Ein schlechtes Omen

Diesem Post hätte ich aber auch noch andere Titel geben können. „Regen sichtbar machen“ z. B. oder „Der der gegen den Wind läuft“ oder „Sturzfluten“, warum es aber zu diesem Titel gekommen ist, erkläre ich noch im Folgenden.

Gestern bin ich in meinem Urlaub heldenhaft schon um 6:30 Uhr aufgestanden um noch einmal einen finalen, langen Lauf vor dem Marathon zu machen. Dabei wollte ich endlich erstmals das Rantum-Becken umrunden, mit Anlauf von Hörnum sollten so 34 km zusammenkommen.

Einen Pott Tee und einen Vla später ging ich dann pünktlich zum Ende eines kräftigen Regengusses auf Strecke. Die Trockenheit wärte ungefähr neun Kilometer lang. Was mich allerdings dann an Regen überschüttete, suchte selbst für meinen Geschmack nach seines Gleichen. In dichten Vorhängen peitschten Böen der Stärke 9 den Regen über die Insel. Ich behaupte ja in Sachen Wetter nicht wirklich von Zucker zu sein, aber die sich gerade bietende Gelegenheit in einer Rasthütte unterzuschlüpfen mochte ich mir dann doch nicht entgehen lassen.

Ein paar Minuten später endete der Weltuntergang und es ging weiter. Meinen bis dahin etwas flauen Magen hatte ich darüber inzwischen ganz vergessen. Am Rantum-Becken angekommen, warf ich noch einmal einen prüfenden Blick gen Himmel, weil ich auf dem ausgesetzten Deich nicht noch einmal in so eine stürmische Sturzflut geraten wollte. Es sah gut aus. Dafür pfiff der Wind hier wirklich ordentlich …

… und plötzlich vermisste ich meine Sonnenbrille. Sch…., ich hänge an dem Ding und vermutete, dass der Wind sie mir auf dem Deich des Rantum-Beckens vom Kopf gerissen hat. In der vagen Hoffnung sie wiederzufinden, trabte ich die bislang auf ihm zurückgelegten 1,5 km mit suchenden Blicken wieder zurück. Leider tauchte sie nicht wieder auf. Wieder am Anfang des Deiches angekommen, fand ich die Brille dann allerdings in der Kapuze meiner Jacke. Oh mann, beim Regenguss hatte ich mir die Kapuze übergetan und in der Hütte wieder runtergeschlagen, wohl schon seit da ruhte die Sonnenbrille in meinem Nacken. Da konnte ich das Schild, vor dem ich gerade stand, nur wörtlich nehmen 😀

Die Rantum-Beckenumrundung hatte ich dann auch gleich gecancelt. 37 km wären mir dann doch, auch zeitlich, zuviel des Guten geworden. Alternativ lief ich durch den Rantumer Hafen und an den Rantumer Weststrand. Seit der Wende auf dem Deich hatte ich allerdings den Wind nun von vorne.

Kurz vor Puan Klent verfinstere sich der Himmel erneut und nochmals öffnete der Himmel seine Schleusen, gepaart mit eiskaltem, heftigem Sturmböen. Und wieder meinte das Schicksal es gut mir, in Form einer …. Telefonzelle! 😆 Das es so etwas noch gibt und dann auch noch genau da, wo ich sie gebrauchen konnte, cool 😎

Dem dritten Guss entging ich dann allerdings nicht und ich war froh, dass ich meine Sonnenbrille wiedergefunden hatte, sie diente mir als Schutzschild vor den wie Hagel einschlagenden Regentropfen. Der Wind drückte mein Tempo über die letzten Kilometer schon fast auf 7er-Schnitt.

Allmählich näherte ich mich wieder Hörnum und die Uhr sich den 30 km. Ich bog noch ab auf die „Serpentine“ über die Düne zum Weststrand und kurvte noch durch die dünenbedingt hügelige Kersig-Siedling mit ihren schmucken Reetdachhäuschen.

Dann, obwohl nur noch 400 m vor zuhause und der Vollendung von 32 km, ließ mich Unwetter Nr. 4 nochmals Unterschlupf suchen.

11.09. 22

Regen sichtbar gemacht

Auch dieses überstanden, trabte ich unter Jens staunenden Augen an unserem Domizil vorbei, weil noch 150 m fehlten 😀 und der außergewöhnliche Lauf war zu Ende.

Ich bin noch die Erklärung für den Titel schuldig: Die gestrigen 32 km mit ca. 15 km stürmischen Gegenwind bis zur Stärke 9 auf einer auch nicht ganz topfebenen Insel liefen super und problemlos.

Was ist daran nun ein schlechtes Omen? Nun, in der Regel wird im Vorfeld gerne auf eine schwierige Vorbereitung verwiesen um die Erwartungshaltung zu dämpfen und dann im Marathon zu glänzen. Wenn es jetzt aber beim letzten langen Brummer nichts meckern gibt, dann kann das doch für den Marathon nichts gutes bedeuten, oder? So habe ich aber auch schon einmal meine Entschuldigung 😛

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20 Kommentare zu “Ein schlechtes Omen

  1. Gut gekämpft und wohl mal völlig zurecht bei Regen unter gestanden wenn ich das letzte Bild so sehe. Wobei, gerade am Ende hättest doch nass werden dürfen 😉

    • Danke, Markus.

      Der Regen war jedesmal so und es reichte wirklich, dass er mich nur einmal voll erwischt hat. Da braucht es nur Sekunden für die völlige Durchnässung 🙂

      Zum Ende hatte ich keinen Bock die Ferienwohnung völlig vollzutropfen 😉

      VGV

  2. Moin Volker,
    mannomann, was für ein Wetter! Aber Pause in einer Telefonzelle, *lach*, das ist so eine echt lustige Deichläufernummer!
    Bis zum Ende habe ich ja gerätselt, wieso das denn nun so ein Omen sein sollte, wo Du doch den Unbillen und Urgewalten getrotzt hast. Aber ok, der letzte Satzt klärt auf. Mist, da hätte ich gestern statt zwischen Kurzgewitter und Schauer besser während des Regens die Haxen geschwungen!
    Schöne Bilder, ich freue mich auf Januar da oben!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Moin Elke,

      erst stand ich bei der Telefonzelle unter ein paar Bäumen, aber bei den Sturzfluten waren die doch schnell etwas überfordert. Zum Glück wollte in den Minuten niemand telefonieren 😛

      Du bist im Januar hier oben? Apropos: ich habe die Anmeldung für den Sylt-Lauf im März verpaßt, dass macht mich etwas traurig 😦

      Liebe Grüße
      Volker

      • Ah, wie dumm von mir, dann meinte ich März, zum Syltlauf. Januar war ja der andere Lauf hier bei uns. Du hast die Anmeldung verpasst? Nun ja, ein wenig eigennützig würde ich mal sagen, kein Problem, wir nehmen auch noch gute Supporter ins Team 😉
        LG
        Elke

      • Wir sind am überlegen, ob wir trotzdem eine Woche im März auf Sylt einschieben. Die (laufende) Bedienung in unserem Lieblingsrestaurant erzählte mir, dass man eigentlich immer noch bei der Pastaparty am Vorabend einen zurückgebenen Startplatz bekommt.

        Ansonsten könnte ich tatsächlich den Supporter übernehmen 🙂

        Liebe Grüße
        Volker

      • Hey, das wäre doch schön, wenn wir uns dann sehen würden! Das mit dem Support war spaßeshalber gemeint, aber wenn Du irgendwo an der Strecke ein Händchen für uns rühren würdest, würden wir uns freuen. Außer, Du läufst mit, das wäre noch primaer!
        LG
        Elke

      • Ich gebe zu primaer fänd ich auch primaer, aber wenn ich nicht mitlaufen könnte und eh schon da bin, steht dem Supporten auch nichts im Wege 🙂

  3. Lieber Volker,
    hihi – Brille in Kapuze ist gut!! 😀
    Ansonsten: ja ok, jetzt hab ich nochmal gesehen, wie das geht mit den Regenfotos 😉 ich werde mich in Zukunft auch mal wieder daran versuchen.

    Hut (bzw. Kapuze) ab, dass du den Naturgewalten (ach sind die schöööön!) getrotzt hast und deinen langen runtergespult hast. Bei solchen Wetterextremen dürfen auch Telefonzellen, Schutzhütten und sonstige Hilfmittel verwendet werden, um nicht von der Strecke geweht zu werden! 😀 Ich finde aber eher, es ist ein gutes Omen, dass du heil nach Hause gekommen bist und nun kann beim Marahton nix mehr schief gehen! 🙂

    • Liebe Doris,

      Brille in Kapuze hat mir meinen Laufplan durchkreuzt! 😦

      Bei solchen Sturzfluten sind Regenfotos wirklich nicht so schwierig. Einhergehend mit dem Sturm wünsche ich Dir die Gelegenheit zu solchen Fotos gar nicht so schnell. Aber wer weiß, was die Hunte demnächst zu bieten hat 😀

      Omen hin oder her, die Wahrheit wird sich in Berlin zeigen. Vielleicht habe ich ja Glück, dass das Wetter dort nicht so garstig ist und ich mich nicht zu Mutti ins Kanzleramt flüchten muß 😆

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Hi Volker!
    Geiler Lauf 😊
    Aber ich denke auch bei gutem Wetter hättest du ein paar Ausreden für den Marathon. Mit Antibiotikum in der Vorbereitung ist’s ja auch nicht so spaßig…wie läufts denn damit?
    Übrigens bin ich auch grad am Meer. Zwar in Italien, aber auch zum Teil bei rauhem Wetter. Aber das hat schon was! Leider hab ich grad wieder mal Laufpause…
    Lg Andi

    • Moin Andi,

      Du hast recht, es gab schon ein paar Widrigkeiten in der Vorbereitung. Seit einer Woche bin ich mit dem Antibiotikum durch. Zum Glück konnte ich trotz Anitbiotikum normal laufen, auch lange Strecken, wenn auch im niedrigen Belastungsbereich. Das wird sich auch auf den Marathon auswirken, ich denke es wird mein langsamster sein. Das ist mir aber vollkommen egal.

      Rauhes Wetter auch in Italien? Oha 😯 Aber schön, wenn Du ihm auch etwas abgewinnen kannst.

      Immer noch kein Laufen? Das hält Dich aber schon echt lange in Atem 😦 Aber dafür konntest Du immerhin einige geniale Bergtouren machen!

      LG Volker

  5. Lieber Volker,
    cool deine Ausreden- Erklärung 😆
    Aber ich drücke die Daumen das du sie gar nicht brauchen wirst 🙂
    Fakt ist: sollte während des Marathons ein böser Sturm aufziehen, dich wird es nicht erschrecken 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      ich will eben auch meine Ausrede haben! 🙂

      Sollte in Berlin ein böser Sturm ausziehen, werde ich mich auch irgendwo unterstellen. Im Kanzleramt vielleicht. Oder in der türkischen Botschaft, falls das Unwetter länger dauert 😛

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Moin Volker, heftig, die Bilder sehen ja teilweise aus wie mitten im November … hier stürmt und regnet es heute zwar auch, aber recht warm, keine Regenjacke nötig. Trotzdem eine tolle Laufgegend da für dich und du hast den +30er voll gemacht, passt doch alles. Berlin wird dann eben einfach durchgelaufen, ohne Regenpausen.
    Früher hieß es übrigens: „Telefonzellen retten Leben“ … jetzt weißte wieso 😉
    Liebe Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      also für September ist die Wetterlage schon ungewöhnlich, erstrecht heute, wo ein ausgewachsener Herbststurm über die Insel braust. Dazu schreibe ich gerade, Hammer!

      Ohne Regenjacke wäre ich gestern echt verfroren, bei den Sturzfluten wurde es richtig kalt.

      Traurig, dass die Lebensretter heute gar nicht mehr gebraucht werden, an diese Art der Lebensrettung denkt wohl offensichtlich keiner 😉

      Berlin versuche ich dann mal durchzulaufen, schaun wir mal 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,
    du hast doch solche Ausreden gar nicht nötig! 😉
    Aber ihr habt euch schon ein „schönes“ Wetter ausgesucht!? – Wenigstens biste jetzt so richtig gewappnet, falls dich Mutti nicht in ihr Amt lässt! 😆
    Was ist denn ein >Vla<?
    LG Manfred

    P.S.: hab mich jetze wieder kenntlich gemacht; schreibe an nem Schul-PC inner Freistunde

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