Ab durch die Mitte

Elke kommentierte gestern auf meine Flucht ins Moor, dass sie gerade antiterritoriales Verhalten an den Tag legt. Während sich nämlich alles in der Natur bewegt, läuft sie u. a. durch ihren Heimatort und kann dort aufgrund der Menschenleere unbehelligt ihre Runden drehen.

Dasselbe in Oldenburg zu tun hatte ich auch schon überlegt, aber ich hatte das ungute Gefühl, dass ein entsprechender Lauf angesichts der geschlossenen Geschäfte doch etwas von Katastrophentourismus hätte. Da heute aber Sonntag ist und die Geschäfte sowieso geschlossen hätten, hatte ich mich tatsächlich dazu entschlossen, ab durch die Mitte -die Stadtmitte- zu laufen.

Anlauf Richtung Innenstadt nahm ich auf üblichem Weg entlang der Hunte und dann durch den Hafen ins Zentrum.

In der Fußgängerzone herrschte fast normale sonntagvormittägliche Ruhe. Aber nur fast, es fehlte die bei so einem Wetterchen belebte Außengastronomie. Kaum eine Menschenseele, wo sonst das Leben pulsiert. Keine Tische, keine Stühle, nirgends. Lediglich ein paar Spaziergänger und Radfahrer bevölkerten die ansonsten leeren Straßen.

Ein Polizeibus rollte durch die Fußgängerzone, die Polizistin am Steuer lächelte mir freundlich zu. Es lag ein ungewohnter Frieden zwischen den Häusern. Ich konnte bedenkenlos barfuß laufen, da kein nächtliches Partyvolk ihre Scherben hinterlassen hatte. In einem Schaufenster lockte eine wunderschön dekorierte Ostertafel, wie sie in diesem Jahr wohl nirgends stattfinden wird. In einem leerstehenden Geschäft grüßte, völlig surreal, ein vergessener Weihnachtsbaum.

Ich verließ die Innenstadt und meine Digi-Cam verließ mich mit leerem Akku. Es war mein erster Barfußlauf durch das Zentrum Oldenburgs, …

… der bei frischen Temperaturen begann und bei angenehmer Wärme endete. Ich kann nicht verhehlen, dass es für mich ein schöner Lauf war, nicht zuletzt weil mir heute viele lächelnde Menschen begegnet sind. Ob es alleine am schönen Wetter lag oder auch an dem Bedürfnis Menschen zu begegnen, weiß ich nicht. Es wurde einfach viel gelächelt, das zählt in diesen Zeiten!

15 Kommentare zu “Ab durch die Mitte

  1. Danke, lieber Volker, für die ortskundige Stadtführung! Da habe sogar ich den Marktplatz erkannt. 😊 Kai hatte sich auch über die Bilder gefreut. Übrigens, die Gellener Torfmöörte kannte er nicht!
    Es ist wirklich ein sehr ungewohnter Anblick – ich kenne die Innenstadt nur als ein Ort voller Menschen, die einkaufen, flanieren und draussen Tee trinken. Diese Ruhe ist eine schöne Abwechslung, wenn auch der Grund dafür nicht so schön ist.
    Da hatte die Elke wirklich eine gute Idee – vielleicht sollte ich das auch mal ausprobieren. 😊
    Bei uns lächeln die Menschen auch mehr – ich glaube, wir sind einander durch diese Pandemie näher gekommen 😉.
    Liebe Grüsse aus dem sonntäglichen Zürich!

    • Sehr gerne, liebe Catrina. Schön auch, dass ich Kai ein wenig alte Heimat zeigen konnte 🙂 Die Gellener Torfmöörte habe ich auch erst nach Jahren durch Zufall entdeckt, sie liegen etwas abseits der Strecke Oldenburg – Elsfleth.

      Hoffen wir mal, dass das Leben bald wieder in die Oldenburger und auch alle anderen Innenstädte zurückkehren kann. So schön wie es auch zum Laufen sein mag, wünsche ich doch lieber allen Kaufleuten und Gastronomen, dass sie bald wieder öffnen können.

      Tja, auf Elkes gute Ideen ist immer Verlaß 😀

      Bislang habe ich den Eindruck, dass die Leute vielfach recht achtsam mit einander umgehen. Nahezu alle sind bedacht die Regeln einzuhalten und mit etwas Freundlichkeit geht das doch auch gleich viel besser.

      Liebe Grüße aus dem spätabendlichen Oldenburg
      Volker

  2. Lieber Volker,

    also ich hab da nix erkannt! 😛 … hähä, war ja auch noch nicht da! 😳

    Aber du hast es wohl treffend abgebildet, sonst hätte dich Catrina nicht loben können! 😉 Nur bei deinem Boomtown-Bild mit den Kränen, dachte ich echt im ersten Augenblick: „Wollen die die Hochhäuser aus dem Wasser heraus bauen?“ – Assoziationen hab ich manchmal! Tse, tse! 🙄

    In solchen Zeiten kann man es wagen durch die Innenstädte zu „tigern“ und es auch barfuß zu tun! Aber freundlich sind sie fast überall. Ich war heute nachmittag noch mit dem Radl auf großen Wegen im Wald unterwegs. Wenn ich Spaziergängern meinen Wunsch zu überholen per Klingel ankündigte, gingen sie zügig und freundlich beiseite. Jedesmal bedankte ich mich und bekam ausnehmend nette und freundliche Antworten! – Wenn es doch immer so entspannt zuginge! 🙂

    Hoffentlich haben sich die Polizisten auch an die Regeln gehalten und waren nicht mehr als zu zweit auf den Sitzbänken ihrer „Kutsche“! 🙂

    Bleib munter und gesund … im Home-Office!

    LG Manfred

    • Also ich würde Dir Oldenburg sehr gerne zeigen, lieber Manfred 😎

      Dann könntest Du auch sehen, dass die neuen Hochhäuser lediglich AM Wasser gebaut werden 😀

      Wäre es nicht wirklich schön, wenn die Freundlichkeit der Leute die Krise überdauern würde? Aber wer weiß, vielleicht bleibt sie ja tatsächlich hängen 🙂

      Vorne waren die Polizisten nur zu zweit, ob sich hinten hinter den verdunkelten Scheiben noch welche versteckt gehalten haben, kann ich aber nicht sagen 😆

      Jau, ab morgen ist wieder Home-Office angesagt, ich freu mich drauf.

      Bleib genauso munter und gesund!

      LG Volker

  3. Moin Volker,
    das klingt doch nach einem entspannten Läufchen ohne nennenswerten Behinderung durch zu viele Menschen 🙂 Ts, nachher hätten sie noch Geld für Dich gespendet, dass Du Dir mal ein paar Schuhe kaufen kannst … 😉
    Auf diese Weise kommen wir so zu schönen Oldenburger Impressionen! Ihr habt da eine schöne City, wie mir scheint. Die vielen Backsteinhäuser wirken auf mich sehr norddeutsch, aber das mit gelbem Fachwerk – so etwas hätte ich nie bei Euch vermutet! Und den Kontrast zum Hafengelände, das finde ich total spannend für einen Lauf! Und als Sahnehäubchen blauer Himmel und Strahlesonne – herrlich!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Moin Elke,

      bei den wenigen Menschen wäre für neue Schuhe wahrscheinlich nicht viel rumgekommen. Ähnliches erlebte gestern wohl ein einsamer Straßenmusiker, zu seiner traurigen Musik machte er auch noch ein trauriges Gesicht.

      Oldenburg hat wirklich eine sehr charmante Innenstadt mit in der Tat teils sehr norddeutschem Charakter. Das gelbe Fachwerkhaus, das Degode-Haus, ist das zweitälteste Haus Oldenburgs.

      Der Hafen liegt sehr stadtnah und geht in den Stadthafen für Sportboote über. Seit letztem Jahr gibt es so gar einen neuen Anleger für Flußkreuzfahrtschiffe.

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Lieber Volker,
    auch wenn du in der Innenstadt deine gesuchte Menschenleere gefunden hast und einen schönen Lauf genießen konntest, ich würde trotzdem die Natur bevorzugen. Allerdings, Ausnahmesituationen erfordern Ausnahmemaßnahmen und wenn man so unbehindert seine Runden drehen kann. Daher ist es bestimmt eine gute Möglichkeit, wenn die Strecken in der Natur zu voll sind… Wird wohl in den Ostertagen auch zu empfehlen sein, sollte das Wetter schön bleiben 😉
    Ich muss aber gestehen, eine so leere Stadt wie auf deinen Bildern sieht fast geisterhaft aus… Gut gaben es wenigstens ein paar lächelnde Menschen 😊
    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      ich bin ja durchaus auch ein Stadtmensch, sonst würde ich z. B. auch Berlin nicht so mögen. Wenn es auch fürs Laufen seinen Charme hat, wünsche ich mir doch für alle eine schnellstmögliche Rückkehr zur alten Betriebsamkeit. Dann habe auch meine weitere Liebe, die Natur, wieder mehr für mich 😀 So wäre allen geholfen und zumindestens mir würde das Lächeln dann so schnell nicht mehr vergehen 😆

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    ja, ich bemerke auch, das wenn man Menschen trifft, das alle irgendwie mega freundlich sind und grüßen, lächeln. So als würden sich alle gegenseitig Mut zusprechen. Oder eben zeigen wollen, das wir eben alle zusammen da durch müssen.
    Und deine Bilder geben eindrucksvoll wieder, was man überall beobachtet im Moment: einen Himmel, der so wahnsinnig blau ist … bilde ich mir das nur ein, oder ist das blau irgendwie anders als sonst? Ich glaube Andi hat die letzten Tage auf unseren gemeinsamen Touren mindestens 1000 mal eine ganz entzückte Helge erlebt, die das irre Blau des Himmels bestaunte 😆
    Da muss erst Corona kommen damit der Volker die Innenstadt mal barfuß erläuft.
    Aber sie sieht natürlich auch wunderbar leer aus. Und so ganz ohne Glasscherben macht das sicherlich auch deutlich mehr Spaß 😉
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      die Achtsamkeit und Freundlichkeit hat in meinen Augen wirklich zugenommen. Klar nicht bei allen, aber es ist schon auffällig. So hat alles auch sein Gutes 🙂

      Dieses Blau ist dieses glasklare Frühlingsblau, gepaart mit einer augenblicklich wohl auch sehr geringen Luftverschmutzung. Dieses unglaubliche Blau ist ein Trostpflaster in dieser Zeit.

      Glaub mir, ich würde sogar in den dicksten Laufschlappen durch die Fußgängerzone laufen, wenn es Corona nicht gäbe, aber wem sage ich das. Aber wenn diese Sache gelaufen ist, werde ich noch einmal extra barfuß durch die Fußgängerzone laufen, mitten durchs Wuhling, einfach so, zur Feier des Tages. Auch wenn ich dann wieder etwas mehr auf Scherben achten muß 😉 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,

    soooo leer habe ich Oldenburg auch noch nicht gesehen. Soll es mir nun gefallen, oder doch eher nicht? Ich bin mir da nicht schlüssig. Aber schrerbenfreieFußgängerzonen haben tatsächlich etwas Positives. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Ich schon, lieber Rainer, aber das paßte dann zur Tages- und Jahreszeit. So mitten im Frühling habe ich das aber auch noch nicht erlebt. Die Umwelt profitiert ja vielfach von der augenblicklichen Krise, da sind die fehlenden Scherben nur ein kleiner Nebeneffekt 😉

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Moin Volker, da hatten wir ja fast die gleiche Idee, ich laufe auch grade immer wieder in der sehr leeren Innenstadt, was normalerweise völlig unmöglich wäre. Auch sowas kann man durchaus mal geniessen, wenn es teilweise auch surreale Züge annimmt.
    Der fehlende Flugverkehr macht den Himmel noch blauer, dazu Ruhe in den Städten, schade dass so etwas nur durch eine grassierende Krankheit möglich ist. Immerhin lächeln die Menschen in Oldenburg, das ist hier nicht so.
    Liebe Grüße und trotzdem auf Glasscherben aufpassen!

    • Moin Oliver,

      am gestrigen Sonntag konnte ich es durchaus als Genuß verbuchen. In der Woche würde mich das aber angesichts der ganzen geschlossen Geschäfte und der damit verbundenen wirtschaftlichen Not vielleicht doch eher bedrücken.

      Die Umwelt ist der große Profiteur dieser grassierenden Krankheit und vielleicht auch etwas die Menschlichkeit, zumindestens bei einigen und zumindestens für diese Zeit und zumindestens in Oldenburg 😉

      Für Scherben und sonstige Gemeinheiten habe ich inzwischen schon ein recht geschultes Auge entwickelt 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

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