Das gab es noch nie

Sechzehneinhalb Jahre laufe ich nun schon! In all diesen vielen Jahren hat es so manche Laufpausen gegeben und soweit ich mich rückentsinnen kann, waren diese nie freiwillig. Entweder führten Verletzungen, Infekte oder kleinere OP`s zu entsprechenden Ausfällen, die ich immer mit mehr oder eher weniger Geduld ertragen habe. Und jetzt dies: Seit genau 15 Tagen habe ich nicht einen einzigen Laufschritt getan, ohne Grund, einfach so. Naja, nur fast ohne Grund. Die meisten der 15 Tage war ich in Berlin und da war es warm, sehr warm und schwül, teilweise sehr schwül und allein der Gedanke an ein sonnengeflutetes, schattenloses Tempelhofer Feld ließ jeden Gedanken ans Laufen in den abgründigen Tiefen meiner Seele verschwinden.

Stattdessen war ich die ersten Tag stinkenfaul und habe viel gegessen und geschlafen.

Draußen habe ich Sonnenuntergänge in lauer Sommerluft genossen.

Ich habe mich mit Freunden getroffen, war von ihnen zum Essen eingeladen, bin mit ihnen Essen gegangen und mit ihnen auf das ein oder andere Bierchen ausgegangen. Einmal habe ich das auch ganz alleine gemacht, einfach noch auf ein Bier in bzw. vor meine Stammkneipe und dem Treiben auf der Hermannstraße zugeschaut. Lediglich das Angebot zum Kiffen eines sehr launigen Tischnachbarn habe ich abgelehnt. Schließlich rauche ich ja nicht 😆

Unterwegs war ich aber auch. Z. B. in alten Kreuzberger Hinterhöfen, in denen in Werkstätten und Theatern das kreative Leben stattfindet…

… oder in den neuen U-Bahnhöfen im Herzen Berlins. Schick sind sie geworden:

Auf dem Wedding konnte ich unsere Vorräte an Likören der Preußischen Spirituosen Manufaktur wieder auffüllen:

Und am letzten Abend, auf dem Rückweg von einem meiner Lieblingslokale in Berlin, wo ich noch einmal tolle Stunden mit einem guten Freund verbracht habe, weinte ob des baldigen Abschieds sogar der Himmel Tränen.

Tränen ganz anderer Art vergoß ein Lindenbaum, unter dem mein Auto die eineinhalb Wochen in Berlin gestanden hat. Was für ein klebrige Angelegenheit 🙂

15 freiwillige Tage ohne Laufen, wie gesagt, dass gab es noch nie und ich habe es nicht einmal vermisst! Muß ich mir jetzt Sorgen machen? Ich hoffe nicht, nachher gehe ich nämlich laufen, versprochen! Wie könnte ich auch widerstehen, bei knapp unter 20 °, einer angenehmen Brise und ohne Schwüle 😀 Ich werde zu gegebener Zeit berichten, ob ich es noch kann 😎

Keem de Harfs mit Stormgebrus

Das extrem warme Wochenende stand unter dem Zeichen unserer alljährlichen Vorweihnachtsausstellung. Dem ordnete sich auch mein Laufen unter, sprich es fiel gänzlich aus. Samstag- und Sonntagnachmittag war unser Haus voll und ich bin auch so genügend rumgerannt.

Wie jedes Jahr auch diesmal ein paar Impressionen unserer Ausstellung:

Nach dem heutigen Arbeitstag juckten mir dann aber doch extrem die Füße und im letzten Tageslicht brach ich zu meiner Runde auf. Dabei war es erheblich herbstlicher als am Wochenende. Zwar immer noch sehr mild, aber stürmisch und teilweise regnerisch. Laub wirbelte umher und an der Hunte stürmte der Wind ordentlich von vorne. Norddeutscher Herbst wie er sein soll. In den Bäumen rauschte es, das Schilfgras an der Hunteböschung raschelte und die Graugänsen zogen laut rufend am dunkelgewordenen Himmel. Herrlich.

„Keem de Harfs mit Stormgebrus“ = „Kam der Herbst mit Sturmgebraus“. Diese Zeile aus dem Lied „Drees, de Wunnerdraken“ kommt mir in den Sinn. So es muß es sein, meine liebste Jahreszeit von ihrer allerbesten Seite.

09.11.15 01

Als sich der Regen zum Schluß des Laufs noch leicht verstärkt, hänge ich noch einen letzten Kilometer dran, komme schlußendlich auf 15 km Lauf- und Herbstgenuß. Die Natur weiß doch immer wieder aufs Neue zu begeistern. Ist es nicht genial, dass das nie aufhört?