Stinksauer

Nun also doch Borreliose. Nachdem ich nun vier Tage auf das Ergebnis der Blutuntersuchung warten durfte, weiß ich es seit heute.

Die Chronologie:

Am 10.07. war ich erstmalig bei meinem Hausarzt, bzw. dessen Kollegen in der Gemeinschaftspraxis. Der war für eine Blutuntersuchung und hat mir für den Fall eines positiven Befundes schon mal ein Antibiotika-Rezept ausgestellt. Im negativen Fall könnte ich die Sache vergessen und das Rezept wegschmeißen. Im positiven Falle: Drei Wochen Antibiotikum und Sportpause.

Drei Tage später war ich zufällig auch bei meiner Dermatologin, die empfahl die Antibiotika-Behandlung schon aufgrund des klinischen, sprich optischen Befunds. Inzwischen war aber das negative Ergebnis vom Antikörpertest da und ich glaubte doch lieber dem Hausarzt. Nur der Grund für die Borreliose-Annahme, der riesengroße Fleck am Oberschenkel, verschwand nicht sondern wurde noch etwas größer.  Deshalb war ich am 27.07. noch einmal beim Hausarzt, erneut bei dem besagten Kollegen, der immer noch nicht so recht an eine Borreliose glauben wollte.

Da der Fleck aber partout nicht weichen will, habe ich am Montag, den 14.08., den Bluttest noch einmal wiederholen lassen. Und siehe da, das Ergebnis ist positiv. Zwar nur ein niedriger Wert und witzigerweise nur der Wert für den Langzeitindikator, aber eben positiv. Nun hatte ich heute meinen eigentlichen Hausarzt am Telefon, der mir sagte, dass er von vornherein anders vorgegangen wäre.

Da ich ja grundsätzlich den Berlin-Marathon laufen möchte,  habe ich mich intensiv mit ihm beraten. Einen Aufschub der nun anstehenden Antibiotika-Behandlung bis nach dem Marathon empfielt er nicht. Das heißt, wenn ich heute mit der Behandlung beginne, endet diese am 08.09. und somit 16 Tage vor dem Marathon.

Im Gegensatz zu seinem Kollegen und hier schreibenden Kollegen/innen aus meinem Bloggerfreundeskreis und im Einklang mit meiner Dermatologien hält er ein generelles Sportverbot nicht für notwendig und sieht in einem Training im unteren bis mittleren Frequenzbereich kein Problem.

Nun stehe ich da und bin stinksauer. Über die vertane Zeit, über die vielen sich widersprechenden Aussagen und über mich selber, der anfänglich einfach die für mich angenehmste Diagnose hat gelten lassen und voller Zweifel, ob ich im niedrigen bis mittleren Frequenzbereich das Fundament für einen Marathon schaffen bzw. halten kann.

Heute werden ich noch einmal einen 20 km-Lauf in den hoffentlich der Vorhersage entsprechend einsetzenden Starkregen brennen. Die nächsten vier Tage komme ich nicht zum Laufen, weil ich nur auf Reisen bin. Danach werde ich einen moderaten Lauf unternehmen und schauen wir es mir nach den ersten fünf Tagen mit dem Antibiotikum geht. Gehts gut werde ich versuchen einen Spagat zwischen Schonung und ausreichendem Training hinzubekommen, gehts nicht, trete ich den Marathon in die Tonne.

Was für ein Sch…, als wenn die letzten Wochen nicht schon belastend und anstrengend genug gewesen wären. Im Moment weiß ich nicht einmal ob ich überhaupt noch Bock auf den Marathon habe. Vielleicht versuche ich meinen Startplatz einfach zu verticken. Jemand Interesse?

Dabei liefen trotz allen Stresses die letzten Laufwochen und -monate ausgezeichnet und erst vorgestern war ich ganz stolz, dass ich auch schon 4,4 km barfuß auf Asphalt laufen konnte.

Sorry, für diesen Frustpost, aber das mußte ich jetzt einfach loswerden.

Vorgezogen

Eigentlich wollte ich nach dem nicht ganz so locker gestandenden, langen Samstagslauf noch einen weiteren Tag pausieren. Aber wenn ein Umzug mit der Arbeitsstelle dermaßen in die Hose geht, weil am neuen Standort die Büromöbel noch gar nicht da sind und selbst wenn sie schon da gewesen wären, diese hätten gar nicht aufgestellt werden können, weil mein Büro und das Nachbarbüro wegen eines Türdurchbruchs noch Baustelle sind und man deshalb nichts anderes zu tun hat als 2/3 des Tages totzuschlagen und Süßigkeiten zu vertilgen, dann muß zwingend Bewegung her, um den Gemütszustand wieder ins Lot zu bringen.

Hat auch geklappt. Die Waden waren zwar noch nicht so locker wie Bisquitteig, aber auch nicht mehr so hart wie Salzteig. Ansonsten waren angenehme Frische und Ruhe an der Hunte genau das was ich gebrauchen konnte.

Gute 15 km zum Abreagieren, die, je weiter es dem Ende zuging, immer lockerer wurden. Und mit etwas Glück werde ich morgen im Laufe des Tages auch wieder ansatzweise arbeitsfähig sein.

Schulsport

Heute ist mal essig mit Laufen. Ich habe mir wohl Zug geholt und deswegen kellt mi dat Krüüz. Deshalb gönne ich mir zwei oder drei Tage Laufpause und kann aus diesem Grunde meine geneigte Leserschaft mal nicht mit meinen aufregenden Laufberichten in Atem halten. Andererseits habe ich so mal die Gelegenheit ein Thema aufzugreifen, dem ich mich schon seit längerer Zeit mal widmen wollte.

Ich lese es in Kommentaren zu diversen Blogbeiträgen immer wieder: Viele, die sich heute gerne sportlich betätigen, haben in ihrer Kindheit den Schulsport gehasst. Wie kommt das? Warum legt offensichtlich ausgerechnet der Schulsport häufig den Grundstein für eine teilweise lebenslange Unsportlichkeit bzw. Sportabstinenz?

Kann Sport nach Lehrplan mit entsprechender Benotung überhaupt funktionieren? Ist es beim Schulsport im Vergleich zu anderen Fächern nicht im besonderen Maße wichtig, den Einzelnen mit seinen individuellen Vorlieben und Talenten wahrzunehmen, zu unterstützen, zu fordern oder auch zu schützen?

Wie war das bei mir damals, warum habe ich den Schulsport gehasst wie die Pest?:

Was heute keiner mehr glaubt, als Kind war ich recht schüchtern und ängstlich. Darüberhinaus war ich dürre wie eine Bohnenstange und man konnte mir, wie es bei uns heißt, das „Vaterunser durch die Rippen blasen“ . Der Schulsport war schon alleine deshalb ein Albtraum für mich, weil ich damals mit sportlichen und kräftig gebauten Mitschülern, vornehmlich Jungs, nicht annähern mithalten konnte. Die Sportlehrer hatten  deshalb auch nur ein Auge für eben diese Schüler.

Was bei mir erschwerend hinzu kam war die Angst. Ich mochte als Kind nicht auf Bäume klettern, ich hätte ja runterfallen können, ich mochte nicht Rollschuhlaufen (für die junge Generation: Das sind so etwas wie Inlineskater bei denen die Räder wie bei einem Auto verteilt sind, 2 vorne, zwei hinten, allerdings hat man sich die Räder an einem Gestell unter die normalen Straßenschuhe geschnallt ), ich hätte ja hinfallen können.

So traute ich mich damals weder am Seil hochzuklettern, noch die Sprossenwand zu erklimmen. Beim Anlauf um über einen Kasten zu springen habe ich vor dem Kasten gebremst, aus Angst diesen nicht zu treffen und auf die Nase zu fallen. Ich war steif wie ein Brett und meine motorischen Fähigkeiten waren und sind mit dem Wort Grobmotoriker nur unzureichend beschrieben. Erkannt hat meine Angst in all den vielen Jahren Schulsport nur ein einziger Sportlehrer, den meine Klasse damals nur mal vertretungsweise hatte.

Alle andere waren auf dem Auge blind oder wollten es nicht sehen. Das ganze endete über die Jahre für mich in Bockigkeit, Unwillen und Verweigerungshaltung gegenüber dem Schulsport im besonderen und dem Sport im allgemeinen. Mangelndes Talent meets mangelndes Selbstvertrauen. Bei der Auswahl von Mannschaften blieb ich fast immer bis zum Schluß über. Bekam ich in einem Schulhalbjahr der Gnaden halber noch eine 3 im Sport, war diese im Halbjahr mit den Bundesjugendspielen nicht mehr zu halten und ich bekam eine 4.

So waren knapp zehn Jahre nach Ende der Schule für mich in Sachen Sport zehn verlorene Jahre.

Erst mit Mitte Zwanzig endeckte ich dann zunächst das Fitnessstudio für mich. Kein Verein, kein Vorturner, kein Gruppenzwang, kein Leistungsdruck. Ich konnte Sport machen, wie MIR es gefiel und fand Gefallen daran. Ein paar Jahre später kam dann, wie erst im vorletzten Post geschrieben, das Laufen in mein Leben. Über Jahre erarbeitete ich mir das Laufen zu dem was es heute für mich bedeutet. Wieder konnte ich laufen wie MIR es gefiel. Und ich hatte und habe Erfolge, die ich mir nie zugetraut hätte. Nein, keine Siege, keine Plätze auf den Treppchen, keine Temporekorde. Aber ich bin z. B. die berühmten 42,195 km gelaufen und sogar schon weiter.

Ich habe also noch die Kurve zum Sport und insbesondere zum Laufen gekriegt. Spät, aber nicht zu spät. Ich möchte den Sport, explizit das Laufen, heute nicht mehr missen!

Und wie war das jetzt bei Euch? Seid Ihr schon immer Sportskanone gewesen oder ging es Euch ähnlich wie mir? Wie waren Eure Erfahrungen mit dem Schulsport?