal Barfuß unterwegs zu sein. Mal eben zum Bäcker oder zur Apotheke, es macht einfach nur Spaß.

      Barfuß laufen ist aber wirklich eine Hausnummer für sich. Auf Asphalt schaffe ich bislang nur ein paar Hundert Meter und Schotter geht (noch) gar nicht.

      Einfach machen, es wie es Dir behagt, nur nicht gleich ein Dogma davon machen wollen, dann kommt die Traute und der Spaß ganz von alleine 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

      • Hallo lieber Volker, danke für deinen Zuspruch. Hier gibt es jede Menge Asphalt, am besten starte ich mit den normalen Laufschuhen und tausche im Wald gegen die Barfußschuhe, murr. Es widerstrebt mir noch, mit zusätzlichem Gepäck zu laufen 😉 Liebe Grüße, Annette

      • Liebe Annette,

        bei meinem ersten Versuch auf Barfußschuhe umzusteigen habe ich den gleichen „Fehler“ gemacht: Ich habe mir weiche Wald- und Moorwege gesucht und bin darauf in Barfußschuhen fleißig weiter über die Ferse abgerollt. So habe ich den Wechsel damals nicht geschafft.

        Diesmal bin ich es wesentlich radikaler angegangen: Direkt Barfußlaufen auch auf Asphalt, auch wenn es nur wenige Hundert Meter sind. Nur so stellt man sich direkt auf Vorder- oder Mittelfußtechnik um, die einfach notwendig ist, um dauerhaft barfuß oder in Minimalschuhen laufen zu können. Das ist ein verdammt langwiergier Weg, für den ich ca. zwei Jahre Umstellungszeit veranschlagt habe.

        So ganz einfach ist das ganze also nicht, aber ich denke, der Weg lohnt sich 🙂

        Liebe Grüße
        Volker

  6. Lieber Volker,
    toller Lauf, tolle Bilder, tolles Wetter! 😆
    Das Wetter war auch bei uns ideal. Mittags laufen und nachmittags die Schwiegereltern (85 und 90) zum Kaffeetrinken ins Café auf die Burg Frankenstein eingeladen. Da hatte ich dir dann was voraus und hab für dich ein Stück Kuchen mitgegessen! (Weiß jetzt auch, warum ich so’n Appetit hatte! 😉 )
    Ist von dem „Wurzeltreten“ noch was zu spüren?
    Bleib dran und genieße (auch das Barfußlaufen! 🙂
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      danke fürs Mitessen, dann hatte ich gestern ja vier Stücke. Als ich vom Laufen wieder zurück war, bin ich nämlich noch bei Muttern reingeschneit und habe auf die Schnelle drei Stücke Rabarberkuchen reingedrückt. Trotzdem danke für Deinen gesegneten Appetit 😎

      Das Wurzeltreten hatte jeweils in dem Moment ganz schön das Fußgelenk gestaucht. Bis auf einen blauen Fleck auf der rechten Fußsohle ist es aber zum Glück folgenlos geblieben.

      Ich bleibe dran und genieße mit und ohne Schuhe 😀

      LG Volker

    • Moore haben wirklich was. Wundert mich nur, dass Du sie liebst, schließlich sind sie ja in der Regel flach 😉

      More Moor? Ich will schauen, was sich machen läßt!

      VGV

  7. Willkommen im Club der Nacktfußsüchtlinge (und sogar ein stattlicher Rosendorn vom Frühjahrsschnitt in der Nachbarschaft in der Fußsohle mindert die Freude nur kurzfristig, wie ich aus aktueller Erfahrung belegen kann 😉

    • Das Du dazu gehörst, hat sich mir schon erschlossen, liebe Lizzy. Ich habe Dich mal auf einem bestimmten Barfußblog kommentieren sehen. Das ganze hat aber auch wirklich Suchtpotential und das nicht nur bei schönem Wetter 🙂

      Liebe Grüße
      Volker (auf den sicher auch noch mal unangenehme Erlebnisse à la Dornen etc. warten :-/

  8. Lieber Volker,
    oh, der Untergrund sieht ja wirklich fluffig aus! Da würde ich auch gerne mal barfuß rumlaufen! 🙂 Aber noch besser gefällt mir der Urwald und das Moor danach! So schön!!! 😀
    Also ich finde, mit diesen Läufen hast du deine längere Durststrecke wirklich wunderschön beendet!

    • Liebe Doris,

      ich würde Dich gerne barfuß über diese Strecke führen, aber leider kommst Du ja nicht so weit in den Norden 😦 Ich hoffe doch sehr, dass sich das noch einmal ausgeht!

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,
    ich finde 9.5 km auf so einem Untergrund gar nicht unvernünftig wenn nichts weh tut. Warum nicht? Ich warte auch noch auf den richtigen Lauf um mal die Strecke zu verlängern von meinen 5 km. Wie ich lese möchtest du langfristig nur noch barfuß laufen – ein grosses Ziel! Das mit dem Barfuß zum Bäcker etc. habe ich früher oft gemacht aber mit etwas weniger Jugend habe ich mich dann angepasst an die gesellschaftliche Norm des Schuhe tragen und ziehe nun zumeist meine Huaraches an. (Es ist mir im Studium öfter mal passiert das ich plötzlich barfuß in der U-bahn stand. Ganz einfach weil ich morgens vergessen hatte mir Schuhe anzuziehen und es nicht gemerkt habe..)
    Die Landschaft vom dritten Lauf ist übrigens wunderschön. Ein wirkliches Trailkleinod habt ihr da. Das würde mir sehr gefallen!
    Liebe Grüße

    • Liebe Roni,

      naja, trotz des vorzüglichen Untergrundes waren die 9,5 km nicht ohne, aus dem Grunde, dass es bis dato die längste Strecke war, die ich im Vorfuß-/Mittelfußaufsatz gelaufen bin. Das müssen auch die Achillessehnen erstmal verkraften und auch das Fußgewölbe ist das Barfußlaufen noch nicht ausreichend gewohnt.

      Ob ich langfristig nur barfuß laufen erreiche, da bin ich mir noch nicht so sicher. Aber ich möchte auf Dauer gesehen zumindest gerne nur noch in Minimal-/Barfußschuhen unterwegs sein.

      Ja, die gesellschaftlichen Normen lassen mich auch sehr zögerlich barfuß unterwegs sein. Aber warum eigentlich? Eigentlich sollte uns doch nicht scheren, was andere denken :-/

      Liebe Grüße
      Volker

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