Kreiseln

Am Freitag murrte bei einer 10,5 km-Runde etwas die Außenseite der rechten Wade. Dies ist wohl dem noch relativ ungewohnten Vorfußlaufen in den Minimalen geschultet. Mein Tattoo-Flügel markiert nahezu perfekt die betreffende Stelle, der ich dann mal mit der ewig nicht mehr benutzten Blackroll zu Leibe rückte. Auch ansonsten war der Lauf so lala. Abgehakt.

Für den heutigen Sonntag hatte ich mir einen langen, ruhigen Lauf vorgenommen. Da ich mir aber nicht sicher war, ob ich den sinnvoll durchziehen konnte, habe ich mich meiner ersten Marathontrainingsstrecke erinnert. Am Woldsee im schönen Ammerland vor den Toren Oldenburgs besteht die Möglichkeit zwei Rundkurse in Form einer etwas eckigen Acht zu laufen. Im Zentrum steht das Auto auf dem Parkplatz und bietet die Möglichkeit a) die Verpflegung dort zu deponieren und b) den Lauf alle drei oder fünf Kilometer zu beenden.

Das Tempo sollte sich irgendwo zwischen 6:30 und 7:00 bewegen und um eine weitere Kontrolle über die Trainingsintensität zu erlangen, hatte ich erstmals, seit dem ich meine jetzige Laufuhr habe, den Pulsgurt umgelegt, um auch eine Auge auf die Herzfrequenz zu haben. Allerdings hätte ich das Teil vielleicht vorher mal testen sollen, ihm war keine Information über meinen Herzschlag zu entlocken. Einigermaßen sicher, dass da aber einer ist, bin ich trotzdem losgetrabt.

Handicap Nr. 2: Wer trotz geplanten langen Lauf ausschlafen will, muß bei schönem Wetter mit massiven Ausflugsverkehr rechnen. Meine Runddreherei führte mich immer wieder 1,5 km über die Radwegverbindung Oldenburg – Bad Zwischenahn, da war den ganzen Nachmittag die Hölle los.

Gleich zu Beginn meines Laufs hatte ich aber die Befürchtung, den Rummel gar nicht lange ertragen zu müssen. Die rechte Wade machte von Anbeginn Probleme. Aber wie im Autogenen Training vor Urjahren mal gelernt, versuchte ich meine Aufmerksamtkeit einzig und allein auf die Wade zu konzentrieren und diese betont locker zu lassen. Hat funktioniert, nach kurzer Zeit war die Wade absolut friedlich und blieb es auch bis zum Schluß. Ich bin so stolz auf mich 😀

Ich kreiselte Runde um Runde, dabei lief ich das kurze Ende der Acht nur einmal, da es mir zu sehr in der Sonne lag. Ansonsten wechselten sich Schatten im Wald, einige Wolken und Sonne bei angenehmen 21° und etwas Wind munter ab. Einen Tacken zu warm, ansonsten fast perfekt. So schlug ich auch das Angebot eines älteren Herrn auf seinem E-Bike mitzufahren mit der Bemerkung „Lassen Sie mal, dann ist der Akku gleich leer“ aus. Seine Frau hat sich fast kaputtgelacht.

Nach 20 km entschied ich bei einer Verpflegungspause noch eine 5-km-Runde dranzuhängen und es dann gut sein zu lassen, da die Beine doch langsam schwerer wurden und ich nicht in eine Mega-Anstrengung verfallen wollte. Nach zwei Kilometern dieser Schlußrunde schlug ich mich noch einmal kurz in die Büsche und was dann folgte ist mir in dieser Form noch nie passiert. Nach dem Wiederanlaufen fiel ich in einen angenehmen Trab und es lief die 3 km bis zum Parkplatz so locker flockig wie die 22 km zuvor nicht. Da habe ich mich, am Auto angekommen, doch noch für die finale Runde entschieden. Noch einmal 5 Kilometer, die ich als Vollproll zurückgelegt habe. Ich merkte nämlich, dass sich das Panzertape als Brustwarzenscheuerschutz am verabschieden war.

Panzertape ab, Laufshirt aus, den radelnden Horden etwas Sex-Appeal geboten und noch einmal geniale fünf Kilometer mit der Frische auf der Haut gekreiselt.

Diese letzten fünf Kilometer habe ich die Beine auch einfach laufen lassen und sie waren, zwar immer noch ruhig und langsam, die flottesten der nun vollendeten 30 km.

Wow was war das? Das auf einem 30 km-Lauf die letzten acht Kilometer die schönsten und angenehmsten waren, hatte ich noch nie erlebt. Total happy, da ich mit so einem guten Ausgang nie gerechnet hätte, juckelte ich mit dem Auto die Viertelstunde nachhause. Beim Aussteigen war dann aber doch Schluß mit Lockerflockig. Ziemlich eckig stackste ich unter die Dusche. Egal, nun ich habe mein Sofa lieb 😀

 

Montag

… ist normalerweise nicht mein Lauftag. Das scheinen auch meine Beine zu wissen und fragten meinen Kopf was ihm wohl in selbigen gekommen ist, dann eben doch am Montag laufen zu wollen. Und die Beine blieben stur. Zäh war der Lauf, auf den ich mich eigentlich gefreut hatte. So zäh, dass ich nach fünf Kilometern sogar eine kurze Stretching-Pause einlegte, um die maulenden Waden etwas zu besänftigen. Das hat geklappt, auf der zweiten Hälfte des Laufs fühlten sie sich nicht mehr ganz so an, als würden sie gleich auseinanderfallen. Zwar sank das Tempo ins Bodenlose, aber ich konnte wenigstens dem Drang widerstehen, den Lauf abzukürzen.

So vollendete ich doch noch die geplanten 10 km. Das Wetter paßte zum Lauf, nicht Fisch, nicht Fleisch: 4 ° nasskaltes Grau in Grau.

05.01.15 01

05.01.15 02

Nach diesem Black Lauf-Monday kam dann Blackroll zum Einsatz, die nun auch in meinen Haushalt Einzug gehalten hat, um den mauernden Laufextremitäen wieder auf die Sprünge zu helfen. Feines Ding, meine Beine mögen sie. Andere Körperteile …. eher nicht 🙂

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Nächste Laufgelegenheit: Donnerstag. Bis dahin wird das Geläuf den heutigen Streß hoffentlich vergessen haben 😎

Weihnachtsmarkt, neue Laufschuhe und ein kleines schwarzes Ding

Stille Nacht, heilige Nacht. Sie naht mit Riesenschritten, die Weihnacht. Bevor es aber nun still und heilig wird, ist es erstmal überall laut und eilig. Den Volksfestcharakter, den der Oldenburger Weihnachtsmarkt inzwischen verbreitet, behagt mir genauso wenig, wie die Menschenmassen, die sich über den Markt und durch die Stadt wälzen. Gefangennehmen lasse ich mich aber immer noch sehr gerne von dem Lichterzauber in der Stadt. Ich mag diesen Glanz.

Glanz in meinen Augen hatte ich auch, als ich im kleinen Laufschuhladen meines Vertrauens in ruhiger Atmosphäre meine neuen Laufschuhe ausgesucht habe. Den direkten Nachfolger meiner inzwischen recht weit runtergelaufenen, aber sehr liebgewonnenen Laufsofas namens Nike Pegasus.

07.12.14 04Endlich nicht mehr rosa 🙂

Was mir in dem Laufladen aber noch über den Weg lief, ist etwas was schon seit längeren die halbe Bloggerwelt begeistert. Und zwar die Blackroll.  Zwar hat es, mangels Platz, erstmal nur die kleine Rolle in die Tasche geschafft, aber die große werde ich mir die Tage noch auf direktem Wege holen, wenn ich mich danach nicht mehr ins Weihnachtsmarktgedrängel stürze. So dürfen sich als erstes meine Plantarsehnen über entsprechende Massage freuen 🙂

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Nach diesem vorweihnachtlichen Füßgängerzonen-Stop-and-go bzw. Vollstau mußte ich mich dann heute vormittag erstmal wieder freilaufen 🙂 Zur Feier des Tages gab es zum Anfang sogar noch ein paar Sonnenstrahlen.

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Ansonsten war es mit 5° eigentlich schon wieder recht mild. Zu spüren war davon aber nichts, der Windchill drückte die Temperatur sogar leicht ins Minus. Trotzdem oder deswegen war es wieder ein feines Läufchen mit einigen der 15 km im recht flotten Tempo. Der neue Schuh läuft sich von Beginn an so, als ob ich noch nie einen anderen an den Füssen gehabt hätte.

Und ruhig war es auch, kein Vergleich zu dem Menschengewimmel von gestern.

was tut wohl besser? 🙂

Auf den letzten drei Kilometer erhielten die neuen Schuhe dann auch gleich ihre Taufe. Es fing an zu regnen. Was für ein wunderbarer Ausklang für diesen schönen Lauf.