Kampf

Meine Depri hat mich zur Zeit wieder stärker im Griff und es ist dadurch wieder ein verstärkter Kampf den Alltag zu bestehen, während ich mich doch am liebsten an einen einsamen stillen Ort zurückziehen würde. Da ist es auch nicht gerade förderlich, dass sich das Laufen für mich zur Zeit auch nicht sonderlich leicht anfühlt. Zwar sind meine Beschwerden in den Achillesfersen nur noch hintergründig vorhanden, aber das Laufen fühlt sich zur Zeit einfach beschwerlich an und das Tempo ist sehr langsam.

Trotzdem ist es mir gelungen, diese Woche wieder einmal knapp die 50 km-Marke zu knacken und auch immer wieder etwas schwimmen zu gehen. Wie am Montag bei Dauerregenwetter, wo es am herrlich leer war und der See in der kühlen Luft vor sich hin dampfte.

Nach dem Dauerregen stand das Wasser teilweise noch tagelang auf den Wiesen, aber die Luft war für Mensch und Tier wieder etwas angenehmer. Auch wenn ich beim Laufen schwitzte wie die S.. 🙂

Zum Ausklang der Laufwoche widerstand ich dem Ruf ins Gotteshaus (ich liebe das Geläut der Ohmsteder Kirche, auch wenn es in dem Handy-Video etwas schepprig klingt) …

… und lief lieber in Gottes Natur, obwohl die aufgrund des schönes Wetters recht bevölkert war. Speziell am Kleinen Bornhorster See war schon am Vormittag viel Betrieb bei bester Badestimmung. Deshalb reichte auch ein kurzer Sprung in die Fluten, bevor ich mich wieder nach Hause trollte.

Dieser Lauf fühlte sich immerhin schon einmal wieder etwas besser an. Irgendwann muß es ja wieder aufwärtsgehen und wird es auch. Bis es soweit ist wird eben gekämpft 🙂

Was macht eigentlich…

… des Deichläufers Depri? Ich kann mit Sicherheit sagen, dass das tiefe Tal der Tränen erst einmal weitestgehend durchschritten ist. Ich fühle mich um einiges besser, kann wieder schlafen (eigentlich könnte ich sogar nur noch schlafen, schlafen und nochmals schlafen) und meinen Gewichtsverlust habe ich auch schon wieder zu ca. 2/3 wettgemacht. Nach über einem Vierteljahr Krankschreibung befinde ich mich in der siebten Woche meiner achtwöchigen Wiedereingliederung und es läuft ganz gut. Die ersten vier Wochen brauchte ich nur drei Stunden täglich arbeiten, dass war ein Segen! In den letzten vier Wochen sind es jetzt sechs Stunden täglich, bevor ich in eineinhalb Wochen dann wieder ganz normal arbeite.

Ich nehme weiter täglich meine „Glücklichmacherpille“ und stemme mich weiterhin mit psychotherapeutischer Hilfe gegen das Ungemach dieser Tage. Das dieser C-Irrsinn mit all seinen Einschränkungen weiterhin nicht gerade hilfreich ist, dürfte klar sein. Auf der Arbeit bedrückt mich die Atmosphäre. Wechselweise befinden sich Kollegen im Homeoffice, die andere Hälfte drückt sich in den Büros rum. Das Gebäude ist für Publikum geschlossen. Persönliche Gespräche finden kaum statt und sollen auch unterbleiben und über nahezu gespenstisch leere Flure und Treppenhäuser wird mit Masken gehuscht. Schlimm. Desweiteren dämpft mich die Tatsache, dass nach dem grauenhaften Winter der Frühling nicht in die Füße kommt. Kälte, Frost und Glätte am Morgen, tagsüber ein Hagelschauer nach dem anderen. Es nervt. Immerhin ist es schon wieder lange hell und die kalte Luft ist sehr klar und läßt die Frühlingsfarben der erwachenden Natur sehr intensiv erscheinen.

Wenn ich nicht mit Torben laufe oder mit Jens gemeinsam starte, muß ich mich in Sachen Laufen teilweise ziemlich überwinden und mir manchmal innerlich kräftig in den Arsch treten um nicht den Schlendrian einreißen zu lassen. Wie auch heute. Wieder nur um die sechs Grad und jedesmal wenn ein Hagelschauer runterkommt, wird es in der Zeit noch kälter. Da das Sofa und die Decke gegen Laufklamotten, Mütze, Handschuhe und Sandalen einzutauschen und loszutraben ist Schwerstarbeit, obwohl ich doch genau weiß, was kommt, wenn ich denn erst einmal unterwegs bin. Immerhin wurde meine heldenhafte Aktion mich laufend in Bewegung zu setzen mit Trockenheit und ausbleibenden Eisbombardement belohnt. Allerdings nur ganz knapp:

Auch bleibt mir der Blick für die Schönheit der Natur, die Frühlingsfarben und die Lichtstimmungen am Himmel erhalten und nach einigen Kilometern bin ich drin im Lauf, den ich aber auch gerne zum Ablichten all dessen kurz unterbreche. Diese kurzen Stopps störten mich noch nie.

Nach viereinhalb Kilometern wandern die Sandalen ins Heckabteil, die Huntestrecke habe ich heute auch mal wieder fast für mich allein und die störende Kälte stört nicht mehr. Zum Abschluß der 15 km ist es dann wie (fast) immer, der Lauf war toll, ich bin frischluftgeflutet und es hat Spaß gemacht. Nicht umsonst wird Laufen als der perfekte Sport bei Depressionen gepriesen und ich freue mich schon auf die Zeit, wo das Laufen es wieder alleine schafft, ohne Pillen und Therapie. Aber bis dahin werde ich mir wohl trotz allem Wissen noch das ein oder andere Mal in den Hintern treten müssen. Aber solange auch das erfolgreich ist … 🙂