Der Sache auf den Grund gehen

21.05.17 33

Wir schreiben den 21.05.2017. Es ist Sonntag. Die Sonne scheint. Die Gezeiten stehen günstig. Es ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen für zwei Läuferinnen und vier Läufer das größte Abenteuer seit Jules Verns „20.000 Meilen unter dem Meer“ in Angriff zu nehmen. Die furchtlosen Sechs haben nichts anderes vor als über den Grund des Meeres zu laufen. Was für ein waghalsiges Unterfangen.

Wer sind diese Sechs, die sich scheinbar vor nichts fürchten? Das will ich Euch sagen: Es sind Barbara, Tomma, Klaus, Ralf, Uli und ein gewisser Deichläufer, die weder Tod noch Teufel bzw. Neptun scheuen 😆

Um es kurz zu fassen, es war mal wieder an der Zeit von Cuxhaven nach Neuwerk zu laufen 😀 Und ganz so waghalsig, gefährlich und abenteuerlich ist es denn doch nicht. Schließlich habe ich die Nummer im letzten Jahr schon einmal überlebt und andere aus unserer Truppe noch ein paar Mal mehr.

Nichtsdestotrotz ist es Tatsache, dass wir über den Grund des Meeres, das Wattenmeer gelaufen sind. Ganze neun Kilometer vom Festland aus zur Insel Neuwerk und nach kurzem Aufenthalt wieder zurück.

Unser Cheforganisator Ralf hatte den Gezeitenkalender studiert und den gestrigen Sonntag für günstig auserkoren. So konnten wir gegen 13:45 Uhr die ersten Laufschritte ins Watt wagen. Zu diesem Zeitpunkt lief das Wasser noch kräftig ab und unsere Laufschritte wechselten immer wieder mal in den Gehmodus, wenn der Wasserstand an diversen Stellen noch kein Laufen zuließ. Einige der nachfolgenden Bildern machen deutlich wie hoch das Wasser teilweise noch stand. Aber es geht noch mehr, dazu aber später mehr.

Uns begegneten viele von den typischen Pferdekutschen, die zwischen Neuwerk und Cuxhaven pendeln, um all die Touristen trockenes Fußes zu transportieren, die nicht das Schiff nehmen wollen. Einige Reiter waren auch unterwegs, wie auch wenige Wattwanderer, die allerdings nur einen Weg schaffen, bevor das Wasser zurückkommt.

Durch das Wattenmeer, Nationalpark und Weltnaturerbe, zu laufen ist eine grandiose Sache. Die Wettläufigkeit, die im Sonnenlicht schillernde Nordsee, der nur auf den ersten Blick scheinbar leblose Wattboden mit seinen Prielen und kleineren Muschelbänken, das alles ist absolut die Wucht. Dazu kommt der enorme Spaßfaktor mit nassen Füssen durch Watt und Wasser zu laufen. Vergesst die Trails dieser Welt, DAS muß man erlebt haben ❗

Hier ein kleiner Eindruck, wie es sich so läuft:

Auf Neuwerk angekommen, geht es beschaulich zu. Lediglich am Fuße des wuchtigen Leuchtturms wimmelt es von Touristen, die auf die Kutschfahrt zum Festland warten. Die Mädels und Klaus beschlossen eine kurze Kaffeepause zu machen, währenddessen Ralf, Uli und meiner einer, die Insel noch zur Hälfte umrundeten.

Anschließend machten wir uns auf den Rückweg, folgten der letzten Kutsche des ganzen Trecks, der sich nach Cuxhaven aufgemacht hat. Nun hatten wir den leichten Wind im Rücken und es wurde richtig warm. Richtig warm war auch das Wasser. 14° Wassertemperatur stand in Cuxhaven angeschlagen. Das wenige Wasser im Wattenmeer war aber durch die Sonneneinstrahlung erheblich wärmer, was uns noch zu Gute kommen sollte.

So machte es überhaupt nichts, dass man sich durch die Laufschritte selber naßspritzte und die Versuchung war groß, da wo es tief genug war einfach mal kurz ein Bad zu nehmen.

Viel fehlte uns am tiefsten Priel dann aber auch nicht zu einem Bad in den Fluten. Da wo wir auf dem Hinweg noch mit trockenen Klamotten davongekommen waren, mußten wir wohl eine etwas tiefere Stelle erwischt haben und so ging es tiefer ins Wasser und tiefer und noch tiefer. Schlußendlich stapften wir durch hüfthohes Wasser. So hoch hatte auch unser erfahrenster Wattenläufer Ralf das Wasser dort noch nicht erlebt. Gut, dass uns das Wasser und anschließend die Luft noch nicht einmal ein Frösteln entlockte.

Schlußendlich sind wir alle gut durchgekommen und nach Schuhpflege und Klamottenwechsel, gab es statt Torte mal ein Eis 😀

Das war gestern wirklich der Hammer, ein allerfeinster Lauf bei traumhaften Bedingungen. Das schreit danach der (Meeres-)Sache gelegentlich noch einmal wieder auf den Grund zu gehen!

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30 Kommentare zu “Der Sache auf den Grund gehen

    • Lieber Rainer,

      es ist ein außergewöhnliches Erlebnis, dass macht man schließlich nicht alle Tage 😀 Und der Spaßfaktor sprengt jede Szala ❗

      Liebe Grüße
      Volker

  1. Hättet ihr Teile der Strecke nicht besser schwimmend zurücklegen sollen? Das ist doch mindestens Aquajogging 🙂

  2. Hi Volker! 😃 Wow, das sieht ja nach einem richtig tollem Erlebnis aus! Das es jede Menge Spaß gemacht hat sieht man euch an! 😃 👍 Ich finde das echt klasse, was für außergewöhnliche Läufe ihr realisiert. LG, Susanne ☺

    • Die Realisation solcher Läufe haben wir Ralf zu verdanken, der diese immer mit viel Engagement und Spaß auf die Beine stellt. Und bei solchen Läufen, die mal so richtig Abwechselung in den Laufalltag bringen, muß ich natürlich dabei sein 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker,
    nettes Abenteuer mit einem Hauch Gefahr, aber deshalb gleich zu fordern die Trails zu vergessen? Übertreib es nicht 🙂

    Salut

    • Lieber Christian,

      der Hauch von Gefahr war zum Glück wirklich überschaubar 😉

      Na gut, dann behalte die Trails halt in guter Erinnerung 😛

      Moin Moin
      Volker

  4. „Der Taucher“ – blubblubblub, weg war er! 😉 Wenn du ahnt hättest, das du evtl. schwimmen musst, wärst du vermutlich nicht mit und dir wäre ein Heidenspaß entgangen. Tolles Abenteuer, lieber Volker!

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Liebe Anne,

      Schwimmen ist auf der Strecke nicht üblich, sonst hätte ich natürlich die Finger oder, besser gesagt, die Füße davon gelassen 😆

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    also da könnte man locker einen Triathlon draus machen: Laufen, Schwimmen und Aquajoggen 😆
    Deine Bilder und Videos sind schon echt beeindruckend. Eine tolle unwirkliche Landschaft für einen Lauf. Ich allerdings hätte da glaube ich den Pferderücken bevorzugt 🙂
    Bekommst du keine Probleme mit den Füßen (Blasen) wenn du so in Wasser und Schlamm rumläufst?
    Obwohl, du bist ein Deichläufer, da gehört das wohl so 😉
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      wenn man will kann man da sogar einen echten Triathlon von machen, beim letzten Mal hatte ich da auch so ein Fatbike gesehen 😎

      Ich habe noch nie auf einem Pferderücken gesessen, von daher weiß ich nicht, ob dass eine Alternative zum Laufen ist 🙄

      Nein, Blasen bekommt man tatsächlich keine, aber die Achillessehnen ächzen ganz schön unter der Belastung. Die spürt der Deichläufer heute noch 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Moin Volker,
    watt für’n Lauf, sage ich da nur! Das würde mich ja einerseits auch sehr reizen, weil es so ein außergewöhnliches Terrain ist. Aber beim Anblick der letzten Bilder (die vor dem Eis), da hätte ich sicher mit leichter Panik zu tun… Meine technische Frage (Blasen?) hast Du schon bei Helge beantwortet.
    Auf alle Fälle: Klasse! Sieht man ja auch an Deinem unbändigen Grinsegesicht 🙂
    Wieviele km waren es denn insgesamt?
    Liebe Grüße
    Elke

    • Moin Elke,

      also, wie ich geschrieben habe, das Wasser war an der Stelle schon ungewöhnlich hoch, normalerweise ist es nicht höher als im ersten Bilderblog zu sehen. Wenn Socken und Schuhe gut sitzen hat man in Sachen Blasen nichts zu befürchten.

      Insgesamt war es ziemlich genau ein Halbmarathon. Füllt sich aber noch mehr an 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Hi Volker!
    Wow ziemlich cooler Lauf, das ist ja mal was ganz anderes. Wieviel Zeit hattet Ihr denn da bis das Wasser wieder zurück ist. Ein Wettlauf gegen das Meer, das ist spannend!
    Lg Andi

    • Moin Andi,

      mehr Kontrastprogramm zu Deinen Bergtouren geht nicht, gelle? 😀

      Binnen maximal vier Stunden sollte man mit der Nummer schon durch sein, wenn man entspannt bleiben will.

      LG Volker

  8. Lieber Volker,
    ich dachte, dass ihr zu einer Insel und nicht nach Hamburg unterwegs wart! 😆
    Wandernd war ich schon im Watt unterwegs, aber das ganzs laufend zu erleben fehlt mir noch! Trotzdem verzichte auch ich nicht auf die Trails. 😉
    LG Manfred

    • Sag bloß Du wußtest nicht, dass Hamburg eine Insel ist, lieber Manfred! 😛

      Hier braucht niemand auf irgendetwas zu verzichten, zumal das Wattenmeer für Dich ja recht weit weg ist 😉

      LG Volker

  9. Das ist ja wirklich was einzigartiges für uns Österreichisches Bergvolk.
    Coole Sache und scheint echt Spaß zu machen. Sollte ich es mal so weit in den Norden schaffen, dass wär schon was. Da könnte man direkt etwas angeben damit bei uns 😉
    Ach ja, ihr habt die tiefste Priel und wir den Großen Priel unser Landeshöchster in Oberösterreich…..

    • Eigentlich sind wir doch gar nicht so weit auseinander. Wenn ich richtig informiert bin, waren die Alpen doch auch irgendwann mal Meeresgrund 😀 Deshalb wohl auch die Namensverwandtschaft zwischen Priel und Großen Priel :mrgreen:

      Wenn Du mal angeben möchtest, laß es mich wissen. Ich laufe gerne mit Dir durchs Watt! 🙂

      VGV

  10. Mal wieder ein toller Bericht, Volker. Als wäre man dabei gewesen. 😉 Und du hast mal wieder recht: was nützen die tollen GoreTex Membran in den Laufschuhen, wenn die nicht mal einen Meter Wassersäule aushalten – dann doch lieber barfuß laufen.

    • Danke Dir, Ralf!

      Komm doch das nächste Mal einfach mal mit 😆

      Sag ich doch, dieses ganze High tech-Material wird hoffnungslos überschätzt 🙂

      LG Volker

  11. Lieber Volker,
    es wird, es wird! 😀
    Letztes Jahr bist du noch knietief durch die Fluten gestapft, heuer schon hüfttief und wenn dir das Wasser nächstes Jahr über die Schultern schwappt, wird eine neue Swim-Run Gruppe in der Nähe von Oldenburg geboren sein! 😆
    Immer wieder toll, von dieser Meeresquerung zu lesen… hach!! 🙂

    • Liebe Doris,

      dann kannst Du mir für nächstes Jahr ja schon einmal Deinen Neopren leihen 😆

      Ich würde Dich so gerne einmal mitnehmen!

      Liebe Grüße
      Volker

  12. Hey Volker, das ist ja mal eine echt geniale Aktion…absolut genial.
    Auch wenn ich die Berge mehr mag, aber solch einen Meeresgrund-Lauf würde ich auch mal machen. Ziemlich abenteuerlich!

    Viele Grüße aus den Bergen

    Steve

    • Dann auf in den Norden, Steve.
      Aber vorsicht, nachher magst Du es gar nicht mehr missen :mrgreen:
      VGV

  13. Lieber Volker,

    unglaublich wie du immer eigentlich eintönige Landschaften so schön ins Bild bringst. Da will man doch gleich in den Flachen Norden und stundenlang durch Sonne und Wattmatsch laufen ;).
    Wirklich eine geniale Aktion – ich bin ganz neidisch vor allem auf das Eis ;).

    Liebe Grüße!

    • Liebe Roni,

      dass ist einfach die Liebe zu meiner Heimat und zur Region, die ich damit zum Ausdruck bringe. Schön, dass es rüberkommt 😀

      Eis? Neidisch? Gibt es in den USA etwa kein Eis? Kann ich ja gar nicht glauben 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  14. Moin Volker, das ist mal eine wirklich ziemlich tolle Aktion, statt Kneipp-Kur einfach durchs Watt laufen. Der Barfuß-Freund fragt sich natürlich: wäre das nicht eine perfekte Barfuß-Laufstrecke? Oder liegt da viel unerkanntes scharfes Zeug rum?
    Beste Grüße vom Rhein, Oliver

    • Moin Oliver,

      der Barfußwunsch keimte diesmal bei mir auch auf. Gelaufen bin ich die Strecke aber schon mal in Barfußschuhen, allerdings quittieren meine Achillessehnen solche Strecke mit 0 mm Sprengung noch recht gestreßt.

      Ansonsten läßt sich die Strecke bis auf vielleicht 300 oder 400 m sehr gut barfuß laufen. Auf diesen 300 bis 400 m ist der Untergrund komplett steinig, etwas zu sehen auf den Bildern mit den Nummern 3 bis 5.

      Viele Grüße zurück von der Hunte
      Volker

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