Abgemeldet

Heute kurz einmal ein Thema abseits vom Laufen: Irgendwann hätten wir ungefähr zu dieser Zeit Silberhochzeit feiern können, meine Hautkrankheit am Kopf und ich. Grob vor einem Vierteljahrhundert merkte ich eine kleine Stelle am Hinterkopf und vermutete einen Pickel. Der ging aber nicht weg und nach und nach breitete sich die Stelle immer mehr aus. Der Hautarzt diagnostizierte eine chronische Haarwurzelentzündung (für die Mediziner unter Euch: eine Folliculitis decalvans), die sich nur schwer behandeln läßt. Diese Diagnose wurde 1996 auch noch einmal von der Dermatologie des Klinikums Oldenburg bestätigt, wo ich fortan in Behandlung war.

Allerdings war das mit der Behandlung so eine Sache, denn die Krankheit ist selten und die Erforschung von Medikamenten lohnt sich für die Pharmafirmen nicht. Die Menge der weißen Kortisoncreme, die ich über die Jahre bis zu dreimal täglich aufgetragen hatte, hätte wohl auch gereicht um mein Wohnzimmer damit zu streichen. In den Hochphasen der Entzündung schaffte sie es kaum Ruhe in die Kopfhaut zu bekommen, genauso wenig wie die schwersten Akne-Medikamente, die es auf dem Markt gibt. Wie ein Flächenbrand breitete sich die Krankheit aus, näßte, verkrustete und blutete. Immer unterbrochen von kürzeren ruhigeren Phasen. Zum Glück war sie aber selten schmerzhaft.

Je kürzer ich die Haare trug, umso gezielter konnte ich offensichtlich die Kortisonsalbe einsetzen, je erfolgreicher war die Behandlung und ich brauchte sie nicht mehr so oft auftragen. In den letzten Jahren konnte ich dann wechselweise auch eine andere Salbe verwenden. Schlußendliche reichte dann sogar diese andere Salbe (Elidel).

Seit über zwei Jahren -meiner geneigten Leserschaft dürfte es nicht entgangen sein- rasiere ich mir die Haare ganz ab. Anfänglich war ich sehr skeptisch, ob dies meiner Hautkrankheit bekommen würde, mache ich doch ein tägliche Naßrasur. Mit Argusaugen behielt ich sie deshalb im Blick und durfte zu meiner Überraschung erleben, wie sie Monat um Monat, Woche um Woche besser wurde. Den Einsatz von Elidel reduzierte ich auf einmal am Tag und wenn ich es mal vergessen hatte, war es auch nicht schlimm. Jetzt nehme ich sie, nach Absprache mit meiner Dermatologin, gar nicht mehr. Zwei Monate ist das her und es ist nach wie vor alles ruhig. Das ungefähr Handteller große Gebiet bleibt zwar sichtbar, aber das liegt ja auch in der Natur der Sache, weil die Vernarbungen bleiben, ebenso wie Stellen wo die Haare wegen der Krankheit ausgefallen sind. Es ist allerdings keine Entzündung mehr zu sehen. Unglaublich, nach 25 Jahren verschwindet diese Krankheit, ohne das sie jemals adäquat behandelt werden konnte, wie sie gekommen ist!

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Irgendwie mag ich dem Frieden immer noch nicht so richtig trauen. Aber mit jedem Tag länger Ruhe an der Front freue ich mich ein kleines bisschen mehr, dass ich diesen ewigen Entzündungsherd los bin 🙂

Da seien die letzten beiden Läufe mal nur am Rande und der Vollständigkeit halber erwähnt. 10,2 und 5,8 Barfußkilometer, mit einer Pace mit endlich mal wieder einer 5 vor dem Komma, bei naßkaltem, windigem Wetter (Bilder von gestern abend).

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30 Kommentare zu “Abgemeldet

  1. Lieber Volker,
    die Frage nach dem Warum ist in diesem Fall müßig, Hauptsache ist doch, dass die Symptome nicht mehr da sind, und vielleicht war es auch das Jahre lange laufen oder das barfuß laufen, was zu der Besserung geführt hat? 😉👣
    Ich kann Dich nur beglückwünschen, ich wäre froh, wenn meine chronische Lidrandentzündung (für die Mediziner Scheiß Blepharitis🤪) auch endlich verschwinden würde.

    In diesem Sinne

    Salut

    • Lieber Christian,

      dem Barfußlaufen möchte ich das jetzt nicht zuschreiben, dass würde mir eh keiner abnehmen. Obwohl der Anfang des Barfußlaufens ungefähr mit meinem Verzicht auf meine Haartracht zusammenfällt 😀 Ansonsten ist mir das Warum auch nicht so wichtig, die Tatsache reicht mir 🙂

      Chronische Geschichten sind immer ätzend. Von daher nimm Dir ausnahmsweise mal mich zum Vorbild 😉 , es gibt eine Chance!

      Moin Moin
      Volker

  2. Und ich dachte immer du bist schon so alt dass dir die Haare von alleine ausfallen 😛
    Aber so ist’s natürlich besser und vor allem faszinierend dass der Körper es dann doch schafft alleine zurecht zu kommen!

    • Du schreibst Dich gerade um Kopf und Kragen, lieber Markus! Immer dieses respektlose junge Gemüse 😆 Ich weiß nämlich nicht, ob es besser ist die Haare aufgrund einer Krankheit statt altersbedingt zu verlieren.

      Faszinierend ist es, dass der Körper das geschafft, vorallem nach so einer wirklich langen Zeit.
      VGV

      • Ich weiß eben wie ich dich ein wenig wütend oder rasend machen kann, bzw. zu kitzeln damit beim nächsten Lauf wieder auf das Gaspedal drückst und ein tolle Zeit bei rauskommt 😉

  3. Lieber Volker, pragmatischer Umgang mit sich selbst und den Gegebenheiten, Sport und mentale/psychische Stabilisierung sind bei chronischen Entzündungen oft ganz wichtige Faktoren. Meine chronisch entzündliche Dickdarm-Erkrankung (Colitis ulcerosa) meldet sich trotz Absetzen des Immunsupressivums vor zwei Jahren fast gar nicht mehr – seit ich regelmäßig und konstant laufe, weniger Auto fahren muss und zufriedener mit der Arbeit bin, dazu ein bisschen anders esse. Ein lokaler, aber harmloser Entzündungshemmer ist das Einzige.
    Ich kann Dir Freude wie auch Misstrauen bezüglich der Stabilisierung nachfühlen – und freue mich für Dich bzw. mit Dir, dass diese Verbesserung eingetreten ist!
    Viele liebe Grüße,
    Talianna

    • Liebe Talianna,

      der Pragmatismus ist da eigentlch alternativlos. Was will man denn machen, wenn sich die Krankheit nicht behandeln läßt? Da bleibt nur stoisches Ertragen und das Positive sehen, nämlich das die Krankheit kaum Schmerzen verursacht und auch nicht lebensbedrohend ist. Mentale/psychische Stabilität ist in der Tat ein wichtiger Faktor, leider war sie noch nie meine große Spezialität. Häufig gibt es da ja auch äußere Faktoren, die man nur schwer beeinflussen kann, wie z. B. mit der Arbeit. Aber da geht es mir auch seit geraumer Zeit besser, das mag natürlich auch seine positive Wirkung haben. Wie immens wichtig unser Sport fürs psychische Wohlbefinden ist, darüber sind wir uns wohl alle einig.

      Beeindruckend wie die positiven Veränderungen in Deinem Leben auch Deine Krankheit positiv beeinflussen. Das ist etwas, was in der Schulmedizin wohl immer noch viel zu wenig gesehen wird. Naja, andererseits kann die Schulmedizin die Lebensumstände auch am wenigsten beeinflussen,

      Danke Dir. Hoffen wir beide, dass es uns gelingt unsere Krankheiten dauerhaft im Zaum zu halten!

      Ganz liebe Grüße
      Volker

      • In diesem Sinne: Das Beste für Deine Gesundheit wünsche ich Dir, lieber Volker, und danke für Deine Wünsche!
        Viele liebe Grüße
        Talianna

  4. Lieber Volker,
    fünfundzwantig Jahre Plage mit dieser Krankheit? Das ist ja der Wahnsinn. Ich könnte mir das kaum vorstellen, aber wenn man es hat, muss man durch und kann nicht anders. Hut ab vor Deiner Geduld! Umso schöner, dass sich nun eine Besserung zeigt, das muss doch ein spürbarer Sprung an Lebensqualität sein!
    Was die Gestaltung Deines Kopfhaares angeht, bzw. die Abwesenheit desselben – das passt perfekt zu Dir, könnte ich mir gar nicht anders vorstellen! Manchmal ist weniger mehr!
    Liebe Grüße und weiterhin gute Kopfhautgesundheit!
    Elke

    • Liebe Elke,

      welche Alternative hat man denn zu der Geduld? Glaub mir es gab immer wieder Phasen wo ich ganz schön frustriert war. Weil ich zum Beispiel jahrelang ein Handtuch über dem Kopfkissen gebraucht habe um es nicht alle zwei, drei Tage neu beziehen zu müssen, weil immer wieder Blut auf dem Bezug war. Oder weil ich den Kopf nirgends anlehnen mochte. Oder weil nach einer Zahnarztbehandlung die Kopfstütze vom Zahnarztstuhl blutverschmiert war. Das das alles vorbei ist, ist wirklich ein Sprung in der Lebensqualtität. Trotzdem habe ich in all den Jahren immer positiv gesehen, dass die Krankheit kaum Schmerzen verursacht hatte und -noch wichtiger- ja auch nicht lebensbedrohlich war.

      Ich weiß nicht, ob die Besserung mit dem Glatze rasieren in Zusammenhang steht, ausschließen will ich das nicht. Wenn das so wäre, hätte ich mir schon viele Jahre vorher die Haare abrasiert. Aber hätte hätte …

      Danke Dir und liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    wenn man schon keinen Grund findet, warum die Entzündung gekommen ist, warum sollte man dann einen finden, weshalb sie wieder weg geht? 😉
    Nein, im Ernst. Ich würde es auch so machen wie du und mich einfach darüber freuen, das Übel losgeworden zu sein. Welche Faktoren dann schlußendlich ausschlaggebend waren, ist egal. Ich freu mich für dich! 😀
    PS: Tolle Schlitterstrecke!

    • Du hast recht, liebe Doris, deswegen freue ich mich auch einfach. Aber immer noch gepaart mit einer gewissen Skepsis was die Dauerhaftigkeit angeht. Aber das ist nach so vielen Jahren wohl auch normal.

      Was die Schlitterpartie angeht, mußte ich immer etwas nach links aufs Gras ausweichen. Da wo die Pfützen sind ist so ein schmierig, rutschiger Kleiboden, da wäre an (schnelles) Laufen gar nicht zu denken gewesen. Trotzdem hat es viel Spaß gemacht 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,
    ich sehe das wie der Christian: vielleicht brauchten deine Füße mehr Luft? Oder vielleicht bringt dir generell das Laufen einfach das, was gefehlt hat?
    Ich freue mich für dich und wünsche dir von ganzem Herzen, das du die Entzündung für immer zum Teufel gejagt hast.
    Erst heute habe ich einen Spruch gelesen, der irgendwie passt: Erfolg stellt sich ein, wenn du das machst, was du liebst.
    LIebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      so gerne ich dem Laufen seinen Anteil daran geben würde, ich glaube in diesem Falle nicht, dass es konkret damit zusammenhängt. Dann dürfte sich das Laufen nämlich auch noch um zwei weitere Baustellen kümmern 😉

      Der Spruch paßt aber sehr gut, je stabiler die Psyche je stabiler die Gesundheit. Und tun was man liebt ist das Beste was man für die Psyche tun kann.

      Danke für Deine guten Wünsche und liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,

    von der deutlichen Besserung hatte ich mich ja schon bei unserem letzten Treffen überzeugt. Das loszuwerden ist wirklich eine tolle Sache. Ich drücke alle Daumen und Zehen, dass die Beschwerden für immer vorüber sind. Die glänzende Haarfrisur seht Dir sowieso besser. Charakterkopf eben 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Stimmt, lieber Rainer,

      Dir war es ja auch schon live aufgefallen.

      Gänzende Haarfrisur ganz ohne Shampoo, Spülung oder sonstiges Gedöns, cool oder? 😎

      Danke für Drücken aller Daumen und Zehen, hoffen wir das Beste.

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Moin Volker,
    erstaunlich so ein Verlauf nach so langer Zeit, wie so oft sind es höchstwahrscheinlich viele kleine Puzzleteilchen die zur Besserung führen. Kann mir aber schon gut vorstellen dass die Lauferei damit zu tun hat, der Körper ist ein seltsam Ding. Aber wie auch immer, klasse dass es dir damit besser geht, ich kann kaum erahnen was das an Lebensqualität ausmacht.
    Glatze steht dir übrigens prächtig 😉
    Liebe Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      ein Puzzle das wir wohl nie durchschauen werden. 25 Jahr Hautkrankheit, 14 Jahren Laufen, schwer zu sagen, ob das Laufen da einen Einfluß hat. Ich vermute in dem Fall eher nicht.

      Es ist jetzt nicht so, dass die Hautkrankheit mein Leben schwerwiegend beeinflußt oder gar eingeschränkt hat, aber es gab schon frustriende Phasen und da bin ich sehr froh, dass diese vorbei sind. (siehe Beispiele in meiner Antwort auf Elkes Kommentar)

      Danke, ich mag meine Kurzhaarfrisur auch, allerdings macht die jeden Tag Arbeit 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  9. Das freut mich sehr für dich, lieber Volker! Bei sowas sind ja doch meist auch die Hormone beteiligt. So haben also auch die Wechseljahre ihre guten Seiten :-p

  10. Lieber Volker,
    verrückt, nach 25 Jahren verschwindet die Krankheit so unerklärlich wie sie gekommen ist… ob es wirklich damit zu tun hat, dass Du Deine Haare abrasierst oder einen anderen Grund hat ist ja eigentlich egal – Hauptsache sie ist weg und kommt nie mehr wieder! Ich freu mich für ich und drücke Dir die Daumen ✊, dass sie dort bleibt wo sie hingegangen ist! Außerdem finde ich, steht Dir Deine „Frisur“ (kann man es überhaupt Frisur nennen…? 🙄) sehr gut! 😊
    Liebe Grüße Anna

    • Danke fürs Daumendrücken, liebe Anna. Ich hoffe sehr, dass die Krankheit nie wieder kommt.

      Ob man eine Glatze eine Frisur nennt oder nicht, daran scheiden sich offensichtlich die Geister. Aber das ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich fühle mich sehr wohl mit dieser „Nicht-Frisur“ 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

    • Ja, erstaunlich wie der Körper nach so vielen Jahren auf einmal auf den Bolzen kommt mit dieser Geschichte Schluß zu machen. Ich freue mich darüber sehr auch wenn ich es manchmal immer noch nicht so recht glauben mag.

      VGV

  11. Lieber Volker,
    auch wenn du nix beschreien willst, ist das doch schon mal was! 😉
    Ich wünsche dir, dass es so bleibt! 👍
    Meine Arthrose verschwindet ja nicht mehr, aber noch kann ich sehr gut damit leben. 🙂
    Bei einem Wochenumfang von 64 km kannste nicht noch schnell „verlangen“! Wenn du aber weniger km machst (auch pro Einheit) geht auch ne höhere Geschwindigkeit! Klingt doch logisch,oder? 😛 Also machste doch allet richtig, wa! 🙂
    Bleib dranne!
    LG Manfred

    • Cool, lieber Manfred, dann mache ich ab sofort 100 Wochenkilometer, dann kann ich noch langsamer sein 😆 Nein, nein, ich weiß schon, dass man die Masse der Kilometer nicht auf Tempo rennt. Das fällt mir zum Glück aber auch gar nicht schwer 😀

      Bei Arthrose soll man sich, soweit ich weiß, ja auch bewegen. Obwohl das leichter gesagt als getan ist, wenn`s weh tut. Jens hat da auch mit zu tun.

      Hoffen wir für unsere Gesundheit das Beste!

      LG Volker

  12. Lieber Volker, barhäuptig und barfüßig kommst du offenbar bestens durch’s Leben. Wer braucht schon eine Silberhochzeit mit einer chronischen Erkrankung. Da lebt man doch lieber – gesundheitlich betrachtet – als Single weiter und hofft, dass sich nicht ein neues Gebrechen mit dem Wunsch nach einer innigen und langdauernden Beziehung einstellt.

    Liebe Grüße und toitoitoi
    Anne

    • In dieser Hinsicht hat das Single-Dasein in der Tat seine Vorteile, liebe Anne 🙂

      Neues Gebrechen? Darüber möchte ich nicht nachdenken!

      Danke Dir und liebe Grüße
      Volker

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