Ein zartes Pflänzchen?

Hin- und hergerissen war ich heute Abend. Sollte ich es wagen? Mal ein kurzes Stück zu laufen? Im Alltag verhält sich der Fuß weiterhin nahezu komplett ruhig und auch den Bahnsteigsprint vom vergangenen Donnerstag hat er nicht nachhaltig übelgenommen. Ebenso wenig wie die sieben Stunden, die ich am Samstag auf baren Füßen auf dem CSD in Berlin unterwegs war.

Ich habe mich für einen Versuch entschieden und war aufgeregt und nervös, wie ein kleines Kind vor dem ersten Schultag. Seichter Regen und knappe 20° erleicherten mir noch die Enscheidung. Wahnsinn, wieviel Spannung sich in mir breitgemacht hat, dabei ist das Laufen mir doch das Vertrauteste von der Welt und es war ja auch wahrlich nicht mein erster Aussetzer. Aber gerade dieses Vertrauen in das Vertraute ist halt augenblicklich erschüttert.

Das erste Antraben mit klopfendem Herzen, ein kurzer Stich, dann schmerzfrei! Genauso wie die ersten paar Hundert Meter. Ich versuche den Fuß so locker wie möglich zu lassen. Hypersensibles Hineinhorchen in ihn, ein leicht dumpfes Gefühl, kein Schmerz. Es beginnt richtig zu regnen, Freudentränen? Nach einem Kilometer kurz Innehalten an der Hunte, dann umdrehen und zurück. Nach eineinhalb Kilometern irgendwie Unruhe im Fuß. Und Jucken! Ist Jucken nicht ein Zeichen für Heilung? Nach zwei Kilometern beende ich den Lauf, die Sonne kommt raus und ein großer, kräftiger Regenbogen steht am Himmel, ich bin klitschnaß. Eine schon fast kitschige Hollywood-Happy-End-Szenerie, aber egal, wenn das kein gutes Zeichen ist? Der Fuß?: Ruhig. Auf der Rückfahrt macht sich ein leichtes Zirpen auf dem Fußrücken bemerkbar, wie ich es kenne, wenn ich Schuhe zu fest schnüre, aber kein Schmerz!

Was für ein lange Analyse eines zwei Kilometer kurzen Laufs, an den sich eine Mischung aus Freude, verhaltenem Optimismus und Skepsis anschließt. Aber auch was für ein Gefühl diese paar Minuten gelaufen zu sein, trotz des Horchens und Bangens, Wahnsinn ❗

Bleibt der Fuß ruhig, werde ich am Wochenende noch einmal die gleiche Strecke probieren mit einem kleinen Fünkchen Hoffnung, dass da wieder ein zartes Laufpflänzchen wächst.

 

18 Kommentare zu “Ein zartes Pflänzchen?

  1. Lieber Volker,
    das wäre doch super und ich würde mich riesig für dich freuen und mitfreuen! 😉
    Ich denke auch, dass du da berechtigt hoffen kannst! Und wenn du so vernünftig bleibst, sollte es ganz leicht aufwärts gehen! 🙂 Der Aufriss ist verständlich und dabei ist egal, wie lang die Strecke war!
    Also bleib dran!
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      Vernunft ist mein zweiter Vorname! 😆 Nein, nein, Schmerz bzw. die Sorge vor seiner Rückkehr lehren Bescheidenheit, drum versuche ich langsam wieder in den Laufalltag zurückkehren zu können.

      LG Volker

  2. Lieber Volker,

    die kleine Generalprobe ist bestanden, nur nicht übertreiben und weiter langsam aufbauen. Du machst es genau richtig. Lass Dir Zeit, dann bleibt der Schmerz auch weg…gratuliere 😊

    Salut und weiter Daumen gedrückt 🙋🏼‍♂️

    • Lieber Christian,

      mir ist doch jede Form von Übertreibung fremd. Freitag werde ich versuche 10 km draufzupacken und am Sonntag dann Halbmarathon. Das dürfte doch ok sein, oder? :mrgreen:

      Nein, nein, wie schon bei Manfred geschrieben, Schmerz bzw. die Sorge vor seiner Rückkehr lehren Bescheidenheit. Das Vertrauen muß sich langsam wieder aufbauen, zudem bin ich ja noch gespannt, was der Osteopath Dienstag zu sagen hat.

      Danke Dir und ein Moin Moin aus der morgendlichen Frische Oldenburgs
      Volker

  3. Lieber Volker,
    ich freue mich mit Dir, das liest sich doch gut! Und wenn Dich schon ein Regenbogen so malerisch überspannt, das kann nur Gutes bedeuten. Also hege und pflege das Pflänzlein gut, aber bedenke, eine deutsche Eiche wächst auch nicht an einem Tag!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      ich hoffe doch, dass die deutsche Eiche nicht komplett neu wachsen sondern sich nur erholen muß 😆

      Aber momentan ist sie halt doch noch ein zartes Plänzchen, Ich werde darauf achtgeben.

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Lieber Volker,
    Regen, ein oranges T-Shirt, schmerzfreier Einstieg…. was willst du mehr!?! 😀

    Ich freu mich für dich, dass der Testlauf so gut geklappt hat und drück dir weiterhin die Daumen, dass deine Geduld hält und das zarte Pflänzchen wächst und gedeiht! 🙂

    • Liebe Doris,

      was Helge und Dir gut tut, muß mir doch auch gut tun 😀

      Danke fürs weiterhin Daumendrücken, da kann ich sicher noch gut gebrauchen, dem zarten Pflänzchen zuliebe 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,

    sehr gute Nachrichten! Wenn du das kleine Pfänzchen hegst und pflegst, wird es schon wachsen. Nur bitte nicht dran ziehen, es hat noch keine Wurzeln und kann das deshalb nicht ab! 😉

    Liebe Grüße
    Anne

    • Liebe Anne,

      ich werde das Pflänzchen hätscheln und tätscheln, da verbietet sich Ziehen von selbst. Vielleicht erweist es sich ja als dankbar 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Moin Volker
    einfach nur: HURRA! 🙂
    Das klingt gut, nun mit Vorsicht wieder ganz langsam eingrooven. Ich drücke die Daumen dass der Schmerz da bleibt wo er hin gehört: weit weg.
    Sehr schöne Regenbogenfotos 🙂
    Liebe Grüße, Oliver

    • Moin Oliver!

      Ja, hurra, die ersten Laufschritte sind getan! 😀

      Genau, langsam eingrooven, nächste Woche horchen, was der Osteopath zu sagen hat und hoffen, dass alles zusammen wieder zum Laufalltag führt und das Vertrauen in den eigenen Körper zurückbringt..

      Danke Dir und liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,
    oh wie schön 🙂 . Ich freue mich, das du laufen konntest. 2 km sind 2 km mehr als nichts. Ich glaube auch, das genau dieses ganz vorsichtig anfangen wichtig ist.
    Dieses „in sich hineinhören“ ist anstrengend, aber so sind wir nun mal. Unser Schmerzgedächtnis ist besser als unser normales Gedächtnis 😆
    Viel Erfolg beim nächsten Versuch. Und mach schön langsam. Auf keinen Fall übertreiben. Alles kommt zu dem, der warten kann 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • So sehe ich das mit den zwei Kilometern auch, liebe Helge 🙂 Zumal ja nicht sicher war, ob es überhaupt zu diesen zwei Kilometern kommen würde.

      Die Anstrengung des In sich hineinhörens nehme ich gerne in Kauf, hauptsache sie ist von Erfolg gekrönt. Der Vergleich zwischen Schmerz- und normalem Gedächtnis ist wohl nur zu wahr.

      Alles kommt zu dem der warten kann, den Spruch kenne ich von Dir und er hat sich inzwischen schon mehrfach bewahrheitet. Darauf hoffe ich auch diesmal.

      Liebe Grüße
      Volker

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