Es bleibt wichtig auf die Straße zu gehen

Der CSD Nordwest 2017 am gestrigen Tag war mit Abstand der bislang größte in seiner 23-jährigen Geschichte. Über 30 Gruppen und Wagen haben daran teilgenommen um ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung zu setzen. Das dies immer noch nötig ist, macht gerade die jüngste Zeit deutlich, in der Populismus weltweit wieder die Oberhand gewonnen hat, wo sich in der laufenden Legislaturperiode die Bundesregierung 47 mal zum Punkt „Ehe für alle“ vertagt hat und wo in vielen Ländern dieser Welt Homosexuelle immer noch um ihre Freiheit und schlimmstenfalls um ihr Leben fürchten müssen.

Dass Oldenburg laut Aussage des Orgateams dieses Jahr zum fünftgrößten CSD nach Köln, Berlin, Hamburg und Stuttgart aufgestiegen ist, zeigt zwar auf großartige Weise, wie aufgeschlossen diese Stadt ist. Ebenso, dass in diesem Jahr erstmals zwei Schulen, die IGS Kreyenbrück und die Helene-Lange-Schule, sowie die evangelische Kirche teilgenommen haben. Aber auch hier gab es während der Demonstration z. B.  aus Linienbussen heraus noch Stinkefinger zu sehen. Man wird nie alle erreichen können, aber es zeigt deutlich, dass weiterhin Aufmerksamkeit gefordert ist und dass wir auf der Hut sein müssen, damit es keine Rückschritte gibt.

Von daher heißt es nach wie vor Flagge zu zeigen …

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… und auf die Straße zu gehen, sich zu zeigen, zu protestieren und zu fordern. In betont, bekannter Art und Weise: Bunt, schrill, laut und friedlich!

Sich darüber freuen, in was für einer tollen und aufgeschlossenen Stadt wir leben.

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Aufmerksamkeit erregen, den Verkehr lahmlegen, zu erleben, dass die Polizei bei einer Demonstration mit abertausend Teilnehmern nichts anderes zu tun hat als den Verkehr zu regeln.

Nach der Demonstration gilt es bei der Abschlußkundgebung auf dem Schloßplatz den Reden zuzuhören und danach sich und das Leben, die Buntheit und die Friedfertigkeit zu feiern.

Und nach einem langen Tag im Stamm-Restaurant verbrauchte Energien wieder aufzufüllen.

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Es war ein großartiger Tag, der hoffentlich auch Menschen in anderen Ländern Mut macht und Zuspruch gibt. Ihr seid nicht allein!

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14 Kommentare zu “Es bleibt wichtig auf die Straße zu gehen

  1. Wow, lieber Volker, da war ja mächtig was gebacken bei Euch! Da braucht Ihr Euch wirklich nicht hinter den anderen „großen“ CSD’s verstecken! Und gut, wenn Menschen für ihre Übezeugung Flagge zeigen!
    Carpe that f*ing Diem!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      dass ist das Ergebnis jahrelanger, mühevoller Arbeit, die in Oldenburg nie den Blick auf den demonstrativen und politischen Charater verloren hat und ich bin stolz darauf einmal gute vier Jahre intensiv meine Finger dabei im Spiel gehabt zu haben.

      Deshalb carpe that f*cking Diem, nicht nur den einen! 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Lieber Volker,
    Flagge zeigen und wie Du geschrieben hast, auf die Strasse zu gehen für die Rechte eines jeden Menschen, egal welche Religion, sexuelle Ausrichtung oder Herkunft ist leider immer noch notwendig, insbesondere nach dem „der Führer der freien Welt“ ein Reaktionär, Kriegstreiber und ein konservativ verstocktes Ar*****ch ist.
    Gut gemacht…und ihr beiden seht richtig nett aus in dem Getümmel 🙂

    Salut

    • Lieber Christian,

      es gibt leider noch so viele Felder, die noch Jahre und Jahrzehnte beackert werden müssen. Ich glaube, dass wird auch nie aufhören können :-/

      Das A***loch ist leider auch das Ergebnis eines politischen Etablissement, dass die Menschen nicht mehr anspricht und auf der Strecke läßt. Es stellt sich die Frage, wie die Menschen darauf reagieren und welche Schlußfolgerungen es für sie gibt, wenn sie merken, dass dieser Idiot auch nichts geregelt kriegt.

      Mir dreht sich z. B. aktuell der Magen um, wenn ich in die Niederlande schaue. Da ist das Volk so vernünftig gewesen dem rechten Populismus bei der Wahl eine Absage zu geben und zum Dank kriegen es die demokratischen Parteien nicht geschissen eine Regierung auf die Beine zu stellen. Wen oder was also sollen die Niederländer also denn bei den nächsten Wahlen wählen? Es ist zum Verzweifeln.

      Moin Moin
      Volker

  3. In der „Metropole“ Oldenburg werden klare Statements gesetzt, sehr schön! Eigentlich ist es jammerschade, dass es nach wie vor solche Veranstaltungen geben muss. Aber die Welt ist eben wie sie ist. Deshalb: Super, weiter so, Zeichen setzen! Und dabei auch noch Spaß haben 🙂
    Beste Grüße, Oliver

    • Die Welt ist eben wie sie ist. Und ist das eine erreicht, tun sich sofort neue Problemfelder auf oder es gibt wieder Rückschritte in längst überwunden geglaubte, finstere Zeiten. Die Menschen wach zu halten ist eine Sisyphusarbeit, in allen Bereichen. Aber sie ist alternativlos.

      Viele Grüße aus der Metropole Oldenburg 😀
      Volker

  4. Politisch würde mir ja besser gefallen, wenn es „Ehe für keinen“ gäbe bzw. diese nicht mehr steuerlich begünstigt und mit politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen belegt würde. Und jede(r) dürfte mit welchen wie auch immer gearteten Riten und Zeichen untermalt zusammenleben mit wem er oder sie will, so alle Beteiligten erwachsen und einverstanden sind. Das Maß für Unterstützung sollte die Hilfs- und Förderbedürftigkeit sein. Ob es dann einigen, die es noch nicht können, leichter fiele, tolerant auch gegenüber Minderheiten zu sein? Keine Ahnung – aber es würde vielleicht die Themenknoten entwirren?

    MIt bunten, lauten Straßenumzügen kann ich ja eigentlich nix anfangen – aber in dem Fall mag das Ziel (wobei ich offen gesagt eher nicht glaube, dass diese Art der Öffentlichkeitsauftritte negativ eingestellte Leute umdenken lässt – vielleicht sogar im Gegenteil) die Mittel heiligen und Hauptsache, es hat Spaß gemacht und zeigt, dass die Minderheit so klein gar nicht ist 😉

    • Grundsätzlich ist der Gedanke der Ehe für keinen sicher eine Überlegung wert, rein vom Ideal her würde ich das sogar unterstützen. Aber es sind nun mal Werte und moralische Vorstellungen, die eine Gesellschaft zusammenhalten oder diese sogar ausmachen. Der Mensch strebt nach Orientierung und Halt und da ist ein Konstrukt wie die Ehe etwas, das eben auch das bietet.

      Negativ eingestellte Leute, die auf ihrer Meinung beharren wollen, erreicht man wohl mit keinen Mitteln, dass habe ich ja auch geschrieben. Aber eine Veränderung in der generellen öffentlichen Wahrnehmung hat es definitiv gegeben. Als Beispiel kann ich die Berichterstattung in der örtlichen Presse nennen. Von erst gar nicht, bis negativ ablehnend hat sich das zur heutigen offen, positiven und sehr ausführlichen Berichterstattung gewandelt. Der CSD ist heute in Oldenburg verankert und in jedem Veranstaltungskalender gelistet. Seit einigen Jahren marschieren unsere Oberbürgermeister vorweg. Es gibt einen Gottesdienst zum CSD, im Staatstheater eine Gala. Die Parteien beteiligen sich an Podiumsdiskussioen. Wir erreichen nun auf verschiedensten Kanälen Menschen, die wir sonst nie erreichen konnten. Seinen Ursprung hat all dies in der bunten und lauten Demonstration.

      Und die Demonstration zeigt in der Tat, dass die Minderheit gar nicht so klein ist. Auch das könnte, mit etwas Glück, den einen oder anderen noch zum Nachdenken bringen 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    ja das bleibt es! Soll ich schreiben leider? Ja schon. Dass es noch immer notwendig ist, für Menschenrechte aufzustehen und Flagge zu zeigen ist einerseits traurig und bedenklich. Andererseits sind solche Aktionen/Veranstaltungen aber auch extrem energiegeladen und kraftvoll. Daraus können sicher viele Teilnehmer – und wir anderen, die die tolle Stimmung „nur“ aus deinen Fotos rausspüren dürfen – Kraft schöpfen! 🙂
    Super Bericht!! 😀

    • Liebe Doris,

      soll man aufgrund der nicht endenden Notwendigkeit lieber den Kopf in den Sand stecken und sich ins stille Kämmerlein zurückziehen? Dann haben die anderen gewonnen.

      Ja, ich denke auch, dass diese Veranstaltung auch vielen „betroffenen“ Menschen Kraft und Mut gibt.

      Danke für das Kompliment! 🙂
      Volker

  6. Lieber Volker,
    schade, das die Menschen das nicht überall so feiern können. Schade, das es so viele Orte auf der Welt gibt, wo irgendein Schwachkopf meint, festlegen und bestimmen zu dürfen, wie die Gefühle eines Menschen auszusehen haben.
    Der Hund mit Krawatte und das „CSD statt AFD“ gefallen mir am besten 😆
    Ich finde es Klasse das Menschen für eine gute und richtige Sache auf die Strasse gehen.
    Auch wenn es grundsätzlich traurig ist, das es noch so sein muss.
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      ach es ist gar nicht immer nur irgendein Schwachkopf, es sind vielmehr verknöcheter gesellschaftliche Ansichten, verbunden mit überholten Moralverstellungen. Kommt denn noch so ein Schwachkopf obendrauf, dann trauen sich nur plötzlich die ewig Gestrigen wieder aus der Deckung.

      Ob sich das noch einmal grundlegend ändern wird, bevor wir unserem Planeten auf ganz andere Art und Weise den Garaus gemacht haben, wage ich zu bezweifeln.

      Aber solange wir noch fröhlich und friedlich gegen Missstände angehen können, besteht vielleicht doch noch Hoffnung.

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,
    Buntheit und Friedfertigkeit feiern, immer guuuut! – Diese zunehmende „Kriegsfertigkeit“ nervt und natürlich nervt auch diese Intoleranz, die jetzt anscheinend wieder hoffähig geworden ist. 😥
    Dran bleiben, da es bestimmte „Idis“ immer geben wird und mein über. 40 Jahre alter Jugendtraum auch nie erfüllt werden wird, nämlich dass das Reaktionäre ausstirbt. 😳
    Eine der besten Parolen ist: CSD statt AFD!!!!
    Es wird nötig sein, dran zu bleiben, aber da braucht man sich bei euch keine Sorgen zu machen! 😉
    Alles Gute und
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      man muß sich wundern, wie schnell so ein Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten gehen kann. Deshalb kann ich Deiner Aussage, dass es nötig sein wird, dran zu bleiben, nur zustimmen.

      Wenn man das auf diese fröhliche und friedliche Art und Weise machen kann, fällt es aber zum Glück auch nicht schwer.

      LG Volker

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