Schaurig

Heute stand die Dezemberetappe unseres Etappenlaufs von Oldenburg nach Bourtange auf dem Plan. Eigentlich hätte ich gar nicht dabeisein können, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt und böse war ich wirklich nicht darum, dass ich nun aller Voraussicht nach bei allen fünf Etappen mitlaufen kann.

Vom November-Zielort Harbern II machten wir uns auf nach Friesoythe. Wir, dass war in diesem Fall eine etwas männerlastige Truppe mit Quotenfrau, bestehend aus Sylke, Axel, Ralf, Stephan und mir. Birgit hatte kurzfristig abgesagt, mangels Laufregenklamotten war ihr die Wettervorhersage zu schaurig. Da konnte wir es uns allerdings nicht verkneifen ihr vom Zielort, wo wir ja erst einmal die Autos deponieren mußten, ein Sonnenbild zu schicken 🙂

09.12.18 00

Sorry Birgit, dass mußte einfach sein 🙂

Schaurig wurde es dann aber doch noch, als wir uns in Harbern II nach dem obligatorischen Startfoto erst einmal auf eine ca. 8 Kilometer lange, nahezu schnurgerade Straße begeben haben. Diese Straße führt durchs Moor und durch große Torfabbauflächen. Da kam mir in einem poetischen Moment in den Sinn: „Schaurig ist es ,übers Moor zu gehen …“. paßte doch ganz gut zur schaurig, schaurigen Stimmung dort. Allerdings verzog sich der Schauer recht schnell und es sollte bis fast zum Ende des Laufs trocken bleiben.

Das Moor wurde dann durch eine nicht minder schaurige agrarindustriegeprägte Gegend abgelöst, wo sich nahezu ein Massentierstall an den anderen reiht. Das Oldenburger Münsterland ist diesbezüglich wirklich gestraft. Die Ställe haben heutzutage teilweise industrieschlotartige Schornsteine, die die Dünste der Massentierhaltung großzügig verteilen, tausend Nasen möchte ich haben … Dort wo kein Stall steht, stehen Windkraftanlagen und Biogasanlagen. Der Landwirt von heute ist breit aufgestellt und es geht ihm gut dabei, wie die Häuser zeigen. Groß, größer am größten, hier ein Türmchen, da ein Erker, da ein paar Säulen am Eingangsportal, schön ist was gefällt, Bilder habe ich mir aber verkniffen. Trotz dieser vielen Schaurigkeiten haben wir der Versuchung widerstanden, dieser Gegend schnellstmöglich mit dem Bus zu entkommen, der hier tatsächlich sogar am Sonntag dreimal fährt.

Für unsere Verpflegungspause haben wir aber ein recht idyllisches Fleckchen gefunden.

Anschließend ging es weiter über Altenoythe nach Friesoythe. In Friesoythe bin ich geboren und habe dort bis zu meinem 33. Lebensjahr gelebt. Ein sauberes, adrettes Städtchen, in das ich aber nie mehr zurück möchte. Allerdings nicht deshalb umliefen wir, begleitet von einem schwachen Schauer, Friesoythe nördlich bis zu unserem Zielort, der alten Zugbrücke über den alten Friesoyther Kanal, der zu einer Zeit schiffbar war, als man die Kähne noch mit Pferden gezogen, sprich getreidelt hatte.

Am Ziel gab es einen von Stephan selbstgemachten, extrem leckeren Zirbenschnaps und von Axel von seiner Mutter selbstgebackene, nicht minder extrem leckere Kekse. Was uns aber natürlich nicht daran hinderte in Friesoythe noch eine Cafe aufzusuchen und, wie immer, den Etappen-Lauftag gemütlich und kulinarisch und mit ein wenig Schnack ausklingen zu lassen.

Knappe 25 km waren wir heute unterwegs, für Sylke und Stephan etwas lang, da sie sich im Geiste der ursprünglichen Plangung auf ca. 20 km eingestellt hatten. Aber sie haben sich natürlich tapfer geschlagen und im warmen Café waren die Mehrkilometer auch schnell wieder vergessen 🙂

Merke: Auf einem insgesamt gut 100 km langen Etappenlauf durchquert man nicht immer nur die reine Idylle 🙂 Der Stimmung hat das aber keinen Abbruch getan und ich war wirklich froh, dass ich doch dabei sein konnte.