Bodenkontakt

Heute war mir mal nicht danach an der Hunte zu laufen, deshalb bin ich stattdessen mal an der Hunte gelaufen 😛 Gute 15 automobile Minuten von zuhause entfernt findet sich der Barneführer Holz, der nächstgelegene Wald, der auch groß genug ist um sich darin läuferisch etwas auszutoben 🙂

Leicht regnersiches Wetter bei 13 / 14 ° eignete sich darüber hinaus vorzüglich die neuen V-Trails in ihrem Element auszuführen. Ja, im Barneführer Holz kann man schon einmal von Trails sprechen. Zwar bedarf es vom Parkplatz eines kurzen Anlaufs über normale Forstwege …

… und der Überquerung der wie Fort Knox gesicherten Bahnstrecke nach Osnabrück (früher konnte man die ohne Einschränkungen überqueren, aber wie man sieht ist die Strecke ja extrem unübersichtlich ), …

… aber dann werden die Wege geschmeidiger und, oh Wunder, stößt man auf die Hunte, die hier aber ein gänzlich anderes Flair verströmt als in meinem üblichen Laufrevier.

Der Pfad an der Hunte ist mit das schönste was ich hier trailtechnisch laufen kann, ohne vorher eine Fernreise unternehmen zu müssen.

Nicht nur ich fühle mich hier sauwohl, auch die V-Trails sind hier vollkommen in ihrem Element. Der Grip ist perfekt und der Bodenkontakt ein Traum, die Füße haben jeden Moment das genaue Gefühl für den Untergrund, was nicht nur irrsinnigen Spaß macht, sondern auch in besonderer Weise ein sicheres Gefühl vermittelt. Nicht mehr wie von der Erde entkoppelt zu laufen ist auf so einem Naturweg eine nochmal absolut andere Hausnummer als auf meinen normalen Wegen. Ich habe noch nichts besseres an den Füßen gehabt.

Aber kein Glücksgefühl ohne Wermutstropfen: Bei Kilometer 10 merkte ich eine Blase am linken Fuß, genau an der Stelle, wo ich sie mir beim Premierenlauf auch am rechten Fuß zugezogen hatte. Die Stelle am rechten Fuß hatte ich verpflastert, aber kein weiteres Pflaster dabei. Da die Blase schon auf war und ich eh geplant hatte noch etwas barfuß zu laufen, wanderten V-Trails ab da in den Rücksack und weiter ging es auf nackten Sohlen. Ich befand mich schon grob auf dem Rückweg und lief nun direkt durch den Wald.

Für die Füße wurde es ein Fest der Sinne, wenn ich auch gerne eingestehe, dass nicht jeder Meter angenehm zu laufen war. Sand, Laub, Schlammpfützen (herrlich), Baumwurzeln, kleine Zweige und Äste sowie reichlich Tannenzapfen und ab und zu ein paar Steine und etwas Schotter, es gab nichts, was nicht unter meine Füße kam. Da der Boden regenweich war, ließ sich aber alles gut überlaufen.

Zweimal änderte ich aber die Strecke um Schotterpisten auszuweichen, was prompt dazu führte, dass ich die Orientierung verloren hatte und froh war, über das Smartphone eine Standortbestimmung vornehmen zu können. Wenn der Deichläufer den Horizont nicht sieht, ist er halt aufgeschmissen 😆 Naja, ist ja nicht das erste Mal 😛

Den Parkplatz schon im Blick entschloß ich mich noch kurz die gut 20 m hohen Osenberge zu erklimmen, um nach dem Abstieg den Parkplatz nicht wiederzufinden 😆

An einer Wegekreuzung traf ich auf zwei Damen, die mich auf meine Barfüßigkeit ansprachen und mich wieder auf den rechten Weg wiesen. So kam ich nach knapp 18 km wieder am Auto an. Ein wirklich geiler Lauf war damit zu Ende, der bislang längste in Minimal bzw. Barfuß (10,8/7,0). Auf solch größtenteils flauschigen Wegen ist das aber wirklich kein Problem.

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Auf der Suche nach dem Gierenberg

Traumhaftes Wetter lockte mich heute wieder aus dem Haus. Wobei ich zwar per pedes aber nicht laufend unterwegs war. Eine Wanderung durch den Barneführer Holz zwischen Sandkrug und Sandhatten war es. Hier bin ich schon das ein und andere Mal gelaufen und wollte mir schon immer mal die Zeit nehmen dieses Naturschutzgebiet etwas gemütlicher zu erkunden.

Beginnend am Parkplatz in der Nähe der Osenberge wollte ich, entlang der Hunte wandernd, den Gierenberg erkunden. Aber erst einmal galt es die Hunte zu finden, dass war schon einmal ein schwieriges Unterfangen und gelang mir auch heute nicht auf Anhieb. Wald mit seiner beschränkten Aussicht bin ich halt nicht gewohnt :mrgreen: Schlußendlich hat es aber geklappt 🙂

Auf dem Pfad entlang der Hunte wanderte bis zu meiner Lieblingsstelle. Hier gibt es so eine Art Stromschnelle und der davor liegende kleine Strandabschnitt lud zu einer kurzen Pause inklusive Sonnenbad ein. Nach der Pause folgte ich noch einen weiteren Kilometer dem Hunteverlauf und bog dann ab in den Wald um den Gierenberg zu entdecken und zu erklimmen.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Der Gierenberg war einfach nicht zu finden. Dabei soll er doch so eine gute Aussicht bis nach Wildeshausen und Großenkneten bieten. Mein Smartphone sagte mir zwar, dass ich in unmittelbarer Nähe war, aber sehen geschweige denn einen Zugang zu ihm finden konnte ich nicht. Auch zwei Gassigeherinnen und ein Pilzsammler konnten mir nicht weiterhelfen. So blieb das geplante Highlight meiner Tour heute leider unerfüllt.

Schön war es trotzdem bei traumhaften Sonnenschein und warmen Temperaturen diese kleine Wanderung gemacht zu haben. Dabei überwog immer noch recht sattes Grün, der Herbst hält sich mit seinem Farbenrausch doch noch sehr zurück. Sobald dieser erstmal Einzug gehalten hat, werde ich mich noch einmal in den Barneführer Holz begeben um, mit der richtigen Karte bewaffnet, einen neuen Vorstoß auf den Gierenberg zu unternehmen. Wäre doch gelacht, wenn sich der Hubbel nicht finden lassen würde 😎

Fünffache Premiere

Soviel Besonderheiten auf einmal hatte mir noch nie ein Lauf geboten. So eine Premierendichte gibt es sonst wohl nur in Hollywood 😉 Auf der Premierenliste standen heute:

  1. Ich bin erstmalig mit der Bahn zum Laufen gefahren
  2. Ich bin erstmalig mit meinem neuen Laufrucksack gelaufen
  3. Ich bin erstmalig mit Kompressionsstrümpfen gelaufen
  4. Ich bin erstmalig eine mit Gpsies.com geplante Strecke gelaufen
  5. Ich bin erstmalig nur für mich einen Marathon gelaufen 😀

Ich arbeite das jetzt mal Punkt für Punkt ab.

Die neu für mich entdeckten Planungsmöglichkeiten via Gpsies.com eröffnen ganz neue Möglichkeiten. So konnte ich aus meinem Hauslaufrundeneinerlei  ausbrechen und hatte mich heute morgen mit dem Bus zum Bahnhof aufgemacht und war von dort mit dem Zug nach Großenkneten gefahren um mich dort aussetzen zu lassen um nach Oldenburg zurückzulaufen.

03.05.14 2 me

03.05.14 3 Großenkneten

Die in den 60igern unter uns geborenen mögen sich vielleicht erinnern. Großenkneten war der Heimatort der sagenhaften Band „Trio“. Da da da bin ich also losgelaufen. Und da da da die Strecke etwas länger werden sollte, mußte endlich der schon lange auf meiner Agenda stehende Laufrucksack her. Eine Salomon Agile 12 ist es geworden, mit Trinkblase und preislich noch akzeptabel. Von der etwas fummelig einzusetzenden Trinkblase abgesehen, ist das Teil für meine Zwecke gut geeignet und trug sich über die vielen Stunden recht angenehm.

Lange habe ich mich gegen sie gesträubt, die Stützstrümpfe, ääähhh, ich meine natürlich Kompressionsstrümpfe. Hässlich und überflüssig waren sie in meinen Augen. Da ich allerdings bei den längeren Kanten immer wieder mit sich zu Beton verhärteten Waden zu tun habe, rückten sie dann doch in meinen Fokus. Gekauft habe ich mir diese fußlosen Stulpen von der Firma CEP. Ich muß zugeben, die Dinger tragen sich ganz angenehm.

03.05.14 12 me

Ob sie wirklich dafür verantwortlich waren, dass meine Waden zum Schluß nicht ganz so fester Beton wie sonst waren, wird die Zukunft zeigen. Zum Schluß waren meine Beine insgesamt etwas nölig, so dass ich das Konzert der Zimperlein gar nicht auseinander halten konnte.

Punkt 4: Die Strecke, wunderschön übrigens, hatte ich auf Gpsies.com ausgetüftelt und dann auf meinen Garmin geladen um mich dann, wie bei der Fahrradtour an die Nordsee, von ihm navigieren zu lassen. Und damit begann das Disaster. Da wo bei der Radtour immer schön die Pfeile zu sehen waren, die mir zeigten in welche Richtung ich wann abzubiegen habe, stand diesmal nur eine Zielflagge, die mir anzeigte, dass ich in 42 km da sein werde, wo ich hin wollte. Diese Zielflagge ließ sich auch durch keine Aktionen, durch kein Betteln und Bitten dazu bewegen, den Navigationspfeilen zu weichen. Meine Rettung war mein Smartphone, über dieses konnte ich den richtigen Weg finden. Das war zeitraubend und fummelig, aber ich konnte so die richtige Strecke laufen, ansonsten hätte ich die A-Karte gezogen 😦 Gut auch, dass ich Teile der Strecke im Bereich des Barneführer Holzes und die letzten 20 km kannte. Garminchen ließ sich immerhin dazu hinreißen mir mitzuteilen, dass ich mit meiner via SP zusammengesuchten Strecke, die ganze Zeit auf Kurs gewesen bin.

Die Strecke hätte auch mehr Aufmerksamkeit verdient als die häufigen Blicke aufs SP. Sie war über viele Kilometer einfach klasse. Aber was sieht im frischen Frühlingsgrün auch nicht klasse aus 😉

03.05.14 4 Blütenteppich

03.05.14 5 HusumKurz wähnte ich mich sogar an der nordfriesischen Küste 🙂

03.05.14 Weg 1

03.05.14 7 Weg 2

03.05.14 8 PfadDen Abzweig auf diesen Trampelpfad hatte ich erst verpaßt und stand plötzlich auf dem Acker, gut dass ich dort irgendwann schon mal gelaufen war

Der Pfad mit der Hunte auf der linken und dem Barneführer Holz auf der rechten Seite ist ein Traum:

03.05.14 9 Pfad 2

03.05.14 10 Hunte

03.05.14 11 Hunte

03.05.14 13 Hunte

Nach gut 20 km war der Weg den eigentlich kein Weg mehr, sondern die Krone des Huntedeiches. Zwei Stacheldrahtzäune bei der Unterquerung der A 29 galt es auch noch zu übersteigen. Aber das Laufen auf dem Deich bin ich ja gewohnt. Ungewohnt nur, dass gut die gleiche Strecke nochmal zu laufen war. So war hohe Aufmerksamkeit gefragt um nicht in irgendwelche Wühlmauslöcher zu treten und nicht auf Schafköddeln auszurutschen.

03.05.14 14 Deich

Langsam wurde mir die weitere Strecke wieder vertraut, Karfreitag war ich sie noch mit Heimo gelaufen. Zwischendurch rechnete der Kopf wieviel Kilometer es schon waren und wieviele es noch sind. „Nicht denken, laufen“ rief ich mich dann  zur Ordnung, was erstaunlich gut funktioniert hat.

Ich lief nach Oldenburg hinein, querte die altehrwürdige Cäcilienbrücke, die noch hoffen darf. Sanierung oder Abriss und Neubau ist noch nicht entschieden. Ein Blick auf den Stadthafen, dann ging es über den Agrarhafen wieder hinaus auf altbekannte Wege entlang der nun schiffbaren Hunte.

03.05.14 Cäcilie

03.05.14 15 Hafen

Eine Verschnaufpause wurde mir noch vergönnt, bis ich noch zwei Kilometer gegen den kalten Wind anlaufen durfte  😉

03.05.14 16 Schranken

Warum ich allerdings die Strecke so wählte, dass ich drei Kilometer vor Ende noch die 100 Stufen der Treppe zur Huntebrücke hochmußte, weiß ich auch nicht. Natürlich trainierte eine hübsche Frau  gerade zu dem Zeitpunkt Treppenintervalle, während ich gehend die Treppe hinaufschlich.

Aber dann war ich wieder zuhause. Lange war ich unterwegs, viele kleine, teilsunfreiwillige (SmartphonesuchdieStrecke)-Pausen hatte ich gemacht. Gelaufen war ich über die gesamte Strecke im 6:40iger Schnitt, ohne die Pausen mitzurechnen natürlich. Dafür bin ich aber auch nie gegangen 🙂

Trotzdem reden meine Beine im Augenblick kein Wort mehr mit mir, sie brummeln und grummeln mit sich selbst beschäftigt vor sich hin 😀

Einen langgehegten Wunsch habe ich mir heute erfüllt, einmal einfach nur für mich einen Marathon zu laufen. Das es exakt 42,240 km waren ist allerdings Zufall. Das hatte ich nicht bewußt so geplant.

Gut in mein Training hat dieser Lauf gepaßt. Nun kann ich es in den kommenden sogar wieder etwas kürzer angehen lassen.

Ein langer Lauf, ein ungewohnt langer Bericht, ich hoffe er war trotzdem einigermaßen interessant.