Wenn das Normale zum Besonderen wird

Gedankengänge und Erlebnisse:

Samstag, 03.10., 16:00 Uhr: Nach der Teatime bei Muttern könnte ich eigentlich noch laufen gehen. Wie wäre es mit der 14 km-Standardrunde? Hmmmm, schon lange nicht mehr so weit gelaufen.

Samstag, 03.10., 17:00 Uhr, Vier Tassen Tee getrunken, zwei Stücke Pflaumenkuchen intus: Zieh das Radshirt an, dann kannst Du die Sandalen hinten in die Taschen stecken und nach Bedarf anziehen…. Nein, nimm den Laufrucksack, da passen Sandalen, das Smartphone und der leichte Windbreaker rein, dann bist Du auch für den angekündigten Regen gewappnet.

Samstag, 03.10., 17:15 Uhr: Ich starte und plane gleich meine Strecke um. Lauf durch Bornhorst, den Radweg entlang der Hauptstraße, dann sparst Du Dir die rollsplittversaute Strecke und somit die Sandalen. Gesagt, getan. Drei Kilometer später biege ich auf die schmale Strecke Richtung Großer Bornhorster See ab, mir folgen etliche Autos, ausrechnet hier, wo der Asphalt so schlecht ist und das Barfußlaufen volle Konzentration braucht. Ein Unfall auf der Landstraße führt zu diesem hohen Verkehrsaufkommen auf meiner Laufstrecke, da bin ich froh, dass ich nach ein paar Hundert Metern zwischen Haupt- und Umleitungsstrecke noch eine Alternative genau in der Mitte laufen kann.

Wenig später sprinte ich kurz über die Landstraße, da der parallele Radweg erneuert wird, um auf meinen Lieblingsweg durch die Bornhorster Wiesen abbiegen zu können. Es läuft, ich bin happy. Das Tempo sogar einen Hauch flotter als in all den letzten Wochen und Monaten und ich heimse noch eine anerkennende Bemerkung für mein Barfußlaufen ein.

Wenig später hält mir einer von zwei jungen Männer bei dem Parkplatz die Pforte neben dem Gatter auf. Auf meinen Dank kommt ein “ Das kostet aber einen“ (die beiden haben jeweils eine Bierdose in der Hand, sind aber super freundlich), ich erwidere, dass ich beim nächsten Mal etwas für die beiden dabei haben werden. Es läuft, ich freue mich über die Begegnungen und fühle mich großartig.

Weiter geht es entlang der Hunte, anschließend die Treppe hoch zur Huntebrücke und die Rampe runter. Unten angekommen biege ich statt nach links nach rechts ab, so umgehe ich erneut die Rollsplittstrecke und laufe erneut den Radweg entlang der Hauptstraße durch Bornhorst, biege ab nach Ohmstede, die Sandalen bleiben die ganze Zeit im Rucksack. Es läuft!

Ca. 19:00 Uhr, es beginnt zu regenen. Ich komme wieder zuhause an und kühle noch etwas vor der Haustür ab, da kommen meine Nachbarin und mein Nachbar mit Hund vorbei. Mein Nachbar ist vor kurzem angefangen zu laufen, er staunt immer noch über meine Barfußlauferei und es folgt ein nettes Lauf-Gespräch im Regen.

Ich bin 15,2 km gelaufen. Das letzte Mal, dass ich weiter gelaufen bin, war am 16.05. !!! Hammer! Eine Distanz, die für mich absolut normal war, wird 4 1/2 Monate später zu etwas ganz besonderen. Und es war sooooo mega und absolut geil!

Merke: Man sollte nichts für selbstverständlich erachten. Das was lange normal war, kann plötzlich etwas ganz Besonderes und ein absolutes Highlight sein. Natürlich hoffe ich, dass dieses Highlight und auch noch etwas mehr wieder Normalität wird, wenn das passiert werde ich mir dessen hoffentlich mit noch etwas mehr Dankbarkeit bewußt sein!

24 Kommentare zu “Wenn das Normale zum Besonderen wird

  1. Deine lauf bericht liest sich toll, das motiviert mich heute auch mal wieder eine längere runde zu laufen. Ich mach gerade immer so zwischen 5 und 8 km. Ich schreib dann wie es war. Toller bericht auf jeden Fall 😀

    • Moin Jürgen, schön Dich hier zu lesen! Willkommen!

      Es kommt ja nicht unbedingt auf die Länge der Strecke an, aber ich bin trotzdem schon gespannt, wieviel Kilometer Du heute unter die Sohlen nimmst und freue mich auf Deinen Post.

      Danke Dir und viele Grüße
      Volker

  2. Lieber Volker
    Alleine schon dafür, dass du mit 2 Pflaumenkuchenstücken und 4 Tassen Tee im Bauch dir überlegst, laufen zu gehen, gratuliere ich dir!

    Dein Lauf liest sich ja toll. Ein paar Challenges, wie Rollsplitt und Autoschlangen, dafür Komplimente fürs Barfusslaufen, freundliche Biertrinker, die dir die Pforte aufhalten und ein nettes Nachbarn-Gespräch. Was will man mehr?

    Herzliche Gratulation zu deinen 15,2km!! Verrückt, dass es schon fast 5 Monate her ist.

    Ich stimme dir voll und ganz zu: Das Laufen ist ein riesiges Privileg. Ich schätze es besonders, wenn ich nach einer Verletzung wieder zu laufen anfange.

    Liebe Grüsse aus dem halb-regnerischen Zürich!

    • Liebe Catrina,

      die Überlegung hatte ich ja schon vor Tee und Kuchen, die Ausführung erfolgt dann gut gestärkt danach 😀

      Den Rollsplitt habe ich ja umlaufen, die Challenge habe ich mir also gespart, und die Autos mußte ich zum Glück nicht lange ertragen. Die jungen Männer waren der Beweis: Biertrinker können durchaus nette Menschen sein. Die beiden hatten einfach ansteckend gute Laune 🙂

      Ja, vor fast fünf Monaten war ich das letzte Mal die Halbmarathon-Distanz gelaufen, danach kamen nur noch ein paar vereinzelte 14er.

      Leider ist es so, dass wir unsere Privilegien erst immer dann so richtig zu schätzen wissen, wenn sie uns abhanden kommen. Aber immerhin wissen wir sie zu schätzen!

      Liebe Grüße aus dem heiteren Oldenburg
      Volker

  3. Lieber Volker,
    na also, es läuft doch. Ich kenne das Gefühl, von dem Du schreibst. Wünsche Dir, dass es ohne Rückschläge so weitergeht.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    • Lieber Rainer,

      das Risiko von Rückschlägen ist immer da, damit haben wir ja schon ein Stück weit zu leben gelernt. Umso mehr sollten wir die Zeiten genießen, in den es läuft! 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Lieber Volker,
    ich liebe die Aussage deines Posts: nichts für selbstverständlich nehmen und dankbar sein für all die schönen Momente, die wir haben. 🙂
    Das ist sooo schön !!
    Und ich freu mich wie Bolle für dich. Weil du dich freust 😀
    Ganz liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      es gerät nur leider doch nur allzu schnell aus dem Fokus, wenn erst einmal eine Zeit lang wieder alles gutgegangen ist. Aber das (Lauf)leben holt einen ja immer wieder einmal auf den Boden der Tatsachen zurück und kommt auch die Dankbarkeit wieder.

      Danke, es freut mich sehr, dass Du Dich mit mir freust 😀

      Ganz liebe Grüße zurück
      Volker

    • Na klar ist es das, Jörg. Ich habe es auch gerade bei Dir gelesen. Drücken wir uns die Daumen, dass wenigstens das Laufjahr 2020 noch einigermaßen versöhnlich endet!

      VG Volker

  5. Lieber Volker,
    super! Ich freue mich mit dir, dass es einfach fluppte bei dir und auch die Distanz dir keinerlei Quälerei verursacht hat, sondern im Gegenteil, pure Freude. Das sind die Läufe, von denen man noch lange zehrt, vor allem der Kopf.
    Ja, wenn mal jeder Lauf so gut liefe… Wo kann man das bitte bestellen?
    Weiter so!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Tja, liebe Elke,

      diese Bestelladresse suche ich auch schon seit Jahren vergeblich. Wir werden wohl weiterhin mit einem etwas unzuverlässigen Lieferanten leben müssen und dankbar sein, wenn wir mehr gute Läufe als Ausschuß geliefert bekommen 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Moin Volker,
    nach jedem Tief gehts auch wieder aufwärts, das liest sich fluffig und war es wohl auch, wirklich sehr erfreulich! Und ja, ganz genau, ein wenig Demut schadet nie, es ist alles andere als selbstverständlich dass wir „einfach so“ Kilometer um Kilometer rennen können/dürfen.
    … und nächstes mal auf dieser Strecke die Bierdose nicht vergessen 😉
    Bleib so locker, liebe Grüße, Oliver

    • *grins* Moin Oliver,

      ich werde wohl wieder den Laufrucksack mitnehmen, fürs Bier. Das ist dann auch gut geschüttelt 😀

      Ich gebe mir Mühe in Sachen Lockerheit, ist leider nicht immer ganz so einfach.

      Liebe Grüße
      Volker

  7. So, jetzt aber richtig!
    Lieber Volker,
    das liest sich sehr positiv! 🙏 Und so kann/sollte es weiter gehen! Ich wünsche es dir von ganzem 🧡en!
    Diese Gedankengänge vor dem Laufen kenne ich nur zu gut… Und die Strecke kurz nach dem Start schon wieder umgeplant… kommt mir auch sehr bekannt vor. Daher hat es kein Sinn, dass ich im Voraus sage wo ich hinlaufen werde, denn dort bin ich sowieso selten 😅 Aber diese Flexibilität finde ich zugleich sehr schön!
    Ja, das sind wahre Worte, nichts für selbstverständlich nehmen und für die kleinen Dingen dankbar sein. Da hat man schon viel gewonnen! 🤩
    Liebe Grüße Anna

    • Siehst Du, alles wieder im Lot, liebe Anna 😀

      Das ist ja das Obermegageniale am Laufen, man kann es halten und spontan umplanen wie man will. Das macht dem Laufen so schnell keine andere Sportart nach 🙂

      Das Laufen gehört für mich nicht einmal zu den kleinen Dingen, es hat schon einen großen Stellenwert bei mir, von daher ist die Dankbarkeit noch mehr angebracht! 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Lieber Volker,

    Privilegien, über Privilegien! 😆
    Nicht nur, dass wir uns überhaupt bewegen können, in der freien Natur bewegen dürfen und können, bewegen können, wohin wir wollen, sondern auch das Tempo selbst bestimmen können und das ganze bei jedem Wetter machen dürfen und können … und, und, und! 🙂 Es ist einfach ein privilegierter Sport, da gebe ich dir Recht! (Vielleicht kommt das Radeln dem nahe? – … aber nur nahe dran! 😛 )

    Unser so normaler Sport IST etwas Besonderes!!! 😎

    Und… dankbar bin ich immer, nicht nur, wenn es wieder besser läuft, nicht nur, wenn ich gerade daran denke! Von daher brauche ich auch keine schlechte Erfahrung, um wieder an das Gute erinnert zu werden. Eigentlich sauge ich bei jedem Lauf mindestens einmal die Luft besonders tief ein, schaue in den Himmel und bedanke mich für das jeweilige Erlebnis!

    Ich freue mich aber besonders für dich, dass es wieder geht … nee, läuft! 😉 … und nach solch einer Stärkung, lecker Pflaumenkuchen bei Muttern 🙂 , da muss es doch fast von alleine laufen … selbstverständlich waren die 15 km aber nicht, deshalb genieße es und sei dankbar!

    … das geschüttelte Bier müssen sie dann aber auch „in Kauf nehmen“!

    Möge es lange so gut laufen!

    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      an das Radeln habe ich in Bezug auf flexiblen Individualsport auch noch gedacht, aber dafür braucht es schon etwas mehr Equipment 😉

      Ich gebe schon zu, dass mir die Dankbarkeit immer wieder etwas aus dem Fokus gerät, wenn es längere Zeit gut läuft. Vielleicht werde ich deswegen auch immer wieder zwangsgeerdet? 😯 Allerdings bin ich sehr oft echt glücklich wenn ich einen schönen Lauf erlebe. Ist Glücklich sein also nicht auch schon eine Art Dankbarkeit?

      Ich finde mit zwei Stück Pflaumenkuchen auf 15 km bin ich doch echt sparsam im Verbrauch, oder? 😀

      Ich will ehrlich sein, ich schleppe doch kein Bier mit mir rum, da ich nicht vermute die beiden launigen Jungs so schnell wiederzusehen. So bleibt mir das Geschleppe und dem Bier das Geschüttel erspart 😀

      Danke Dir und liebe Grüße
      Volker

  9. Lieber Volker,

    bin auch der Meinung, dass zumindest bewusst erlebtes Glücklichsein schon (so ne Art) Dankbarkeit ist! 🙂

    Eine Input-Output-Rechnung habe ich jetzt nicht aufgemacht, aber 2 Stück Pflaumenkuchen hören sich definitiv nach einem sehr sparsamen Verbrauch an … immerhin haste 15 km lang viel verbrannt! Mehr hätte ich aber (auch) nicht essen dürfen, sonst hätte mein Magen beim Laufen rebelliert. Von daher warste schön diszipliniert vorher … und deshalb lief es sooo gut! 😉

    Bin auch mal ehrlich, habe nämlich auch nicht angenommen, dass du wirklich 2 Dosen Bier mit dir rumschleppst, nur weil es sein könnte, dass du 2 wildfremde Jungs mal wieder sehen KÖNNTEST … egal wie freundlich sie waren! … und solltest du sie doch mal wieder treffen, kannste dir ja ne Ausrede einfallen lassen, aber schön ehrlich bleiben! 😛

    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      da sind wir ja nahezu einer Meinung, ist doch auch mal was schönes 😀 😉

      Disziplin ist mein zweiter Vorname 😆 Nein, auch da sind wir uns einig, noch mehr Kuchen wäre für das Gelingen eines direkt anschließenden Laufs doch etwas kontraproduktiv gewesen 🙂

      Dein letzter Absatz eint uns ein drittes Mal, die Absicht Bier mitzuschleppen bestand in der Tat nie. Es hätte bei einem tatsächlichen neuerlichen Aufeinandertreffen mit den Beiden auch keiner Ausrede bedurft, sondern lediglich einer offenen Auseinandersetzung über die Wahrscheinlichkeitstheorie 😀

      LG Volker

  10. Lieber Volker,

    Auch mich freut es sehr, dass die Stimmung im Bericht wieder deutlich positiver rüberkommt!
    Hängen geblieben bin ich – lachend und grübelnd, warum er mich so erheiterte – an dem Satz:

    die beiden haben jeweils eine Bierdose in der Hand sind aber superfreundlich

    Ich glaube, es war das aber. ;-D

    • Liebe Lizzy,

      die positive Stimmung ist bei mir sicher noch nicht permanent vorhanden, aber sie kommt doch schon wieder öfter vor. Da allerdings das, was mich triggert, nach wie vor allgegenwärtig ist, kann ich weiterhin noch für nichts garantieren.

      *grins* von in der Öffentlichkeit biertrinkenden jungen Männern hat man ja in der Regel doch ein etwas anderes Bild, dass erklärt vielleicht das ABER 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

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