Freundliche Worte

… waren nicht gerade meine Stärke wenn es in der Vergangenheit um meine Kritik an den Maßnahmen der Politik in Sachen C ging. Ihr werdet Euch sicher leidvoll erinnern. Inzwischen bin meiner Aggression müde und nur noch erschöpft und traurig. Traurig und erschüttert nehme ich hin, dass es mir bei kommenden Berlin-Besuchen erneut nicht erlaubt ist ein Bierchen in meiner Stammkneipe zu trinken, ich nirgends eine Pizza, einen Kuchen essen oder eine Tasse Kaffee trinken darf. Ich nehme es auch nur traurig und ohne jede Häme und Genugtuung zur Kenntnis, dass solche Selbstverständlichkeiten dort auch Geimpfte und Genesene wieder nur noch getestet wahrnehmen dürfen. Erschüttert nehme ich zur Kenntnis, dass ich als gesunder Mensch, der seine Gesundheit auch noch durch einen Test nachweist nicht an der Weihnachtsfeier des Möbelhauses, mit dem Jens zusammenarbeitet, teilnehmen kann, weil das ausgewählte Restaurant „2 G“ betreibt. Würde meine Krankheit nicht meiner Arbeitsfähigkeit im Wege stehen, würde ich mich künftig testen lassen müssen, um arbeiten zu dürfen. Beistimmte Personen würde dies sicher auch noch mit Genugtuung kontrollieren. Künftig werde ich nicht einmal mehr ungetestet einen Bus oder eine U-Bahn benutzen dürfen.

Nach ca. zwei Jahren Pandemie wird immer alles nur noch schlimmer. Es wird beschimpft, verunglimpt, gedroht und diskriminiert und nicht nur ich fühle mich an finsterste Zeiten deutscher Geschichte erinnert. In Östereich, das uns ja immer ein paar Wochen voraus ist, dürfen ungeimpfte Menschen grundlos nicht mehr das Haus verlassen, ja nicht einmal mehr zum Friseur gehen. Kontakteinschränkungen stehen hier wie dort im Raume. Aber sind sind faktisch eh schon da, weil man ja nichts mehr machen darf.

Nein, ich bin nicht mehr wütend und aggressiv. Das sind andere. Das sind Ex-Bundespräsidenten, die ungeimpfte Menschen bekloppt nennen, oder Weltärztepräsidenten, die uns ungeimpfte Menschen der Tyrannei bezichtigen, dass sind Minsterpräsidenten, die mit „ihrer Geduld am Ende sind“(was ist eigentlich mit meiner, mit unser aller Geduld), dass sind Medien, die ungeimpfte Menschen (Kimmich) durch einen medialen Hexenkessel treiben. All das passiert, während sich immer deutlicher zeigt, dass die Impfung nicht das hält was von ihr versprochen wurde. Auch das nehme ich nicht mit Häme sondern mit größtem Bedauern zur Kenntnis, weil sich unsere Führungsriege einzig und allein darauf versteift hat und es keinen Plan B gibt. Alles andere was ich den Mächtigen unseres Landes und großen Teilen der Welt in diesem Zusammenhang unterstellen könnte, würde mir wohl einen Aluhut aufsetzen und mich als Schwurbler und höchstwahrscheinlich gar als Nazi darstehen lassen. Deshalb spare ich mir das.

Nein, ich bin nicht mehr wütend und aggressiv. Ich bin traurig, depressiv und hoffnungslos. Auch weil die, die meinen auf der richtigen Seite zu stehen, all das hinnehmen, mit einem Achselzucken kommentieren oder sich schlimmstenfalls noch an Hass, Hetze und Beschimpfungen beteiligen. Auch dieses Wegsehen, Hinnehmen und Beteiligen hat es in unserer Geschichte schon gegeben.

Ja, ich bin mir diesen „gewagten“ Vergleichs durchaus bewußt und nehme Schnappatmung und Protest (hier entsteht das erstaunlicherweise) bei einigen schon fast körperlich wahr. Aber ich stehe dazu!

Aber weil ich der Wut und der Aggression überdrüssig bin, weil ich müde, erschöpft und depressiv bin, möchte ich hier statt weiterer Worte den offenen Brief eines untadeligen Sportlers (immerhin ist das hier ja auch noch ein Sportblog) veröffentlichen, einer der nicht weniger ist als der erfolgreichste Olympionike Österreichs. Sein offener Brief verkörpert alles was meine Meinung zu diesem Thema ist, nur gelingt es Felix Gottwald, im Gegensatz zu mir in den vergangenen Zeiten, diese meine Meinung und die vieler anderer in recht freundliche, verbindliche Worte zu fassen. Ganz nebenbei hat solch ein renommierter Sportler, der da auch noch eine nicht restlos unbedeutete Stelle aufgibt, ein ganz anderes Gewicht, als ich kleiner bedeutungsloser Blogger.

Aber eines werden Felix Gottwald und ich dann doch gemeinsam haben: Es wird sich trotzdem nichts ändern. Die Herrschenden werden ihr Verhalten nicht ändern und die Beherrschten werden es in der Großzahl weiter über sich ergehen lassen. Demokratie? Grundrechte? Wer braucht das schon wenn es um den absoluten Gesundheitsschutz geht? Sollte Corana irgendwann doch einmal zu Ende sein, wird sich einen neues Thema finden lassen. Den Anfängen wurde nicht gewehrt.

Nun aber zu dem offenen Brief von Felix Gottwald an den Sportminister und Vize-Kanzler Österreichs:

Offener Brief von Felix Gottwald an Sportminister Werner Kogler

Ich möchte Sie darüber informieren, dass ich mit sofortiger Wirkung als Vorsitzender der Breitensportkommission der Bundes-Sport GmbH zurücktrete und nicht mehr zur Verfügung stehe.

Ich bin angetreten, um einen Beitrag für eine echte Bewegungskultur in unserem Land zu leisten.

Ich bin angetreten, um die Anzahl der gesunden Lebensjahre in unserem Land gemeinsam zu steigern.

Und ich bin angetreten, um ein Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen, durch Bewegung und Sport die Welt, in der wir leben, besser zu meistern.

Nach nun neun offiziellen Monaten in dieser Funktion stelle ich fest: Es mag in unserem Land gerade um viel gehen, aber sicher nicht um die Gesundheit und das Wohl der Österreicher:innen und der in Österreich lebenden Menschen – und das inmitten der größten Gesundheitskrise.

Spaltung, Hetze, Diskriminierung – das sind die Regierungsgebote der Stunde.

Ich schäme mich zutiefst für unser Land und bin als Österreicher zornig, traurig und (ver-)fassungslos zugleich.

Ich habe jegliches Vertrauen in die Politik verloren, und mir fallen beim besten Willen keine Argumente mehr ein, warum ich ihr auch nur eine Silbe glauben sollte. Die Art des Diskurses innerhalb der Politik, die Wortwahl, die Inkongruenz, die Geringschätzung, die mich als mündigen Bürger und Steuerzahler erreicht, irritieren mich zutiefst und würden wohl jedes Unternehmen in der Privatwirtschaft umgehend in den Ruin treiben.

Als nachweislich Gesunder, der mit vernünftigen und sinnvollen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sehr verantwortungsvoll umgeht, werde ich jetzt wie Millionen andere vom sozialen und damit auch vom sportlich bewegten Leben ausgegrenzt. Ich habe als Sportler immer Verantwortung übernommen und übernehmen müssen. Daran hat sich nichts geändert und wird sich – unabhängig von Druck, jeglichen Regeln und Verordnungen – nichts ändern. Ich habe Gesundheitswissenschaften studiert, weil ich mich zeit meines Lebens damit beschäftigt habe, wie Gesundheit – und nicht wie Krankheit – entsteht. Sport und Bewegung sind und bleiben dafür ein wesentlicher Teil der Lösung.

Gerade Sie als Sportminister hätten es in der Hand, Hebel in Bewegung zu setzen, die Bewegung und (Breiten-)Sport in der wohl größten Gesundheitskrise unserer Zeit fördern und nicht verhindern.

Wie weit sind Sie bereit zu gehen?

Und: Wie weit seid ihr als Regierung bereit zu gehen?

Als erfolgreichster Olympiasportler Österreichs habe ich ganz oft verloren und nur ganz selten gewonnen. Als Sportler habe ich gelernt, mit Niederlagen und mit dem Scheitern umzugehen, daraus zu lernen, mich weiterzuentwickeln und mir selbst und anderen mit Respekt und Würde zu begegnen. Diese Tugenden vermisse ich derzeit seitens der Politik zur Gänze.

Ich war überzeugt, dass unser Land aus der Geschichte gelernt hat.

Ich bin erschüttert, festzustellen, dass wir als Gesellschaft anmaßender, skrupelloser und diskriminierender geworden sind, als ich das je zuvor erlebt habe.

Ich möchte wieder in einem Land leben, auf das wir stolz sein können, in einem Land, in dem wir als Gesellschaft eine Kultur des Füreinanderdaseins pflegen. Entscheidungen und Handlungen, die von Verstand, Verständnis und Vertrauen geprägt sind, wünsche ich mir von Herzen. Die Hoffnung, dass es dafür – unabhängig von den äußeren Umständen – nie zu spät ist und dass heute immer der beste Zeitpunkt bleibt, damit wieder zu beginnen, lässt mich abschließend Danke sagen. Danke allen Mitgliedern und dem Team der Bundes-Sport GmbH für die Art, wie ich aufgenommen wurde, und für deren Bemühen, beim Vorhaben, eine echte Bewegungskultur in unserem Land zu etablieren, mitzuwirken. Ich bin gescheitert – und das ist okay so. Weiterzumachen, als ob ich die unsportlichen und ungesunden Entwicklungen rund um diese Pandemie nicht mitbekommen würde, ist für mich keine Option. Ich möchte auch allen Einzelnen Danke sagen, die auf ihre Art und mit ihren Möglichkeiten einen Beitrag leisten, dass wir zusammenhalten und Verständnis füreinander haben und es nicht zulassen, uns als Gesellschaft von dieser Art der Politik weiter auseinanderdividieren zu lassen, und dass wir deshalb diese Krise gemeinsam und mit unterschiedlichen persönlichen Entscheidungen und Überzeugungen meistern werden.

Bewegung und Sport und viel frische Luft werden uns dabei helfen und ganz nebenbei noch einer Pandemie unserer Zeit – nämlich Übergewicht und Bewegungsarmut – entgegenwirken.

Ich persönlich werde mich weiterhin mit meinen Möglichkeiten für eine echte Bewegungskultur in unserem Land einsetzen, wissend, dass eine solche beharrlich aufgebaut werden und vom politischen Aktionismus wohl unabhängig sein muss.

Mit besorgten und bewegten Grüßen,

Felix Gottwald

Ramsau am Dachstein, 15. November 2021

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Denkt doch bitte einmal über seine und auch meine Zeilen nach.

Vielen Dank!