Und sonst so?

Seit Ende September läuft es bei mir wieder mit dem Laufen. Das ich darüber sehr glücklich bin, kann sich wohl jeder denken. Das gibt mir aber einmal die Gelegenheit kurz über meine Befindlichkeit im Allgemeinen zu schreiben. Meine ja etwas angeschlagene Psyche erlebte und erlebt eine wilde Achterbahnfahrt, ist doch das Thema, das mich triggert, präsenter denn je. Die meisten Politiker und die meisten Medien schüren nach wie vor Angst und Hysterie und von der Maskenpflicht werden wir wohl auf absehbare Zeit nicht wegkommen. Im Gegenteil, sie verbreitet sich schneller als das Virus selbst und hat jetzt auch noch das Bürogebäude, in dem ich arbeite, befallen. Mein Psychotherapeut müht sich redlich und ich habe mir jüngst eine neue Strategie überlegt: Ich gebe nach all den Monaten meine innere Verweigerungshaltung gegen die Maske auf, weil ich mir nur selbst damit schade und trage sie seit neuestem ganz brav (naja, so halbwegs wenigstens 😛 ). Motto Nr. 1 dazu: Lächle, Du kannst sie nicht alle töten, Motto Nr. 2: Der Klügere gibt nach, Motto Nr. 3: Alles kommt zu dem, der warten kann. Irgendwann wird es ja ein Leben nach der Maske geben, auch wenn wir darauf vielleicht bis zum Alterstod von Herrn Söder warten müssen 😆 Drückt mir die Daumen, dass diese Strategie erfolgreich sein wird. Es würde mir und meiner Umwelt sehr helfen! 🙂

Eine schwere Aufgabe für mich, aber daran arbeite ich:

Das das Laufen wieder läuft hat natürlich einen großen Einfluß auf mein psychisches und auch auf mein körperliches Wohlbefinden und ich zelebriere laufend den Herbst, meine liebste Jahreszeit. So freue ich mich an morgendlichen Nebelschwaden und tauglänzenden Wiesen in meinem Laufrevier.

Ich genieße den herbstlichen Sonnenschein, während mir der Deich im Rücken den kalten Nordost-Wind vom Leibe hält 🙂

Ich freue mich über das noch satte Grün und über das was da auf und neben den Wegen noch so alles grünt und blüht.

Der Gedanke wieder unbeschwert laufen zu können und überhaupt zumindestens körperlich gesund zu sein, zusammen mit dem Natur erleben, dass läßt mich schon dankbar sein. Trotzdem muß ich noch ein Zeitlang mit meiner Krise in dieser Krise leben. Immerhin geht es mir inzwischen erheblich besser als zum Tiefpunkt Mitte Juni. Zwar wird sich die Achterbahnfahrt noch weiter fortsetzen, aber immerhin komme ich auch schon ohne Medikamente aus und so hoffe ich für mich, dass ein Ende meiner Krise und für uns alle, daß ein Ende der großen Krise möglichst bald in Sicht kommt.

Die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank

Es geht mal wieder um mein Lieblingsthema, die Maskenpflicht. In der heutigen Ausgabe der Oldenburger Nordwest-Zeitung wurde folgender Artikel veröffentlicht:

„Niedersachsen hält zusammen“ gestartet

In diesem Artikel heißt es u. a.: „Die Bevölkerung müsse sich darauf einstellen, noch rund ein Jahr lang Rücksicht zu nehmen sowie an Abstandsregeln und der Maskenpflicht festzuhalten, um andere zu schützen“ Geäußert von Ministerpräsident Weil. Mich macht dieser Irrsinn so aggro, dass ich mich zu einem Schreiben an unser liebes Bundesland habe hinreißen lassen:

Protest

Die sind doch wirklich nicht mehr ganz dicht 😦 Ich weiß einfach nicht wohin mit meiner Wut.

Ja, in einer Textzeile sind Fehler drin, so what.

Mein persönlicher Lockdown

Die letzten zwei, drei Wochen habe ich noch einmal intensiv versucht mich mit dem Thema Corona auseinanderzusetzen und neben der Nachrichtenlage das Internet nach Informationen zum Thema durchforstet. Ich habe mich mit den Ergebnissen von Studien befasst, die Seite des Robert-Koch-Instituts (RKI) durchstöbert, Statements von Experten zum Anfang und zum jetzigen Zeitpunkt der Pandemie verglichen und und und.  Was dabei an Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten zu Tage getreten ist, ist der Wahnsinn.

Nahezu erschreckt hat mich teilweise die Rolle der Medien. Ob Fernsehen oder Printmedien: Da werden Fachleute in Zweifel gezogen und diffamiert, wenn sie eine andere als die Meanstreammeinung vertreten. Geht eine Studie nicht vom schlimmsten aus, wird sie zertreten. Es wird sich vielfach in Weltuntergangsszenarien gesuhlt statt Für und Wider sachlich abzuwägen. Am schlimmsten sind dabei die Wissenschaftsreporter, die für sich offenbar in Anspruch nehmen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, die sind teilweise schon, verzeiht die Ausdrucksweise, zum K….. Das ist mir in der Vergangenheit bei anderen Themen nie so klar ins Auge gesprungen, grauenhaft!

Die Ministerpräsidentenriege präsendiert sich wie eine quengelnde Kindergartenhorde: Wenn Du das machst, dann mache ich das und wenn Du Dich nicht daran hältst, dann halte ich mich auch nicht daran. Werden Regelungen von Gerichten gekippt, sind sie teilweise beleidigt und bockig, unfassbar. Was zu Anfang der Pandemie auf Bundes- und Landesebene klar und deutlich kommuniziert wurde, entwickelt sich immer mehr zu einem grotesken Provinztheater. Da kann einem die Kanzlerin nur noch leid tun, deren Bemühen um ein einheitliches und für die Menschen nachvollziehbares Vorgehen den Bach runtergeht.

Mich haben diese letzten Wochen in hohem Maße erschöpft und mein Vertrauen in die sachliche, objektive Berichterstattung vieler (nicht aller) Medien erschüttert. Ebenso wie den anfänglichen hohen Respekt für die Entscheidungen der politischen Führungsebene.

Darum verkünde ich meinen persönlichen Lockdown. Ab Donnerstag (die Kanzlerin-/Ministerpräsidentenschalte am Mittwoch nehme ich noch mit, da kann ich nicht aus mir raus) werde ich mich den Nachrichtenkanälen im Fernsehen verschließen. Verboten werden für mich Extrasendungen und Talkshows ebenso wie die täglichen Ausführungen eines Prof. Dr. Wieler in den Pressekonferenzen des RKI. Ich werde mich sämtlichen Diskussionen zu  diesem Thema im Kollegen- Nachbarschafts- oder sonstigen Kreisen entziehen. Erlaubt bleiben für mich lediglich die Nachrichten im Radio als Nachrichtengrundversorgung und der Lokalteil der Lokalzeitung.

Diese Anordnung gilt zunächst für eine Woche, danach werde ich schauen, wie sich diese Maßnahmen auf meinen Gesundheitszustand im Allgemeinen und meine Nerven im Speziellen ausgewirkt haben. Sollte es erste Anzeichen einer Besserung geben, kann ich über vorsichtige Lockerungsmaßnahmen zum Ausstieg aus dem Lockdown nachdenken. Ich werde da versuchen auf Sicht zu fahren und nur in kleinen Schritten zu denken, um keine Rückschläge zu riskieren, die das bis dahin Erreichte wieder zunichte machen.

Absurdistan

Gestern war ich mit Kopfschmerzen laufen, die ich schon den ganzen Tag hatte. Kopfschmerzen machen schlechte Laune und diese, inzwischen zwar schon wieder verflogene, möchte ich einmal nutzen, drei exemplarische Absurditäten zu erzählen, die das Leben in Corona-Zeiten auch nicht gerade einfacher machen.

Example No. One:  Da berichtet unsere hiesige Tageszeitung dieser Tage, dass städtische Ordnungskräfte in der Oldenburger Parkanlage „Großer Bürgerbusch“ unterwegs gewesen sind, um Läufer von der Finnbahn auf die benachbarten Spazierwege zu scheuchen. Die Finnbahn sei schließlich eine Sportstätte und Sportstätten sind jetzt nun einmal geschlossen. Der Pressesprecher der Stadt rechtfertigt das Vorgehen auch noch mit der Breite der Finnbahn von 1,50 m, so dass sich begegende Läufer im Vorbeilaufen den Mindestabstand zueinander nicht einhalten könnten. Das ist natürlich auf den anderen Wegen des Parks, wo auch Spaziergänger, Radfahrer, Inliner usw. unterwegs natürlich gar kein Problem! Was für ein Blödsinn!

Plan Großer Bürgerbusch

Das weiße Oval ist die Finnbahn, die fliederfarbenen sind die anderen Wege

Example No two: Das Einkaufen des Alltäglichen ist jetzt teilweise eine ziemlich stressige Sache. In jedem Supermarkt muß man sich orientieren, wie und ob überhaupt Zugang und Bewegungsmöglichkeiten organisiert sind. So wird z. B. oft das Mitführen eines Einkaufswagens vorgeschrieben um die Leute besser auf Abstand zu halten. Soweit so gut und auch nicht in Frage zu stellen. Wenn man aber, wie ich gestern, mitten im Laden feststellt, dass man einen Artikel vergessen hat, dann aus alter Gewohnheit den Einkaufswagen beiseite stellt und zurückgeht, um dann zwei, drei Meter vor Erreichen des betreffenden Regals von einer Verkäuferin gestoppt zu werden und sich den betreffenden Artikel nicht nehmen darf, sondern erst umdrehen und den ganzen Weg zurückgehen muß um den Einkaufswagen zu holen, obwohl gerade nichts los war, dann ist so etwas nur noch Schikane. Aber okay, ich habe brav meine Missetat gesühnt, schließlich hatte ich ja in dem Moment die Gesundheit meiner Mitmenschen aufs Übelste gefährdet.

Example No three: Momentan werden sie zu Recht gefeiert, unsere Helden dieser Krise. Neben Ärzten und Pflegekräften sind dies vielfach Lkw-Fahrer und Supermarktmitarbeiter. Während Lkw-Fahrer aber kaum noch die Möglichkeit haben irgendwo Toiletten- und Sanitäranlagen aufzusuchen, bedanken sich die Supermarktketten, immerhin die Gewinner in dieser Krise, nun oft publikumswirksam bei den Mitarbeitern in ihren Werbeanzeigen und -Spots. Eine Supermarktkette geht sogar soweit, dass sie ihren Mitarbeitern einmalig Warengutscheine zukommen läßt. Die Höhe beträgt für Vollzeitkräfte 125,00 € und wird für die Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigen auf Heller und Pfennig auf die entsprechende Stundenzahl umgerechnet. Da bleibt wirklich mal etwas hängen, da klotzen die Leute doch gleich wieder vollmotiviert rein 👿

Da kann man sich nur noch (Achtung Wortwitz) die Haare raufen, laufen gehen und auf ruhige Strecken hoffen, was immerhin ansatzweise gelingt 😀

Aber eben nur ansatzweise, allerdings machen das schöne Wetter und die Natur das bei weitem wieder wett  😉

Für die Ostertage habe ich mir läuferisch durch meine – schriftliche- große Klappe nun auch noch etwas aufgebrummt. Ich werde bei Gelegenheit berichten 🙂 Eine verschworene Gruppe meiner Leserschaft ist aber eh schon im Bilde 😛

 

 

 

Privilegiert

Mal ganz davon abgesehen, dass wir generell schon privilegiert sind, weil wir in diesem unserem wohlhabenden Land mit nicht nur einem gut ausgebauten Gesundheitssystem leben dürfen, sind speziell wir Läufer in der augenblicklichen Situation privilegiert. Wir können nahezu ohne Einschränkungen unserem Sport nachgehen, sofern wir kein Problem damit haben alleine unterwegs zu sein. Zugeben, mir fällt es auf, dass ich dieses Privileg verstärkt teilen muß, da jetzt schon auffällig viele Läufer unterwegs sind. Aber da bin ich schon Gönner, wenn sich andere Sportler nun auf das Laufen besinnen 😉

Das Laufen führt mich zum Glück auf Strecken, auf denen nicht zuviel los ist, so dass sich die Abstandsregeln gut einhalten lassen. Prima, ich habe schließlich nicht nur wegen dem bösen C-Wort gerne meine Ruhe.

Privilegiert bin ich aber auch, weil ich meine Brötchen weiterhin im Home-Office verdienen kann, das mich bei dem momentanen Sonnenschein auch noch mit sommerlichen Temperaturen verwöhnt.

24.03.20 04

Und schlußendlich habe ich auch noch das Privileg, dass ich meine üppige Haartracht auch ohne die augenblicklich geschlossenen Friseure bändigen kann 😆 :

24.03.20 08

Also genieße ich alle meine Privilegien, so lange ich sie habe. Es besteht schließlich kein Rechtsanspruch darauf ❗

Wehmut

… gepaart mit etwas Unbehagen überkam mich heute vormittag als ich mich ein letztes Mal in meiner kleinen Berliner Wohnung umschaute, bevor ich die Tür zuzog um meine Heimreise nach Oldenburg anzutreten. Zwei Tage früher als geplant. Meinen Urlaub hatte ich mir etwas anders vorgestellt.

Aber was macht man in einer Millionenstadt, wo sich die Millionen aus dem Wege gehen müssen und in der das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen ist? Seit Dienstag hatte ich keinen persönlichen Kontakt zu irgendjemanden mehr. Gerade mal im Vorbeigehen /-laufen auf Bürgersteigen unterschritt ich die gebotene Distanz zwischen den Mitmenschen. Trotzdem waren die vergangenen Tage eigentlich noch ganz schön: Ausschlafen, ausgiebig frühstücken, laufen, radeln, die erste Frühlingssonne genießen (alleine mit entsprechenden Abstand natürlich!), sich abends was Leckeres kochen und ein Bierchen dazu trinken. Eigentlich ganz erholsam, wenn man sich von der Nachrichtenlage nicht zu sehr gefangen nehmen ließ, was mir zugebener Weise teilweise recht schwer fiel.

Das Laufen lief aber ganz ordentlich und hat auch Spaß gemacht. In den letzten fünf Tagen kamen gute 60 km zusammen, knapp die Hälfte davon barfuß. Das war schon schön! So bleibt mir speziell die zweite Hälfte meiner Zeit in Berlin als ruhiger Erholungsurlaub in Erinnerung, wozu Berlin ja ansonsten eher weniger taugt 🙂

Das leichte Unbehagen beschleicht mich bezüglich der Ungewissheit, wann ich wohl das nächste Mal an meinem geliebten Zweitwohnsitz aufschlagen kann. Das schon geplante Wochenende im April zum eh abgesagten BER-Night-Run wird keinen Sinn machen und weiter in Zukunft mag ich im Moment noch nicht schauen.

Nun gilt es auch erstmal in der kommenden Woche in Oldenburg in einen Alltag zurückzufinden, der so schnell nicht alltäglich sein wird. Aber das geht uns ja allen so. Solange wir zu Essen haben, die Bude warm ist, der Strom fließt, wir laufen können und hoffentlich gesund bleiben, haben wir keinen Grund zur Klage.

Zum Schluß ein paar Impressionen von der Rückfahrt über teilweise schon geisterhaft leere Autobahnen:

Dadurch war mir eine Rekordzeit vergönnt, vier Stunden für ca. 440 km in meinem PS-schwachen Kleinwagen. Das wird wohl kaum noch zu unterbieten sein und das hoffe ich in Bezug auf einen irgendwann wieder zurückkehrenden täglichen Wahnsinn sogar! 🙂