Fardig!

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Fardig ist Plattdeutsch und heißt fertig. Ja, wir haben fertig! Gestern endete in Emden unsere vier Winter dauernde Rundreise vom Dollart zum Jadebusen, vom Jadebusen nach Oldenburg, von Oldenburg nach Bourtange und von Bourtange zurück zum Dollart nach Emden.

Von unserem letzten Etappenziel im Dezember, dem niederländischen Bad Nieuweschans strebten wir, großteils der Dollartroute folgend, gen Norden. Wir, das waren diesmal Freya, Kerstin, Sylke, Axel, Ralf, Stephan und ich. Kaum hatten wir den idyllischen Ort verlassen …

… zeugte ein Schild an einem Haus „Imkerhonig aus eigener Herstellung“ davon, dass wir auch schon wieder die Seite gewechselt hatten. Ist es nicht fantastisch, dass wir in unserer Europäischen Union die Möglichkeit haben Grenzen zu überschreiten und dieses nur noch an irgendwelchen Kleinigkeiten zu merken? Dieses Vorteil grenzenlosen Genußes vergessen wir leider nur zu gerne, wenn wir mal wieder über Europa meckern.

Aber zurück zum Thema: Das wir nur großteils der Dollartroute folgten, erlebten wir kurze Zeit später als Sylke uns beschied auf einen Acker abzubiegen, um auf der, wie immer dankenswerter Weise von Ralf ausbaldowerten, Strecke zu bleiben. Ob es hier wirklich jemals einen Weg gegeben hat, wird wohl das Geheimnis des Landwirts bleiben, der diesen ggf. untergepflügt hat. Aber in einiger Entfernung war eine alte Deichlinie zu erkennen, wo sich der Weg fortsetzen sollte und so stapften wir tapfer durch den tiefen Acker und die Laufschuhe wurden immer größer, da der lehmige Boden massiv an ihnen kleben blieb, und auch meine belaufsandalten Füße verwandelten sich in, gefühlt kiloschwere, Klumpen 😀 Aber als der Weg dann wieder erkennbar ein grasbewachsener Weg war, konnten wir die ungewollte Fracht nach und nach wieder abstreifen und ein wenig später zufällig an der Strecke liegendes Sportlerheim bot sogar Schuhbürsten, von denen ich in meinen Sandalen allerdings nicht profitieren konnte 🙂

Allerdings blieb diese letzte Etappe bis zum Erreichen des wunderschönen Örtchens Ditzum eine insgesamt recht matschige Angelegenheit 😀 Aber wie heißt es so schön: Ist die Sauberkeit erst ruiniert, läuft es sich gänzlich ungeniert 😆  Ganz nebenbei haben wir auf unserem Weg einen der tiefsten Orte Deutschlands passiert und befanden uns dort satte 2,60 m unterhalb des Meeresspiegels!

In Ditzum angekommen hatten wir schon ca. 20 km in den Beinen, als wir die Fähre bestiegen, um über die Ems und den Dollart nach Petkum überzusetzen.

Ab Petkum wurde es aber elendig. Nach der Überfahrt noch einmal wieder anzutraben, fiel uns allen etwas schwer. Zudem hatten wir auf diesen Schlußkilometern den naßkalten Wind von vorne und die langen Geraden ließen uns deutlich voraussehen wie weit die Reise noch ging. Ein psychologischer Dolchstoß wurde uns versetzt als wir merkten, dass sich die vermuteten vier letzten Kilometer auf sechs Kilometer ausdehnten. Was poppelige zwei Kilometer da ausmachen können, Hammer! So trabten wir alle nur noch wortkarg vor uns hin und als Sylke zu mir sagte, da ist der Radarturm, wir sind da, war sicherlich nicht nur bei mir die Freude groß. Auf jeden Fall hat es mir zum Schluß gereicht und mein anschließendes Gangbild war…. nun sagen wir mal … etwas unrund 😛

Apropos große Freude: Wen interessieren ein paar zähe letzte Kilometer? Wir sind da angekommen, wo wir am 04.12.2016 gestartet waren, genial. Fardig ❗ :

Und beim anschließenden Kuchengenuß war die Welt sowieso ruckzuck wieder in Ordnung 😆

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Schlußbetrachtung: 4 Winter, 14 Etappen, insgeamt ca. 330 km. Schnee, Regen, Sonne, Frost und Wind. Kein Leistungsdruck. Nette Gesellschaft. Aus reinem Spaß an der Lauffreude. Abenteuer Heimat. Das war eine absolute geniale Geschichte!

Das es schwer sein wird, dass noch zu toppen, merkten wir gestern beim Kuchenessen. Es hat sich noch keine Idee so richtig durchgesetzt, wie wir das fortsetzen können. Fest steht nur, dass es weitergehen MUSS um den langen Wintern laufend ein paar Highlight-Sonntage abzutrotzen und um weiterhin zum Abschluß irgendwelche Cafés stürmen zu können 😀

 

14 Kommentare zu “Fardig!

  1. Moin,
    gaaanz großes Kino, alle Daumen hoch für Eure Kreativität, Euer Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit und vor allem, dass Ihr den Spaß nicht verloren habt, trotz widriger Bedingungen. Das muss Euch erstmal einer nachmachen!
    Danke für die vielen schönen optischen Eindrücke. Da kann man sich das Matschgefühl halbwegs vorstellen. Wahrscheinlich lassen sich solche Trails und Abwege nur in der Gruppe ertragen.
    Geteiltes Läuferleid ist doppelte Läuferfreude!
    Bin schon sehr gespannt, ob und welche Fortsetzung es geben könnte…
    Liebe Grüße
    Elke

    • Moin Elke,

      wegen so ein bisschen Wetter zwischendurch und ein paar anstrengender Kilometer verlieren wir doch nicht gleich den Spaß! Wir sind halt hartgesotten hier im Norden und dass liegt nicht nur am Kuchen sondern auch am hiesigen Bier! 😆

      Und die Kreativität haben wir in erster Linie Ralf zu verdanken. Ihm gebührt das Lob, weil ohne seine Idee und seine Planung wären wir nie damit angefangen.

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Lieber Volker,
    das ist ein echt tolles Ding. Da hat man gut Lust, auch mal so eine Rundreise zu Fuß zu machen. Ich wurde auch erinnert an unsere Oldenburg Tour mit dem Rad. Solche Etappen-Touren machen echt Spaß.
    Ich denke ihr werdet eine tolle Alternative finden 🙂
    Wisst ihr eigentlich, das man auch ohne vorheriges Laufen in so ein Kaffee gehen kann und Kuchen essen kann? Das habe ich irgendwann mal rausgefunden, nachdem ich jahrelang glaubte, auf Mallorca kann man nur in Radschuhen und mit abgestellten Rad einen Kaffee und Kuchen bestellen 🙄
    Sachen gibt es!
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      wir wissen schon, dass man auch ohne vorheriges Laufen in einem Café Kuchen essen gehen kann. Aber das ist doch nur, wenn überhaupt, der halbe Genuß. Laufen sorgt schließlich für den notwendigen Appetit und den reuelose Genuß und außerdem für die nette Gesellschaft, die sich ohne einen solchen Anlaß auch nicht so einfach zusammenfindet. Das hilft also alles nix, etwas Sport muß also vorher sein 😀 Außerdem sind wir ja auch nicht im Mallorca-Urlaub! 😆

      Schön, dass Dich unsere Tour noch einmal an Euren Oldenburg-Tripp erinnert hat. Ich denke so oft daran, wenn ich an der Ferienwohnung vorbeilaufe!

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker
    Ganz toll! Was für ein tolles Projekt! Wenn ich da oben wohnen würde, wäre ich mitgekommen. Das sind wirklich interessante Orte, die ihr durchlaufen habt.
    Haha, der Dreck! Ist der Spruch „ist die Sauberkeit erst ruiniert, läuft es sich gänzlich ungeniert“ von dir? Den muss ich mir merken.
    Eigentlich könnte ich auch so ein Projekt starten, z.B. quer durch die Schweiz. Das wäre dann 4 Sommer oder so. Muss ich mir mal überlegen – danke für die Inspiration!

    • Wir hätten Dich herzlich in unseren Laufreihen willkommen geheißen, liebe Catrina!

      Den Spruch kann ich nicht wirklich für mich reklamieren, ich habe da lediglich das deutsche Sprichwort „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert“ den Gegebenheiten vom Sonntag etwas angepaßt 🙂

      Quer durch die Schweiz klingt sehr spannend, allerdings wird es da wohl nicht ganz so flach wie bei uns 😉 Das wäre ja der Oberhammer wenn Du das Projekt einmal angehen würdest! Ich bin gespannt!

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Moin Volker,
    super Aktion, eiskalt durchgezogen, grosse klasse! Und teilweise „interessante“ Wegauswahl mit Überaschungspotential 🙂 Nach 20km und Fährenüberfahrt noch mal anzulaufen, Respekt, da muss man wohl man in der mentalen Trickkiste kramen. Die Frage aller Fragen: welche Aktion folgt? Ich bin gespannt 🙂
    Liebe Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      es sind während der ganzen vier Winter teilweise sehr spannende Wege dabeigewesen. Aber so ein anhängliches Wesen wie der Acker hatte bis dato noch keiner entwickelt! 😀

      Viel hatte die mentale Trickkiste da nicht mehr zu bieten. Die Aussicht auf das große Finale und natürlich der Lockruf des Kuchens haben dann aber doch gereicht 🙂

      Ich bin genauso gespannt welche Aktion folgen wird. Warten wir es ab 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    da habt ihr eure aller-, allerletzte Etappe ja ganz gehörig mit Matsch gekrönt! Was für ein bemerkenswerter Abschluß dieser tollen Idee! 😀 Ich fand sie ja schon toll, als ich noch nicht begriffen hatte, dass sich heuer der Kreis eurer Läufe schließen wird.
    Den Kuchen habt ihr euch dieses Mal aber richtig hart verdient, denn zwei unerwartet zusätzliche Kilometer können echt weh tun! 🙂
    Mentaltrainingstest bestanden, setzen, essen! 😉
    Und: ich habe gelernt, dass es Orte in Deutschland gibt, die NOCH tiefer liegen, als Oldenburg… das hätte ich echt nicht gedacht! 😯

    • Liebe Doris,

      ist Dir etwas nicht aufgefallen, dass Du bei uns in Oldenburg quasi auf dem Berg gewohnt hast? Ohmstede liegt nämlich im Stadtgebiet am höchsten und unser Haus ungefähr auf 15 m über N.N..
      Allerdings liegen schon die Dir bekannten Bornhorster Huntewiesen ebenfalls unter dem Meeresspiegel, nur nich ganz so tief wie der Wynhamster Kolk 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,

    ferdisch würde der Hesse abschließend feststellen, oder: me hawwe ferdisch! 🙈

    Aber 330 km mit 14 Etappen, da habt ihr ja 23 km durchschnittlich pro Etappe bewältigt. Tolle Leistung und als Gruppe bestimmt auch immer schön, wenn auch manchmal anstrengend! Aber schon wegen des Kuchens hat sich das doch jeweils gelohnt! 😛

    Dann lasst euch mal was Neues einfallen, wir wollen auch im nächsten Winter wieder einen Fortsetzungsroman lesen!

    Vielen Dank schon mal im Voraus! 😉

    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      ich kenne nur „Erbarmen, zu spät, die Hesse kommen“ 😆

      Ich finde die durchschnittliche Etappenlänge auch ganz ordentlich. Aber in der Gruppe erlebt man das auch ganz anders als wenn man alleine läuft und für den Kuchen am Ende lohnt sich sowieso jeder Kilometer und jede Anstrengung 😀

      Eigentlich soll der Beginn des neuen Abenteuers noch im Februar starten, deswegen müssen wir mit der Entscheidungsfindung auch so langsam in die Pötte kommen. Schaun wir mal …

      LG Volker

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