Ohne Dich

Die im vorherigen Post erwähnten 15 Tage Laufpause sollten genug sein. Drum ging ich am Montag wieder laufen um der längsten freiwilligen Laufpause ever ein Ende zu setzen. Ausgeruht waren dabei in erster Linie die Fußsohlen und schnurten klaglos über den üblen Asphalt rund um den Großen Bornhorster See, den sie sonst nur mit Sandalen zu überlaufen bereit sind. Ansonsten aber verflog die Hoffnung auf einen geschmeidigen Wiedereinstieg. Trotz angenehm niedriger Temperatur wollte kein Fluss aufkommen, auch nicht nach dem Bad im Kleinen Bornhorster See. Aber immerhin konnte ich 11 Barfuß-Kilometer in meine bis dato klägliche Juli-Statistik eintragen.

Am Mittwoch überlegte ich zum Ende meines Home-Office-Tages Jens zu einer Nordic-Walking-Runde zu animieren, während ich meine Laufrunde drehe. Es sollte anders kommen. Als Jens an diesem Tag einige Zeit nach mir aufstand und ich die ersten Worte mit ihm sprach, stimmte etwas mit ihm nicht. Ein Anruf in meiner Hausarztpraxis mit Schilderung der Symptome führte zu dem Kommentar „Kommen sie nicht, wählen sie gleich den Notruf 112“ und wenige Zeit später stand ein Rettungswagen auf unserer Auffahrt. Die dreiköpfige Besatzung kümmerte sich in unserer Küche um Jens und nach ca. einer halben Stunde rollte der Rettungswagen mit ihm vom Hof. Ins 30 km entfernte Westerstede wurde er gebracht, da sich die zuständige Oldenburger Klinik abgemeldet hatte. Erst am Nachmittag hörte ich erstmals etwas von ihm, da ging es ihm zum Glück schon wieder besser, er solle aber mindestens fünf Tage im Krankenhaus bleiben. Ich fuhr zur Klinik und brachte ihm eine Tasche mit allem Nötigen. Besuchen konnte ich ihn bei der Gelegenheit nicht, Corona läßt grüßen. Abends versuchte ich mich mit einem Lauf abzulenken, was leidlich funktionierte, ein Durchschnittspuls von 160 bei einer Pace von 6:35 sprach da Bände.

Am nächsten Tag dann kam mittags die Entwarnung, nachdem man Jens in der Klinik einmal komplett auf links gedreht hatte, bestätigte sich die anfängliche Befürchtung nicht und er durfte sogar schon wieder nachhause. Was für ein Schreck mit guten Ausgang. Die Gedanken, die einem in dieser Zeit durch den Kopf gehen, sind unbeschreiblich. Nach über 20 gemeinsamen Jahren mit all ihren Höhen und Tiefen, kann ich folgenden Liedtext nahezu voll und ganz unterschreiben:

Ob es an dieser Erleichterung lag, weiß ich nicht, aber der heutige Lauf war endlich mal wieder einfach nur schön. Sehr langsam, aber auch sehr entspannt lief ich erneut die Strecke vom Montag, erneut überliefen die Fußsohlen den schraddeligen Asphalt und erneut ging ich im Kleinen Bornhorster See ins Wasser und ließ mich nicht einmal von einer Gruppe Kinder entmutigen, die von ihrem Trainer ins Wasser gescheucht wurden und wie die Fische schwimmen konnten, kraulend und rückenschwimmend.

Ende gut, alles gut, in zweierlei Hinsicht. Wobei natürlich das erste so immens viel wichtiger ist. Gesundheit ist alles, ohne Gesundheit ist alles nichts. Das wurde mir, wurde uns mal wieder deutlich vor Augen geführt und über den glimpflichen Ausgang sind wir sehr glücklich und dankbar.

20 Kommentare zu “Ohne Dich

  1. Lieber Volker,
    oh was für ein Alptraum! Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es dir an dem Tag, in den langen Stunden gegangen ist, bis du endlich Nachricht aus dem Krankenhaus bekommen hast.
    Wie geht es Jens jetzt? Ich hoffe wieder gut – ganz liebe Grüße an dieser Stelle an ihn!

    Ach so einen Schreck braucht wirklich niemand, aber wie du schreibst, danach bewertet man einige „Probleme“ dann oft wieder in der passenden Wertigkeit.

    Und trotzdem oder genau deswegen gratuliere ich dir zu deinen ausgeruhten Sohlen! Interessant, dass sie nach einer Pause klaglos fordernden Untergrund akzeptieren!
    Lass dich zumindest virtuell drücken! 🙂

    • Liebe Doris,

      inzwischen hast Du ja schon zwei Fotos gesehen, Jens geht es zum Glück wieder gut. Das einzige was erstmal bleibt ist eine gewisse Verunsicherung über das, was da passiert ist. Aber ich denke mit etwas Abstand wird das wieder verschwinden.

      Die Fußsohlen honorieren in der Regel immer ein paar Ruhetage mit hoher Unempfindlichkeit. Aber ich hoffe auch auf ein gewissen Fortschreiten der Abhärtung 🙂

      Danke für den Drücker, den ich gleich mit Jens geteilt habe 🙂

      Liebe Grüße
      Volker

  2. Lieber Volker
    Drei Läufe mit drei so verschiedenen Gefühlslagen… Unglaublich, wie schnell sich das Leben, unsere Pläne und Hoffnungen ändern können. Und interessant, wie das Laufen uns dabei hilft, das Erlebte zu verarbeiten.

    Doris sagt es richtig: was dir und Jens da gerade passiert ist, ist ein wahrer Alptraum.

    Ich kannte das Lied der Eisbrecher nicht, finde es aber sehr passend. Und es ist genau so, wie du es sagst: ohne Gesundheit ist das Leben gar nichts.

    Daher: bleibe dran mit dem Laufen und hoffen wir, dass Jens dich bald wieder fleissig mit den Stöcken begleitet!

    Liebe Grüsse aus dem verregneten Zürich!

    • Liebe Catrina,

      Leben ist was passiert, während wir andere Pläne machen. Manchmal führt das leider auch zu recht harten Erlebnissen 😦

      Immerhin hat der Albtraum ein schnelles und zum Glück auch gutes Ende genommen. Was augenblicklich geblieben ist, ist eine gewisse Unsicherheit, ob es noch einmal passiert. Aber ich hoffe, dass diese mit etwas Abstand auch wieder vergeht.

      Das Lied kenne ich noch aus Zeiten, wo ich im noch Fitness-Center Indoor-Cyling gemacht habe, ist schon ein paar Jahre her. Ich mag es aber immer noch und der Text ist gerade aktueller denn je.

      Am Laufen bleibe ich natürlich dran und werde Jens auch künftig das ein oder andere Mal die Stöcker in die Hand drücken 🙂

      Liebe Grüße aus dem gewittrigen Oldenburg
      Volker

  3. Lieber Volker,

    Was für ein Schreck!
    Wie gut, dass es sich als falscher Alarm herausgestellt hat!! Und es ist wirklich stark, dass alle Beteiligten besonnen reagiert haben und alles in die richtigen Wege geleitet wurde.

    Du hast ganz recht: Laufen ist da Nebensache. Und sobald es im Allgemeinen wieder besser läuft, läuft es sich auch gleich besser. 😉

    Alles Liebe von meinem Norden in deinen Norden,
    Luisa

    • Liebe Luisa,

      ich hatte gute zwei Jahre lang relativ oft beruflich mit dem Rettungsdienst zu tun, dass hat es mir sicher etwas leichter gemacht. Aber die Rettungswagenbesatzung war toll, genauso wie der Mann in der Leitung vom Notruf. Da hat im Vorfeld alles recht gut geklappt. Auch von Seiten der Sprechstundenhilfe, die gleich auf den Notruf verwiesen hat.

      Das Laufen konnte immerhin helfen, mich wiedre runterzuholen 🙂

      Liebe Grüße von dem hohen Norden in den ganz hohen Norden
      Volker

  4. Lieber Volker, manchmal wird man urplötzlich in Situationen geworfen, die „mal eben“ die ganze Kraft benötigen. Da muss Laufen dann mal zurückstecken und das ist auch gut so. Insbesondere wenn man nicht mal beim geliebten Menschen im Krankenhaus bleiben kann wegen der ganzen aktuellen Vorschriften (hatte da ja auch so meine Erfahrungen die letzten Wochen). Zum Glück hat sich bei Jens nichts bestätigt, die Erleichterung kann ich mehr als nachvollziehen, da kann dann die Anspannung auf der Laufstrecke bleiben.
    Gesundheit ist das Allerwichtigste, ich hoffe Jens hat sich auch wieder komplett erholt und ihr beobachtet was überhaupt los war.
    Liebe Grüße, Oliver

    • Lieber Oliver,

      an das Laufen hatte ich in den Stunden überhaupt keinen Gedanken verschwendet. Da hatte ich wirklich andere Sorgen, die sich aber zum Glück recht schnell wieder legen konnten. Das was wirklich los war, fällt auch bei den Ärzten etwas in das Reich der Spekulationen. Aber alle Untersuchungen haben keinen Anlaß zur Sorge gegeben und so hoffen wir, dass sich die noch vorhandene Verunsicherung bei Jens und auch bei mir mit etwas Abstand wieder legen wird. Ansonsten geht es Jens gottlob wieder gut.

      Ich hoffe, dass sich auch bei Dir die Situation inzwischen etwas entspannen konnte. Alles Gute auch für Dich und Deine Familie!

      Liebe Grüße
      Volker

  5. Lieber Volker,
    das stelle ich mir ja furchtbar vor. Da wird dein Partner mal eben 30km weit mit sorgniserregenden Symptomen in ein Krankenhaus gefahren und du hörst erst einige Stunden später etwas und kannst ihn nichtmal besuchen. Da wäre ich ja total fertig gewesen! Ich bin sehr erleichtert, dass es doch falscher Alarm war und es ihm wieder gut geht! Das Laufen ist da Nebensache, aber natürlich auch grossartig, dass das wieder gut klappt.
    Liebe Grüße auch an Jens!

    • Das war auch wirklich alles andere als schön, liebe Roni. Zum Glück war der ganze Spuk trotz anfänglicher Warterei dann schnell vorbei. In diesen anstrengenden Zeiten war das noch das Tüpfelchen auf dem i.

      Ich habe mich schon wieder zwei Tage ums Laufen gedrückt, wegen Wärme und Schwüle (über die Du nur lachen würdest), aber heute geht es wieder los 🙂

      Danke schön, die Grüße richte ich aus. Liebe Grüße zurück ans andere Ufer
      Volker

  6. Lieber Volker,
    uff, das waren ja Schreckmomente für dich, für euch! Aber du hast supergut und richtig reagiert! Ohne das ginge es Jens vielleicht jetzt schlechter…? Aber dass er dann so weit weg gebracht wurde und du nicht zu ihm konntest, das ist ja auch extrem nervend. Gut zu lesen, dass es dann aber doch nicht so schlimm war! Welch eine Erleichterung! Konnte man denn die Ursache feststellen? Kann es wieder passieren? Kann man eine Wiederholung verhindern? So etwas mag man wirklich nicht erleben müssen. Unsere allerbesten Wünsche für Jens!
    Kein Wunder, wenn da deine Lauflust ausgebremst war. Und umso spürbar erleichterter war dann dein gestriger Lauf, eigentlich kein Wunder.
    So ein Erlebnis löst sicherlich eine Gedankenlawine aus. Nichts ist uns garantiert, alles kann von einem Moment zum nächsten anders werden… Es rückt manches in ein anderes Licht und man merkt, welche Dinge wirklich wichtig sind!
    Das Lied kannte ich nicht, gefällt mir!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      inzwischen konnten wir uns von den Schreckmomenten etwas erholen. Die genaue Ursache konnte man nicht feststellen, es gibt nur eine Vermutung. Deshalb kann es wieder passieren und man kann eine Wiederholung nicht verhindern. Im schlimmsten Fall müssen wir das Prozedere dann noch einmal wiederholen. Wir könnten höchstens etwas abwarten, ob sich die Symtome wieder genauso schnell legen wie dieses Mal, aber ob Jens, ob wir den Nerv dazu haben. Wir hoffen einfach, dass es doch nicht noch einmal passiert.

      Seid Ihr wieder im Lande? Alles okay bei Euch?

      Liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,

    von diesen Schreckmomenten schon gehört und hier nochmal nachgelesen! 😳 Da bin ich mit dir froh und dankbar, dass es Jens wieder gut geht und schicke ein Dankgebet gen Himmel! Hoffen wir, dass es so bleibt!

    Boah eh … und ich war schon geschockt, als ich morgens „nur“ mal gehörige Wortfindungsstörungen hatte, die sich aber schnell legten, als ich wieder ordentlich getrunken hatte. Bei mir hatte es also eine Dehydrierung ausgelöst!

    Auch wenn sie alle sehr gut und besonnen reagiert haben, schön sind die Momente nicht, in denen man nichts weiß. Eka bekam damals (2011) bei und nach meiner 10stündigen OP auch sehr lange keine Infos. … und jetzt bei ihrer Mutter … 😥

    Aber den auf dem Bild, den kenne ich doch … aber eher als „Checker“ und von der Sendereihe „Auftrag Auto“, in der er mit der Schweizer Rennfahrerin Cyndie Allemann zu sehen war. Cooler Typ und singt das passende Lied. Seine Worte beschreiben vieles auf den Punkt und in solchen Momenten … da kann einem das nahe gehen! / – (Geht übrigens schon eher in meine Musikrichtung! 😆 )

    Bleibt gesund, fit und wohl behütet!
    LG Manfred

    • Lieber Manfred,

      inzwischen haben wir uns von den Schreckmomenten etwas erholt und wir hoffen auch, dass es keine Wiederholung gibt.

      Ich weiß ja, dass es in Krankenhäusern durchaus dauern kann, bevor man irgendeine Info bekommt, deswegen war ich nicht extrem beunruhigt, aber schön sind diese Momente wahrlich nicht. Muß ich eigentlich nicht wieder haben.

      Was Du alles weißt, ich kannte den Typen überhaupt nicht und mir sagten „Checker“ und „Auftrag Auto“ bis zu meiner Google-Suche gerade eben überhaupt nichts 🙂

      Das Lied hat es in der Situation absolut auf den Punkt gebracht. Freut mich, dass ich Deine Musikrichtung auch einmal halbwegs getroffen habe 😛

      Wir tun unser Bestes, Ihr aber bitte auch!
      LG Volker

  8. Lieber Volker,
    oh man, was für ein Schrecken! Mir wurde ganz bammel beim Lesen als du das geschrieben hast mit Krankenhaus und so, und dann dachte ich an den Titel deines Beitrags und irgendwie wurde mir ganz anders.
    Zum Glück gab es Entwarnung. Zum Glück muss es nicht „ohne ihn“ 🙂
    Ich bin ja so froh.
    Traurig stimmt natürlich, das es immer noch so irrsinnige und unmenschliche Regelungen gibt, wie das im Krankenhaus kein Besuch gestattet ist.
    Mich macht das wütend. Wie viele Menschen strerben einsam im Krankenhaus weil man ihre Freunde nicht zu ihnen lässt ?

    Ich freue mich, dass ihr beide wohl auf seid und das der nächste Lauf auch wieder gut war.
    Passt gut auf euch auf 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      am Aufnahmetag hätte ich mit negativem Schnelltest-Ergebnis zu Jens gedurft. Aber das wußte ich vorher nicht und vor Ort war kein Schnelltest-Angebot vorhanden. So konnte ich nur die Tasche im Foyer abgeben. Tags drauf hatte ich mich dann in Oldenburg schon testen lassen, aber da durfte er ja schon wieder nachhause und ich habe ihn am Eingang abgeholt. Komplett durchgeimpft hätte ich zu ihm gedurft. Das eine Impfung ja weder vor einer Infektion noch vor einer Weitergabe schützt interessiert ja niemanden. Ein nicht enden wollender Irrsinn.

      Aber natürlich nicht nur aus dem Grunde bin ich froh, dass es Jens wieder gut geht und er wieder zuhause ist.

      In Sachen Aufpassen geben wir uns Mühe. Ihr Euch aber bitte auch!

      Liebe Grüße
      Volker

      • Ja, Hauptsache, Jens ist wieder zu Hause. 🙂
        Wenn ich das Wort „durchgeimpft“ schon höre, wird mir ganz anders … aber lassen wir das besser 😆
        Ich freu mich einfach nur, das es euch beiden gut geht.

      • Vorallem dürfen die ersten „Durchgeimpften“ bald wieder ran, die Auffrischungsimpfung ist fällig 😆
        Also ran an den Speck 😀

    • Hey Heimo, schön Dich zu lesen.Ja, der Schuß war ziemlich laut und der Donner hallt noch immer etwas nach, allerdings auch in Richtung Besinnung.

      Ich hoffe Euch geht es gut, liebe Grüße zurück aus dem hohen Norden
      Volker

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