Berg en Dal

08.04.16 001

Die Niederlande mit Bergläufen in Verbindung zu bringen ist ja ungefähr so, als würde man vom Skifahren in der Sahara reden. Im Gegensatz zu letzteren gelingt erstenes hingegen ganz gut 🙂

Recht plötzlich hat es mich für ein paar Tage nach Nimwegen verschlagen. Das bot eine willkommene Gelegenheit mal wieder ein anderes Laufrevier zu erkunden. Dabei paßte es mir ganz gut in den Kram, dass ich ausgerechnet hier ein paar Höhenmeter sammeln konnte. Am Rande von Nimwegen gibt es eine Gemeinde namens „Berg en Dal“. Übersetzen muß ich das wohl nicht, aber eines kann ich sagen: Der Ort trägt seinen Namen zu recht 🙂

Aber zu Beginn meines Laufes steuerte ich erstmal durch Nimwegen die Waal an. Der Rhein hat sich kurz vor Nimwegen verzeigt und der Hauptstrom heißt nun Waal. Schon große Teile Nimwegens liegen um einiges höher als die Waal.

So waren die ersten Höhenmeter, in der Hauptsache über Treppen, bereits innerhalb Nimwegens erklommen, bevor ich die Stadt verließ und in eine wunderschöne Naturlandschaft eintauchte. Auf schönen Trails ging es rauf und runter durch schöne Wälder, die gelegentlich Blicke auf das ansonsten flache Umland freigaben.

Ich lief durch einen bezaubernd schönen Landstrich, der mich teilweise an das Tiergartental in Rainers Laufrevier oder an die Bilder vom Augsburger Umland in Daniels Blog  erinnerte. Die Fotografierpausen nutzte ich gerne um mich kurz zu verschnaufen. So viel rauf und runter war für mich schon eine Herausforderung, die ich bis auf eine einzige, kurze Gehpause aber recht gut bestand. Sogar eine Straße mit 10%iger Steigung konnte ich, nach schon einigen bestandenen Steigungen, über einen Kilometer lang durchtraben. Ich bin ein Held! :mrgreen:

22,2 km war ich insgesamt unterwegs und mehr als die Hälfte davon ging es beständig auf und ab. Dieses Bergtraining in den Niederlanden war ein richtiges Highlight und hat mir verdammt viel Spaß gemacht.

Quäl Dich, Du Sau

Mein gestriger Lauf stand unter dem Motto „Bergtraining“. In gut zwei Monaten starte ich zum Marathon in österreichischen Gefilden. Das hört sich jetzt nach Höhenmeterheldentum an, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Strecke verläuft weitestgehend um ein Seeufer und bis auf eine Ausnahme gilt es keine Berge zu erklimmen. Trotzdem ist für mich ja alles alpin, was höher als ein Kieselstein ist und so kann ein bisschen Rauf und Runter im Rahmen des in Oldenburg möglichen nicht schaden.

Deshalb war mal wieder der Osternburger Utkiek mein Ziel. Hier hatte ich mich mit Bravour beim Mittsommernachtsberglauf geschlagen und daran wollte ich anknüpfen 🙂

13.08.15 01*nein, ich halte nicht die Kamera schräg*

 

13.08.15 03

13.08.15 04

13.08.15 06

13.08.15 08*nirgends sonst hat man die Chance auf ein solches Stadtpanorama*

13.08.15 09*auf dem Gipfel*

Warum ich mir allerdings gerade den gestrigen Tag für diesen „Extremlauf“ ausgesucht hatte weiß ich auch nicht. Seit einigen Tagen habe ich etwas Hals und leichtes Hüsterchen, was Männer im Allgemeinen und mich im Besonderen natürlich ganz fürchterlich leiden läßt. Gestern hatte ich dann auch noch Kopf und schlußendlich war es auch noch gar fürchterlich warm.

Entsprechend missmutig machte ich mich auf dem Weg. Das erste Stück Strecke, das nicht ganz eben war, empfand ich als entsetzlich anstrengend und die erste wirkliche „Steigung“, die in der Natur der Sache einer ehemaligen Müllkippe liegend, recht kurz ist, ließ die Oberschenkel maulen und das Herz fast aus dem Hals hüpfen.

Um es kurz zu machen: Ich haderte ganz fürchterlich mit den läuferischen Qualen und mit meinem Schicksal als solchem. Bis mir der anfänglich völlig abwegige Gedanke in den Sinn kam, dass es doch noch Menschen gibt, die es schwerer haben als ich.

Meine Gedanken waren plötzlich bei mir sehr nahestehenden Menschen, denen oder deren Liebsten es augenblicklich oder teilweise schon seit Jahren gesundheitlich nicht gut geht und die teilweise nie wieder gesund werden. Sie gingen weiter zu Menschen, die sich aufgrund einer Behinderung tagtäglich durch eine Welt quälen müssen, die nicht für sie gemacht ist. Und ich jammerte über Hitze, Hügel und Husten! Ich kam mir unendlich dumm vor.

Aber immerhin hatte die Selbstwatschen gesessen und mit der abgedroschenen Läuferanfeuerung „Quät Dich, Du Sau“ setzte ich meinen Lauf fort. Und siehe da, es lief von Anstieg zu Anstieg besser und so setzte zum Schluß die begrenzte Zeit und nicht die Qual dem Lauf nach nur 11 km ein Ende.

13.08.15 10

Dieser gedankliche Arschtritt war nötig, aber er hat seine Wirkung gezeigt. Und nächstes Mal trete auf Oldenburgs Bergen mindestens auf der Halbmarathondistanz an. Das ist zwar viel Hin- und Her und Kreuz und Quer-Gerenne, aber ich will jetzt nicht schon wieder anfangen zu jammern 🙄