Kontraste

Gegensätzlicher können zwei Sonntagsläufe nicht sein:

Sonntag, 16.09.2018:

  • Berlin
  • sonnig
  • um die 22°
  • über 44.000 Menschen um mich herum
  • 42,195 km
  • fast fünf Stunden gelaufen
  • am Ende völlig geschafft

Sonntag, 23.09.2018:

  • Bornhorster Huntewiesen
  • seichter Regen
  • 11°
  • 10 Menschen und ein paar Schafe um mich herum
  • 10,2 km
  • eine gute Stunde gelaufen
  • am Ende locker und entspannt

Beide Sonntage hatten was.

Nur für den Dauerbetrieb sind mir solche oder ähnlich Läufe wie der vom heutigen Sonntag dann doch etwas lieber 😀

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I did it (Long version)

Für diesen Post hätte ich auch jede Menge andere andere Titel wählen können. „Minimal-Marathon“ z. B. oder „Alter Haudegen“ oder „Freundschaftslauf“ oder „Hinten wird die Ente fett“ oder oder.

Irgendwie weiß ich auch gar nicht, wie ich anfangen soll. Also versuche ich es einfach von vorne. Am Freitag schon reiste ich in die Marathon-Hauptstadt. Zu diesem Zeitpunkt waren Elke und Chris schon da und auch Roni war wenige Stunden vorher aus den fernen USA eingeschwebt, während Manfred als Fünfter im Bunde erst am Samstag anreisen konnte.

Schon im Vorfeld hatten wir uns via Whats App und Co. rege ausgetauscht und für den frühen Nachmittag zum gemeinsamen Abholen der Startunterlagen im alten Tempelhofer Flughafen verabredet. So kam es zu einem Wiedersehen mit Elke und Chris und einem ersten Kennenlernen von Roni.

Am Samstag durfte ich dann in meinem kleinen Domizil der Gastgeber unserer privaten Pastaparty sein, zu der dann auch Manfred dazustieß, während Elke freundlicher Weise den Kochlöffel schwang 🙂 Ein wunderbarer Abend!

15.09.18 05

Manfred war es dann, der mich am Marathon-Morgen zu Hause abholte um zum Start aufzubrechen. Er sollte ab diesem Moment nicht mehr von meiner Seite weichen, da er sich fest in den Kopf gesetzt hatte, mich auf der gesamten Strecke zu begleiten.

Ich selber steckte tatsächlich in meinen V-Runs. Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Marathongelände sprach mich ein weiterer VFF-Läufer an, auch für ihn sollte es die Marathon-Premiere in diesen Schläppchen sein. Unterwegs sah ich dann noch ein Mädel in VFF laufen, mehr derart beschuhte Läufer sind mir unter den über 44.000 Läufern nicht aufgefallen 🙂 Dafür aber noch ein Barfußläufer, dem ich meinen Respekt gezollt hatte, und einen Läufer in wirklich minimalster Beschuhung.

Aber erstmal zurück auf Marathon-Anfang: Diesmal war ich mit Manfred etwas später in der Startaufstellung angekommen, so dass die Spitze schon unterwegs war und die 44.000 Läufer nicht mehr vollständig waren. Leer war es trotzdem nicht gerade 😆

Aber sobald die Startlinie überquert wurde, ließ es sich sofort recht frei laufen. Roni wollte zusammen mit einem Freund ein ruhigeres Tempo laufen und so trabten Elke, Manfred und ich zusammen los. Elke schreibt in ihrem Post, dass ich das Tempo vorgegeben, was mir gar nicht aufgefallen ist. Tempo ist ja eh ein relativer Begriff und mir war schon nach wenigen Kilometern klar, dass es mit der angeschlagenen Geschwindigkeit mit der heimlich anvisierten Zeit zwischen 4:30 und 4:45 Stunden nichts werden wird. Mir war es schnell wurscht, wollte ich doch nur heile mit den Minimalen ins Ziel kommen. Elke wurde das Tempo erst weit hinter KM 30 zu langsam und Manfred wußte sich mit diversen Zwischensprints für Unterhaltungen mit anderen Läufern des Jubilee-Clubs (mindestens zehnmalige Berlin-Marathon-Teilnahme, Manfred war das zwölfte Mal dabei) und mit lockeren Sprüchen die Zeit zu vertreiben 😀

Unterwegs konnte ich mich noch mit Frank, einem Berliner Freund, abklatschen.

Läuferisch lief es weitestgehend wie es sollte, die Beine machten ihren Job, nichts krampfte und die Füße waren in den V-Runs wirklich zuhause, auch wenn 42 km auf Asphalt eine neue Rekordherausforderung für sie waren. Apropos Asphalt, Elke fragte mich zwischenzeitlich, ob ich es mir vorstellen könnte, auch mal eine Marathon barfuß zu laufen. Aus heutiger Sicht verneine ich das, ertappte mich aber dabei, unterwegs immer mal wieder auf die Qualität des Asphalts zu achten. Immer wenn ich kontrekt drauf geschaut hatte, erschien er mir schon barfußtauglich. Noch vor KM 20 allerdings, stieg mir Hitze zu Kopf und ich hatte das Gefühl mit einer hochroten Birne zu laufen. Zu heiß war es eigentlich nicht, aber die Sonne knallte schon erbarmungslos auf uns herunter und der Schweiß floß in Strömen, lag es daran? Wenigstens nahm das Gefühl nicht überhand und beeinträchtige mich (erstmal) nicht sonderlich.

Neben der kurzweiligen Unterhaltung mit Elke und Manfred hatte das gemeinschaftliche Laufen auch noch den Vorteil, dass ich dem heimlichen Wunsch zwischendurch mal zu gehen widerstanden habe. Elke erzählte mir tags drauf, dass es ihr genauso ging 😀  Allerdings wurde sie über die Kilometer einen Hauch schneller und Manfred und ich beschieden ihr ihr Tempo zu laufen. An den Verpflegungsstellen holten wir sie aber dann doch wieder ein. Meine Beine machten derweil weiter unerschütterlich ihren Job und ich dachte schon, dass ich das Ding gut über die Ziellinie schaukeln könnte, als mir ab KM 39 plötzlich und unerwartet mein Kreislauf zu schaffen machte. Kurzzeitig wußte ich nicht, ob ich den Klappmann machen oder in die nächste Ecke k… ähhh mich übergeben würde. So zwang ich mich und Manfred in den Gehmodus, während Elke nun endgültig entschwand. Allerdings hielten die Oberschenkel so garnichts vom Gehen, drohten zu krampfen, also wechselte ich wieder in den schleichenden Laufmodus, was auch Manfred sehr entgegen kam.

Gefühlt verkörperte ich auf diesen letzten drei Kilometern das Leiden Christi und da konnte es mich auf der Zielgeraden Unter den Linden nicht einmal mehr aufmuntern, dass mich ein Sprecher mit „Volker, Du alter Haudegen“ ansprach und ich war einfach nur dankbar und glücklich ein paar hundert Meter weiter endlich im Ziel zu sein.

4:57:34 Stunden, mein bislang langsamster Marathon, aber das ist wirklich schnuppe. Auch wenn mir dieser Marathon gezeigt hat, dass hinten die Ente fett wird, über 39 km ist es gut gelaufen und über 42,195 km ist es super in den V-Runs gelaufen. I did it! Und das einmalige Erlebnis zu Dritt über den Kurz zu laufen kann mir keiner mehr nehmen.

Mein ausdrücklicher Dank geht noch einmal an Elke und insbesondere Manfred (auch noch fürs Getränke ranschleppen usw.) wie auch an Roni und Chris für dieses unvergleichlich schöne Wochenende. Laufen verbindet, dass zählt mehr als jede Zeit und mehr als jede übliche Marathonqual, wie Elke das Laufen über 42,195 km es so schön genannt hat 🙂