Greenland

Versaut hat man mir einen Teil meiner liebsten und kuscheligsten Barfußstrecke. Der Einstiegssandweg für meine Strandfeelingstrecke im Gellener Moor wurde mit Steinen „verbessert“, wie gemein 😦

Dabei wollte ich doch meinen Füßen mal wieder so richtig etwas Gutes tun. Naja, jetzt ist es erstmal so wie es ist und es wird schon ne ganze Zeit dauern, bis die Steine wieder untergebuttert worden sind. Da bin ich halt auf die umliegenden Asphaltstraßen ausgewichen und durfte feststellen, dass diese auf vielen Kilometern einen wirklich geschmeidig glatten Asphalt aufzuweisen haben. Wenn dieser Asphalt auch keinen weichen Sand ersetzen kann, so bot er doch das Maximum an Barfußkomfort, was auf der Straße möglich ist und entschädigte weitestgehend für die entgangene Sandkur.

Absolut top waren auch die Ausblicke auf das Geestland. Üppig grün lag es da, überstrahlt von einem malerischen Wolkenhimmel. Ich traf kaum auf Menschen und alles wirkte so friedlich. Ein Top-Lauf über 11 km.

Greenland:

Zwei Tage später ging sich auch endlich mal wieder ein Lauf mit Torben aus.

Der erste Lauf im August sollte eigentlich nur eine ca. 11 km langer Feierabendlauf zum Kleinen Bornhorster See sein, aber es lief so gut, das Wetter war so toll und die Stimmung so schön, dass es schlußendlich 18 km wurden.

Mit der Schwimmerei komme ich im Moment nicht so recht voran, was daran liegt, dass es am See jetzt immer recht voll ist. Macht aber auch nichts, Laufen ist ja auch irgendwie ganz schön 😉 😆

Ohne Dich

Die im vorherigen Post erwähnten 15 Tage Laufpause sollten genug sein. Drum ging ich am Montag wieder laufen um der längsten freiwilligen Laufpause ever ein Ende zu setzen. Ausgeruht waren dabei in erster Linie die Fußsohlen und schnurten klaglos über den üblen Asphalt rund um den Großen Bornhorster See, den sie sonst nur mit Sandalen zu überlaufen bereit sind. Ansonsten aber verflog die Hoffnung auf einen geschmeidigen Wiedereinstieg. Trotz angenehm niedriger Temperatur wollte kein Fluss aufkommen, auch nicht nach dem Bad im Kleinen Bornhorster See. Aber immerhin konnte ich 11 Barfuß-Kilometer in meine bis dato klägliche Juli-Statistik eintragen.

Am Mittwoch überlegte ich zum Ende meines Home-Office-Tages Jens zu einer Nordic-Walking-Runde zu animieren, während ich meine Laufrunde drehe. Es sollte anders kommen. Als Jens an diesem Tag einige Zeit nach mir aufstand und ich die ersten Worte mit ihm sprach, stimmte etwas mit ihm nicht. Ein Anruf in meiner Hausarztpraxis mit Schilderung der Symptome führte zu dem Kommentar „Kommen sie nicht, wählen sie gleich den Notruf 112“ und wenige Zeit später stand ein Rettungswagen auf unserer Auffahrt. Die dreiköpfige Besatzung kümmerte sich in unserer Küche um Jens und nach ca. einer halben Stunde rollte der Rettungswagen mit ihm vom Hof. Ins 30 km entfernte Westerstede wurde er gebracht, da sich die zuständige Oldenburger Klinik abgemeldet hatte. Erst am Nachmittag hörte ich erstmals etwas von ihm, da ging es ihm zum Glück schon wieder besser, er solle aber mindestens fünf Tage im Krankenhaus bleiben. Ich fuhr zur Klinik und brachte ihm eine Tasche mit allem Nötigen. Besuchen konnte ich ihn bei der Gelegenheit nicht, Corona läßt grüßen. Abends versuchte ich mich mit einem Lauf abzulenken, was leidlich funktionierte, ein Durchschnittspuls von 160 bei einer Pace von 6:35 sprach da Bände.

Am nächsten Tag dann kam mittags die Entwarnung, nachdem man Jens in der Klinik einmal komplett auf links gedreht hatte, bestätigte sich die anfängliche Befürchtung nicht und er durfte sogar schon wieder nachhause. Was für ein Schreck mit guten Ausgang. Die Gedanken, die einem in dieser Zeit durch den Kopf gehen, sind unbeschreiblich. Nach über 20 gemeinsamen Jahren mit all ihren Höhen und Tiefen, kann ich folgenden Liedtext nahezu voll und ganz unterschreiben:

Ob es an dieser Erleichterung lag, weiß ich nicht, aber der heutige Lauf war endlich mal wieder einfach nur schön. Sehr langsam, aber auch sehr entspannt lief ich erneut die Strecke vom Montag, erneut überliefen die Fußsohlen den schraddeligen Asphalt und erneut ging ich im Kleinen Bornhorster See ins Wasser und ließ mich nicht einmal von einer Gruppe Kinder entmutigen, die von ihrem Trainer ins Wasser gescheucht wurden und wie die Fische schwimmen konnten, kraulend und rückenschwimmend.

Ende gut, alles gut, in zweierlei Hinsicht. Wobei natürlich das erste so immens viel wichtiger ist. Gesundheit ist alles, ohne Gesundheit ist alles nichts. Das wurde mir, wurde uns mal wieder deutlich vor Augen geführt und über den glimpflichen Ausgang sind wir sehr glücklich und dankbar.

Das gab es noch nie

Sechzehneinhalb Jahre laufe ich nun schon! In all diesen vielen Jahren hat es so manche Laufpausen gegeben und soweit ich mich rückentsinnen kann, waren diese nie freiwillig. Entweder führten Verletzungen, Infekte oder kleinere OP`s zu entsprechenden Ausfällen, die ich immer mit mehr oder eher weniger Geduld ertragen habe. Und jetzt dies: Seit genau 15 Tagen habe ich nicht einen einzigen Laufschritt getan, ohne Grund, einfach so. Naja, nur fast ohne Grund. Die meisten der 15 Tage war ich in Berlin und da war es warm, sehr warm und schwül, teilweise sehr schwül und allein der Gedanke an ein sonnengeflutetes, schattenloses Tempelhofer Feld ließ jeden Gedanken ans Laufen in den abgründigen Tiefen meiner Seele verschwinden.

Stattdessen war ich die ersten Tag stinkenfaul und habe viel gegessen und geschlafen.

Draußen habe ich Sonnenuntergänge in lauer Sommerluft genossen.

Ich habe mich mit Freunden getroffen, war von ihnen zum Essen eingeladen, bin mit ihnen Essen gegangen und mit ihnen auf das ein oder andere Bierchen ausgegangen. Einmal habe ich das auch ganz alleine gemacht, einfach noch auf ein Bier in bzw. vor meine Stammkneipe und dem Treiben auf der Hermannstraße zugeschaut. Lediglich das Angebot zum Kiffen eines sehr launigen Tischnachbarn habe ich abgelehnt. Schließlich rauche ich ja nicht 😆

Unterwegs war ich aber auch. Z. B. in alten Kreuzberger Hinterhöfen, in denen in Werkstätten und Theatern das kreative Leben stattfindet…

… oder in den neuen U-Bahnhöfen im Herzen Berlins. Schick sind sie geworden:

Auf dem Wedding konnte ich unsere Vorräte an Likören der Preußischen Spirituosen Manufaktur wieder auffüllen:

Und am letzten Abend, auf dem Rückweg von einem meiner Lieblingslokale in Berlin, wo ich noch einmal tolle Stunden mit einem guten Freund verbracht habe, weinte ob des baldigen Abschieds sogar der Himmel Tränen.

Tränen ganz anderer Art vergoß ein Lindenbaum, unter dem mein Auto die eineinhalb Wochen in Berlin gestanden hat. Was für ein klebrige Angelegenheit 🙂

15 freiwillige Tage ohne Laufen, wie gesagt, dass gab es noch nie und ich habe es nicht einmal vermisst! Muß ich mir jetzt Sorgen machen? Ich hoffe nicht, nachher gehe ich nämlich laufen, versprochen! Wie könnte ich auch widerstehen, bei knapp unter 20 °, einer angenehmen Brise und ohne Schwüle 😀 Ich werde zu gegebener Zeit berichten, ob ich es noch kann 😎

Wo meine Sonne scheint

Vor meinem heutigen Lauf war ich doch tatsächlich etwas aufgeregt, wollte ich doch mal wieder etwas länger laufen. Anfang März hatte ich bisher das einzige Mal in diesem Jahr die 20 km-Marke gerissen und das mit 20,1 km auch nur so mit Ach und Krach. Ausgemessen hatte ich meine heutige Strecke nicht, nur grob im Kopf wo es langgehen sollte. Einfach loslaufen und mal gucken was es wird. Das Wetter dazu war Bombe. 22 – 24 Grad, etwas Wind und ab und zu mal ein paar Wölkchen. Aufgeregt war ich in erster Linie deshalb, weil ich nicht wußte, ob mein momentanes Gemüt das richtige für dieses Unterfangen ist, ob mein zur Zeit „schwindelerregendes“ Tempo auf längerer Strecke nicht noch weiter in den Keller gehen würde, ob ich überhaupt durchhalten würde und und und 😯

Da kam kurz vor meinem Start noch der Kommentar von Oliver auf meinen letzten Post rein, in dem er schrieb:

„Du machst Dir zuviel Kopf um Dinge die nicht funktionieren, statt wohlwollend das zu sehen was gut klappt. Du läufst, Du schwimmst, Du hast Deinen Humor nicht verloren“ und weiter „Bleib dran, selbst wenn es eine 8er Pace oder mehr ist, Hauptsache draussen sein und bewegen“

Diese Zeilen waren genau der richtige Arschtritt für mich um das Ding ruhig, locker und geschmeidig anzugehen. Und das funktionierte erstaunlich gut! 🙂 Tausend Dank, Oliver!

Los ging es ohne Sandalen zu erst noch etwas durch den Ortsteil Donnerschwee, hin zum Klärwerk, ab dem die Strecke an der Hunte startet. Dieser folgte ich sechs Kilometer, dann ging es ein kurzes Stück offroad. Wobei ich auf einigen hundert Metern die Wahl hatte zwischen zugewuchertem Weg oder Deichkrone mit kurios plattgedrücktem Gras. Ich entschied mich für erstes. Auf dem platten Gras ließ es sich nur wie Storch im Salat laufen.

Begleitet wurde ich auch mal wieder von einem Ohrwurm, dessen vier Titelworte ich ständig vor mich hin summte oder pfiff, blöderweise kannte ich nämlich nicht mehr vom Text. Darüberhinaus war ich lange Zeit damit beschäftigt darüber nachzudenken von wem dieses Machwerk stammte. Lange war ich mit Nana Mousmouri zufrieden, bis mir fast schon zum Ende des Laufs in den Sinn kam, dass es von Caterina Valente ist. Hach, die mochte ich immer gerne. Außerdem passte der Titel so gut zum Tag 🙂

Nach 11, 12 Kilomtern folgte ein erstes kurzes Päuschen im Schatten des Deichscharts.

Im Deichschart gab es eine Tür, auf der sich ein paar wenige kuriose Aufkleber befanden 🙂

Es folge noch ein kurzer Plausch mit einem jungen Radler-Pärchen, wobei es natürlich ums Barfußlaufen ging 😎 Kurze Zeit später der erste Hinweis auf meinen geplanten Zwischenstopp und zwei Kilometer weiter noch einer:

Dort gönnte ich mir einen chilligen Aufenthalt mit einem Stück Kirschstreuselkuchen (der göttliche Stachelbeer-Baiser-Kuchen war schon ausverkauft 😦 ) und einer kalten Zitronenbuttermilch. Ahhhhhhhhhhhhhh 😀

Außerdem kaufte ich noch eine Flasche Bananensaft für unterwegs. Eine gute Entscheidung, meine Halbliterpulle Mineralwasser neigte sich nämlich schon dem Ende zu. Ich hatte noch ein nettes Gespräch mit einer Wanderin, die feststellte, dass sie als Wanderin eine Exotin ist. Naja, das weite, platte Land mit seinen langen geraden Strecken lädt halt mehr zum Radeln ein (wobei wir beide über die E-Biker lästerten) und immerhin war ich als Läufer genauso ein Exot 🙂

Gut gestärkt und im Schatten erholt trabte ich weiter Richtung Kleiner Bornhorster See. Ein kurzes Bad mußte einfach noch sein. Wobei ich auf Schwimmeinlagen verzichtete, es war einfach zu voll. Außerdem muß laufen auch einfach mal reichen 😛

Zugeben, das Anlaufen nach dem Bad fiel mehr dann schon etwas schwerer, aber eigentlich klappte es mit dem lockeren Trab noch ganz gut und es war nun auch nur noch vier Kilometer. Als diese vorbei waren hatte ich 28 km auf dem Garmin-Tacho, von denen ich 22 km barfuß gelaufen bin.

Olivers Kommentar-Zeilen noch vor dem geistigen Auge nahm ich die Durchschnittspace mit 7:02 schmunzeln zur Kenntnis. Immerhin war es mein längster Lauf seit dem Berlin-Marathon im September 2018! Mit der Pause am Melkhus und dem Bad im Kleinen Bornhorster war ich fette fünf Stunden unterwegs. Bei meiner Ma habe ich dann noch gegen Viertel vor Acht ein halbes Blech Erdbeerkuchen verdrückt, die wohl späteste Tea-Time ever. Und mit eine der gierigsten 😀 Sch…egal, es war ein super Nachmittag/früher Abend und hat einfach nur gut getan 🙂

Wettkampf

Bleibe ich der Begrifflichkeit „Kampf“ doch noch etwas treu. Nachdem ich in meinem letzten Beitrag „Kampf“ von meinem erschütternden Zustand berichtet hatte, der sich unter anderem in einem exorbitant niedrigen Lauftempo niederschlägt, hatte ich es gestern trotzdem gewagt mich einem „Wettkampf“ zu stellen. Da auf die Schnelle kein entsprechender Lauf zu finden war, habe ich es stattdessen mit einem läuferischen Sparringspartner allererster Güte aufgenommen, der da wäre:

Tadaaaaaaa

Auf die Plätze! Fertig! Los! :

Aber ich hatte keine Chance, die Granate ist mir einfach auf und davon gezogen 😦 :

Frustrierend, aber ich mußte ja auch noch den dicken Stein auf dem Bild umlaufen 😯

Nur gut, dass ich es mir gleich erspart hatte, es mit diesen Rennpferden aufzunehmen:

Den letzten Kilometer meiner gestrigen gut 14 km konnte ich nicht mehr unter 7er Schnitt laufen. Ging einfach nicht! Unmöglich! Der Asphalt klebte förmlich an den Fußsohlen. Es ist so bitter 😦

Gut, dass es wenigstens vom Vortag einen wirklich sensationellen Erfolg zu feiern gibt. Zu der Zeit wo Deutschland gegen England verlor, bin ich bei feinstem Regen zum Kleinen Bornhorster See gelaufen und dort das ERSTE MAL IN MEINEM LEBEN 100 M AM STÜCK GESCHWOMMEN! Ich bin so stolz! Und ich bin bestimmt sogar schneller geschwommen als ich gestern gelaufen bin 😆

Mit dem Wettkampflauf beendete ich dann auch den ersten Teil des Laufjahres 2021. Mein Ziel, dieses Jahr im Schnitt monatlich 200 km zu laufen, hinke ich mit 90 km hinterher und wird nicht mehr ernsthaft verfolgt. Davon abgesehen und unter Anbetracht der diesjährigen Umstände bin ich mit den gelaufenen Kilometern sehr zufrieden. Es sind bei mir also doch noch nicht Hopfen und Malz verloren 🙂

Kampf

Meine Depri hat mich zur Zeit wieder stärker im Griff und es ist dadurch wieder ein verstärkter Kampf den Alltag zu bestehen, während ich mich doch am liebsten an einen einsamen stillen Ort zurückziehen würde. Da ist es auch nicht gerade förderlich, dass sich das Laufen für mich zur Zeit auch nicht sonderlich leicht anfühlt. Zwar sind meine Beschwerden in den Achillesfersen nur noch hintergründig vorhanden, aber das Laufen fühlt sich zur Zeit einfach beschwerlich an und das Tempo ist sehr langsam.

Trotzdem ist es mir gelungen, diese Woche wieder einmal knapp die 50 km-Marke zu knacken und auch immer wieder etwas schwimmen zu gehen. Wie am Montag bei Dauerregenwetter, wo es am herrlich leer war und der See in der kühlen Luft vor sich hin dampfte.

Nach dem Dauerregen stand das Wasser teilweise noch tagelang auf den Wiesen, aber die Luft war für Mensch und Tier wieder etwas angenehmer. Auch wenn ich beim Laufen schwitzte wie die S.. 🙂

Zum Ausklang der Laufwoche widerstand ich dem Ruf ins Gotteshaus (ich liebe das Geläut der Ohmsteder Kirche, auch wenn es in dem Handy-Video etwas schepprig klingt) …

… und lief lieber in Gottes Natur, obwohl die aufgrund des schönes Wetters recht bevölkert war. Speziell am Kleinen Bornhorster See war schon am Vormittag viel Betrieb bei bester Badestimmung. Deshalb reichte auch ein kurzer Sprung in die Fluten, bevor ich mich wieder nach Hause trollte.

Dieser Lauf fühlte sich immerhin schon einmal wieder etwas besser an. Irgendwann muß es ja wieder aufwärtsgehen und wird es auch. Bis es soweit ist wird eben gekämpft 🙂

Was noch fehlt

In letzter Zeit kam bei meiner Lauferei meine Lieblingsstrecke etwas zu kurz. So war es gestern mal wieder Zeit das zu ändern. Weil ich etwas genervt war, hatte ich allerdings keine Meinung erst von der Haustür aus den Anlauf durch bevölkertes Terrain zu nehmen. Drum habe ich die Umweltsau raushängen lassen und bin mit dem Auto rausgefahren und war überrascht, dass mir der Parkplatz trotz des warmen Wetters ganz alleine gehörte. Das versprach eine recht leere Strecke, was mir nur recht sein sollte. Trotz nicht ganz so hoher Temperaturen wie am Vortag und einem Start erst gegen Halbsechs war der Asphalt noch ganz schön heiß, aber gerade eben noch barfuß laufbar. 11,5 km in einer grottenlangsamen Pace kamen zusammen.

Heute kam noch eine andere Disziplin dazu. Nachdem ich ja auch immer wieder wacker ins Wasser gehe um das Kraulen zu erlernen (immerhin 50 m am Stück schaffe ich schon, fragt aber bitte nicht, wie das aussieht 😆 ) fehlt eigentlich nur noch das Fahrradfahren. Mehr als samstägliches Brötchenholen passiert da bei mir in der Regel nicht. Da kam es mir gelegen, dass es eine Ersatzveranstaltung zum eigentlich heute stattfindenden CSD gegeben hat, nämlich eine Fahrraddemo.

Zugegeben, mit sportlicher Betätigung hatte die nichts zu tun, aber es ist ein schöner Aufhänger um auf diese kleine Veranstaltung überzuschwenken, bei der alleine die Tatsache, dass alle auf Rädern sitzen für die heutzutage notwendigen Abstände sorgte. Auf dem sonnengefluteten, knallig warmen Versammlungsgelände zwischen kleiner und großer EWE-Arena galt Maskenpflicht, so dass ich mich am Rande und im Schatten aufgehalten hatte, bis sich ein paar Hundert Radler in Bewegung setzten.

Zugegeben, die Fahrraddemo kann den eigentlichen CSD nicht ersetzen, aber Not macht erfinderisch und schön war die Veranstaltung trotzdem. Zumal ich noch zwei liebe Bekannte getroffen habe und mit diesen saß ich noch zweieinhalb Stunden zusammmen. In der Zwischenzeit war von der ganzen Veranstaltung schon weit und breit nichts mehr zu sehen.

Friesoythe

Gestern verschlug es mich wieder einmal in das knapp 40 km von Oldenburg entfernte Friesoythe. In dieser Kleinstadt bin ich geboren und aufgewachsen und habe dort bis vor 20 Jahren gelebt. Hier ist auch mein früh verstorbener Vater beerdigt und es stand Grabpflege an. Nach deren Erledigung habe ich meine Mutter zu ihrer Freundin auf die alte Nachbarschaft gebracht und endlich einmal in die Tat umgesetzt, was ich schon lange einmal wollte: Mir laufend noch einmal die Gegend erschließen, wo ich als Kind und Jugendlicher rumgestromert bin.

Ich habe zu Friesoythe ein sehr zwiespältiges Verhältnis. Zum einem habe ich die Kindheit auf dem Land (Wir haben knapp hinter dem Ortsschild gewohnt) in guter Erinnerung, zum anderen bin an dieser extrem katholischen Kleinstadt im Oldenburger Münsterland fast erstickt. Trotzdem bin ich meinen Eltern zur Liebe und auch mangels anderer Idee in der Stadt geblieben.

Direkter Nachbar zu der Freundin meiner Mutter ist der Betrieb, der meine Familie nach Friesoythe verschlagen hat. Hier hat meine Vater viele Jahre gearbeitet.

Auf der anderen Straßenseite stand das kleine Reihenhaus für die Meister des Betriebes, dort bin ich groß geworden.

Schornstein und Anbau gab es damals noch nicht. Rechts des Schornsteins lugt das Fenster meines späteren Zimmers.

Nach fünfhundert Metern befand ich mich auf dem ehemaligen Bahndamm der Bahnstrecke ins Saterland. Dieser wurde offensichtlich nach unserem Wegzug irgendwann einmal geteert und ich konnte aufs Barfußlaufen umsteigen. Vorbei an der ehemaligen Stammkneipe meines Vaters (die Wirtin war ein absolutes Original, so man denn ihren ausgesprochen derben Humor vertragen konnte), in der jetzt Flüchtlinge untergebracht sind, überquerte ich den alten Friesoyther Kanal. Unvorstellbar, dass auf diesem zum Rinnsal verkommenen Kanal früher einmal Schiffe getreidelt wurden. Wenig später bog ich auf einen Sandweg ab. Inzwischen steht Wald wo früher Moorflächen gewesen sind, wie sich doch so manches verändert. Hier befindet sich aber immer noch der Modellflugplatz, von dem auch Ultraleichtflugzeuge starten.

Weiter ging es zum Küstenkanal, wohin ich meinen alten Herrn oft zum Angeln begleitet hatte. Später habe ich mich dort auch viel mit meinem Schulfreund Christoph rumgetrieben. Zwei Kilometer lang ziehe ich die Sandalen wieder an, da der Sandweg mit Schottersteinen gespiekt ist. Dann bin ich wieder am Friesoyther Kanal, die parallel führende Straße ist inzwischen asphaltiert. Früher war sie gepflastert und ich kann mich noch gut an den Singsang der Autoreifen erinnern, wenn man Vater sie mit 100 km/h langgebrettert ist. Tempolimits waren zu der Zeit noch eine Seltenheit 😀 Zum Barfußlaufen kommt mir der Asphalt aber sehr entgegen.

Ich biege über die alte Zugbrücke ab, vorbei an dem Dachdeckerbetrieb, für den mein Vater am Samstag schwarzgearbeitet hatte. Von der Höhenfestigkeit meines alten Herrn habe ich so gar nichts abbekommen.

Ich komme am Bauernhof meines ersten Schulfreundes Uwe vorbei und nähere mich wieder meinem alten Zuhause und wieder der Zufall es so will, treffe ich die jetzigen Eigentümer unseres ehemaligen Reihenendhauses. Ruckzuck bin ich zu einer kleinen Besichtigung und ein Glas Wasser eingeladen. Ich staune über den nagelneuen Anbau und darüber, wie klein „unser“ Wohnzimmer und „unsere“ Küche doch sind. Irgendwie hatte ich das alles großzügiger in Erinnerung und ich schmunzel über die Dinge, die sich seitdem nicht verändert haben, die Türen, die Fliesen usw.

Rechts hinten haben wir gewohnt, das ganze rechte Fenster der Dachgaube gehörte zu meinem Kinderzimmer 😀

Hi

Nach dem Schnack und der Erfrischung lief ich weiter in die Stadt. Über die Soeste hinweg (die ist auch so schmal 😯 ), wo ich als Kind immer dem rauschenden Wasser zugeguckt habe, hin zu meiner alten Schule. Mehr als Realschule und anschließender Höhere Handelsschule ist es bei mir ja nicht geworden. Vorbei an der Sportstätte des Grauens (die Sporthalle, ich habe Schulsport ja gehaßt wie die Pest) lief weiter zu meiner ehemaligen Grundschule, die durch zahlreiche Anbauten kaum wiederzuerkennen ist. Es gab zwei Grundschulen in Friesoythe, die andere war nur für katholische Kinder. Zum Glück war die eh weiter weg.

Am Elternhaus meines Schulfreundes Christoph vorbei lief ich zu meiner Doppelhaushälfte, in die ich direkt aus meinem Elternhaus eingezogen bin. Nachdem mein Vater gestorben ist habe ich sie nach nur viereinhalb Jahren wieder verkauft um nach Oldenburg zu ziehen. Eine Nachbarin suchte damals ein Haus für ihre Eltern, die aus Düsseldorf zu ihr nach Friesoythe ziehen wollten. Es war die Zeit meines Coming Outs und heute weiß ich, dass sie mein Haus nicht gekauft hätten, wenn sie gewußt hätten, dass ich schwul bin. Dafür hängt heute links neben der Haustür so ein Marienhäuschen, mich gruselt es, wenn ich so etwas sehe.

Überhaupt war die fast ganze Straße froh (ich hatte ein recht alte Nachbarschaft), dass ich weggezogen bin, als bekannt wurde, dass ich schwul bin. Der Einladung zur Verabschiedung nach Oldenburg sind sie dann aber nahezu alle gefolgt und es war ein sehr schöner Abend. Vielleicht hat sich bei einigen von ihnen dadurch doch noch etwas geradegerückt.

Abschließend bin ich durch die Innenstadt zurück in die alte Nachbarschaft gelaufen.

Hier ist mir dann noch der vierzig Kilo schwere Jagdhund vom Schwiegersohn von Mutters Freundin auf den Fuß gestiegen 😆 Das macht er immer und bei jedem, sagte Arnold 😀

Nach 18 km beende ich den Erinnerungslauf mit gemischten Gefühlen. Bis auf einige wenige nette Nachbarn habe ich in dieser Stadt nichts zurückgelassen und bin froh, dass ich weg bin. An meine Kindheit habe ich aber nahezu durchweg gute Erinnerungen.

Immerhin sehr barfußfreundlich ist dieses gediegen gepflegte Städtchen und die Umgebung und ich war nur knapp drei Kilometer in Sandalen unterwegs.

Abtrocknen unnötig

Neun Tage habe ich meinen gestreßten Achillessehnen Ruhe gegönnt und heute wollte ich schauen, ob es sich gelohnt hat. Eigentlich wollte ich das schon am Donnerstag tun und damit nach einem Jahr meine Rückkehr zum Utkiek „feiern“. Eine Gewitterwetterlage hatte mich aber davon abgehalten. Allerdings sah es heute auch nicht viel besser aus. Keine halbe Stunde vor meinem Lauf ging noch die Luzie ab.

Das Ganze wurde von Blitz und Donner begleitet, aber das Regenradar signalisierte den Abzug des Gewitters und so machte ich mich keine halbe Stunde später doch auf den Weg. Die Wetterlage blieb allerdings besonders. Es schüttete weiter bei über 20 °. Da konnte ich mich getrost in wenig Klamotte naßregnen lassen und das ging auch ruckzuck 😆

Der Weg führte mich wieder zum Kleinen Bornhorster See um mich auch bei diesem Wetter wieder in die Fluten zu stürzen. Gestern war ich auch schon da, da war es bei schönstem Wetter rappelvoll. Heute war kaum eine Menschenseele zu sehen, nur drei junge Männer befanden sich ebenfalls im Wasser. Eigentlich hätte ich mich gar nicht ausziehen brauche, so naß waren meine Laufklamotten. Allerdings schwimmt es sich ohne doch angenehmer und da eh nichts los war, kramte ich auch gar nicht erst die Badehose aus dem Rucksack. Dort blieb nach dem Schwimmen auch gleich das Handtuch und ich pellte mich klitschnaß in die klitschnaßen Laufklamotten, was gar nicht so einfach ist 😆

Während des Schwimmens hat es kaum noch geregnet, aber kaum lief ich weiter, fing es wieder an zu gießen. Aber es blieb warm und somit war auch der Rückweg ein Hochgenuß.

Überhaupt war es der nasseste Lauf seit Ewigkeiten, dank der Wärme war er aber einer der genialsten Regenläufe überhaupt.

Morgen bin ich noch auf die Reaktion der Achillessehnen gespannt, aber ich bin zuversichtlich.

Oh watt`n Meer

Zu Hochdeutsch: Oh was für ein Meer. Dieses Wattenmeer der Nordsee.

Vom Laufen gibt es im Moment nicht viel zu berichten, von schon seit einiger Zeit beidseitig etwas gereizten Achillessehnen einmal abgesehen, weshalb ich wohl doch die kommenden Tage mal kürzer treten werde. Der Frühling bleibt unterkühlt und der Kleine Bornhorster See bleibt es auch. Trotzdem genieße ich die klitzekleinen sonntäglichen Schwimmeinlagen inzwischen sehr. Das war es im Prinzip auch schon. Deshalb gibt es im Folgenden einmal einen Abstecher vom Laufen 😎

Der heutige Pfingstmontag fiel etwas aus dem April- und Maiwettereinerlei, indem es mal einwenig wärmer war. Grund genug um einen kurzen Trip an die Nordsee an den Strand von Hooksiel zu machen. Irgendwie bleibt das bei uns immer wieder auf der Strecke, obwohl es eigentlich keine Entfernung ist. Zumal ich heute das neue Auto erstmalig so richtig habe laufen lassen und wir schon nach einer halben Stunde dort waren. Leider fing es auf der Fahrt schon wieder leicht an zu tröpfeln, trotzdem war es schön kurzzeitig etwas anderes zu sehen. Erstaunt waren wir darüber wie voll es schon ist, die Küste hat zu Pfingsten reichlich Gäste. Es sei der schwerleidenden Tourismusbranche von Herzen gegönnt.

Mein Barfußvergnügen im Watt wurde leider etwas getrübt, da es sehr viele Quallen gab. Das haben wir in Hooksiel noch nie erlebt und ist für diese Jahreszeit auch etwas ungewönlich.

Am Hafen gab es noch ein lecker Softeis und etwas fürs Abendessen vom Fischwagen und dann ging es auch schon wieder zurück. Mal wieder mit der Absicht uns in Zukunft öfters solche kleinen Auszeiten zu gönnen 🙂

Außerdem kann ich den kleinen Ausflug dafür nutzen einen gewissen landschaftlichen Kontrast zu diesem Post hier herzustellen 😆