Wo meine Sonne scheint

Vor meinem heutigen Lauf war ich doch tatsächlich etwas aufgeregt, wollte ich doch mal wieder etwas länger laufen. Anfang März hatte ich bisher das einzige Mal in diesem Jahr die 20 km-Marke gerissen und das mit 20,1 km auch nur so mit Ach und Krach. Ausgemessen hatte ich meine heutige Strecke nicht, nur grob im Kopf wo es langgehen sollte. Einfach loslaufen und mal gucken was es wird. Das Wetter dazu war Bombe. 22 – 24 Grad, etwas Wind und ab und zu mal ein paar Wölkchen. Aufgeregt war ich in erster Linie deshalb, weil ich nicht wußte, ob mein momentanes Gemüt das richtige für dieses Unterfangen ist, ob mein zur Zeit „schwindelerregendes“ Tempo auf längerer Strecke nicht noch weiter in den Keller gehen würde, ob ich überhaupt durchhalten würde und und und 😯

Da kam kurz vor meinem Start noch der Kommentar von Oliver auf meinen letzten Post rein, in dem er schrieb:

„Du machst Dir zuviel Kopf um Dinge die nicht funktionieren, statt wohlwollend das zu sehen was gut klappt. Du läufst, Du schwimmst, Du hast Deinen Humor nicht verloren“ und weiter „Bleib dran, selbst wenn es eine 8er Pace oder mehr ist, Hauptsache draussen sein und bewegen“

Diese Zeilen waren genau der richtige Arschtritt für mich um das Ding ruhig, locker und geschmeidig anzugehen. Und das funktionierte erstaunlich gut! 🙂 Tausend Dank, Oliver!

Los ging es ohne Sandalen zu erst noch etwas durch den Ortsteil Donnerschwee, hin zum Klärwerk, ab dem die Strecke an der Hunte startet. Dieser folgte ich sechs Kilometer, dann ging es ein kurzes Stück offroad. Wobei ich auf einigen hundert Metern die Wahl hatte zwischen zugewuchertem Weg oder Deichkrone mit kurios plattgedrücktem Gras. Ich entschied mich für erstes. Auf dem platten Gras ließ es sich nur wie Storch im Salat laufen.

Begleitet wurde ich auch mal wieder von einem Ohrwurm, dessen vier Titelworte ich ständig vor mich hin summte oder pfiff, blöderweise kannte ich nämlich nicht mehr vom Text. Darüberhinaus war ich lange Zeit damit beschäftigt darüber nachzudenken von wem dieses Machwerk stammte. Lange war ich mit Nana Mousmouri zufrieden, bis mir fast schon zum Ende des Laufs in den Sinn kam, dass es von Caterina Valente ist. Hach, die mochte ich immer gerne. Außerdem passte der Titel so gut zum Tag 🙂

Nach 11, 12 Kilomtern folgte ein erstes kurzes Päuschen im Schatten des Deichscharts.

Im Deichschart gab es eine Tür, auf der sich ein paar wenige kuriose Aufkleber befanden 🙂

Es folge noch ein kurzer Plausch mit einem jungen Radler-Pärchen, wobei es natürlich ums Barfußlaufen ging 😎 Kurze Zeit später der erste Hinweis auf meinen geplanten Zwischenstopp und zwei Kilometer weiter noch einer:

Dort gönnte ich mir einen chilligen Aufenthalt mit einem Stück Kirschstreuselkuchen (der göttliche Stachelbeer-Baiser-Kuchen war schon ausverkauft 😦 ) und einer kalten Zitronenbuttermilch. Ahhhhhhhhhhhhhh 😀

Außerdem kaufte ich noch eine Flasche Bananensaft für unterwegs. Eine gute Entscheidung, meine Halbliterpulle Mineralwasser neigte sich nämlich schon dem Ende zu. Ich hatte noch ein nettes Gespräch mit einer Wanderin, die feststellte, dass sie als Wanderin eine Exotin ist. Naja, das weite, platte Land mit seinen langen geraden Strecken lädt halt mehr zum Radeln ein (wobei wir beide über die E-Biker lästerten) und immerhin war ich als Läufer genauso ein Exot 🙂

Gut gestärkt und im Schatten erholt trabte ich weiter Richtung Kleiner Bornhorster See. Ein kurzes Bad mußte einfach noch sein. Wobei ich auf Schwimmeinlagen verzichtete, es war einfach zu voll. Außerdem muß laufen auch einfach mal reichen 😛

Zugeben, das Anlaufen nach dem Bad fiel mehr dann schon etwas schwerer, aber eigentlich klappte es mit dem lockeren Trab noch ganz gut und es war nun auch nur noch vier Kilometer. Als diese vorbei waren hatte ich 28 km auf dem Garmin-Tacho, von denen ich 22 km barfuß gelaufen bin.

Olivers Kommentar-Zeilen noch vor dem geistigen Auge nahm ich die Durchschnittspace mit 7:02 schmunzeln zur Kenntnis. Immerhin war es mein längster Lauf seit dem Berlin-Marathon im September 2018! Mit der Pause am Melkhus und dem Bad im Kleinen Bornhorster war ich fette fünf Stunden unterwegs. Bei meiner Ma habe ich dann noch gegen Viertel vor Acht ein halbes Blech Erdbeerkuchen verdrückt, die wohl späteste Tea-Time ever. Und mit eine der gierigsten 😀 Sch…egal, es war ein super Nachmittag/früher Abend und hat einfach nur gut getan 🙂

Morgenstund …

Erst schauen, dann lesen 😎

… sprach der besagte Deichläufer und trabte von dannen.

Ein kurzer Gewittersturm am Vorabend hatte dem Wärmewahnsinn zumindestens für ein paar Stunden den Garaus gemacht. Wie gesagt, dass mußte ausgenutzt werden und ich wurde reichlich belohnt für meine frühausteherische Heldentat.

Der 3,5 km von Zuhause entfernte Kleine Blankenburger See war der Startpunkt meines Laufs, der mich die ersten eineinhalb Stunden durch zauberhafte Frühnebelstimmung und durch Morgentau glitzernde Moor- und Wiesenwelten führte. Im Moor sorgte hohes, den Weg überwucherndes und klitschnaßes Gras für klitschnaße Füße und somit für ein paar Kilometer für eine willkommene, zusätzliche Erfrischung.

Mit steigender Sonne verschwand diese wunderbare Fabelwelt aus Nebel und Tau und ich wechselte auf die Huntestrecke. Trotz der traumhaft moderaten Temperaturen floß der Schweiß in Strömen und ich gönnte mir nach 17 km zwei Salztabletten aus dem superpraktischen Behältnis aus dem Haus Runningblog, das mir vor kurzem ins Haus geschickt wurde. Danke noch einmal an dieser Stelle, liebe Elke 🙂

Wieder weg von der Hunte ging es auch schon langsam auf die Schlußkilometer dieses kurzweiligen und längsten Brummers seit dem Hermannslauf Ende April. Nach gut 31 km im moderaten Tempo (zu mehr wäre ich aber auch nicht fähig gewesen 😉 ) kurvte ich auf den Parkplatz des Kleinen Bornhorster Sees. Uhr abgedrückt, Laufrucksack ins Auto, Handtuch gegriffen und dann ab in die Fluten!

Was hatte ich mich auf diese Erfrischung gefreut! Ca. eine halbe Stunde plantschte ich vor mich hin und machte sogar ungefähr soviel Schwimmzüge wie ich Kilometer gelaufen bin 😆

Dann ging es ab nach Hause. Superzufrieden darüber, dass ich diese idealen Bedingungen genutzt hatte und so einen Lauf erleben durfte, der mir nicht eine Sekunde schwer fiel, trotz nur eines Bechers Tee und eines Bechers Vla vorweg und zwei Cola-Gels während des Laufs. Ich würde sagen,  der (späte) Auftakt der Marathonvorbereitung mehr als geglückt.