Privilegiert

Mal ganz davon abgesehen, dass wir generell schon privilegiert sind, weil wir in diesem unserem wohlhabenden Land mit nicht nur einem gut ausgebauten Gesundheitssystem leben dürfen, sind speziell wir Läufer in der augenblicklichen Situation privilegiert. Wir können nahezu ohne Einschränkungen unserem Sport nachgehen, sofern wir kein Problem damit haben alleine unterwegs zu sein. Zugeben, mir fällt es auf, dass ich dieses Privileg verstärkt teilen muß, da jetzt schon auffällig viele Läufer unterwegs sind. Aber da bin ich schon Gönner, wenn sich andere Sportler nun auf das Laufen besinnen 😉

Das Laufen führt mich zum Glück auf Strecken, auf denen nicht zuviel los ist, so dass sich die Abstandsregeln gut einhalten lassen. Prima, ich habe schließlich nicht nur wegen dem bösen C-Wort gerne meine Ruhe.

Privilegiert bin ich aber auch, weil ich meine Brötchen weiterhin im Home-Office verdienen kann, das mich bei dem momentanen Sonnenschein auch noch mit sommerlichen Temperaturen verwöhnt.

24.03.20 04

Und schlußendlich habe ich auch noch das Privileg, dass ich meine üppige Haartracht auch ohne die augenblicklich geschlossenen Friseure bändigen kann 😆 :

24.03.20 08

Also genieße ich alle meine Privilegien, so lange ich sie habe. Es besteht schließlich kein Rechtsanspruch darauf ❗

Wehmut

… gepaart mit etwas Unbehagen überkam mich heute vormittag als ich mich ein letztes Mal in meiner kleinen Berliner Wohnung umschaute, bevor ich die Tür zuzog um meine Heimreise nach Oldenburg anzutreten. Zwei Tage früher als geplant. Meinen Urlaub hatte ich mir etwas anders vorgestellt.

Aber was macht man in einer Millionenstadt, wo sich die Millionen aus dem Wege gehen müssen und in der das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen ist? Seit Dienstag hatte ich keinen persönlichen Kontakt zu irgendjemanden mehr. Gerade mal im Vorbeigehen /-laufen auf Bürgersteigen unterschritt ich die gebotene Distanz zwischen den Mitmenschen. Trotzdem waren die vergangenen Tage eigentlich noch ganz schön: Ausschlafen, ausgiebig frühstücken, laufen, radeln, die erste Frühlingssonne genießen (alleine mit entsprechenden Abstand natürlich!), sich abends was Leckeres kochen und ein Bierchen dazu trinken. Eigentlich ganz erholsam, wenn man sich von der Nachrichtenlage nicht zu sehr gefangen nehmen ließ, was mir zugebener Weise teilweise recht schwer fiel.

Das Laufen lief aber ganz ordentlich und hat auch Spaß gemacht. In den letzten fünf Tagen kamen gute 60 km zusammen, knapp die Hälfte davon barfuß. Das war schon schön! So bleibt mir speziell die zweite Hälfte meiner Zeit in Berlin als ruhiger Erholungsurlaub in Erinnerung, wozu Berlin ja ansonsten eher weniger taugt 🙂

Das leichte Unbehagen beschleicht mich bezüglich der Ungewissheit, wann ich wohl das nächste Mal an meinem geliebten Zweitwohnsitz aufschlagen kann. Das schon geplante Wochenende im April zum eh abgesagten BER-Night-Run wird keinen Sinn machen und weiter in Zukunft mag ich im Moment noch nicht schauen.

Nun gilt es auch erstmal in der kommenden Woche in Oldenburg in einen Alltag zurückzufinden, der so schnell nicht alltäglich sein wird. Aber das geht uns ja allen so. Solange wir zu Essen haben, die Bude warm ist, der Strom fließt, wir laufen können und hoffentlich gesund bleiben, haben wir keinen Grund zur Klage.

Zum Schluß ein paar Impressionen von der Rückfahrt über teilweise schon geisterhaft leere Autobahnen:

Dadurch war mir eine Rekordzeit vergönnt, vier Stunden für ca. 440 km in meinem PS-schwachen Kleinwagen. Das wird wohl kaum noch zu unterbieten sein und das hoffe ich in Bezug auf einen irgendwann wieder zurückkehrenden täglichen Wahnsinn sogar! 🙂