Beton

Vor ein paar Wochen hatte ich mal mein Laufschuhregal aus- und umsortiert. Die minimalen Treter haben den prominensten Platz bekommen, einige meiner bisherigen Laufschuhe sind etwas ins Abseits geschoben worden und noch weitere von ihnen erst einmal in einem Plastiksack zwischengelagert, da ich mich doch noch nicht traue ihnen gänzlich den Laufpaß zu geben.

Bei dieser Räumerei habe ich Bauklötze gestaunt, wie schwer auf einmal meine bisherigen Lauffavoriten im Vergleich zu den Minimalen sind. Was ich jahrelang gut und gerne an den Füßen gehabt habe, kommt mir auf einmal vor, als könnte mich die Mafia damit im nächsten See versenken 😛

Die fluffigsten Flitzer, die ich besitze, sind zusammen nicht so schwer wie jeweils einer meiner bisherigen Lieblingslaufschuhe. Zugeben, der Vergleich ist vielleicht etwas böse, weil meine klassischen Laufschuhe aufgrund ihrer üppigen Dämpfung auch nicht gerade zu den leichtesten ihrer Gattung gehören und auch nicht alles Minimale so leicht ist wie die V-Runs, aber der Unterschied ist grundsätzlich schon eklatant.

Wenn ich denn noch bedenke, dass ich mich immer darüber gefreut habe, wieviel leichter meine Laufschuhe im Vergleich zu meinen normalen Straßenschuhen waren, bin ich sehr froh auch im Alltag auf minimale Schuhe bzw. soviel es geht barfuß umgestiegen zu sein.

Irgendwie drängt sich mir inzwischen immer mehr der Verdacht auf, dass das mit den normalen Schuhen, egal ob Straße oder Lauf, nicht so ganz im Sinne des menschlichen Anatomieerfinders sein kann 😯 Weil nicht nur beim Laufen hat sich mein Laufstil und die Körperhaltung verändert, sondern auch im Alltag, wo ich nun gefühlt gerader durchs Leben laufe, von der Freiheit der Füße ohne Klötze bzw. mal ganz ohne irgendwas sein zu dürfen mal ganz abgesehen.

Irgendwie hört sich das jetzt alles nach einem Plädoyer, nach einem Aufruf, nach Weltverbesserung an, dass will ich eigentlich gar nicht, sondern eigentlich nur ganz bescheiden mitteilen, wie oberaffengeil gut mir das Ganze bis hierher einfach tut 😀

 

 

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34 Kommentare zu “Beton

  1. Lieber Volker,

    wie wahr und es freut mich, dass Du es auch so siehst. Seit 2010 pflege ich das Laufen mit den VFFs und knapp ein Jahr später kamen die Alltagsschuhe dazu bzw. die schweren Klötze in den Mülleimer. Ich wünsche Dir, dass Du auch weiter nur Positives erfährst…denn meine Mittelfussfraktur 2012 war Folge des „zu schnell zu wenig Schuh“ Hypes, dem ich erlegen bin 🤪

    Salut

    • Lieber Christian,

      ich hatte es auf einen Kommentar vom Rainer zu meiner Jahresbilanz so ausgedrückt:

      „Was den Umstieg angeht, man kann einen Weg nur gehen, indem man ihn geht und es läßt sich ja leider nicht jedes Risiko ausschließen. Und die Erfahrung, dass Laufverletzungen sich nicht auf Minimal beschränken, habe ich in den letzten Jahren auch oft genug machen müssen. So gehe, bzw. laufe ich den Weg weiter und hoffe das Beste“

      Ich hoffe also weiter das Beste in dem Sinne, dass ich versuche nicht zu schnell zu viel zu wollen. Ich kann aber auch nicht in ständiger Angst vor so einer Verletzung laufen.Wenn es passieren sollte, wird es sicher einige „Siehste“-Sager geben. Damit muß ich dann eben zusätzlich leben.

      Moin Moin
      Volker

  2. Lieber Volker,

    nachdem sowohl Christian als auch Margitta mit Stressfrakturen Lehrgeld zahlen mussten, hoffe ich, dass du von derlei Unbill verschont bleibst und den oberaffengeilen Weg verletzungsfrei fortsetzen kannst. 🙂

    Bislang alles super. Nur – wenn ich ganz ehrlich sein darf – find ich die konventionellen Laufschuhe viel schöner und die Five Fingers einfach potthässlich und übertrieben auffällig. Über Leguanos, Merrell oder – im Alltag – Vivobarefoot etc. will ich aber nix gesagt haben. 🙂

    Liebe Grüße
    Anne

    • Liebe Anne,

      was das Lehrgeld angeht, sehe mir bitte nach, wenn ich auf meine Antwort auf Christians Kommentar verweise.

      Das wir konventionelle Laufschuhe schöner finden, ist sicher auch eine Sache der jahrelangen Gewöhnung. Wenn ich z. B. noch an die Kompressionsstrümpfe denke, die fand ich anfangs nur entsetzlich, heute sind sie sowas von Gewohnheit und ich trage sie sogar selber. Wer aber gar nicht auf die VFF kann, hat ja mittlerweile genügend andere Auswahl 😎

      Liebe Grüße
      Volker

      • Ich glaube, auch an Kompressionsstrümpfe werde ich mich nie gewöhnen. Ich find sie immer noch potthässlich … trage sie aber dennoch gelegentlich selbst! 😉 Die Hauptsache ist doch, wir fühlen uns wohl in und mit dem, was wir tun! 🙂

  3. Lieber Volker,
    zuallererst würde mich ja brennend interessieren, was du angestellt hast, dass die Mafia dich versenken will! 😉
    Ok zurück zum Thema: schon faszinierend, wie sich die Wahrnehmung ändern kann. Geht mir auch mit manchen Lauf“klötzen“ so, seit ich größtenteils auf leichtere Modelle umgestellt habe. Ich finde die Auswirkungen, die deine Umstellung mit sich bringen, jedenfalls spannend! 🙂

    • Liebe Doris,

      da braucht es ja nicht viel, den muß ja nur mein Gesicht nicht gefallen 😆

      Ich muß bei dem Thema aufpassen, dass ich nicht schon allzu sehr ins Referieren gerate. Schließlich gibt es speziell bei Minimal/Barfuß, gerade im Alltag, ja noch viel mehr Aspekte.

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins … Ach ne, das ist doch ein Roman und kein Titel für Laufschuhvergleiche 😉 wie auch immer. Es sei Dir gegönnt. Ich werde weiterhin Betonklötze durch die Welt schleppen, auch wenn es Leichtbeton ist … 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Lieber Rainer,

      wie geschrieben, auch bei den „Klötzen“ gibt es ja erhebliche Gewichtsunterschiede. Wobei mir gerade die leichten Klötze nicht gut bekommen sind. Die Paarung wenig Dämpfung und trotzdem über die Ferse abrollen war für mich äußerst unbekömmlich. Schlußendlich mit ein Grund für meine Umstellung.

      Ich war lange Zeit auch überzeugt, dass Minimal nichts für mich ist, gerade weil ich viel auf hartem Untergrund laufe. Umso erstaunter bin ich, wie gut das bislang funktioniert.

      Wichtig ist aber letztendlich nur, dass jeder seinen Weg findet und zufrieden und vorallem verletzungsfrei unterwegs ist.

      Liebe Grüße
      Volker

      • So ist es. Mir liegt auch fern, Kritik zu üben. In jedem Fall ist es sinnvoll, nicht über die Ferse zu laufen, das gilt für stabil wie für minimal.

        Liebe Grüße
        Rainer 😎

      • Konstruktive Kritik ist immer willkommen, lieber Rainer 😀

        Nicht über die Ferse zu laufen ist mir allerdings in den klassischen Laufschuhen mangels Gefühl einfach nicht gelungen :-/

        Liebe Grüße
        Volker

  5. Lieber Volker,
    was soll ich denn jetzt machen? – Losheulen? 😥
    Zum einen geht da nix mehr mit Umstellung auf minimal, ich brauche die „Unterstützung“ wegen des Hallux Rigidus und zum anderen muss ich Kompressionssocken tragen. Letzteres ist notwendig, da ich mit meiner Faktor-V-Mutation eine bis zu 10fache Thrombosegefahr habe.

    Nee, ich gönne es dir! – Geh deinen Weg und bleibe von Verletzungen verschont!
    Ich komme sehr gut mit meinen Tretern zurecht und teile gerne das „Schicksal“ mit Rainer 😆

    … und dann erst als Sportlehrer in der Sporthalle? – Da hat es ja noch einen Sicherheitsaspekt, zumal die Hallenschuhe nochmal schwerer als (normale) schwere Laufschuhe sind! 😳

    Ich tröste mich zudem damit, dass die Kleidung auch um ein Vielfaches leichter geworden ist. Ich habe noch mit Baumwollgemischen (T-Shirts) angefangen, die dann als Netzhemden hergestellt wurden, um sie leichter und luftiger zu machen … und … damit sie nicht sooo viel Schweiß aufsaugen konnten! 😎

    Also, erhalte dir deinen Spaß!
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      mein Schlußsatz dient doch extra dazu solche Tränen zu vermeiden 😉

      Es wird immer Gründe für die eine und die andere Richtung geben. Ich betone deshalb gerne noch einmal, dass meine augenblickliche Begeisterung nichts Missionarisches an sich haben soll.

      Eine 10-fach höhere Thrombosegefahr ist ja echt nicht ohne 😦 Da ist es für Dich ja wirklich ein Glück, dass die Kompressionsstrümpfe den Einzug in den Laufsport gehalten haben.

      Die Baumwoll-Ära war vor meiner Laufzeit, ich bin läuferisch mit der Funktionsfaser „groß“ geworden. Allerdings trage ich an extrem heißen Sommertagen gerne mal ein Baumwollleibchen, schweißgetränkt kühlt das so angenehm und man sieht wenigstens so prollig aus wie Rocky Balboa 😆

      LG Volker

      • Lieber Volker,
        alles gut! – Das mit dem Losheulen war nicht ganz ernst gemeint. Ich bin ja glücklich, dass ich überhaupt laufen kann! Alles andere ist untergeordnet! 😆
        Also, geh deinen Weg weiter und genieße das Sporteln, egal wie! 😎
        LG Manfred

      • Das will ich doch wirklich hoffen, dass das mit dem Losheulen nicht ernstgemeint war 😛

        Ich muß ja noch etwas warten mit dem Sporteln. wääääh 😦

      • Der Herr Dr. Güngerich, der damals wie eine Art Chinesische Wasserfolter das Thema bemühte … der hat mich beim Stadtlauf in Marburg damals barfuß abgehängt. Ich trug Schuhe – welche, das weiß ich nicht mehr, er lief barfuß. Wir trafen uns kurz und zufällig beim Abholen der Startutensilien und ich bin gespannt, ob er beim Lahntallauf im März auch wieder am Start sein wird. Einige seiner Schüler sicher – Hessen ist durch ihn und seine unermüdlichen Missonierungsbemühungen 😉 Barfußlauf-Eldorado geworden.

        Aber schon damals lief ich auch HM‘s – auch mehrere im Winter bei hart gefrorenem Boden und heftigen Minustemperaturen – in Wasserschläppchen. Gänzlich barfuß einen Wettkampf zu bestreiten, habe ich dann doch wieder abgeschrieben. Aber die Beachwalker gehören bei mir zum nicht mehr als besonders zu nennenden Laufstandard. Dass ich meinen längsten Ultra (Röntgenlauf 2011 über 63,3 km) in Minimalschuhen entlanggeschlappt bin, ist dir bekannt? Mit anderen hätte ich das niemals geschafft 😉

        https://powerlizzy.blogspot.de/2011/10/chill-dir-nen-ultra-rontgenlauf-2011.html

      • Ich hätte ahnen sollen, dass Dir der Herr Dr. Güngerich bekannt ist, mir ist er über die genannte Seite erst kürzlich über den Weg gelaufen 🙂

        Mir war bis dato weder bekannt, dass Du einen Ultra gelaufen bist, noch dass Du diesen in Minimalschuhen bewältigt hast. Liebe Lizzy, Du erstaunst mich noch immer wieder aufs Neue!

        2011 habe ich ja gerade mit der Bloggerei begonnen, da hatte ich Dich noch nicht auf dem Sender.

        Ich bin gespannt, was ich noch so alles nicht von Dir weiß, rein läuferisch natürlich! 😀

  6. Moin Volker,
    Du kommst ja auf interessante Laufschuhbetrachtungsvergleichsuntersuchungen 🙂 ! Ich freue mich für Dich, dass Du Dein Fußglück gefunden hast, so viele gute Erfahrungen machst und mögest Du vom Verletzungspech verschont bleiben. In Berlin ist sicher wieder der polnische Verkäufer. Während Du anprobierst, und strahlst, werde ich vielleicht auch nochmal anprobieren und entsetzt sein… Ich bleibe da eher meinen bevorzugten Schuhen treu, auch wenn ich zu Hause minimalistisch unterwegs bin.
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      ich finde das mit der Waage so schön sinnbildlich 🙂 Konkret in Gramm habe ich mir die Unterschiede noch nie angeschaut.

      „Fußglück“ ein witziges, aber auch passendes Wort.

      Mal schauen, ob wir wieder auf den polnischen Verkäufer treffen, ansonsten kann man die Schuhe auch im Internet bestellen. Allerdings könnten die noch daran arbeiten, dass die Schuhe in den ersten Wochen nicht so penetrant nach verbranntem Autoreifen stinken. Darüber hinaus bin ich mit den Schuhen aber hoch zufrieden.

      Zuhause minimalistisch unterwegs, ich sage nur wehret den Anfängen 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,
    die Methoden der Mafia ändern sich, deshalb können wir jetzt auch leichtere Schuhe tragen 😆
    Ich finde es einfach oberaffengeil das du so einen Spaß dran hast 🙂
    Das ist Hammer!
    Liebe Grüße
    Helge

  8. Moin Volker, für mich ist nichtmal unbedingt das Gewicht entscheidend, sondern das Laufverhalten. Ich laufe ja auch manchmal noch mit irgendwelchen anderen Schuhen zb Inov8, Altra oder Merrell, alles gute, leichte 0mm Schuhe. Aber sobald die VFF an den Füssen sind, oder eben barfuß, dann kommt eine gewisse Laufleichtigkeit ins Spiel die mich jedesmal flasht. Sowas kenn ich bei anderen Schuhen wirklich nicht. Sogar bei den roten Newtons (auch superleicht), bemerke ich die „Einschränkung“ den Fuß nicht einfach frei bewegen zu können.
    Und das ist es was mich so begeistert: mit jedem Schritt tut der Fuß das wozu er gebaut ist, nämlich sich optimal und energieschonend zu bewegen. Das fühlt sich „frei“ an.
    Irgendwie muß man scheinbar bei der Schuhwahl den richtigen Mix aus Sprengung, Gewicht und Dämpfung für sich selbst finden, dann läufts 🙂
    Viel Spaß weiterhin, machst das schon richtig so. Liebe Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      ich habe mir über das konkrete Gewicht von Laufschuhen auch nie ernsthaft Gedanken gemacht. Erst bei dieser Umräumaktion ist mir das mal so richtig aufgefallen.

      Nach meinem augenblicklichen Befinden möchte ich künftig nur noch in so leichten und so direkten Bodenkontakt vermittelnden Schuhen wie möglich. Über z. B. einen Merrell Trail Glove für wirklich schlechtes Gelände möchte ich nicht mehr hinausgehen.

      Darüberhinaus kann ich jedes Deiner Worte nur unterschreiben und danke Dir für Deinen fortwährenden Zuspruch! 🙂

      Ach Mist, irgendwie bekomme ich jetzt Megalust zu laufen. Aber ich muß mich ja noch etwas gedulden :-/

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,
    der Alltag nimmt langsam wieder seinen Lauf und ich melde mich zurück 😛
    Ich bin ja vor ein paar Jahren von „Schwer- auf Leichtbetonschuhe“ umgestiegen und es interessiert mich schon sehr in Richtung minimal zu gehen. Wie das wohl beim Berglauf geht…? 🙄 Aber auch Du hast Dich lange gewehrt, da Du viel auf hartem Untergrund unterwegs bist also denke ich, muss ich es einfach mal ausprobieren 😉
    Es freut mich auf jeden Fall sehr, dass es so gut bei Dir funktioniert und wünsche Dir weiterhin viel Spaß mit dem Hauch von nichts an den Füßen 🙂
    Liebe Grüße Anna

    • Schön Dich wieder zu lesen, liebe Anna!

      Du kannst Dich tatsächlich noch daran erinnern, dass ich mich lange gewehrt habe. Darüber hinaus hatte ich den ersten Versuch auch völlig falsch angefangen. Inzwischen bin ich der Überzeugung, dass harte Untergründe für Minimal kein Nachteil sind. Wenn Du in den Bergen auf steinigen Wegen unterwegs bist, ist vielleicht eine stabile Sohle notwendig, aber auch die gibt es ja in Verbindung mit minimalen Schuhen.

      Ich bin gespannt, ob Du es ausprobierst und wenn ja, welche Erfahrungen Du dann machst! 🙂

      Liebe Grüße ins Montafon
      Volker

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