Wehmut

… gepaart mit etwas Unbehagen überkam mich heute vormittag als ich mich ein letztes Mal in meiner kleinen Berliner Wohnung umschaute, bevor ich die Tür zuzog um meine Heimreise nach Oldenburg anzutreten. Zwei Tage früher als geplant. Meinen Urlaub hatte ich mir etwas anders vorgestellt.

Aber was macht man in einer Millionenstadt, wo sich die Millionen aus dem Wege gehen müssen und in der das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen ist? Seit Dienstag hatte ich keinen persönlichen Kontakt zu irgendjemanden mehr. Gerade mal im Vorbeigehen /-laufen auf Bürgersteigen unterschritt ich die gebotene Distanz zwischen den Mitmenschen. Trotzdem waren die vergangenen Tage eigentlich noch ganz schön: Ausschlafen, ausgiebig frühstücken, laufen, radeln, die erste Frühlingssonne genießen (alleine mit entsprechenden Abstand natürlich!), sich abends was Leckeres kochen und ein Bierchen dazu trinken. Eigentlich ganz erholsam, wenn man sich von der Nachrichtenlage nicht zu sehr gefangen nehmen ließ, was mir zugebener Weise teilweise recht schwer fiel.

Das Laufen lief aber ganz ordentlich und hat auch Spaß gemacht. In den letzten fünf Tagen kamen gute 60 km zusammen, knapp die Hälfte davon barfuß. Das war schon schön! So bleibt mir speziell die zweite Hälfte meiner Zeit in Berlin als ruhiger Erholungsurlaub in Erinnerung, wozu Berlin ja ansonsten eher weniger taugt 🙂

Das leichte Unbehagen beschleicht mich bezüglich der Ungewissheit, wann ich wohl das nächste Mal an meinem geliebten Zweitwohnsitz aufschlagen kann. Das schon geplante Wochenende im April zum eh abgesagten BER-Night-Run wird keinen Sinn machen und weiter in Zukunft mag ich im Moment noch nicht schauen.

Nun gilt es auch erstmal in der kommenden Woche in Oldenburg in einen Alltag zurückzufinden, der so schnell nicht alltäglich sein wird. Aber das geht uns ja allen so. Solange wir zu Essen haben, die Bude warm ist, der Strom fließt, wir laufen können und hoffentlich gesund bleiben, haben wir keinen Grund zur Klage.

Zum Schluß ein paar Impressionen von der Rückfahrt über teilweise schon geisterhaft leere Autobahnen:

Dadurch war mir eine Rekordzeit vergönnt, vier Stunden für ca. 440 km in meinem PS-schwachen Kleinwagen. Das wird wohl kaum noch zu unterbieten sein und das hoffe ich in Bezug auf einen irgendwann wieder zurückkehrenden täglichen Wahnsinn sogar! 🙂

 

18 Kommentare zu “Wehmut

  1. Wow, lieber Volker, 60km in 5 Tagen! Das ist sehr viel! Und dann noch fast die Hälfte barfuß – super!
    Du sagst es ganz richtig: Nahrung, Wärme, Strom, Gesundheit und Bewegungsfreiheit – solange wir das haben, geht’s uns gut. Zwar müssen wir in Sachen menschliche Wärme und Nähe zur Zeit zurückstecken, aber zum Glück haben wir da noch die virtuelle soziale Welt. In Zeiten wie diese schätze ich unsere laufende Bloggerwelt umso mehr!
    Ich freue mich über jeden Post – es tut so gut, am Leben anderer teilzuhaben. Du wirst sehen, du wirst bald wieder in Berlin sein! 😊
    Ganz liebe Grüsse aus Cape Town!

    • Jo, die letzten Tage ist es wirklich gut gelaufen mit dem Laufen, liebe Catrina 🙂

      Wir können froh sein, dass wir die virtuelle Welt haben. Ich finde, dass sie uns in dieser Zeit einiges geben kann, bzw die Menschen, die dahinter stecken.Allerdings ist es schade, dass es gerade jetzt doch recht ruhig auf den Blogs ist. Sowohl auf der Schreiber- als auch auf der Kommentarseite. Aber viele haben jetzt eben auch andere Sorgen als zu lesen und zu schreiben, auch das ändert sich hoffentlich bald wieder. Mir geht es nämlich genauso wie Dir, ich freue mich über jeden Post!

      Ganz liebe Grüße zurück aus Oldenburg
      Volker

  2. Lieber Volker,

    tja, einen Abschied dieser Art nimmt auch der Bruder meiner Frau samt seiner Frau von deren Zweit-Wohnsitz in Meck-Pomm. Sie haben es dort nicht sehr weit an die Ostsee und wohnen nur ein bisschen westlich von Margitta, wenn ich das richtig einschätze! 😉 Sie fahren morgen zurück in die „Hamburger Ecke“ und wissen schon jetzt, dass sie von ihrem kleinen Häuschen „ausgesperrt“ sind, denn vorerst dürfen (!) sie nicht mal zurück! – Von daher „kenne“ ich das schon und kann es gut nachvollziehen. … so schade … dass auch das Reisen zur Zweitwohnung so eingeschränkt wird! 😥

    … schön ist aber, dass du dich so gut erholen … und so viel laufen konntest!

    Wie lange haste denn zum Retuschieren der Bilder gebraucht. Das hat doch bestimmt lange gedauert die ganzen Autos wegzukriegen! 😛

    Jetzt wird der Alltag Wehmut und Unbehagen überdecken und es wird hoffentlich nicht in die allzu weit entfernte Zukunft rücken, dass wir wieder unbeschwert leben und reisen können!

    Lebe dich gut ein … auch in das sicherlich anders geartete Arbeiten im Home-Office!

    Bleib(t) bitte gesund und munter und
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      dass ist echt bitter für Deinen Schwager und seine Frau. Vorallem verhindert genau das auch die Ausbreitung von Corona :-/

      Mich würde von meiner Wohnung nach aktuellem Stand zwar niemand aussperren, aber was soll ich in Berlin so lange dort kein Leben ist und die Kontakte nur auf Abstand bestehen können? Von daher bleibt wirklich nur die Hoffnung, dass die nicht allzu weit entfernte Zukunft hoffentlich wirklich nicht allzu weit entfernt ist. Und bis das soweit ist, retuschiere ich weiter Autos von Autobahnbildern 😀

      Auf den Arbeitsstart am Dienstag bin ich schon gespannt, schaun wir mal dort und was bis dann ist. Mit Home-Office hätte ich aber kein Problem.

      Bleib(t) bitte gesund und munter: dito! 🙂

      LG Volker

  3. Lieber Volker,
    ich kann es Dir nachfühlen. Derzeit weiß man nicht, wie der nächste Morgen aussieht… In der Tat ist da wenigstens gut, dass uns soziale Medien zur Verfügung stehen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie so eine Lage vor 30 Jahren gewesen wäre. Nur Telefon….
    Super, dass Du 60 km zusammengelaufen hast!
    Machen wir also das Beste draus. Füllen wir unsere Zeit sinnvoll aus, mit laufen, lesen, chatten oder anderen Dingen. Tragen wir alle unseren Teil dazu bei, dass das Virus gestoppt wird.
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      wie gesagt, Wehmut und Unbehaben sollen keine Klage ausdrücken, aber es ist schon ungewohnt nicht mehr konkret planen zu können, wann und wie es in naher Zukunft weitergeht, nicht nur in Bezug auf Berlin. Wir können uns hingegen glücklich schätzen über die vielen Kanäle, die es heute gibt, vor dreißig Jahren wäre die soziale Vereinsamung wahrlich dramatischer gewesen. Allerdings wäre dadurch auch der Hang zur Hysterie wohl etwas kleiner, alles hat halt immer seine zwei Seiten.

      Ich denke wir wissen uns zu beschäftigen und ganz ehrlich: So lange wir noch laufen dürfen, ändert sich für mich persönlich gar nicht so dramatisch viel. Lediglich Jens und meine Vorliebe fürs Essen gehen muß erst einmal ausfallen, ansonsten sind wir eh nicht die Typen, die ständig op Swutsch sind.

      Wir schaffen das!

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Moin Volker,
    ab diesem Wochenende wird der Alltag wohl für alle etwas surrealer, leere Autobahnen sind allerdings ein netter Seiteneffekt. Vor allem war deine Idee mit dem Auto zu fahren scheinbar goldrichtig.
    Und du konntest Berlin mal anders kennenlernen und dazu noch jede Menge Kilometer sammeln. So richtig verstanden was du beruflich machst, hab ich zwar überhaupt noch nicht, aber wenn Berlin nicht zwingend notwendig dazu ist, dann tippe ich mal dass du demnächst nichtmal in Oldenburg im Büro sitzt, sondern im Home Office. So wie ich seit bereits einer Woche.
    Das Wichtigste ist und bleibt, lasst uns gesund bleiben, die „Social Distancing“-Regeln befolgen und immer ausgiebig Hände waschen. Und vor allem alleine laufen, solange man uns läßt.
    Liebe Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      die Sache mit dem Auto war wohl wirklich nicht die schlechteste Idee. Ich wäre wohl auch noch mit der Bahn weggekommen, aber so war ich flexibel und auf der sicheren Seite. Darüberhinaus durfte ich dieses wohl einmalige Erlebnis der leeren Autobahnen „genießen“ 🙂

      Berlin hat miit meinem Beruf überhaupt nichts zu tun. Meine kleine Wohnung (gerade mal 1 ZKB, 35 m²) ist lediglich ein dekadenter Luxus, den mir mein verstorbener Freund Hanno (er findet im vorherigen Post Erwähnung) möglich gemacht hat. Beruflich bin ich kommunal bedienstet und seit geraumer Zeit in der Flüchtlingsunterbringung beschäftigt. Wie da Home Office geregelt werden kann, soll sich Dienstag herausstellen.

      Das Wichtigste hast Du klar herausgestellt und wenn wir dann noch weiter alleine laufen dürfen, sind wir mit unserem Sport schon privilegiert!

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,

    schön, dass Du Deinen Urlaub trotz der großen Krise genießen konntest. Wir sind seit einigen Tagen zurück und gewöhnen uns so langsam an die Ausnahmesituation hier in Deutschland. Ab Donnerstag muss ich auch wieder arbeiten. Überwiegend im Homeoffice. Mal sehen, wie das wird. Telefonieren wird wichtiger … Apropos 😉

    Dir einen guten Start und viele positive Gedanken. Laufen hilft.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Lieber Rainer,

      man muß das Beste draus machen und ich denke, dass ich das unter den gegebenen Umständen mit meinem Urlaub hinbekommen habe.

      Ich hoffe Ihr hattet eine tolle und noch unbeeinträchtigte Zeit in Neuseeland. Nun soll ja auch dort das öffentliche Leben heruntergefahren werden.

      Homeoffice allüberall. Heute habe ich noch Urlaub und morgen wird besprochen, wie wir das auf der Arbeit regeln werden. Ich hätte mit Homeoffice so gar kein Problem, schaun wir mal.

      Ansonsten sind wir jetzt viel zuhause, von wegen telefonieren 😉

      Danke, einen guten Start wünsche ich Dir auch, genauso wie gute Gedanken.

      Bleibt gesund, liebe Grüße an Euch alle
      Volker (der gerade vom Laufen reingekommen ist 😎 )

  6. Lieber Volker,
    tja, Berlin ist nicht Berlin im Moment – gilt wohl für jede Stadt! Es ist bedrückend, mit dieser Ungewissheit zu leben, wann es wie weitergeht. Und doch hast du recht: Man sollte versuchen, die Situation zu relativieren. Wir haben ein Dach überm Kopf, genug zu essen (auch wenn nicht immer alles verfügbar ist), unser Leben ist nicht unmittelbar bedroht, wir können über verschiedene Medien Kontakt mit unseren Lieben halten, für uns als Beschäftigte im ÖD gibt es (Stand bisher) auch keine finanziellen Existenzsorgen. Also heißt es ruhig bleiben, „auf Sicht fahren“ und immer nur an die nächsten Tage denken – und laufen, um sich von all dem Mist auch mal abzulenken!

    In diesem Sinne: Liebe Grüße an dich und Jens und bleibt gesund!
    Anne

    • Liebe Anne,

      ja, da wird wohl keine Stadt eine Ausnahme machen. In Oldenburg habe ich mich noch gar nicht umgeschaut, wozu auch? Die Situation zu relativieren nimmt mir den Druck. Zu wissen, dass alles Lebensrelevante funktioniert und auch das das Risiko bei einer eventuellen Infektion der Krankheit zu erliegen nicht exorbitant hoch ist, beruhigt. Die Ungewissheit über Fortgang und Dauer der Entwicklung ist aber trotzdem beklemmend. Immerhin können Umwelt und Klima in dieser Zeit aufatmen, darf man das positiv sehen?

      Versuchen wir uns in dieser Situation einzurichten und fahren auf Sicht. Ich bin noch einmal mehr dankbar, dass ich das Laufen habe und es auch darf.

      Bleib auch gesund und ganz liebe Grüße zurück Jens und mir
      Volker

  7. Lieber Volker,
    ja, deine Wehmut kann ich sogar ein bisschen fühlen. Vielleicht weil auch hier es manchmal gespenstig still ist.
    Versteh mich nicht falsch, ich bin Home Office und absolute Ruhe gewöhnt hier. Aber das im Moment ist anders. Am Sonntag konnte ich auf der Umgehungsstraße nach Trier Technikübungen mit dem Rad machen 😯
    Das war dann selbst für mich unheimlich.
    Aber, wir müssen da jetzt durch!
    Fühl dich gedrück, irgendwann sitzen wir zusammen und erzählen uns unsere Geschichten darüber 🙂
    Und irgendwann schließt du die Tür wieder auf und stürzt dich anschließend ins Berliner Nachtleben.
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      mittlerweile bin ich ja schon den vierten Tag wieder zurück und die Wehmut ist verflogen. Seit heute bin ich im Home-Office (was ich mir in der Vergangenheit schon immer gewünscht hatte), erst einmal für ein Woche, dann wohl im Wechsel mit meinen Kolleginnen.

      Das die Ruhe des ländlichen Bereichs noch einmal deutlich spürbarer wird, hätte ich jetzt gar nicht so vermutet. In größeren Städten hingegen ist es logisch, dass es auffällt.

      Danke fürs Drücken, das gebe ich, den Zeiten entsprechend korrekt, virtuell an die zurück. Wenn wir uns aber irgendwann Geschichten darüber erzählen, werde ich das Berliner Nachtleben aber ausklammern 😆 )

      Liebe Grüße
      Volker

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