Leben!

Vom Grundsatz her bin ich ein Mensch, der gerne und viel alleine sein kann. Beim Laufen und überhaupt. Das ich trotzdem ein halbwegs soziales Wesen bin zeigt allerdings alleine schon dieser Blog. Das ich darüberhinaus durch Kontakteinschränkungen und die allgemeine Verunsicherung durch das allseits präsente Elendsthema leide ist auch hinlänglich bekannt. Umso schöner, dass Elke eine spontane Idee hatte, kurzfristig ein virtuelles Bloggertreffen einzuberufen. Zu acht tauschten wir uns über knapp drei Stunden über alles Mögliche und Unmögliche aus. Es war so toll! Danke an alle, die dabei waren und speziell an Elke für die Organisation und Bereitstellung der technischen Basis.

Zwei Tage später zog mich ein Handwerkertermin in meiner Wohnung in meine Lieblingsstadt. Große Lust hatte ich keine, herrscht doch auch in der Hauptstadt tote Lockdownhose. Das es trotzdem wieder einmal ganz anders kam, läßt mir jedesmal das Herz aufgehen. Johann hat mich zum Essen und Filmabend eingeladen. Es blieb beim Essen, wir hatten uns soviel zu erzählen, dass wir in der Küche hängenblieben. Da braucht es keinen Fernseher 🙂 Am Nachmittag war ich noch mit meiner Nachbarin zwei Stunden spazieren. Tags drauf war ich gerade am kochen, als aus dem Vorderhaus die Einladung zum Essen kam. Da habe ich spontan die Pfanne vom Herd genommen, noch das Rührei gemacht und mit rübergenommen zu Ulrike und Christoph, um mit ihnen einen schönen Abend zu verbringen. Am Tag drei hatte ich dann Besuch, mein Barfuß-Freund Frank kam zu mir. Zuvor hatten wir uns etwas zu essen geholt und dann gab es viel zu schnacken bei dem ein oder anderen Bierchen und Likörchen.

Nachmittags war ich noch spazieren. Das Laufen hatte ich mir gespart, ahnte ich doch schon, dass an einem unglaublich schönen Vorfrühlings-Sonntag auf dem Tempelhofer Feld die Höhle los sein wird. Es war die Höhle los, was auf dem gigantisch großen Areal aber kein Problem darstellt. Lediglich an den Zugängen war es extrem wuselig. Es wurde gechillt, spaziert, gelaufen, geradelt, gekitesurft, gesurft und getanzt. Es wurde Basketball gespielt und Tennis und Volleyball und Fußball. Obwohl es mir eigentlich schon etwas zu viele Menschen waren, habe ich die Atmosphäre einfach nur in mich aufgezogen. Soviel Aktivität und soviel gute Laune, das war nach diesen schrecklichen Winterwochen einfach nur fantastich. Einfach Leben!

So ein Tag schon im Februar, wo ich in kurzen Hosen spazieren konnte, war für alle Menschen ein echter Glücksfall.

Gerade einmal fünf Tage vorher bin ich noch im grauen Restwinter-Tauwetter in Oldenburg laufend unterwegs gewesen.

Und heute schwitzte ich erstmals aufgrund der Temperaturen:

Wenn es die letzten Tage überhaupt einen Wermutstropfen gab, dann war es das ganz Neukölln und auch das Tempelhofer Feld mit Tonnen von Split vollgeschmissen sind. Barfußlaufen kann ich da knicken und die fiesen Steinchen finden auch immer wieder den Weg in die Sandalen. Aber was kratzt mich das, wenn ich mal wieder so richtig leben konnte, nicht nur mit echten Menschen, sondern auch mit echten, guten Freunden!

Das passende Lied dazu:

17 Kommentare zu “Leben!

  1. Lieber Volker,

    siehste, da hat sich die Berlinfahrt doch wieder gelohnt und deine Lieblings-Hauptstadt dich nicht enttäuscht! 🙂

    Die Handwerker-Arbeit ist hoffentlich zu deiner Zufriedenheit erledigt … und dann haste noch sooo viele Freunde getroffen!!! – Schön, dass du auch bei der Video-Schalte dabei warst … wird wohl ein Stammtisch draus! 😆

    Die Reinhard-Mey-Frage des von dir verlinkten Liedes würde ich gerne soo vielen Mitmenschen stellen! Es gibt ja immer mehr Menschen, die sogar draußen Masken tragen. Da lobe ich mir die Berliner auf dem Tempelhofer Feld!!! – Es gibt doch keine Evidenz für Infektionen im Freien!!! DANKE für die Bilder!

    Kennste auch R. Meys „Heim-Konzerte“, wie z. B. „Die Mauern meiner Zeit“? Ein Video z. B. vom 09.12.2020: (er setzt tolle Zeichen)

    Machs gut und in die Hauptstadt (?)
    LG Manfred

    P.S.: und denk an ein altes Lied von R. Mey: „Was kann schöner sein auf Erden als Politiker zu werden?“ 😛

    • Lieber Manfred,

      ich weiß nicht woran das liegt, aber Berlin hat mich noch nie enttäuscht und ich packe heute abend mit der üblichen Wehmut für die morgige Fahrt zurück nach Oldenburg.

      Bei dem Handwerker-Termin ging es um eine Zweitmeinung zu einem ersten Installateurbesuch und hat mir mal eben knapp 900 Euro gespart. Somit war auch dieser ein voller Erfolg.

      Ich weiß nicht, warum es nur in Berlin gelingt Freunde (sogar im Rahmen des Erlaubten) zu treffen, in Oldenburg hingegen sind alle so verunsichert, dass ich dort nicht einen Bruchteil dieser Kontakte erleben kann.

      Das was sich auf dem Tempelhofer Feld an Menschen bewegt hat, sieht auf einigen Bildern dramatisch aus, aber das liegt nur an der Aufnahme-Perspektive. Es war Platz und Abstand genug. Das einige Mannschaftsportler entgegen des Erlaubten gespielt haben, pffffft, es war draußen in der Sonne. Wat solls also? Irgendwie muß ja langsam mal wieder normales Leben möglichlich sein. Auf dem Tempelhofer Feld haben auch noch so einige Maske getragen, dass muß ja jeder selber wissen, mit den FFP2-Masken betreibt man ja auch Eigenschutz, also soll es jeder tun, der es für nötig hält. Das ist doch okay.

      Reinhard Mey hat geniale Texte, ich liebe seine Musik!

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Wie schön, lieber Volker; ich freu‘ mich mit dir und den tanzenden Menschen … mit ein ganz klitzekleinem bisschen Neid auf ganz real existierende Rührei-Nachbarn und nicht digitale Küchenratschrunden.

    • Liebe Lizzy, wenn ich das Talent dazu hätte, hätte ich auch getanzt! Die real existierenden Nachbarn und Freunde sind in Gold nicht aufzuwiegen und mehr als Balsam für meine Seele.

      Die digitale Zusammenkunft möchte ich nicht abtun, sie war einfach toll und eine schöne Gelegenheit sich auszutauschen. Schließlich sind solche, teils internationale, Zusammenkünfte auch ohne Corona nicht leicht zu organisieren und deshalb bietet diese Variante eine unkomplizierte Möglichkeit auf Bloggerebene miteinander zu ratschen 😀

      Liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker,
    das Tempelhofer Feld sieht ja aus, als wenn da ein Konzert o.a. stattfindet! Ich find ja einerseits toll, dass die Berliner da mitten in ihrer Stadt eine solch große Freifläche haben und sie so vielfältig nutzen. Es macht mich aber manchmal auch etwas nachdenklich, dass sie nicht so wie wir „Landmenschen“ die Möglichkeiten haben, etwas mehr Ruhe haben zu können, ohne gleich weiter fahren zu müssen. Aber vielleicht ist man damit zufrieden, wenn man es nicht anders kennt?
    Du hast ja die wunderbare Möglichkeit, beides haben zu können!
    Und dazu noch nette Nachbarn und Freunde am Ort, was will man mehr?
    Super, dass der zweite Handwerkertermin zu einer vernünftigen und weniger teuren Lösung führte 🙂
    Liebe Grüße
    Elke

    • Ja, liebe Elke, den Konzertgedanken hatte ich auch, aber in der Draufsicht hätte man sehen können, wieviel Platz da noch war. Also die totale Einsamkeit findest Du in Berlin sicher nicht, aber ansonsten gibt es soviel Grün, dass es sich schon verläuft. Der Weg raus aus der Stadt ist aber wirklich schon recht weit.

      Die zweite Lösung war sogar kostenlos. Einen krasseren Unterschied kann es gar nicht geben 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  4. Lieber Volker
    Fast fühlt sich dein Berlin-Aufenthalt wie eine Zeit nach der Pandemie. Alle sind fröhlich, treffen sich, essen und trinken zusammen und geniessen einen schöne Zeit.
    Nur die Tatsache, dass du dich jeweils im kleinen Kreis mit den Leuten getroffen hast und ihr nicht in Restaurants wart, erinnert daran, dass noch ein bisschen im Lockdown herrscht. 😉

    Das freut mich sehr, dass die Berliner das fröhliche Zusammensein nicht verlernt haben. Das Bild mit dem Paar, das auf dem Tempelhofer Feld tanzt, ist ein schönes Symbolbild dafür.

    Du fährst heute nach Oldenburg zurück? Ich hoffe, du kannst ein bisschen Feststimmung mitnehmen. Und da hast du auch schönes Frühlingswetter und wenigstens kein Rollsplit!

    Liebe Grüsse aus dem sonnigen Cape Town!

    • Ja, so war es auch, liebe Catrina. Lediglich ein paar „Maskenmenschen“ erinnerten noch daran. Es war so schön einmal diese Fast-Normalität zu erleben.

      Jau, gestern bin ich nach Oldenburg zurückgefahren und da hier das Wetter heute einfach nur obergenial war, ist die Feststimmung auch noch erhalten geblieben 😀

      Liebe Grüße aus dem abendlich milden Oldenburg
      Volker

  5. Lieber Volker,
    oh wie schön! Deine Lieblingsstadt, nette Menschen, gemeinsames Essen (soooo wichtig!!!) und Gespräche, gewürzt mit Spaziergängen und Lebensfreude pur! 😀
    Wenn das nicht genau die Wohltat ist, die du (wir alle) momentan brauchen.
    Und wenn der Anlass dann auch noch „was gebracht“ hat – umso besser!

    Das virtuelle Treffen war einfach nur toll und hat richtig gut getan. Einfach mal Menschen zu sehen, die eben nicht gerade „ums Eck“ wohnen ist schon was herrliches. 🙂

    • Lebensfreude pur, in der Tat, liebe Doris. Es hat so unendlich gut getan das ein paar Tage zu erleben.

      Das virtuelle Treffen hat dem aber in nichts nachgestanden, es war so schön Euch zu sehen und zu schnacken. Toll!

      Liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,
    das ist ja eine coole Idee mit dem virtuellen Bloggertreffen – zumindest fünf von den acht meine ich zu erkennen auf dem Schirm 😊
    Siehst du, wenn man keine großen Erwartungen hat kommt es meist anders. Die Tage in deiner Lieblingsstadt hören sich ja wunderschön an mit vielen netten wohltuenden Begegnungen!
    Auch ich, wo ich keine großen Menschenmengen mag, hätte bestimmt auch ausnahmsweise das Gewimmel auf dem Tempelhof Feld genossen, ganz abgesehen von dem schönen Wetter und die warmen Temperaturen 🤗
    Oh je, Split ist fies! Wegen Kälte und Eis in den vergangenen Tagen wahrscheinlich?
    Ich freue mich für dich, dass du so schöne Tage hattest!! Und wünsche dir noch viel mehr davon!!
    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      wäre das virtuelle Bloggertreffen auch etwas für Dich? Wir wollen das zu einer festen Einrichtung machen und Du würdest super dazupassen.

      Nach diesem dunklen, einsamen Winter war das Gewimmel wirklich eine erfrischende, wohltuende Abwechselung.

      Ja, mit dem Split wird in Berlin massiv gestreut und es hatte ja einige Tage Eis und Schnee dort. Bis das aber mal wieder alles weggefegt wird, kann es noch etwas dauern.

      Danke Dir, ich wünsche Dir auch schöne Tage in einer Form wie sie Dir am besten behagen 😀

      Liebe Grüße
      Volker

      • Es wäre schon cool, mal bei so einem virtuellen Bloggertreffen dabei zu sein und die Menschen, mit denen man Jahrelang schon schreibt und gut kennt endlich mal „treffen“ zu dürfen. Wann finden die Treffen immer statt?

  7. Moin Volker, kaum wird es wärmer, strömen die Menschen nach draussen, das ist gut so. Auch gut dass der alte Flughafen als Erholungsfläche erhalten wurde (wird er doch auch weiterhin, oder?), kann mir vorstellen dass viele Dauerstadtbewohner ein großes Bedürfnis nach etwas mehr Weite haben, besonders nach diesem Winter. Dass du mal wieder einige Freunde treffen konntest ist dann der Extra-Bonus, auch für die Seele 🙂
    Rollsplit verdirbt mir hier auch immer noch das Barfußlaufen, das ist wirklich ganz fieses Zeug für die Fußsohlen, aber die Kehrmaschinen sind schon fliessig unterwegs. Wenigstens das klappt hier (Schneeräumen war ja nicht so erfolgreich…).
    Genieß die warmen Tage, Shorts im Februar gibts nicht so oft.
    Liebe Grüße, Oliver

    • Moin Oliver,

      in Berlin hat es einen Volksentscheid zum Erhalt des Tempelhofer Felds in seiner jetztigen Form gegeben und der ist durchgegangen. Die Beliebtheit des Felds spricht darüberhinaus Bände.

      Meine Seele wurde in den Tagen in Berlin wirklich mehr als gestreichelt. Es tat so gut!

      Das unterscheidet Düsseldorf von Berlin, bis in Berlin der Split aufgekehrt wird, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Ich hoffe aber, dass es bis zum meinem nächsten Trip dorthin passiert ist 🙂

      Sofern es sich nicht um Laufshorts handelt, gibt es das im Februar in der Tat nicht so häufig. Es ließ sich aber schon herrlich in kurzen Hosen bei Aldi einkaufen 😆

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Lieber Volker,
    das klingt ja sehr schön all die Begegnungen. Und umso besser – du klingst auch richtig fröhlich. Vielleicht sind liebe Menschen einfach das Heilmittel?
    Und dann hast du noch Reinhard Mey dazugetan. Da werde ich ja ganz sentimental!
    Liebe Grüße!

    • Liebe Roni,

      liebe Menschen sind in der Tat ein Heilmittel, ich hoffe nicht nur für mich 🙂 Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Verständnis für einander macht es doch aber auch um so vieles einfacher, oder nicht? Und was meinst Du warum ich mich in diesem Bloggerumfeld so wohl fühle 🙂

      Ich mag Reinhard Mey total gerne. Leider war ich noch nie auf einem Konzert von ihm.

      Liebe Grüße
      Volker

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