Nicht mehr so die rechte Lust

Diese Woche traf ich einen ehemaligen Kollegen, der auch Läufer ist. Auf meine Frage wie es denn so läuft mit dem Laufen, druckste er etwas herum, dass er nicht mehr soviel machen würde. In vielen Jahren hätte er an so vielen, allen möglichen Läufen teilgenommen, dass er nicht mehr so die rechte Lust hätte. Das ist es, wovor ich auch „Angst“ habe, dass es mir irgendwann einmal passiert. Allerdings gibt es zwischen meinem Ex-Kollegen und mir einen Unterschied, der mich hoffen läßt, dass es bei mir so schnell nicht dazu kommen wird. Ich ziehe meine Freude am Laufen nämlich nicht aus der Teilnahme an irgendwelchen Läufen, sondern zum allergrößten Teil aus meiner alltäglichen Lauferei.

Die Teilnahme an Wettkämpfen ist sicherlich auch eine Würze in meiner Läufersuppe, aber satt macht mich die Suppe als solche 🙂 So hoffe ich doch sehr, dass mir die rechte Lust noch lange nicht abhanden kommt.

Mein heutiger Lauf war auch wieder so eine sättigende Einlage in meiner Läufersuppe. Nachdem der Oktober hier im Norden noch nicht viel Goldiges zu bieten hatte, war es heute plötzlich warm, die Sonne blinzelte zumindestens zeitweise und die Luft war gesättigt von Feuchtigkeit. Deshalb zog ich nochmal das kürzeste Höschen und Kurzarm-T-Shirt an und ab dafür.  Das Tempo war einen Hauch flotter als üblich, aber immer noch im absoluten Wohlfühlbereich. Nach knapp vier Kilometern lagen die schraddeligsten Eingangskilometer hinter mir und ich konnte raus aus den Sandalen. Wenig später konnte ich entlang des Geestrandgrabens zwei Läufer rechts überholen und sie die nächsten sieben Kilometer auf Abstand halten, bis ich zur Treppe der Huntebrücke abbog und die beiden weiter geradeaus liefen 🙂

Das Laufen machte so richtig Laune und der Herbst dreht in Sachen Farben so richtig auf. Fürs Barfußlaufen hält er allerdings auch ein paar Unannehmlichkeiten bereit, Eicheln und andere Baumfrüchte auf den Wegen und als Geschosse von oben geboten Obacht.

Aber ansonsten war diese erneute 14 km-Runde ein Paradebeispiel für meinen Spaß am Laufen und macht es mir nach wie vor unvorstellbar, dass mir die rechte Lust am Laufen vergeht. Möge es noch viele Jahre so bleiben.

24 Kommentare zu “Nicht mehr so die rechte Lust

  1. Lieber Volker,

    hier eine Frage in diesem Zusammenhang: läufst du „nur“, oder bist du Läufer? – Es hört sich vielleicht spitzfindig an, aber wenn du läufst, weil du z. B. Wettkämpfe liebst, gesund bleiben, abnehmen, oder gesellig sein willst, dann brauchst du immer diese Sekundärmotivation! – Kannst du aber sagen, dass du Läufer bist, kommt deine Motivation aus dir heraus und … du brauchst keine Angst zu haben, zumindest ist es mein Ansatz! 😉

    Ich schätze dich so ein, dass dir das Laufen selbst diesen ungeheuren Spaß macht und du Läufer bist! Du brauchst keine Sekundärmotivation! – Insofern habe ich überhaupt keine Angst „um“ dich! 😆

    … das zeigt doch auch dein Beitrag! – Du hast so viel aufgesogen und tolle Bilder mitgebracht! – Danke!

    LG Manfred

    • Dann bin ich wohl doch tatsächlich Läufer, lieber Manfred. Aber ganz ehrlich, dass wußte ich eigentlich schon vorher. Würde ich einer Sekundärmotivation bedürfen, hätte ich das Laufen wohl schon längst drangegeben, aber so ist -zum Glück- kein Ende absehbar 🙂

      Bei mir müssen ein paar Bilder einfach sein, dass weißt Du ja. Aber der Herbst mit seinem Farben und seinem Licht macht es einem ja auch einfach, da etwas abzulichten 🙂

      LG Volker

    • Hallo Manfred,

      Dein Kommentar hat einige der Gedanken, die mir bei Volkers Beitrag kamen, wieder eingefangen. Das ist eine tolle Definition (Läufer vs. Sekundärmotivation), der ich mich so anschließen kann! Vielen Dank dafür.

      Viele Grüße Talianna

      • Liebe Talianna,
        habe deinen Kommentar leider erst spät entdeckt, deshalb jetzt …
        Danke für die Rückmeldung! – Es doch aber schön, wenn man so nebenbei etwas anregen, oder „einfangen helfen“ kann! 😉

        Bin vor Ewigkeiten mal so gefragt worden. Daraus heraus entstanden diese Gedanken!

        LG Manfred

      • Ich bin mal sehr gespannt, ob ich nächstes Jahr, wenn ich nicht mehr eine persönliche Bestzeit nach der anderen jage, etwas über Läufersein oder Sekundärmotivation lernen werde 🙂

  2. Lieber Volker,
    ich kann mich Manfred nur anschließen, wenn man um des Laufen Willens läuft, hat man diese Motivation, denn sie kommt vom Laufen selbst. Du beschreibst das sehr gut ab dem dritten Absatz, mehr braucht es nicht. Im Gegenteil zu Dir brauche ich nicht mal mehr das Salz, die Suppe reicht mir definitiv. Im April nächsten Jahres sind es 10 Jahre seit dem letzten Wettkampf und ich vermisse nichts, der Spaß am Laufen ist mal mehr und mal weniger, aber er wird sicher nicht vergehen…und Dir geht es sicher ähnlich 😊

    Salut und genieß den Herbst

    • Lieber Christian,

      die Motivation kommt vom Laufen selbst, genau das ist der Punkt. Ich wünsche mir, dass es ewig so bleibt.

      Brauchen tue ich dieses Salz auch nicht, ich habe nur einfach gelegentlich mal Bock drauf. Ohne dem würde mir aber auch nicht wirklich etwas fehlen. Für mich haben „Wettkämpfe“ bei meinem Lauftempo in der Regel eh nur Eventcharakter, so sehe ich einfach mal was anderes 😉 Nur ganz ganz ganz selten habe ich mal Böcke richtig Gas zu geben 🙂

      Also sind wir ganz bei Manfred und laufen um des Laufens Willen.

      Moin Moin
      Volker (der in diesem Jahr mit dem Herbst noch etwas fremdelt, dazu aber vielleicht demnächst mal etwas mehr)

  3. Lieber Volker,

    schon auf Fivefingers finde ich die Eicheln und Kastanien manchmal echt anstrengend auf dem Boden – ich bin durch nur 11% meiner Kilometer auf Fivefingers und nichts voll-barfuß auch sicher pienziger als Du, was den Boden angeht. Wunderschöne Bilder hast Du mitgebracht …

    Bei uns hier im Süden hatte es gestern nochmal Sonnenschein und bis zu 27°C, es war quasi nochmal richtig Sommer. Der Hardtwald ist schon knallebunt.

    Viele liebe Grüße vom Oberrhein
    Talianna

    • Liebe Talianna,

      da wo momentan soviele Eicheln etc. rumliegen laufe ich auch nicht barfuß und genieße lieber den minimalen aber notwendigen und ausreichenden Schutz durch die Sandalen.

      Ihr Südländer seid in Sachen Wetter mal wieder bevorzugt. Andererseits haben wir hier oben mal wieder einen Herbst wie er sich gehört 😎

      Viele liebe Grüße zurück von der Hunte
      Volker

  4. Ich glaube ich weiß wie du denkst. Ansich reicht das laufen vollkommen, aber der ein oder andere Wettkampf ist eben das Salz in der Suppe. Und manch einer versalzt sich eben seine Suppe auch und möchte dann garkeine mehr

    • Moin Markus,

      gegen das Salz in der Suppe ist ja definitiv nichts einzuwenden. Es macht ja erst den Geschmack. Drehen wir das aber mal um: Wer nur des Salzes wegen Suppe isst, ist diese irgendwann mal über.

      Die die sich ihre Suppe versalzen stehen noch einmal auf einem ganz anderen Blatt.

      VGV

  5. Moin Volker,
    ja das war ein Wetterchen gestern, bei Dir und auch hier am Rhein! Da nimmt man nochmals gern laufend mit jeder Faser diese schöne Oktoberstimmung auf, auch, damit die Lust am Laufen nicht vergehen möge. Vielleicht ist es ja bei Deinem Kollegen nur so eine Phase und irgendwann kommt der Laufspaß wieder. Ich glaube, jeder hat manchmal solche Abschnitte. Aber es wäre doch schade drum, wenn aus dem Abschnitt ein Dauerzustand würde…
    Liebe Grüße
    Elke

    • Moinsen Elke,

      ich werde ihn bei einer nächsten Begegnung fragen, ob er sich noch wieder berappelt hat 🙂
      Schlußendlich ist es aber ja auch so, dass alles seine Zeit hat und -wer weiß- vielleicht haben wir irgendwann auch kein Böcke mehr. Vorstellen kann ich mir das aus heutiger Sicht aber nicht.

      Bleiben wir also erst einmal gelassen 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Moin Volker,
    da hat wohl jede/r einen anderen Anspruch, so wie bei wahrscheinlich jeder anderen Sportart auch. Und manches hat seine Zeit, wie du ja auch angemerkt hast. Wenn man dann dazu irgendwann in der Leistung stagniert oder sogar schwächer wird, dann braucht es bei manchen möglicherweise schon einen gehörigen Motivationsschub um weiterzumachen.
    Bei dir mach ich mir da keine Sorge, der Anspruch ist ein anderer und ich lese immer den Spaß am Laufen heraus 🙂
    Mein Salz in der Suppe ist übrigens nicht der Wettkampf, sondern diese einsamen und ganz unerwartet schönen Momente bei langen Läufen mitten in der Natur. Manche Tage sind einfach „würziger“ als andere, die gilt es auszukosten 🙂
    Liebe Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      jeder Jeck ist anders und das ist auch wirklich gut so. Was wäre mit den ganzen Wett- und Volksläufen wenn alle so ticken würden wie ich? Ich kann auch an Ehrgeiz nichts schlechtes sehen, nur weil er mir weitestgehend fehlt.

      Das Wettkämpfe nicht Dein Hauptantrieb sind ist mir schon klar, da Du trotz Deiner Schnelligkeit ja nicht an so wahnsinnig vielen davon teilnimmst, aber sie sind halt eben auch ein Gewürz 🙂 Die einsamen und unerwartet schönen Momente mitten in der Natur sind wahre Highlights, darin sind wir uns einig.

      Also immer weiter laufen! Ein geniales Motto!

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,
    interessant – wir hatten ein ganz ähnliches Thema beim letzten Lauftreff. Einer unserer „Dauerläufer“ wurde in diesem Jahr des öfteren besorgt gefragt, ob er denn nicht mehr laufen würde, man sähe ihn ja bei keinem Wettkampf mehr, ob er verletzt sei oder aufgehört habe. Fakt ist, ihn haben heuer einfach keine „normalen“ Straßenlaufbewerbe gereizt, er lief ein paar Trailläufe, im Winter Skibergsteigen und läuft ansonsten einfach „nur“ zum Spaß. 🙂
    Ich laufe ja auch hauptsächlich, weil es mir guttut und ich sehr unrund werde, wenn ich längere Zeit nicht oder nur unregelmässig laufe. Bewerbe sind oft lustig und es macht mir Spaß immer wieder mal was Neues auszuprobieren. Das scheint bei dir ja auch ganz ähnlich zu sein. Und wenn man weiß, wie gut einem das regelmässige Laufen tut, warum damit aufhören? 😉

    • Liebe Doris,

      Euer Dauerläufer hat sich also einfach nur seinen veränderten Bedürfnissen angepaßt, statt aufzuhören, perfekt!

      Wettkämpfe setzen ernsthaftes, für meinen Geschmack in der Regel nicht spaßiges Tempotraining voraus, dass widerspricht einfach dem, was ich als Laufgenuß empfinde. Aber sie bringen gelegentlich Abwechselung in den Laufalltag und man sieht mal was anderes. Wenn man sie dann nicht allzu ehrgeizig angeht, können sie durchaus mal Spaß machen. Betonung liegt auf „mal“ 😀

      Körperlich leide ich eigentlich weniger wenn ich nicht laufe, ich werde eher von der Psyche unausgeglichen und fühle mich insgesamt unausgelastet. Da trifft es sich halt verdammt gut, dass mir das Laufen soviel Spaß macht 😀

      Ich glaube wir sind uns in unserer Laufintension in der Tat nicht ganz unähnlich. Deshalb sehe ich wie Du auch nach wie vor keinen Grund damit aufzuhören 😎

      Also keep on running! 😎

      Liebe Grüße
      Volker

      • Moin Volker, die Dir bekannte spaßorientierte Laufveranstaltung in den nahe gelegenen Weinbergen kollidiert übrigens 2020 nicht mit dem CSD Oldenburg…
        LG
        Elke

      • Ich soll dich über den CSD Oldenburg auf dem Laufenden halten? Kicher…
        Falls Du den Ahrathon meintest: 13.6.2020. Darauf schonmal einen Roten, oder einen Weißen, oder doch einen Roten, oder… Prösterchen!

      • Och, wenn Du das mit dem CSD auch übernehmen könntest, dann bräuchte ich mich nicht zu kümmern! 😆

        Prost Prost Prost 😀

  8. Lieber Volker,
    ich denke, du hast schon alles erklärt: das Laufen ist die Nahrung. Der Wettkampf für manchen die Würze dazu 😆
    Ich finde das sehr sehr treffend ausgedrückt.
    Ich jedenfalls wünsche dir von ganzen Herzen, das deine Lauflust dich immer antreibt. Egal ob Wettkampf oder entlang der Hunte.
    Aber Sorgen mache ich mir bei dir da gar nicht 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • „Nahrung“ klingt eigentlich so nüchtern, dabei ist das die Alltagslauferei meistens gar nicht, liebe Helge 🙂 Und etwas Würze ab und an gibt der Nahrung immer neuen Pfiff 😀

      Ich denke Sorgen erst einmal auch unbegründet und bleiben es hoffentlich auch 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Volker

  9. Pingback: „barfuß“ | Deichlaeufer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s